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	<title>Derangierte Einsichten &#187; ethik</title>
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	<description>Geschreibsel, Kommentare und Kritik</description>
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		<title>Ungeborenes Leben?</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 18:17:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[abtreibung]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[schwangerschaftsabbruch]]></category>

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		<description><![CDATA[Trigger-Warnung: Abtreibungsthematik, Vergewaltigungsthematik In Virginia wurde gerade ein Gesetz verabschiedet, dass Frauen dazu zwingt, vor einem Schwangerschatsabbruch einen Ultraschall anzusehen. Das Problem dabei? So ein Ultraschall bedeutet, dass die Sonde in die Frau eingeführt wird. Gegen den Willen der Frau wird diese also zwangsweise penetriert. Wieder einmal meine ich in Abtreibungsgegner einfach auch Frauenfeindlichkeit zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Trigger-Warnung: Abtreibungsthematik, Vergewaltigungsthematik</strong></p>
<p>In Virginia wurde gerade ein Gesetz verabschiedet, dass Frauen dazu zwingt, vor einem Schwangerschatsabbruch einen Ultraschall anzusehen. Das Problem dabei? So ein Ultraschall bedeutet, dass die Sonde in die Frau eingeführt wird. Gegen den Willen der Frau wird diese also zwangsweise penetriert.</p>
<p>Wieder einmal meine ich in Abtreibungsgegner einfach auch Frauenfeindlichkeit zu sehen. Wieder einmal grübele ich über die Abtreibungsfrage nach. Diesmal lasse ich euch teilhaben.<br />
<span id="more-4358"></span><br />
Meiner Ansicht nach ist eine Haltung gegen Abbrüche nur dann haltbar, wenn sie sich am Schutz des ungeborenen Lebens orientiert – in der Regel ist diese Haltung religiös fundiert. </p>
<p>Frauen zu sagen, sie müssten ihren Fehler ausbaden und das Kind bekommen, oder gar auf demografische Fragen einzugehen und den Nachwuchs des Landes gewährleisten zu wollen – das ist frauenfeindlich. Aber es gibt auch die Kritik, dass Abbruch Mord sei. Und die Angst vor der pränatalen Diagnostik, die dann entscheidet, welches Kind es wert ist, geboren zu werden.</p>
<p>Schließlich kann man doch auch sagen, Frauen sollten nicht abtreiben dürfen – aber ihre Kinder dann zur Adoption freigeben. Immerhin warten unzählige Paare auf eine Chance, ein Kind zu adoptieren.</p>
<p>Aber darf man dafür Frauen zwingen, Kinder zu kriegen? Macht sie das nicht nur zu Gebärmaschinen? Andererseits: was ist mit dem Recht des Ungeborenen? Legal hat es kein Recht – aber sollte es nicht ethisch betrachtet ein Recht haben?</p>
<p>Als Atheist tue ich mich ohnehin schwer mit einer religiösen Begründung, ich will diesen Aspekt hier einmal ausblenden. Stattdessen frage ich mich: wann beginnt Leben? Haben ungeborene Kinder ein Recht auf Geburt?</p>
<p><em>Wann beginnt menschliches Leben?</em></p>
<p>Das ist enorm schwierig zu beziffern. Die Biologie kann uns heute sehr genau sagen, zu welchem Zeitpunkt ein werdender Mensch wie weit entwickelt ist. Nach 8 Wochen sind die Anlagen für alle Organe vorhanden (aber noch nicht funktionsfähig), nach 20 Wochen funktioniert die Lunge. Ab der 23. Woche könnte man den Fötus künstlich beatmen und sein Überleben mit unseren Mitteln außerhalb des Körpers sichern. Wenn man Leben also so definiert, dass ein eigenständig lebensfähiger Körper vorhanden ist, wäre dies nach 23 Wochen – medizinischer Fortschritt vorausgesetzt auch nach 20 Wochen, die Lunge braucht man.</p>
