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	<title>Derangierte Einsichten &#187; freud</title>
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	<description>Geschreibsel, Kommentare und Kritik</description>
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		<title>In Treatment – bitte behandeln!</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 10:32:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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		<category><![CDATA[psychoanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[TweetIch gebe zu, dass In Treatment gutes Fernsehen sein mag. Aber es ist auch bedenkenswert, wenn sogar ein Psychologe schreibt: »Wer also in Deutschland einen Therapeuten wie Dr.Weston sucht, braucht schon sehr viel Glück.&#8221; Glück? Pech wohl eher. Warum Pech? Darum: Therapeut Dr.Weston ist offensichtlich psychoanalytisch ausgebildet. Seine Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von der in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton1495" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D1495&amp;text=In%20Treatment%20%E2%80%93%20bitte%20behandeln%21&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F02%2Fin-treatment-%25e2%2580%2593-bitte-behandeln%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Ich gebe zu, dass <em>In Treatment</em> gutes Fernsehen sein mag. Aber es ist auch bedenkenswert, wenn sogar ein Psychologe <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/haydnplayer/gefuehlskalter-krieger-und-heisses-maedchen" target=_blank>schreibt</a>: »Wer also in Deutschland einen Therapeuten wie Dr.Weston sucht, braucht schon sehr viel Glück.&#8221;</p>
<p>Glück? Pech wohl eher.<br />
<span id="more-1495"></span><br />
Warum Pech? Darum:</p>
<blockquote><p> Therapeut Dr.Weston ist offensichtlich psychoanalytisch ausgebildet. Seine Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von der in Deutschland vorherrschenden Verhaltenstherapie, bei der es von A bis Z wesentlich systematischer und rationaler zugeht.</p></blockquote>
<p>Psychoanalystisch ausgebildet, das heißt: Freud (oder Jung). Das heißt auch: diskreditierte Populärpsychologie, die Psychologiestudenten nur noch nebenbei hören, die aber für Laien immer noch sehr reizvoll klingt. Anders gesagt: Wirkungsloser Humbug, der als Placebo funktioniert.</p>
<p>Freud war ein toller Autor, er schrieb sehr eingängig. Und er benutzte unheimlich eingängige Ideen: traumatische Kindheitserinnerungen führen zu Verhaltensstörungen. Peter hat Angst vor Pferden, weil er mal abgeworfen wurde. Frauen haben Penisneid, weil sie keinen Penis haben. Usw.</p>
<p>Und ja, das mit dem Penisneid ist keine Verarsche.</p>
<p>Freud hat gleich mehrere Probleme: erstens sind seine verschiedenen Fälle fast ausnahmlos erfunden und ausnahmslos übertrieben. Er hat niemanden geheilt.</p>
<p>Zweitens begeht er in seiner Deutung den klassischen Fehler von Pseudowissenschaften (und Verschwörungstheorien), im Nachhinein zu interpretieren – er sucht nach Quellen für bestimmte Verhalten und findet dann auch welche, wenn er lange genug sucht. Es ist nicht so, dass bestimmte Prognosen gestellt würden und sich diese dann bewahrheiten.</p>
<p>Drittens postuliert Freud eine feste Entwicklung (anale Phase usw.) und generelle Verhaltensweisen (Penisneid), die nicht bewiesen werden können, hat aber eine klassische pseudowissenschaftliche Ausrede parat: Unterdrücken. Jeder Mann will in einem gewissen Alter mit seiner Mutter Sex haben, und wenn jemand behauptet, das stimme nicht, dann hat er das nur verdrängt. </p>
<p>Mit dieser Idee der Verdrängung ist bereits extrem viel Schindluder getrieben worden von Ärzten, die glaubten, traumatische Erinnerungen wie Kindesmissbrauch, satanische Rituale oder UFO-Entführungen wieder hervorholen zu können und dabei tatsächlich erst diese Erinnerungen bei ihren Patienten konstruierten – m.W. gibt es zwar das Phänomen verdrängter Erinnerungen, aber sehr selten und wenn, dann kommt es höchstens auf einen Schlag wieder.</p>
<p>Freud deutet also einfach Dinge frei, wie er will, er hat eine Ausrede parat, falls er Unsinn erzählt (stimmt, aber verdrängt), er stellt falsche Thesen auf (Entwicklung / Verhalten) und er hat sich seine größten Fälle sogar ausgedacht.</p>
<p>Jemand, der dieser Therapierichtung angehört, kann trotzdem Patienten helfen, einfach durch Zuwendung und Zuhören, aber das ist dann nur Glück bzw. dasselbe Phänomen, als säße ich da im Raum und hörte zu. So einen Therapeuten zu finden bedeutet nicht, dass man Glück gehabt hat – im schlimmsten Fall erzählt der nämlich psychoanalytischen Unsinn und hilft nicht, sondern verschlimmert das Problem, weil man die Schuld in seiner eigenen Vergangenheit sucht – wahrscheinlich hat man als Kind nicht verkraftet, dass man seine Eltern beim Sex gesehen hat (aber man hat seine Eltern beim Sex gesehen, das tun alle Kinder. Keine Erinnerung daran? Verdrängt.)</p>
<p>Für mehr empfehle ich einerseits Karl Popper, der schon in den 1920ern Freud kritisierte, und z.B. das Buch &#8220;Freud: Genie oder Scharlatan?&#8221; Und nicht <em>In Treatment</em>.</p>

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