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	<title>Derangierte Einsichten &#187; selbstgerechtigkeit</title>
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	<description>Geschreibsel, Kommentare und Kritik</description>
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		<title>ZS: Anstrengend (S. 262-269)</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 22:05:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[kreationismus]]></category>
		<category><![CDATA[selbstgerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>

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		<description><![CDATA[TweetVorab: ich habe gestern ein Beispiel für gutes Schreiben gegeben, das mir selbst auch vor Augen führte, wie sehr das in Twilight fehlt. Bella und Edward sitzen in ihrem dunklen Zimmer. Edward kann sich nach eigenen Angaben jetzt recht gut zusammenreißen, aber: »Ich versuche es«, flüsterte er, seine Stimme gepeinigt. »Wenn es &#8230; zu viel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton1851" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D1851&amp;text=ZS%3A%20Anstrengend%20%28S.%20262-269%29&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F06%2Fzs-anstrengend-s-262-270%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Vorab: ich habe gestern ein Beispiel für <a href="http://p-pricken.de/2010/06/gut-geschrieben/" target=_blanK>gutes Schreiben</a> gegeben, das mir selbst auch vor Augen führte, wie sehr das in Twilight fehlt.</p>
<p>Bella und Edward sitzen in ihrem dunklen Zimmer. Edward kann sich nach eigenen Angaben jetzt recht gut zusammenreißen, aber:</p>
<blockquote><p>»Ich versuche es«, flüsterte er, seine Stimme gepeinigt. »Wenn es &#8230; zu viel wird, bin ich ziemlich sicher, dass ich gehen könnte.</p></blockquote>
<p>Nebenbei: könnte Fräulein Meyer bitte einmal &#8220;sagte&#8221; verwenden? Das ist ein absolut dankbares Wort, um Äußerungen zu beschreiben. Und dieser Zusatz nach dem Komma&#8230; einfach mal weglassen, ja? Danke.</p>
<p>Bella wiederum bezieht sich in diesem Satz auf das Wesentliche:</p>
<blockquote><p>Ich runzelte die Stirn. Mir gefiel das Gerede vom Gehen nicht.</p></blockquote>
<p><span id="more-1851"></span><br />
In der Versicherung, dass Edward sie wahrscheinlich nicht in einem Anfall töten wird, sieht sie eine Zurückweisung. Edward wiederum macht aus dem emotionalen SM fast auch körperlichen:</p>
<blockquote><p>»Hol die Handschellen raus – ich bin dein Gefangener.« Aber seine langen Hände formten Fesseln um <em>meine</em> Handgelenke, während er sprach.</p></blockquote>
<p>Nur um klarzustellen, wer hier wessen Gefangener ist. Und dann erzählt er von den Qualen, weil er ihre Gedanken nicht lesen kann. Erst wurde Bella von Mike um ein Date gebeten – und Edward fand es unerträglich, nicht zu wissen, warum sie ablehnte, bis er nachts in ihr Zimmer kam und sie im Schlaf seinen Namen sagte. Mike war also keine Gefahr&#8230;</p>
<blockquote><p>»Und dann bildete sich eine Schlange«, kicherte er.</p></blockquote>
<p>Sagte! Ernsthaft, auf den acht Seiten gibt es 34 Stellen, an denen Stephenie Meyer ein Verb benutzt, um eine wörtliche Aussage zu beschreiben, und dreimal ist es »said«. Der Rest ist flüstern, lachen, kichern, necken, drohen, flüstern, lachen, usw.</p>
<p>Und was die Schlange angeht, habe ich den Fehler gemacht, mich auf der Webseite von Fräulein Meyer wiederzufinden. Da wird doch tatsächlich <a href="http://www.stepheniemeyer.com/twilight_faq.html#pretty" target=_blank>gefragt</a>, ob Bella nun hübsch sei oder nicht, wo doch alle Jungs auf sie fliegen würden. Und Fräulein Meyer&#8230; nun, es fällt mir schwer, das zu sagen, aber sie antwortet, dass dieser Teil autobiografisch sei. </p>
<p>Fräulein Meyer ist Bella, zumindest, was das angeht. Und als Meyer von Arizona nach Utah zog, wurde sie nach eigenen Angaben »von einer 5 zu einer 8« und hatte plötzlich viele Verabredungen. Abgesehen davon, dass ich mich ein wenig schmuddelig fühle, wenn ich Bella mit Meyer gleichsetze, bleibt die Frage trotzdem offen: nach Meyers Aussage ist Bella also sehr wohl attraktiver, als sie sich selbst findet. Sie hält sich also für unattraktiv und dumm. Ganz schön anstrengend, so jemanden kennenzulernen, der sich ständig selbst runtermacht und so Bestätigung verlangt. Was Bella prompt auch in der aktuellen Situation demonstriert. Als Edward zugibt, auf den »schrecklichen« Mike eifersüchtig gewesen zu sein, sagt (!) sie:</p>