<p>Ab der 9. Woche bildet das Gehirn des Fötus (bis zur 8. Woche ist es ein Embryo) Synapsen, nach 6 Monaten lassen sich regelmäßige Gehirnströme messen. Macht man menschliches Leben also am Bewusstsein fest, würde die Grenze frühestens in der 9. Woche liegen, eher jedoch später und womöglich erst bei regelmäßiger Hirntätigkeit im 6. Monat.</p>
<p>Vielleicht beginnt Leben auch mit der Wahrnehmung? Dann ist ebenfalls das Gehirn endscheidend, wir brauchen die Großhirnrinde und entsprechende Vernetzung. Das ist frühestens ab der 24. Woche so weit. Ab diesem Zeitpunkt gibt es sowohl Wahrnehmung als auch ein Schmerzempfinden – vorher kann der Fötus also keine Schmerzen spüren.</p>
<p>Beginnt das Leben mit der Geburt? Diese Definition legt das Gesetz an, sicher auch aus praktischen Gründen – ab der Geburt können Mutter und Kind getrennt werden und entsprechend getrennt betrachtet werden.</p>
<p>Beginnt das Leben mit der Befruchtung? Hier lässt sich kaum ein Grund für nennen – mir fällt nur ein, dass durch die Befruchtung der Eizelle die Seele in die Frucht kommt. Dafür gibt es keinerlei Beweise. Man könnte allerdings die Befruchtung auch als Gegenentwurf zur gesetzlichen Regelung sehen – wenn schon willkürlich, warum dann nicht die Frucht?</p>
<p>Vielleicht mit der Nidation? Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich der Embryo. Bevor die Frucht sich nicht eingenistet hat, gehen zudem 60 % verloren – soll dieser natürliche Vorgang wirklich Mord sein?</p>
<p>Wenn man die Nidation als Grenze sieht, steht dahinter wohl oft die Idee des potentiellen Lebens. Was, wenn hier der nächste Beethoven heranwächst? Mit dieser Frage behauptet man gleichwohl, Beethoven sei lebenswerter als ein zukünftiger Beamter. Aber reicht das potentielle Leben aus, um bereits ein Recht zu entwickeln?</p>
<p>Damit tue ich mich sehr schwer. Bei anderen Dingen erlauben wir auch nicht, dass die Möglichkeit bereits einen Anspruch begründet. Aber man kann diese Sichtweise sicher begründen, und für heute lasse ich sie mal stehen.</p>
<p>Was hat es schließlich mit der 12. Woche auf sich, bis zu der in Deutschland Abbrüche ja straffrei bleiben? Nach allem, was ich herausfinden konnte, ist diese Grenze sowohl der Endwicklung des Fötus geschuldet als auch der Sicherheit des Eingriffs – ein späterer Abbruch ist umfangreicher und riskanter. Es hat, obwohl ich das gehört habe, aber anscheinend nichts damit zu tun, ab wann das Herz schlägt oder zu hören ist – ein Herzschlag lässt sich von uns nach 23 Tagen feststellen (eine weitere mögliche Grenze, wenn man dem Herz eine besondere Bedeutung zukommen lässt).</p>
<p>Ich selbst bin der Ansicht, dass menschliches Leben mit dem Bewusstsein beginnt, mit den Wahrnehmung der äußeren Welt. Das wirft ebenfalls Fragen auf (was ist mit katatonischen Personen – sind das keine Menschen?), aber um ein Recht auf Leben zu haben, muss jemand in meinen Augen eben erst einmal leben wollen – also einen Willen besitzen, ein Bewusstsein.</p>
<p>Egal, wo man die Grenze aber setzt: <em>haben ungeborene Kinder ein Recht auf Geburt?</em></p>
<p>Statt einer Antwort möchte ich Gegenfragen stellen: Haben ungeborene Kinder ein Recht, nicht geboren zu werden? Oder ist es eher ein Zwang zur Geburt? </p>
<p>Wenn es ein Recht auf Geburt gibt – haben Frauen grundsätzlich das Recht, über ihr Leben und ihren Körper selbst zu entscheiden? Welches Recht geht dann vor?</p>
