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	<title>Derangierte Einsichten &#187; wirtschaft</title>
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	<description>Geschreibsel, Kommentare und Kritik</description>
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		<title>Den Munde abgespart</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 17:40:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[wirtschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetNun wird in Griechenland also ein Ehemaliger der EZB den Sparkurs durchziehen, während in Italien Berlusconi sein Amt niederlegt, um den Sparkurs durchzubringen. Allein letztere Endwicklung sollte stutzig machen, ist doch Silvio nicht gerade als Landesretter bekannt, sondern eher als jemand, dem sein eigenes Hemd näher ist. Aber das ändert nix, die Entwicklung geht weiter. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton4163" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D4163&amp;text=Den%20Munde%20abgespart&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2011%2F11%2Fden-munde-abgespart%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Nun wird in Griechenland also ein Ehemaliger der EZB den Sparkurs durchziehen, während in Italien Berlusconi sein Amt niederlegt, um den Sparkurs durchzubringen. Allein letztere Endwicklung sollte stutzig machen, ist doch Silvio nicht gerade als Landesretter bekannt, sondern eher als jemand, dem sein eigenes Hemd näher ist.</p>
<p>Aber das ändert nix, die Entwicklung geht weiter.<br />
<span id="more-4163"></span><br />
Deutschland hat es vorgemacht: sinkende Reallöhne für die ärmere Bevölkerung, stagnierende solche für den Mittelstand. Das Land selbst zum Niedriglohnland machen und die Kohle für die Firmen dann aus dem Ausland holen – Deutsche haben das Geld ja nicht. </p>
<p>Natürlich stimmt die Produktivität, aber belohnt wird sie nicht. Stattdessen müssen soziale Leistungen eingespart werden, weil die Großverdiener Steuerschlupflöcher kriegen oder ihre Banken in den Sand setzen.</p>
<p>Und an diesem deutschen Wesen soll Europa genesen. Nur: wer kauft deutsche Exporte, wenn die anderen Länder genausowenig Kaufkraft haben wie wir selbst? Egal. Wichtig ist, dass der Sparkurs als einzig mögliche und unumgängliche Notwendigkeit verkauft wird. Stattdessen Investitionen und Geld in die Bevölkerung zu leiten, um den Konsum anzukurbeln? Ach was.</p>
<p>In Hamburg steht eine Schuldenuhr. Die Schulden der Stadt wachsen pro Sekunde um 23 Euro. Das Vermögen der reichsten 10% wächst in derselben Zeit um 230 Euro. Sparen muss man aber an den Armen, weil die Reichen ja der angebliche Motor der Beschäftigung sind und die Gewinne alle auch durchtropfen durch alle Schichten. Wie gesagt, angeblich.</p>
<p>Ich halte dieses Vorgehen für fatal. Anstatt das Land, die EU zu stärken, wird Raubbau betrieben &#8211; und daran verdient natürlich.</p>
<p>Wenn ich in arge Geldnot geriete, würde ich trotzdem nicht meinen Laptop verkaufen, denn den brauche ich einfach für die Arbeit. Es wäre idiotisch, meine Fähigkeit, in Zukunft Geld zu verdienen, durch hektischen Ausverkauf zu gefährden. Aber genau das wird auf Staatsebene getan.</p>
<p>Und mein Laptop geht dabei nicht mal auf die Straße.</p>

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		<title>Griechenland, zu Tode gerettet</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 10:48:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetGriechenland braucht dringend Geld und offenbart damit die geistige Armut der europäischen und internationalen Führungsschichten. Hier wird nur geholfen, wenn den Ideen des Internationalen Währungsfonds Genüge getan wird, und dieser dient dazu, den Banken und Finanzinstituten die Taschen zu füllen und nicht etwa, das Land zu retten. Johann Hari hat ein paar passende Beispiele für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton3853" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D3853&amp;text=Griechenland%2C%20zu%20Tode%20gerettet&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2011%2F06%2Fgriechenland-zu-tode-gerettet%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Griechenland braucht dringend Geld und offenbart damit die geistige Armut der europäischen und internationalen Führungsschichten. Hier wird nur geholfen, wenn den Ideen des Internationalen Währungsfonds Genüge getan wird, und dieser dient dazu, den Banken und Finanzinstituten die Taschen zu füllen und nicht etwa, das Land zu retten.</p>
<p>Johann Hari hat ein paar <a href="http://johannhari.com//2011/06/02/its-not-only-strauss-kahn-who-should-be-on-trial-its-the-imf-itself" target=_blank>passende Beispiele</a> für diese Fehlpolitik (Gesundheitswarnung wegen Vergewaltigungssprache durch Vergleich mit Strauss-Kahn). Aber kurz gefasst sieht es so aus:<br />
<span id="more-3853"></span><br />
Um Hilfsgelder zu erhalten, wird die griechische Regierung gezwungen, jegliche normale Regierungstätigkeit einzustellen. Anstatt dem Volk Mittel zu geben und damit die Konjunktur anzukurbeln, soll das Land rigoros sparen und kürzen und Sozialleistungen sowie Investitionen verringern. </p>
<p>Das hilft nur leider überhaupt nicht, um einen Wirtschaftskreislauf in Gang zu bringen oder zu halten. Stattdessen verpflichtet sich das Land üblicherweise, zuerst die Kredite zu bezahlen und das Geld, was für Hilfsmaßnahmen gedacht ist, in die Taschen der Banken zu ziehen. </p>
<p>Auch Griechenland soll sparen. Und das Volk weiß, wie bescheuert diese Idee ist. Also soll die Regierung nun die falsche Politik gegen den Willen des demonstrierenden Volkes durchsetzen: das Land kaputtsparen und die Regierung gleich mit stürzen. Alles egal, Hauptsache man kann weiter an der falschen Idee des schlanken Staates festhalten, vom ganz alleine florierenden Markt. Land um Land geht diese Politik schief, aber wo Banken das Sagen haben, lernt man nicht dazu.</p>