<blockquote><p>»Aber ehrlich«, neckte ich, »dass dich das ärgert, nachdem ich erfahren musste, dass Rosalie – Rosalie, die Inkarnation reiner Schönheit, <em>Rosalie</em> – für dich bestimmt war. Emmett oder kein Emmett, wie kann ich da mithalten?«</p></blockquote>
<p>(sagte)</p>
<p>Wohlgemerkt: es ist überhaupt kein Problem, dass Carlisle Rosalie zur Vampirin machte, um sie Edward zu schenken. Edward antwortet korrekt, aber das reicht Bella noch nicht:</p>
<blockquote><p>»Da gibt es nichts mitzuhalten.« (&#8230;)<br />
»Ich <em>weiß</em>, dass es nichts mitzuhalten gibt«, murmelte ich in seine kalte Haut. »Das ist das Problem.«</p></blockquote>
<p>(sagte)</p>
<p>Aber Edward führt aus, dass er das natürlich umgekehrt meinte, und dass er hundert Jahre warten musste, um jemanden wie – um Bella zu finden. Dass er nach ihr suchte, noch bevor sie geboren war. Reicht das? Bella nicht:</p>
<blockquote><p>»Das klingt nicht sehr fair«, flüsterte ich, mein Gesicht immer noch auf seiner Brust, seinem Atem lauschend. »Ich musste gar nicht warten. Warum soll ich es so einfach haben?«</p></blockquote>
<p>(sagte)</p>
<p>Deutlicher geht es wohl nicht. Bella <em>will</em> es schwer haben – denn dann kann sie allen sagen, wie schwer sie es hat, und gleichzeitig Mitleid heischen und damit angeben, wie gut sie das trotz aller Widrigkeiten doch hinkriegt.</p>
<p>Ich will mir gar nicht vorstellen, mit so jemandem zusammen zu sein. Die ganze verdammte Zeit nur Stöhnen und Ächzen und Leidensmiene und vor allem natürlich Selbstgerechtigkeit, weil niemand so viel erträgt wie Bella. Zum Glück muss ich wenig Mitleid mit Edward haben, der sein Riechen an ihrer Haut so rechtfertigt:</p>
<blockquote><p>»Auch, wenn ich dem Wein widerstehe, kann ich doch trotzdem das Bouquet genießen«, flüsterte er. »Du hast einen sehr blumigen Geruch, wie Lavender&#8230; oder Freesien«, bemerkte er. »Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.«</p></blockquote>
<p>(sagte) (sagte)</p>
<p>Und das, was er sagt: ist so ziemlich das gruseligste Kompliment, was mir in so einer Situation einfallen könnte. Direkt aus dem <em>Parfüm</em>.</p>
<p>Bella hat aber noch wichtige Fragen an Edward. Die erste lautet, warum er sich überhaupt die Mühe mache, keine Menschen anzufallen, und das zu verleugnen, was er&#8230; sei.</p>
<p>Damit ist klar, die Moral der Menschen gilt für Vampire nicht, und zwar nicht einmal in Bellas Augen. Diese perfekten, gottgleichen Kreaturen sind geschaffen, um Menschen zu essen, warum sollten sie also nicht? Ethik? Pfft. Die sexuelle Metapher in dieser Frage ist hingegen so konfus, dass es sich nicht lohnt, sie auseinanderzuklamüsern – ist Sex auch nichts Schlimmes, weil Menschen dazu geschaffen sind? Haben Menschen nicht gemeinhin Sex mit ihresgleichen, Vampire aber jagen gerade andere Spezies?</p>
<p>Es folgt auch eine der offensichtlicheren Kommentare zu Religion, denn Edward macht ein Lippenbekenntnis zur Evolution und legt dann den Schöpfungsplan dar:</p>
<blockquote><p>»Also, wo kommst du denn her? Evolution? Schöpfung? Könnten wir nicht ebenso wie andere Spezies aus der Evolution entstanden sein, Jäger und Gejagte?«</p></blockquote>
<p>(Anm.: hochklassige Beschreibung der Evolution. Respekt, Fräulein Meyer!)</p>
<blockquote><p>»Oder, falls du nicht glaubst, dass diese ganze Welt einfach so von sich aus passiert sein soll, was mir auch zu akzeptieren schwerfällt, ist es so schwer zu glauben, dass die selbe Kraft, die den zarten Engelsfisch mit dem Hai zusammen erschuf, kleine Seelöwen und Killerwale, nicht auch unsere beiden Arten zusammen erschaffen könnte?«</p></blockquote>
<p>Ich weiß nicht, warum sich Edward hier auf Wassertiere konzentriert. Ich weiß auch nicht, warum er davon ausgeht, dass Vampire mit Menschen zusammen erschaffen wurden. So weit ich weiß – ich war in Bio nicht sehr gut –, werden Seelöwen nicht zu Killerwalen, wenn sie gebissen werden.</p>
<p>Aber es ist gut zu wissen, dass unsere enthaltsamen Liebesvögel sich einig sind, dass es wirklich schwer zu akzeptieren ist, die Tierwelt als das Resultat von Evolution zu sehen. Dass das alles einfach so spontan entstanden sein soll&#8230;</p>
<p>dabei habe ich den Beweis für spontane Evolution: aus einem Apfel wird ein Frauenhals!<br />
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<p><em>Dieses Buch könnte so viel besser sein, wenn&#8230;</em> die Figuren einfach nur mal etwas sagen würden.</p>

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		<series:name><![CDATA[Zwielicht am Sonnabend]]></series:name>
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