<p>Ich meine, dass ungeborene Kinder sehr wohl ein Recht auf Geburt haben – auch ein Recht, nicht geboren zu werden. Wir können sie aber nicht fragen, bevor sie geboren wurden, also wird daraus ein Zwang zur Geburt. Wohlgemerkt, ab dem Beginn menschlichen Lebens.</p>
<p>Für mich geht das Recht auf Leben auch vor dem Recht auf Selbstbestimmung – darum ist Mord ja eine Straftat.</p>
<p>Es ist aber abzuwägen, welche Risiken eine werdende Mutter hat, wenn sie das Kind austrägt. Legale Abbrüche sind wesentlich sicherer als Geburten – vor der 8. Woche, nach der zwölften gleichen sich die Risiken. Auch müssen Spätfolgen berücksichtigt werden: Frauen, die abtreiben ließen, sind nicht anfälliger als andere Frauen für psychologische Probleme. Frauen, die zu einer Geburt gezwungen werden, aber schon. Ebenso ist die Freigabe eines Kindes zur Adoption mit großem emotionalem Stress verbunden, der Störungen hervorrufen kann. Ist all das zumutbar?</p>
<p><strong>Triggerwarnung zum Zweiten – Spätabbruch, Selbstmord (1 Absatz)</strong><br />
Es gibt ein relativ bekanntes Beispiel einem fehlgeschlagenen Spätabbruch: Tim wird mit schweren Behinderungen geboren und von einer Familie adoptiert, die ihn aufzieht. Unterschlagen wird dabei leider oft, dass die Mutter bereits Depressionen hatte und sich aufgrund ihres Zustandes und ihrer prekären Situation nicht in der Lage sah, das Kind zu bekommen. Später beging sie Selbstmord. Ist Tim also wirklich ein schillerndes Beispiel für Eugenik durch Abbruch? Wessen Lebensrecht wiegt hier mehr?</p>
<p>Überhaupt muss ich die Frage stellen, warum sich die Diskussion so auf des Recht zu Leben zentriert. Schließlich wird mit dem Zeitpunkt der Geburt die Mutter / werden die Eltern relativ alleine gelassen. Sie dürfen im Kinderzimmer rauchen. Sie dürfen den Fernseher als Erziehungsmittel einsetzen. Sind hier wirklich Kinderrechte so wichtig?</p>
<p>Gerade unerwünschte Kinder werden nur selten durch Geburt zu erwünschten Kindern. Die Mehrzahl der abtreibenden Frauen haben bereits mindestens ein Kind und wissen also, was auf sie zukommt. Misshandlungen und psychosoziale Schäden sind eine Gefahr für unerwünschte Kinder.</p>
<p>Man kann auch schwer von einer Kultur der Abtreibung sprechen. Sicher gibt es Menschen, die schnell zu einer solchen raten – aber es gibt auch das Gegenteil. Und die Abbruchszahlen sind in Deutschland sogar leicht rückläufig.</p>
<p>Wichtig ist auch, dass die Zahl von Abbrüchen sich nicht verringert, wenn sie illegal werden. Was sich verändert ist nur die Zahl der illegalen und damit gesundheits- und lebensbedrohlichen Abbrüche. Und natürlich sind dies dann vor allem benachteiligte Frauen, die nicht ins Ausland oder zu einem guten Abtreibungsarzt können. Abbrüche nicht zu dulden oder zu legalisieren bedeutet also nur, mehr Frauen durch unsichere Eingriffe zu schädigen und nicht etwa, Kinder zu retten. </p>
<p>Was rettet Kinder? Sexualaufklärung.</p>
<p>Und Adoptionen? Die sind – wenn ich der <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2011-08/adoption-eltern-zahlen" target=_blank>Zeit</a> glauben darf, auch deshalb so niedrig, weil leibliche Eltern gefördert, unterstützt und auch geschützt werden, weil die Situation von Alleinerziehenden normalisiert ist und nicht mehr so bedrohlich.</p>
<p>Wie also sieht nun meine Ansicht zum Schwangerschaftsabbruch aus?</p>
<p>Im Rahmen der persönlichen Selbstbestimmung kann eine Frau meiner Ansicht nach zunächst einmal tun, was sie will, solange sie niemandem schadet. Für mich würde das bedeuten, dass Embryos legal abgetrieben werden dürfen. Hier würde ich die 8. Woche nach Befruchtung (10. Woche nach der Regel) als Grenze ziehen, weil bis zu diesem Zeitpunkt der Eingriff für die Frau sicherer ist und die Entwicklung noch nicht die embryonale Phase erreicht hat. </p>