<p>In der Tat sollen die Banken ja vielleicht auch helfen. Wenn sie wollen. Ohne Drang, ohne Zwang, ohne Druck. Aber Banken können keine Wirtschaft retten, denn Banken produzieren nicht. Sie wirtschaften ja kaum. Sie finanzieren. Doch diese Idee gehört der Vergangenheit an. Inzwischen schaffen Banken Wert, indem sie neue Finanzprodukte erfinden und darauf wetten, dass andere Produkte fehl schlagen.</p>
<p>Und zu diesem Rhythmus tanzt der IWF. Und die EU wippt im Takt. Nein, heißt es, erst muss das Sparpaket raus, vorher gibt es kein Geld. </p>
<p>Da steht jemand vor einem brennenden Haus und sagt, dass es erst dann Wasser gebe, wenn die Feuerwehr entlassen ist. </p>
<p>Griechenland wird wahrscheinlich noch mehr sparen. Griechenland wird dann trotz Hilfspaket nicht aus der Misere kommen. Und wenn das nächste Land um Hilfe schreit, wird auch Griechenland vergessen sein, und derselbe Unsinn erneut beginnen.</p>
<p>Wo der freie Markt Ideologie ist, ja sogar Dogma geworden, da gibt es eben keinen Lerneffekt. Der ist unerwünscht. Die Griechen? Sind dabei egal.</p>

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		<title>Der Schaden von Internet-Piraterie</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Oct 2010 10:58:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetWer 4chan nicht kennt: einfach googeln und ins Unterforum /b/ gehen. Oder lieber doch nicht, denn da gibt es viele, nicht bürotaugliche Bilder und Beiträge. Aber das Forum ist riesig und eine große Anlaufstelle für Jugendliche und Internetler generell. In einem inzwischen gelöschten Thread veröffentlichte jemand die kompletten 5 Bände des Comics Underground von Jeff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton2388" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D2388&amp;text=Der%20Schaden%20von%20Internet-Piraterie&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F10%2Fder-schaden-von-internet-piraterie%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Wer 4chan nicht kennt: einfach googeln und ins Unterforum /b/ gehen.</p>
<p>Oder lieber doch nicht, denn da gibt es viele, nicht bürotaugliche Bilder und Beiträge. Aber das Forum ist riesig und eine große Anlaufstelle für Jugendliche und Internetler generell. In einem inzwischen gelöschten Thread veröffentlichte jemand die kompletten 5 Bände des Comics <em>Underground</em> von Jeff Parker und Steve Lieber. </p>
<p>Steve Lieber fand den Thread.<br />
<span id="more-2388"></span><br />
Er loggte sich ein und sagte: &#8220;He, das ist das Internet, lass die Scans stehen. Falls jemand Fragen hat, raus damit, ansonsten könnt ihr unser Buch von unserer Webseite kaufen.&#8221;</p>
<p>Und etwas später dann <a href="http://www.undergroundthecomic.com/2010/10/whole-book-for-free-or-learning-something-from-4chan/" target=_blank>entschloss er sich</a>, das Buch als PDF kostenlos ins Netz zu stellen (und bald sogar ein &#8220;echtes&#8221; Comic-Format anzubieten.</p>
<p>Kurz vorher war <em>Underground</em> bei BoingBoing besprochen wurden, fairerweise ohne direkten Link auf Steves Webseite (nur zu Amazon).</p>
<p>Und kurz danach veröffentlichte er dann einen Beitrag mit dem Titel: <a href="http://www.undergroundthecomic.com/2010/10/pictures-help-us-learn/" target=_blank>von Bildern lernen</a>, unter anderem mit dieser Grafik:</p>
<p><img src="http://p-pricken.de/uploads/2010/10/boingchan1.jpg" alt="" title="boingchan1" width="586" height="354" class="aligncenter size-full wp-image-2389" /></p>
<p>Durch die kostenlose Verbreitung des Comics (und zweifellos sein Verhalten im Thread) gab es tatsächlich einen enormen Verkaufssprung. Wie auch schon bei Musik wieder und wieder festgestellt, und wohl auch bei Film gilt: Entscheidend ist heute, dass potentielle Kunden deine Produkte überhaupt finden und sehen und einen Eindruck kriegen. Und je mehr das tun, desto mehr kaufen auch. Selbst, wenn sie es kostenlos haben könnten.</p>
<p><img src="http://p-pricken.de/uploads/2010/10/underground.jpg" alt="" title="underground" width="255" height="293" class="alignleft size-full wp-image-2390" /><em>Underground</em> ist übrigens ziemlich gut, eine spannende Höhlengeschichte mit einem glaubwürdigen Heldenduo (männlich/weiblich), bei der die höhlenkletternde Frau so einen Körperbau haben darf, wie hier zu sehen ist. Toll gezeichnet, kann man auf jeden Fall kostenlos lesen und ziemlich sicher auch Geld für bezahlen.</p>
<p>Aber überzeugt euch selbst – lest die PDF und, wenn es gut genug ist, wenn ihr Autor oder Zeichner mögt, kauft. Und gebt die PDFs an Freunde weiter, damit die vielleicht auch&#8230; </p>
<p>Dies ist das Internet. Teilen ist Gewinn, kein Verlust.</p>

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		<title>Doch mal was zur Ölpest</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 09:47:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TweetWährend BP versucht, sich mit unnötig vom Öl befreiten Vögeln in ein etwas besseres Licht zu rücken, möchte ich auf ein paar Dinge hinweisen, welche den immer noch sprudelnden Ölvulkan noch ein wenig mehr kontextualisieren soll. BP hat ja ohnehin unheimlich viel versprochen: dass so etwas wie das, was da vor der US-Küste passierte, nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton2010" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D2010&amp;text=Doch%20mal%20was%20zur%20%C3%96lpest&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F07%2Fdoch-mal-was-zur-olpest%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Während BP versucht, sich mit <a href="http://www.spiegel.de/international/world/0,1518,693359,00.html" target=_blank>unnötig vom Öl befreiten Vögeln</a> in ein etwas besseres Licht zu rücken, möchte ich auf ein paar Dinge hinweisen, welche den immer noch sprudelnden Ölvulkan noch ein wenig mehr kontextualisieren soll.<br />
<span id="more-2010"></span><br />