<p>Ab der 8. Woche bis etwa (s.u.) zur 20. Woche ist der Embryo, wie ich oben schrieb, für mich noch kein menschliches Leben und daher wäre auch hier ein Abbruch legal. Ich würde allerdings bevorzugen, wenn es im Rahmen einer Fristenlösung hier Beratungsgespräche mit bspw. Pro Familia gibt, auch weil hinter einem so späten Wunsch nach Abbruch anderer Hilfsbedarf stecken mag. </p>
<p>Mit dem Beginn regelmäßiger Hirnströme und der fertiger Großhirnrinde schließlich gäbe es bei mir nur dann die Möglichkeit zum Abbruch, wenn wichtige medizinische oder kriminologische Gründe dafür sprechen. Lebensgefahr der Mutter, Suizidgefahr, solche Gründe.</p>
<p>Letztendlich bin ich überzeugt, dass die große Mehrheit der Frauen keinen leichtfertigen Abbruch vornehmen, sondern so eine Endscheidung ernst nehmen. Nun kann man sich fragen, wie frei Menschen überhaupt entscheiden können – aber so, wie manche vielleicht zum Abbruch gedrängt werden, werden andere davon abgehalten.</p>
<p>Will man die Zahl von Abbrüchen niedrig halten – man wird sie nicht abschaffen können, fürchte ich –, so hilft es zudem nicht, sie zu bestrafen, sondern Sexualerziehung zu betreiben und Verhütungsmittel bereitzustellen. Und die Umwelt zu beeinflussen. Hier ein unterstützenswertes <a href="http://www.svss-uspda.ch/de/ethik/ethik.htm" target=_blank>Zitat</a>:</p>
<blockquote><p>Echter Lebensschutz<br />
&#8220;Leben schützen&#8221; kann nicht Schutz des Embryos um jeden Preis bedeuten. Echter Lebensschutz heisst:</p>
<ul>
<li>Lebenspläne und -perspektiven von Frauen schützen,</li>
<li>ungewollten Schwangerschaften vorbeugen und alles daran setzen, dass jedes Kind ein erwünschtes Kind sein darf,</li>
<li>mit sozialpolitischen Massnahmen Voraussetzungen schaffen, damit Mutterschaft bewusst, verantwortlich und in Freude gelebt werden kann und damit Familien ein erfülltes Leben führen können.</li>
</ul>
<p>Das Strafgesetz ist erwiesenermassen kein taugliches Mittel, um diese Ziele zu erreichen. Rigorose Abtreibungsgesetze drängen vielmehr Frauen in die Illegalität, wo sie ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. </p></blockquote>
<p>Was bleibt sind einerseits emotionale Argumente, denen man sich zugegeben nur schwer verschließen kann – auch, wenn dabei von AbbruchgegnerInnen gerne die Fakten gedehnt werden. Beispielsweise ist bei einer Mehrzahl abgebrochener Schwangerschaften der Embryo kaum menschlich und maximal 2 cm groß, also kein Baby.</p>
<p>Der beste Grund, gegen die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen zu sein, ist meines Erachtens ein theologischer – denn dazu muss man erstens den Schutz des Lebens priorisieren und zweitens überzeugt sein, dass schon der Embryo, vielleicht sogar die Frucht menschliches Leben darstellen. Natürlich gibt es auch ChristInnen, die für eine Fristenregelung sind – auch KirchenvertreterInnen.</p>
<p>Die Bibel sagt im <a href="http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/2_mose/21/#12" target=_blank>alten Testament</a> – für Christen also ohnehin nur Version 1.0 (2. Buch Mose, Kap. 21):</p>
<blockquote><p> 22 Wenn Männer hadern und verletzen ein schwangeres Weib, daß ihr die Frucht abgeht, und ihr kein Schade widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wieviel des Weibes Mann ihm auflegt, und er soll&#8217;s geben nach der Schiedsrichter Erkennen.<br />
   23 Kommt ihr aber ein Schade daraus, so soll er lassen Seele um Seele</p></blockquote>
<p>Hier ist der Verlust des ungeborenen Kindes nur einer Geldstrafe würdig. Aber ich bin zugegeben kein Theologe.</p>
<p>Überhaupt habe ich womöglich noch gewichtige Gründe vergessen. Klärt mich auf über die Hintergründe, warum die Befruchtung Beginn des menschlichen Lebens ist, oder über sonstige Fehler meinerseits.</p>
<p>Dies ist ein strittiges, emotionales Thema, und ich habe mir Mühe gegeben, sachlich zu bleiben. Sollte es nicht gelungen sein, entschuldige ich mich.</p>
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		<title>Fußballer-Ethik</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 19:28:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[must-read]]></category>
		<category><![CDATA[wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[wm 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei der WM hat es ja nun einige Fehlentscheidungen gegeben, und die Rufe nach einer Überprüfung von strittigen Szenen durch Fernsehbilder werden lauter. Ob sich Sepp Blatter allerdings wirklich dazu bringen lässt, eine solche Instant-Replay-Regelung einzuführen, ist ungewiss. In der Diskussion um den – in meinen Augen längst fälligen – Videobeweis jedoch gibt es auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei der WM hat es ja nun einige <a href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/28/crowdsourcing-betr-schiedsrichter-fehler-bei-der-wm-videobeweis/" target=_blank>Fehlentscheidungen</a> gegeben, und die Rufe nach einer Überprüfung von strittigen Szenen durch Fernsehbilder werden lauter. Ob sich Sepp Blatter allerdings wirklich dazu bringen lässt, eine solche Instant-Replay-Regelung einzuführen, ist <a href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/28/sudafrika-tag-24-das-schiedsrichterproblem-und-das-schweigen-der-schlemmer/" target=_blanK>ungewiss</a>. In der Diskussion um den – in meinen Augen längst fälligen – Videobeweis jedoch gibt es auch immer wieder das Argument, die Spieler könnten ja selbst zugeben, wenn sie bspw. mit der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=O5WhHdT3abA" target=_blank>Hand</a> ein Tor erzielt hat. Gleichzeitig heißt es als Gegenargument, das könne man von den Spielern nicht verlangen, wo es doch um so viel Geld ginge.</p>
<p>Und da regt sich dann in mir doch Widerspruch.<br />
<span id="more-1997"></span><br />
Ethik ist heutzutage oft eher eine Sache für den Feierabend. Die Wirtschaft, so wird gerne gesagt, sei kein Ort für Ethik. Wann immer es um viel Geld geht, muss die Ethik draußen bleiben – so auch bei der WM? Ich denke nicht. Vielmehr ist es gerade dann wichtig, ethische Grundsätze zu befolgen.</p>
<p>Die Fußballspieler bei der WM sind Vorbilder, und zugleich sind sie Spiegelbilder der Gesellschaft. Und in dieser Gesellschaft, die sie zeigen, zählt anscheinend nur der Erfolg, und wenn man dazu betrügen muss, wenn man Tätlichkeiten vortäuscht, indem man sich ans Gesicht fasst und fallen lässt; wenn man klare Tore nicht als solche deklariert oder Fouls nicht eingesteht, dann wird das vom Zuschauer vor dem Fernseher zwar mit Unmut begrüßt, aber in der Regel auch nur, wenn der betreffende Spieler nicht dem eigenen Land angehört. Schlimmer aber noch: diese Taten bleiben ungestraft.</p>