BP hat ja ohnehin unheimlich viel versprochen: dass so etwas wie das, was da vor der US-Küste passierte, nicht passieren könnte; dass sie eine solche Eruption <a href="http://scienceblogs.com/dispatches/2010/06/i_bet_bp_can_leg_press_2000_po.php?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed:+scienceblogs/dispatches+(Dispatches+from+the+Culture+Wars)" target=_blank>problemlos beheben</a> könnten. Gleichzeitig wurden Warnsignale nicht gehört, Kontrollen verschleppt, und wahrscheinlich Unmengen an Schmiergelden (ha!) bezahlt. Da passt es, dass <a href="http://scienceblogs.com/dispatches/2010/06/bps_safety_record_worse_than_y.php" target=_blank>BP für 97%</a> aller fahrlässigen schweren Verstöße (willful and egregious) in ihrer Branche in den USA verantwortlich ist.</p>
<p>Gleichzeitig werdemn in <a href="http://www.boingboing.net/2010/06/14/more-oil-spilled-in.html" target=_blank>Nigeria</a>, wo Ölpipelines das Land zieren, jedes Jahr ähnliche Mengen an Öl in die Natur abgegeben, ohne dass es einen Aufschrei gibt. Da leben eben, so könnte man zynisch sagen, nur Neger und keine US-Amerikaner.</p>
<p>Noch etwas zeigt diese Ölpest aber: es ist notwendig, das Eigentum an Meeren zu klären. Denn ohne klare Besitzrechte entsteht hier das Allmende-Problem: jeder kann die Ressource »Natur« nutzen, aber wenn BP sie fahrlässig und in großem Maße verbraucht, dann ist niemand da, der sie dafür belangen kann. Fische klagen nicht auf Schadenersatz, und das bedeutet, dass BP selbst mit dem Fonds von 20 Milliarden Dollar gut wegkommt – immerhin ist das gerade mal ein Jahresgewinn. Und das ist schon so hart, dass die Firma all ihre politischen Freunde in den USA aufgefahren hat, um gegen diese Strafzahlung zu protestieren. Dabei geht der Langzeitschaden für die Küstenbewohner, aber auch für die Ressource Natur, wahrscheinlich weitest über diese Summe hinaus.</p>
<p>Ein ähnliches Problem gibt es ja bei der Luftverschmutzung und dem Klimawandel, weshalb die CO2-Zertifikate versteigert werden sollen. Sieht man sich natürlich an, wie schleppend diese eigentlich gute Lösung umgesetzt wird – schleppend genug, um womöglich (bezahlten?) Kritikern die Chance zu geben, das Ganze wieder als angeblich nutzlos zu kippen, bevor es wirklich umfassend greifen kann –, habe ich für eine ähnliche Lösung bzgl. der Weltmeere keine große Hoffnung.</p>
<p>In dem Maße, wie leicht erreichbare Ölvorkommen erschöpft werden, müssen Unternehmen wie BP gleichzeitig auf riskantere Förderstellen ausweichen, und so etwas wie jetzt gerade im Golf von Mexiko wird sich angesichts des Kostendrucks und der korrupten oder nicht existenten Aufsichtsbehörden definitiv wiederholen. Und dann darf man wieder zetern und mit der Faust drohen, aber nutzen wird das nichts.</p>
<p>Und in Nigeria darf das Öl ohnehin versickern. Bei den Schwarzen sieht man ja nicht mal, wenn die ölig sind.</p>

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		<title>Fußballer-Ethik</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 19:28:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TweetBei der WM hat es ja nun einige Fehlentscheidungen gegeben, und die Rufe nach einer Überprüfung von strittigen Szenen durch Fernsehbilder werden lauter. Ob sich Sepp Blatter allerdings wirklich dazu bringen lässt, eine solche Instant-Replay-Regelung einzuführen, ist ungewiss. In der Diskussion um den – in meinen Augen längst fälligen – Videobeweis jedoch gibt es auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton1997" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D1997&amp;text=Fu%C3%9Fballer-Ethik&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F06%2Ffusballer-ethik%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Bei der WM hat es ja nun einige <a href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/28/crowdsourcing-betr-schiedsrichter-fehler-bei-der-wm-videobeweis/" target=_blank>Fehlentscheidungen</a> gegeben, und die Rufe nach einer Überprüfung von strittigen Szenen durch Fernsehbilder werden lauter. Ob sich Sepp Blatter allerdings wirklich dazu bringen lässt, eine solche Instant-Replay-Regelung einzuführen, ist <a href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/28/sudafrika-tag-24-das-schiedsrichterproblem-und-das-schweigen-der-schlemmer/" target=_blanK>ungewiss</a>. In der Diskussion um den – in meinen Augen längst fälligen – Videobeweis jedoch gibt es auch immer wieder das Argument, die Spieler könnten ja selbst zugeben, wenn sie bspw. mit der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=O5WhHdT3abA" target=_blank>Hand</a> ein Tor erzielt hat. Gleichzeitig heißt es als Gegenargument, das könne man von den Spielern nicht verlangen, wo es doch um so viel Geld ginge.</p>
<p>Und da regt sich dann in mir doch Widerspruch.<br />
<span id="more-1997"></span><br />
Ethik ist heutzutage oft eher eine Sache für den Feierabend. Die Wirtschaft, so wird gerne gesagt, sei kein Ort für Ethik. Wann immer es um viel Geld geht, muss die Ethik draußen bleiben – so auch bei der WM? Ich denke nicht. Vielmehr ist es gerade dann wichtig, ethische Grundsätze zu befolgen.</p>
<p>Die Fußballspieler bei der WM sind Vorbilder, und zugleich sind sie Spiegelbilder der Gesellschaft. Und in dieser Gesellschaft, die sie zeigen, zählt anscheinend nur der Erfolg, und wenn man dazu betrügen muss, wenn man Tätlichkeiten vortäuscht, indem man sich ans Gesicht fasst und fallen lässt; wenn man klare Tore nicht als solche deklariert oder Fouls nicht eingesteht, dann wird das vom Zuschauer vor dem Fernseher zwar mit Unmut begrüßt, aber in der Regel auch nur, wenn der betreffende Spieler nicht dem eigenen Land angehört. Schlimmer aber noch: diese Taten bleiben ungestraft.</p>
<p>Hier ist der Knackpunkt zu sehen. Es wäre wünschenswert, wenn Spieler ihre Verstöße zugäben oder unterließen, um einen gerechteren Sport zu ermöglichen und auch bessere Vorbilder zu sein. Nun ist es aber ohnehin schon viel verlangt, dass Menschen allein aus dem Gefühl ethischer Notwendigkeit heraus auf einen Vorteil verzichten sollen – so etwas erreicht man i.d.R. nur bei ethisch sehr reflektierten und vorgebildeten Personen. Man müsste Fußballer also mindestens einer intensiven Ethik-Schulung unterziehen – und selbst dann hätte man nicht die Garantie, dass sie die für Fairness notwendigen Prinzipien akzeptieren.</p>