<p>Hier ist der Knackpunkt zu sehen. Es wäre wünschenswert, wenn Spieler ihre Verstöße zugäben oder unterließen, um einen gerechteren Sport zu ermöglichen und auch bessere Vorbilder zu sein. Nun ist es aber ohnehin schon viel verlangt, dass Menschen allein aus dem Gefühl ethischer Notwendigkeit heraus auf einen Vorteil verzichten sollen – so etwas erreicht man i.d.R. nur bei ethisch sehr reflektierten und vorgebildeten Personen. Man müsste Fußballer also mindestens einer intensiven Ethik-Schulung unterziehen – und selbst dann hätte man nicht die Garantie, dass sie die für Fairness notwendigen Prinzipien akzeptieren.</p>
<p>Die zweite Möglichkeit, ethisches Verhalten zu bekommen, ist der Zwang bzw. ein Belohnungssystem. Zwang führt dazu, dass oberflächlich vielleicht so gehandelt wird, wie man es wünscht, aber sobald die Gefahr der Bestrafung nicht groß genug ist, wird unter der Hand das getan, was den größten Vorteil bringt. Ergo verdeckte Fouls. Aber Bestrafung kann zumindest helfen und mögliche Übeltäter zögern lassen und zwar umso besser, je besser die Kontrolle von Missetaten ist – ein Argument für den Videobeweis könnte also sein, dass die Gefahr nachträglicher Bestrafung oder Tor-Aberkennung dazu führt, dass Spieler von vorneherein weniger Tätlichkeiten begehen oder Handspiele zugeben.</p>
<p>Besser noch wäre eine Belohnung für ethisches Verhalten, damit die Spieler sogar einen Anreiz haben, offen richtig zu agieren. Beispielsweise könnte man, wenn der Spieler ein Handspiel auf Nachfrage zugibt, von einer Karte absehen. Oder man arrangiert einen Turnierbaum so, dass die sieben besten und die fairste Mannschaft ins Viertelfinale einer WM einziehen. Mit anderen Worten müsste man die Spielregeln so verändern, dass auch die betrügerischen Spieler, die nur auf den eigenen Vorteil aus sind, geneigt sind, ehrlich zu bleiben. </p>
<p>Mindestens aber müsste man den Spielern, die grundsätzlich ehrlich sind oder gerne wären, entsprechende Konsequenzen androhen. Das passiert aber nicht. Und wenn der Spieler die Wahl hat, ein Handtor zuzugeben und dadurch nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren, dann ist selbst eine ehrliche Haut manchmal nicht in der Lage, das Richtige zu tun – es drohen das Ausscheiden der Mannschaft, der Spott der Teamkollegen und Vorwürfe der Heimatpresse, und selbst wenn es nachher aufgedeckt wird, erfolgt nicht einmal eine persönliche Bestrafung, geschweige denn eine Strafe für die Mannschaft. </p>
<p>Auch hier gleicht also die WM der freien Wirtschaft und den Finanzmärkten, denn die Spielregeln dieser Bereiche sind so ausgelegt, dass sie unethisches Verhalten belohnen und ethisches Verhalten bestrafen, aber trotzdem verlangen manche individuell ethisches Verhalten – eine Illusion, die höchstens von selten starken Personen erfüllt wird –, und andere ziehen daraus den Schluss, ethisches Verhalten sei hier generell fehl am Platze. Beides stimmt nicht.</p>
<p>Aber darum ist ein Verweis auf die Spieler und deren Verantwortung auch kein Argument gegen den Videobeweis. </p>
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		<title>10 Gebote, die</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 12:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[bibel]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt ja immer noch Leute, welche die zehn Gebote für vernünftige Moralregeln halten. Diskutiert man, landet man meistens bei einer wesentlich kleineren Zahl als 10, was Gott ja eigentlich hätte wissen können. Christopher Hitchens hat jetzt neue 10 Gebote formuliert (am Ende des Videos), die mir aber nur halb gut gefallen. In dem Video [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ja immer noch Leute, welche die zehn Gebote für vernünftige Moralregeln halten. Diskutiert