<p>Die zweite Möglichkeit, ethisches Verhalten zu bekommen, ist der Zwang bzw. ein Belohnungssystem. Zwang führt dazu, dass oberflächlich vielleicht so gehandelt wird, wie man es wünscht, aber sobald die Gefahr der Bestrafung nicht groß genug ist, wird unter der Hand das getan, was den größten Vorteil bringt. Ergo verdeckte Fouls. Aber Bestrafung kann zumindest helfen und mögliche Übeltäter zögern lassen und zwar umso besser, je besser die Kontrolle von Missetaten ist – ein Argument für den Videobeweis könnte also sein, dass die Gefahr nachträglicher Bestrafung oder Tor-Aberkennung dazu führt, dass Spieler von vorneherein weniger Tätlichkeiten begehen oder Handspiele zugeben.</p>
<p>Besser noch wäre eine Belohnung für ethisches Verhalten, damit die Spieler sogar einen Anreiz haben, offen richtig zu agieren. Beispielsweise könnte man, wenn der Spieler ein Handspiel auf Nachfrage zugibt, von einer Karte absehen. Oder man arrangiert einen Turnierbaum so, dass die sieben besten und die fairste Mannschaft ins Viertelfinale einer WM einziehen. Mit anderen Worten müsste man die Spielregeln so verändern, dass auch die betrügerischen Spieler, die nur auf den eigenen Vorteil aus sind, geneigt sind, ehrlich zu bleiben. </p>
<p>Mindestens aber müsste man den Spielern, die grundsätzlich ehrlich sind oder gerne wären, entsprechende Konsequenzen androhen. Das passiert aber nicht. Und wenn der Spieler die Wahl hat, ein Handtor zuzugeben und dadurch nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren, dann ist selbst eine ehrliche Haut manchmal nicht in der Lage, das Richtige zu tun – es drohen das Ausscheiden der Mannschaft, der Spott der Teamkollegen und Vorwürfe der Heimatpresse, und selbst wenn es nachher aufgedeckt wird, erfolgt nicht einmal eine persönliche Bestrafung, geschweige denn eine Strafe für die Mannschaft. </p>
<p>Auch hier gleicht also die WM der freien Wirtschaft und den Finanzmärkten, denn die Spielregeln dieser Bereiche sind so ausgelegt, dass sie unethisches Verhalten belohnen und ethisches Verhalten bestrafen, aber trotzdem verlangen manche individuell ethisches Verhalten – eine Illusion, die höchstens von selten starken Personen erfüllt wird –, und andere ziehen daraus den Schluss, ethisches Verhalten sei hier generell fehl am Platze. Beides stimmt nicht.</p>
<p>Aber darum ist ein Verweis auf die Spieler und deren Verantwortung auch kein Argument gegen den Videobeweis. </p>

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		<title>Hartz IV wider die Verfassung?</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 10:49:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TweetDas Bundesverfassungsgericht hat seine Bedenken an der aktuellen Regelung zu Hartz IV verlauten lassen. In der Tat ist es seltsam, dass in der Politik anscheinend das Recht auf menschenwürdiges Leben gelten kann, ohne dass man genau beziffert, was das heißt – abgesehen davon, 20 zu viel ausgezahlte Euro von den Hartz-IV-Empfängern zurückzufordern. Damit tut sich aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton1462" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D1462&amp;text=Hartz%20IV%20wider%20die%20Verfassung%3F&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F02%2Fhartz-iv-wider-die-verfassung%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Das Bundesverfassungsgericht hat seine Bedenken an der aktuellen Regelung zu <a href="http://www.tagesschau.de/inland/hartzvierurteil102.html" target=_blank>Hartz IV</a> verlauten lassen. In der Tat ist es seltsam, dass in der Politik anscheinend das Recht auf menschenwürdiges Leben gelten kann, ohne dass man genau beziffert, was das heißt – abgesehen davon, 20 zu viel ausgezahlte Euro von den Hartz-IV-Empfängern zurückzufordern.</p>
<p>Damit tut sich aber noch ein anderes Problem auf.<br />
<span id="more-1462"></span><br />
Es gibt Leute, die arbeiten, und am Monatsende weniger Geld zur Verfügung haben als Hartz-IV-Empfänger. Ich kenne sogar welche. Problematisch ist das schon jetzt; wenn aber nun festgestellt wird, dass der Hartz-IV-Beitrag zumindest überprüft werden und in manchen Teilen sicher angehoben werden muss, wird für diese Leute noch einmal akut, dass der Staat Schwachen hilft, aber den vermeintlich Schwächsten gerade nicht – nämlich ihnen, die Arbeit haben und sie nicht verlieren wollen, aber dann womöglich wirklich vom Arbeitslohn kein menschenwürdiges Leben führen können. Daran kann ein Niedriglohn schuld sein, wie z.B. für FriseurInnen, oder Krankheit, oder geerbte Schulden, oder eine Kombination daraus.</p>
<p>Und nun stellen wir uns die Frage, wie die Existenz dieser Personen sich auf Hartz-IV-Empfänger auswirkt – wenn man ohnehin sparen muss, ist es dann verführerisch, für noch weniger Geld arbeiten zu gehen? Oder vielleicht neben Hartz IV noch etwas hinzu zu verdienen?</p>
<p>Ich bin absolut dafür, dass jeder Mensch menschenwürdig leben können muss. Für mich sieht es momentan nur so aus, als würde dies für Hartz-IV-Empfänger gelten, nicht aber für Arbeitende. Die Lösung sollte nicht sein, deswegen Hartz-IV-ler auch nicht zu schützen – aber wie kann die Lösung aussehen? Ein Mindestlohn, da ist man sich unter Wirtschaftswissenschaftlern ziemlich einig, führt primär zu noch höherer Arbeitslosigkeit und damit staatlicher Belastung. Auch ein fehlender Anreiz, in den Beruf zurückzukehren, führt zu staatlicher Belastung. </p>
<p>Der Staat braucht arbeitende Menschen, um all die Dinge bezahlen zu können, die er leistet. Seine Politik muss darauf gerichtet sein, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu schaffen. Eine Erhöhung von Hartz IV allein geht jedoch in die andere Richtung und muss trotzdem – wenn für menschenwürdiges Leben nötig – erfolgen. Wie also fängt man diesen Effekt auf, wenn Mindestlöhne tabu sind?</p>
<p>Eine gute Frage. Wer kann sie beantworten?</p>

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		<title>Skepcheck: Zeitgeist</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 05:59:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[11. September]]></category>
		<category><![CDATA[kritisch denken]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>