man, landet man meistens bei einer wesentlich kleineren Zahl als 10, was Gott ja eigentlich hätte wissen können. Christopher Hitchens hat jetzt <a href="http://www.youtube.com/watch?v=l_lM61aDyPg">neue 10 Gebote</a> formuliert (am Ende des Videos), die mir aber nur halb gut gefallen. In dem Video geht er auch noch auf die biblischen Gebote ein, und das hat George Carlin wirklich besser gemacht – auch wenn Hitchens Recht hat, dass das Bilderverbot i.d.R. unterschlagen wird:</p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/pkRYaMiP4K8&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/pkRYaMiP4K8&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p>(<a href="http://www.youtube.com/watch?v=pkRYaMiP4K8">Facebook-Link</a>)<br />
<span id="more-1540"></span><br />
Wie einfach es ist, auf zehn bessere Regeln zu kommen als Gott, zeigt aber nicht nur Hitchens, sondern auch Michael Schmidt-Salomon mit seinen zehn <a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/human/manangebote.htm" target=_blank>Angeboten des Evolutionären Humanismus</a>:</p>
<ol>
<li>Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“, sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern!</li>
<li>Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!</li>
<li>Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!</li>
<li>Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!</li>
<li>Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Trage dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen aufgehoben werden, unter denen Menschen heute verkümmern, und du wirst erstaunt sein, von welch freundlicher, kreativer und liebenswerter Seite sich die vermeintliche „Bestie“ Homo sapiens zeigen kann.</li>
<li>Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest.</li>
<li>Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Zweifle aber auch am Zweifel! Selbst wenn unser Wissen stets begrenzt und vorläufig ist, solltest du entschieden für das eintreten, von dem du überzeugt bist. Sei dabei aber jederzeit offen für bessere Argumente, denn nur so wird es dir gelingen, den schmalen Grat jenseits von Dogmatismus und Beliebigkeit zu meistern.</li>
<li>Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!</li>
<li>Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben!</li>
<li>Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig, sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz.</li>
</ol>
<p>Die lange Fassung findet man hinter dem Link. Ich finde, das sind wesentlich lebenswertere Vorgaben.</p>
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		<title>Die Ethik, gestohlene Daten zu kaufen</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 11:12:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[datenklau]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[konsequenzen]]></category>
		<category><![CDATA[must-read]]></category>
		<category><![CDATA[steuern]]></category>

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		<description><![CDATA[Sehr verspätet will ich auch Stellung nehmen zu den Daten der Steuerbetrüger, die von der Bundesregierung gekauft werden, wogegen sogar Strafanzeige gestellt wurde. Die Frage ist m.E. weniger, ob der Kauf legal ist oder nicht. In der Frage, ob die Regierung diese Daten kaufen soll, steckt vielmehr eine ethische Fragestellung: ist es gut oder richtig, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr verspätet will ich auch Stellung nehmen zu den Daten der Steuerbetrüger, die von der Bundesregierung gekauft werden, wogegen sogar <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/147020" target=_blank>Strafanzeige</a> gestellt wurde. Die Frage ist m.E. weniger, ob der Kauf <em>legal</em> ist oder nicht. In der Frage, ob die Regierung diese Daten kaufen soll, steckt vielmehr eine ethische Fragestellung: ist es <em>gut</em> oder <em>richtig</em>, die Daten zu kaufen.</p>