		<category><![CDATA[skepsis]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorie]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetSpätestens, seit mir beim Blutspenden jemand davon erzählte, ist mir die Stellung des Films Zeitgeist bewusst geworden. Auf deutsch kann man den Film im Verschwörungsportal von infokrieg.tv sehen, auch wenn ich das nicht empfehlen würde – das sind zwei Stunden, die man nicht so schnell zurückkriegt. Besser ist es, man startet mit der Zusammenfassung auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton1420" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D1420&amp;text=Skepcheck%3A%20Zeitgeist&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F01%2Fskepcheck-zeitgeist%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Spätestens, seit mir beim Blutspenden jemand davon erzählte, ist mir die Stellung des Films <em>Zeitgeist</em> bewusst geworden. Auf deutsch kann man den Film im Verschwörungsportal von <a href="http://www.infokrieg.tv/zeitgeist_deutsch.html" target=_blank>infokrieg.tv</a> sehen, auch wenn ich das nicht empfehlen würde – das sind zwei Stunden, die man nicht so schnell zurückkriegt. Besser ist es, man startet mit der Zusammenfassung auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitgeist_(Film)" target=_blank>Wikipedia</a>. <em>Zeitgeist</em> ist ein enorm erfolgreiches Internet-Phänomen, und Skeptiker sollten sich wohlweislich damit beschäftigen, die Aussagen in diesem Film zu prüfen und zu bewerten – denn es könnte ja auch sein, dass sie der Wahrheit entsprechen.</p>
<p>Leider ist der Film auch ein gutes Beispiel typischer Argumentationsweisen, nämlich eine Fülle von Zitaten und Behauptungen zu präsentieren. Diese Fülle kann man gar nicht komplett aufnehmen, geschweige denn ad hoc prüfen und bewerten. Und selbst wenn ein Großteil als unwahr erkannt würde, bleibt trotzdem der Eindruck einer überwältigenden Beweislast für die Behauptungen des Films. In gewisser Weise ist es also eine Sisyphos-Arbeit, die man vor sich hat – zumal die Macher von <em>Zeitgeist</em> relativ dreist behaupten, gefundene Unwahrheiten seien bewusst in den Film integriert worden, um das kritische Denken der Zuschauer zu testen. Das ist angesichts der Masse an Behauptungen einfach nicht plausibel.<br />
<span id="more-1420"></span><br />
<a href="http://p-pricken.de/uploads/2008/12/skepcheck.jpg"><img src="http://p-pricken.de/uploads/2008/12/skepcheck.jpg" alt="" title="(c) Peter Schütte" width="109" height="150" class="alignright size-full wp-image-80" /></a><strong>Die Behauptungen</strong>: Das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht die Wikipedia-Seite zitieren will. Im Grunde möchte der Film den Zuschauern die &#8220;Augen öffnen&#8221; und über Verschwörungen aufklären, die ständig und seit ewigen Zeiten unser Schicksal bestimmen. Dazu nimmt er sich im ersten Teil Jesus Christus an und zieht Vergleiche zu anderen Mythologien und bedient sich dabei auch älteren, ähnlichen Filmen. </p>
<p>Im zweiten Teil geht es um die Anschläge vom elften September, und hier ist <em>Zeitgeist</em> eine Kurzfassung von <em>Loose Change</em>, dem ebenfalls zwei Stunden langen Film, der sich aber nur mit der Verschwörung beschäftigt, nach der die us-amerikanische Regierung die Anschläge angeblich orchestriert haben. Allein die Behandlung von <em>Loose Change</em> und der &#8220;Wahrheitsfinder&#8221; zum 11. September beschäftigt viele Seiten.</p>
<p>Im letzten Teil schließlich geht es um das us-amerikanische Finanzsystem, das von der geheimen Gruppe der Verschwörer gesteuert und zu Ungunsten des Großteils der Menschheit manipuliert wird. Hier kommen eine ganze Reihe altbekannter Verschwörungstheorien zum Tragen und hier kommt auch der Vorwurf ins Spiel, <em>Zeitgeist</em> sei antisemitisch, da viele ältere solcher Theorien die Juden im Herzen des Finanzsektors sehen. Ich persönlich glaube eher, dass der Filmemacher bzw. die entstandene Bewegung zum Großteil extrem obrigkeitskritisch sind, aber nicht speziell antisemtisch – was nicht bedeutet, dass sich solche Vögel nicht überall einnisten, wo sie können.</p>
<p><strong>Fragen?</strong>: Wie man sieht, kann man diesen langen Film nicht wirklich mit ein paar Fragen aus den Angeln heben, da es keine einzelne Behauptung gibt. Vielmehr bleibt nur harte Recherche, die zum Glück gemacht wurde. Zum 11. September gibt es wie gesagt Seiten, es gibt mehrere Quellen, die sich des ersten Teils annehmen, nur der dritte Teil des Films wird etwas stiefmütterlich behandelt. Die m.E. beste Quelle für den gesamten Film ist leider – wie die allermeisten dieser Quellen – englischsprachig und <a href="http://www.conspiracyscience.com/articles/zeitgeist/" target=_blank>hier zu finden</a>. Ich zitiere aus dem Fazit in meiner Übersetzung:</p>
<blockquote><p>Ich bin kein christlicher Apologet, aber nahezu alles aus Teil eins ist völlig falsch oder ausgedacht. (&#8230;) Teil Zwei wurde bereits von hunderten verschiedener Leute widerlegt. (&#8230;) Alles in (Teil Drei) ist aus dem Zusammenhang gerissen, eine Lüge, ein fehlerhaftes Zitat, ausgedacht oder von Antisemiten übernommen, die diese Behauptungen seit Jahren machen. (&#8230;) Der Schluss: der Film ist zu 100% Lüge&#8230;</p></blockquote>
<p>Ich halte es für ergiebiger, die Argumentationsstrukturen zu begutachten, die in diesen Verschwörungstheorien stecken. Die erste Idee ist, dass es eine geheime Elite gibt, die völlig ohne oder nahezu völlig ohne Spuren agiert. Nur, dass diese angeblich so fähige Elite gleichzeitig von den Verschwörungstheoretikern enthüllt wird, ohne dass diese darauf reagieren.</p>
<p>Fraglich ist auch, wieso eine so umfassende Kontrolle nie von einem Aussteiger enthüllt wird, der vielleicht auch Dokumente mitgehen lässt, sei es aus Gewissensbissen, als Druckmittel, als Rache oder um sich zu profilieren. Dazu ist wiederum die Kontrolle zu gut oder zu rücksichtslos – was erstens bedeutet, dass noch mehr Leute involviert sind, die möglicherweise zum Verräter werden, und zweitens die Frage offen lässt, warum gerade die Verschwörungstheoretiker unbehelligt bleiben.</p>
<p>Und die vielen Ausrutscher und Dummheiten, die Regierungen und Unternehmen so passieren, müssen dann ja auch Teil des Plans sein&#8230;</p>
<p>Ebenso wird für Verschwörungstheorien in einer Datenfülle nach Dingen gesucht, die nicht oder scheinbar nicht zusammenpassen. Und in komplexen Ereignissen gibt es immer etwas, dem man einen böswilligen Grund unterstellen kann – das allein genügt aber nicht. Wenn ich vor jedem Blogbeitrag ein Wasa Knäckebrot esse, werde ich trotzdem nicht von Wasa für meine Beiträge bezahlt.</p>
<p>Das weitet sich dann auf Untersuchungen aus: wenn da etwas komisches festgestellt wird, ist es &#8220;der Beweis&#8221;, wenn nichts festgestellt wird, dann liegt es daran, dass die Verschwörung zu gut arbeitet und alles vertuscht. Für den 11. September beispielsweise gibt es immer noch keine wirklichen konkreten Beweise, dass Bush dahinter steckte. Wenn man sich ansieht, wie viel Material zu den Folterungen von Terrorverdächtigen, die sie wirklich geheim zu halten versuchten, in der Öffentlichkeit ist, und dazu bedenkt, dass inzwischen ein Regierungswechsel stattgefunden hat, ist das Fehlen eines solchen Beweises nicht einfach abzutun.</p>
<p>Tatsache ist, WENN es tatsächliche eine weltumspannende Verschwörung gibt, dann ist sie so gut, dass sie sicher nicht in bekannten Organisationen oder Treffen wie Bilderbergs, Freimaurer oder sonst wem zu finden ist, sondern als ungehörte Schattenversammlung auftritt, deren Mitglieder noch nie in Forbes oder sonst wo zu sehen waren. Eben wirklich geheim.</p>
<p><strong>Fazit</strong>: Ich finde es schwer, ein gutes Fazit zu finden. Tatsache ist, dass Menschen in Machtpositionen versuchen, ihre Macht auch zu Ungunsten der Schwächeren zu missbrauchen, und versuchte Verschwörungen gibt es ja auch – nur wurden die aufgedeckt. Insofern ist es extrem wichtig, bei Machtinhabern besondere Skepsis zu zeigen und Aussagen und Vorhaben doppelt zu prüfen.</p>
<p>Gleichzeitig darf man jedoch nicht darin verfallen, Machtinhabern gar nichts mehr zu glauben, nur weil es Machtinhaber sind. Es gilt immer noch, dass Beweise und Argumente Wert haben, egal wer sie vorbringt – auch Verschwörungstheoretiker können der Wahrheit auf der Spur sein, was das angeht. Man kann nicht Gegenbeweise oder Gegenargumente als Verschwörungsaktion abtun (oder als paranoide Hirngespinste), sondern muss das prüfen. Und wenn die Verschwörung darauf hinausläuft, dass tausende oder noch mehr Leute gleichzeitig oder über lange Zeit zusammengearbeitet und dicht gehalten haben, dann ist es einfach extrem unwahrscheinlich, dass da etwas dran ist.</p>
<p>Anders gesagt: man muss bei Verschwörungstheoretikern ebenso skeptisch sein wie bei Regierungen, oder zumindest fast genauso skeptisch.</p>
<p><em>Zeitgeist</em> hat leider den falschen Weg beschritten und arbeitet mit Unterstellungen, Falschaussagen und einseitigen Interpretationen. Damit kann man zwar Zweifel säen, aber am Ende bleibt leider nur der eigene geschädigte Ruf. Wenn es wirklich eine Weltverschwörung gibt, dann kommt denen <em>Zeitgeist</em> gerade recht, weil damit die Gegner dieser Verschwörung geschädigt werden.</p>
<p>Es ist kein Vorwurf, dass das Publikum dieses Films die Recherche nicht selbst übernimmt. Es ist eben einfacher, hundert Dinge zu behaupten, als hundert Dinge nachzuprüfen, und wenn dann die besten Quellen nur auf englisch sind, ist das ein weiteres Problem. Man müsste, um <em>Zeitgeist</em> selbständig auf den grund zu gehen, nach den zwei Stunden Film das zehnfache an Recherchezeit investieren, und ist vielleicht immer noch nicht fertig, sowie sich Argumente aus der Theologie, Physik und Wirtschaftswissenschaft erschließen.</p>
<p>Das perfide an Filmen wie <em>Zeitgeist</em> oder <em>Loose Change</em> ist ja gerade, dass sie einen natürlichen Impuls – Skepsis gegen Macht – mit scheinbaren Argumenten untermauern, und zwar so vielen Argumenten, das man damit einen Turm zum Mond bauen könnte. Dass die Steine brüchig sind, sieht man auf den ersten Blick nicht.</p>

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		<title>Die Drei Hürden für Buchverlage</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 16:32:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TweetAm selben Tag, an dem ich meinen Kommentar zur Marksituation für Autor_innen und Musiker_innen schrieb, erschien im Ableger der Süddeutschen &#8220;jetzt&#8221; ein Artikel über die Art und Weise, wie der Buchriese Thalia die Verlage an die Kette legt. Der Artikel war für mich überraschend, da ich Bücher fast nur noch gezielt kaufe, also nach Empfehlung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton989" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D989&amp;text=Die%20Drei%20H%C3%BCrden%20f%C3%BCr%20Buchverlage&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2009%2F10%2Fdie-drei-hurden-fur-buchverlage%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Am selben Tag, an dem ich meinen Kommentar zur Marksituation für Autor_innen und Musiker_innen schrieb, erschien im Ableger der Süddeutschen &#8220;jetzt&#8221; ein Artikel über die Art und Weise, wie der Buchriese Thalia die Verlage <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/487972" target=_blank>an die Kette</a> legt. Der Artikel war für mich überraschend, da ich Bücher fast nur noch gezielt kaufe, also nach Empfehlung entweder über amazon oder direkt in der Buchhandlung kaufe bzw. bestelle. Gerade, weil die Buchriesen so riesig sind, stöbere ich kaum – es gibt einfach zu viel Auswahl, um die Bücher für mich zu finden, und ich kaufe nur noch ungern die &#8220;Katze im Sack&#8221;, ohne mindestens Rezensionen oder Zusammenfassungen zu lesen.</p>
<p>Vielleicht liegt es auch daran, dass ich wenig Mitleid mit den Verlagen hatte, als ich den Artikel las.<br />
<span id="more-989"></span><br />
Die Situation mit Thalia erscheint mir vielmehr wie ein hausgemachtes Problem, das auch durch die Renitenz der Verlage bedingt wurde, sich auf neue Geschäftsmodelle einzulassen. Zugegeben bin ich sicher auch vorbelastet, wenn ich für Konzerne Partei ergreifen soll; kleinere Verlage liegen mir da schon eher am Herzen. Im Endeffekt aber sehe ich das Internet und den Vertrieb von elektronischen Büchern als Weg an, die Marktmacht Thalias auszuhebeln. Dem stehen allerdings drei Hürden im Weg.</p>
<p><strong>Erstens</strong> ist da die Furcht vor dem Internet selbst. Hier zeichnen sich Verlage mit derselben Panik aus, die vor hundert Jahren vor dem Grammofon warnte – ars technica hat da eine <a href="http://arstechnica.com/tech-policy/news/2009/10/100-years-of-big-content-fearing-technologyin-its-own-words.ars" target=_blank>lesenswerte Zusammenstellung</a> geschrieben<sup><a href="http://p-pricken.de/2009/10/die-drei-hurden-fur-buchverlage/#footnote_0_989" id="identifier_0_989" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="via Boing Boing">1</a></sup>, bei der man unter anderem lesen kann, wie 1972 der Fotokopierer bewertet wurde: &#8220;Der Tag mag nicht mehr fern sein, an dem niemand mehr Bücher kaufen muss.&#8221; Auch Videokassetten und Tonbänder waren jeweils &#8220;der Tod der Industrie&#8221;.  </p>
<p>Darauf angesprochen, sagen die Verlage heute, damals habe man sicher etwas überreagiert, aber diesmal, diesmal droht das Ende wirklich. Das erinnert an die Kulte, die darauf warten, dass die Welt endlich endet – die Zeug_innen Jehovas haben ja aufgehört, feste Daten zu nennen –, oder dass sie von Außerirdischen abgeholt werden. Die Meinung, die dem Internet zukommt, ist in ihrer extremen Position von <a href="http://boingboing.net/2009/05/15/sony-pictures-ceo-no.html" target=_blank>Sony-Boss Michael Lynton</a> exemplifiziert: &#8220;Es ist noch nicht eine gute Sache aus dem Internet gekommen. Punkt.&#8221;</p>
<p>Diese Angst müssen die Verlage zunächst einmal verlieren. Das Internet verändert unsere Art, mit Medien umzugehen, und es ermöglicht uns außerdem, Dinge, die wir immer schon getan haben, mit viel größerer Reichweite zu tun. Das bezieht sich auf Kommunikation, aber auch darauf, Bekannten Bücher oder CDs auszuleihen. Das wird von Verlagen als Urheberrechtsverstoß wahrgenommen und gerne in verlorene Verkäufe umgerechnet, wenn das in Wahrheit doch viel positiver ist.</p>
<p>Marketingexperten wissen, dass kaum etwas so gut wirkt wie die Empfehlung von Bekannten. Kritiken können gut oder schlecht sein, wenn mir ein_e Bekannte_r den Kauf empfiehlt, werde ich ernsthaft darüber nachdenken. Schon vor dem Internet habe ich CDs und Bücher verliehen und Freund_innen regelrecht angefixt. Gerade die Möglichkeit, sich kostenlos einen Eindruck zu verschaffen, ist ein großer Bonus. Ja, ich kaufe längst nicht alles, was mir über den Weg läuft, aber wenn es nichts kostet, riskiere ich eher einen Blick. Durch kostenlose Downloads o.ä. vergrößert sich der Kreis derer, die ein Produkt wahrnehmen, um ein Vielfaches, und damit auch die Chance, dass das Produkt auf Personen trifft, die zu Kunden werden. Selbst, wenn mir eine CD nicht gefällt, die ich im Internet höre, kenne ich vielleicht jemanden, dem diese Musik zusagt, und leite sie weiter. Downloads sind Marketinginstrumente. </p>
<p>Das zeigt beispielsweise auch der Erfolg von Autoren wie <a href="http://www.scottsigler.com" target=_blank>Scott Sigler</a>, die ihre Bücher erst als Podcast ins Internet setzen, dann kostenlose PDFs verteilen und trotzdem die Bestsellerliste der NY Times erreichen – nein, nicht trotzdem, sondern gerade wegen dieser Strategien. </p>
<p>Natürlich gibt es Personen, die nur die kostenlose Ware nutzen und anschließend nichts kaufen. Es ist aber fraglich, ob man diese Personen anderweitig erreicht und zu einem Kauf überredet hätte, und ob diese Personen nicht trotzdem jemand anderem von dem Produkt erzählen und doch noch einen Kauf initiieren. Letzten Endes ist dies aber nicht die Klientel, um die sich die Verlage Sorgen machen müssen – die Mehrzahl der Leute honoriert gute Produkte. Vielleicht verschenken sie das Buch, das sie vorher als PDF gelesen haben. Oder sie kaufen das Buch, um dem Autoren etwas für ihre Unterhaltung zurückzugeben (Reziprozität ist ein menschlicher Drang). Ich kaufe bspw. immer die Bücher von <a href="http://Filmfreakcentral.net" target=_blank>Film Freak Central</a>, obwohl deren Kritiken größtenteils online stehen, weil ich die Kritiker belohnen möchte. Und in den Studien, von denen ich weiß, sind Leute, die viel im Internet downloaden, gleichzeitig Leute, <a href="http://www.freitag.de/kultur/0917-pirate-bay-download-bittorrent-musikfans" target=_blank>die viele Produkte kaufen</a>, bzw. gibt es eine <a href="http://www.boingboing.net/2009/06/08/more-hard-data-on-th.html" target=_blank>Korrelation zwischen</a> kostenlosen Downloads und Buchverkäufen.</p>
<p>Nein, die Verlage sollten sich lieber mit den Leuten beschäftigen, die ihre Produkte kaufen möchten. Womit wir bei der <strong>zweiten</strong> Hürde wären: Verlage müssen aufhören, das Internet als direkte Konkurrenz für Bücher zu sehen. In Bezug auf &#8220;Piraterie&#8221; habe ich das bereits ausgeführt. Aber selbst bei legalen Käufen können sich Verlage nicht durchringen, das Internet als das zu akzeptieren, was es ist. Da gibt es zunächst das Problem, dass ebooks als Konkurrenz für Printverkäufe gesehen werden. Das führt dazu, dass elektronische Bücher allenfalls ein wenig günstiger sind als ihre Druckverwandten – obwohl weder Lager- noch Lieferkosten in der Art anfallen, wie das bei gedruckten Büchern der Fall ist. Der hohe Preis – und die fehlenden Lesegeräte (s.u.) – wirken auf die Beliebtheit von ebooks ein. Ebooks haben keinen für ebooks kalkulierten Preis, sondern einen Printpreis. Das funktioniert nicht.</p>
<p>Und dann ist da noch DRM, das digitale Rechte-Management. Es ist kein Wunder, dass DRM <a href="http://www.boingboing.net/2009/05/27/cambridge-study-drm.html" target=_blank>Piraterie</a> fördert. DRM sorgt dafür, dass ich das von mir gekaufte Produkt nicht in dem Maße nutzen kann, wie ich es nutzen will – obwohl es eigentlich meins ist. Während ich aber bei gedruckten Büchern tatsächlich das Eigentum erwerbe, kaufe ich bei ebooks eher ein &#8220;Nutzungsrecht&#8221; – bin also weit eingeschränkt, und das dann noch zum selben Preis. Bei amazons Lesegerät kindle gab es beispielsweise Probleme mit einer Funktion, die das Buch mit elektronischer Stimme vorlas. Die Funktion wurde deaktiviert, weil man nur die Rechte an einem Buch erwirbt, nicht an einem Hörbuch (egal, wie schlecht die Vorlesestimme auch ist, weil sie nur nüchtern die Sätze vorliest, ohne den Text selbst zu verstehen und zu interpretieren). Auch kann amazon jederzeit den Zugriff auf meine Bücher sperren und ich kann sie nicht beliebig weiter kopieren, wenn ich mir vielleicht ein anderes Lesegerät kaufe. All das, damit ich ja das Buch nicht jemand anderem weitergebe, weil es mir so gut gefällt. </p>
<p>Die Reaktion ist klar: anstatt Geld dafür zu bezahlen, dass ich in extrem reglementiertem Umfang auf mein Eigentum zurückgreifen kann, lade ich mir das Buch kostenlos herunter. Ähnlich verhält es sich mit Kopierschutzen, durch die CDs nicht in meinen Abspielgeräten laufen. Und gerade diese &#8220;klare Reaktion&#8221; ist die DRM-Denke so fatal. Letzten Endes ist es einfach normaler Umgang mit &#8220;meinen&#8221; Produkten, der untersagt wird, und die meisten Leute lassen sich normalen Umgang nicht verbieten. Es ist aber nicht umsetzbar, alle Menschen zu Kriminellen zu machen, dann wird das Strafgesetz durch die Realität ausgehebelt und wirkungslos.</p>
<p>Man sehe sich nur an, was gerade in <a href="http://www.boingboing.net/2009/10/14/access-copyright-tel.html" target=_blank>Kanada gefordert</a> wurde: Als Urheberrechtsverstöße wurde wieder ins Spiel gebracht, Fernsehsendungen aufzunehmen oder auch CDs auf den Computer zu überspielen. Diese Idee ist geradezu lächerlich, hätten die Konzerne nicht das Ohr ihrer Regierungen und bestünde daher nicht die Gefahr einer tatsächlichen Umsetzung.</p>
<p>Aber genau das ist die Lösung der Verlage: Kunden sind pro forma verdächtig, Piraten zu sein. Und durch drakonische Vorgaben erzeugen sie tatsächlich Piraten. So sind sie die Erzeuger ihres eigenen Umsatzrückgangs, wenn sie nicht aufwachen.</p>
<p>Die Verlage sollten außerdem nicht vergessen, dass es wahrscheinlich immer Menschen geben wird, die gerne Bücher kaufen. Das Buch hat Pluspunkte: es hat keinen Internetanschluss, es braucht keinen Strom, im Winter kann es als Brennmaterial dienen. Bücher sind einzigartig dafür geeignet, sich einzuigeln und zu isolieren und über das Gelesene nachzudenken.</p>
<p>Ebooks bedienen einen anderen Markt, und damit sind wir bei Punkt <strong>drei</strong>: Verlage müssen ebooks auf den Markt zuschneiden, den sie bedienen. Obwohl Lesegeräte für elektronische Bücher jetzt auch nach Deutschland kommen, sind kindle und Co. gerade das nicht, Anpassungen an die Anforderungen des ebook-Marktes. Vielmehr sind sie der Idee geschuldet, ebooks seien dasselbe wie gedruckte Bücher. Der Marketingzug dieser Lesegeräte ist das elektronische Papier, mit dem man endlich entspannt am Bildschirm lesen kann.</p>
<p>Ich habe Neuigkeiten: die meisten Internetnutzer lesen ständig und sehr viel am Bildschirm, ohne sich darüber zu beschweren. Blogs, Nachrichtenseiten, YouTube-Kommentare, PDF-Dateien usw. Es ist ein Mythos, dass man nicht am Bildschirm lesen wolle. Damit wird der wirkliche Pluspunkt der Lesegeräte, dass man in einem Gerät viele Bücher vereinen kann, und tatsächlich reicht das aus, dass Vielleser wie bspw. ich ein solches Gerät besitzen möchten (wenn DRM nicht wäre).</p>
<p>Die Zukunft des ebooks liegt aber woanders. Ein Teil der Verkäufe wird sicher in elektronischen Versionen von Printwerken bestehen, und ein weiterer Teil sicher durch Zusatzprodukte wie die von <a href="http://www.stormwolf.com/" target=_blank>Michael Stackpole</a> bestritten, der exklusive Kurzgeschichten zu seinen Romanen online anbietet. Das Potential liegt aber in der Vernetzung. Ich will Bücher markieren und annotieren können und diese Markierungen und Notizen austauschen. Wenn ich einen Begriff in einem Buch lese, kann ich ihn in einem anderen nachschlagen. Ich kann Querverweise ziehen. Wenn ich in einem Krimi lese, wo ein Mord geschieht, kann ich Google Streetview öffnen und mir den Ort anzeigen. Wenn die Heldin einer Geschichte Musik hört, kann ich dasselbe Lied auf meinem Gerät abspielen. Wenn ein Ereignis geschildert wird, kriege ich das youtube-Video und den Artikel in der FAZ zu diesem Ereignis mitgeliefert. Und so weiter.</p>
<p>Das sind zugegeben Zukunftsklänge. Aber das ist m.E. auch der neue Buchmarkt, neben dem Printprodukte problemlos existieren können, weil sie eben andere Bedürfnisse bedienen.</p>
<p>Gerade vor dem Hintergrund, dass Finnland <a href="http://singularityhub.com/2009/10/15/finland-guarantees-right-to-broadband-internet-access/" target=_blank>Breitband-Internet</a> als Bürgerrecht definiert, gibt es aber für Deutschland noch ein weiteres &#8220;Problem&#8221;: Es sind nur etwa <a href="http://www.initiatived21.de/category/nonliner-atlas/zentrale-ergebnisse-2009" target=_bank>70% der Bevölkerung</a> online. Das hat bezogen darauf, dass sich auch das kulturelle Leben der Gesellschaft teilweise ins Netz verlagert, generelle Nebenwirkungen, wenn bestimmte Schichten von diesem Leben ausgeschlossen werden. Aber für Verlage stellt sich natürlich auch das Problem, dass nicht alle ihre mögliche Klientel über das Internet erreicht werden kann. Darum ist Thalia immer noch mächtig, und wird es wohl noch einige Zeit bleiben. Leider.</p>
<p><em>Nachtrag, 19.10.</em>: <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/preisfrage-welches-format-wuerdet-ihr-kaufen/" target=_blank>So gerade nicht</a>: ebook mit DRM für 44,95, gebundene Ausgabe für 9,95.</p>
<p>(crossposted auf <a href="http://www.freiewelt.net/blog-941/drei-h%FCrden-f%FCr-verlage.html" target=_blank>Freie Welt</a>)</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_989" class="footnote">via <a href="http://www.boingboing.net/2009/10/11/big-entertainments-c.html" target=_blank>Boing Boing</a></li></ol>
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