<p>Die Antwort lautet wie so oft bei Ethik: Hängt davon ab.<br />
<span id="more-1464"></span><br />
Primär hängt es davon ab, welcher Ethik man selbst anhängt. Ich persönlich würde mich als Pragmatiker bezeichnen, also als jemand, der eine Handlung nach deren Nutzen und Konsequenzen bewertet. Die Frage ist also, was man mit einer Handlung bezweckt und welche Folgen sie hat, wobei dazu kommt, dass Zweck und Folgen natürlich ebenfalls einer Wertung unterliegen. Hier kommt für mich ein evolutionär-humanistisches Weltbild ins Spiel, das sich zu allererst an den Menschenrechten und an Freiheit orientiert.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man m.E. nicht darauf vertrauen sollte, dass Individuen moralisch handeln, sondern dass die institutionellen Spielregeln derart beschaffen sein sollen, dass Individuen auch dann zu moralischen Handlungen neigen, wenn ihnen die Moral egal ist. Das ist natürlich in der Wirtschaft extrem wichtig, da es durchaus immer noch Experten gibt, die in der Wirtschaft (zu Unrecht) keinen Platz für Ethik sehen.</p>
<p>Was also bezweckt die Regierung mit dem Kauf der Daten? Sie bezweckt zunächst, Steuersünder zu bestrafen, sie bezweckt außerdem, Geld in die Kassen zu bekommen. Beides wird wohl auch Resultat des Kaufs sein, insofern ist die Tat erst einmal erfolgreich. Aber ist sie auch <em>richtig</em>?</p>
<p>Die Befürchtung ist, dass durch den Kauf ein Verbrechen – der Diebstahl der Daten – auch noch belohnt, nämlich bezahlt wird. Insofern ist dieser Aspekt sicherlich eine Folge, die man als unmoralisch bezeichnen kann. Verbrechen sollten nicht belohnt werden (unter der Maßgabe, dass etwas zurecht illegal ist).</p>
<p>Aber gleichzeitig gibt es das Problem, dass man an Steuersünder mit großer Wahrscheinlichkeit nur dann kommt, wenn jemand aus dem inneren Kreis plaudert oder jemand die Daten stiehlt. Solange illegale Aktivitäten nur von einer geringen Zahl an Mitwissern getragen werden, wird man nicht umhin kommen, Mitwisser, die auspacken, zu belohnen, und wenn es nur ist, dass man Informanten Straffreiheit verspricht.</p>
<p>Ein solches Informantensystem wiederum kann zum Selbstläufer werden, wenn Informanten sich Daten und Verbrechen ausdenken, um belohnt zu werden, wie es mit Drogeninformanten häufig passiert. Insofern gilt doppelte Wachsamkeit, dass die gemeldeten Verbrechen auch wirklich solche sind.</p>
<p>Hinzu kommt, dass hier ein Zeichen von der Regierung gesetzt wird: wir sind bereit, gegen Steuersünder vorzugehen, auch wenn wir uns dabei schmutzig machen. Und: die Schweizer Konten sind nicht so sicher, wie ihr glaubt. Es ist gut möglich, dass die Mehrzahl der unerkannten Steuersündern einfach auf andere Konten ausweicht – aber alle? Es gibt einen abschreckenden Effekt über die Bestrafung hinaus.</p>
<p>Zu guter Letzt darf auch nicht vergessen werden, dass die Steuersünder zunächst einmal Verbrecher sind. Verbrecher, die bestraft werden sollten. Oder sollte die Regierung diese Verbrecher laufen lassen, weil sie niemanden direkt umgebracht haben? Es wird oft (zurecht) behauptet, &#8220;white collar crime&#8221;, also Finanzverbrechen und ähnliche &#8220;opferlose&#8221; Straftaten würden zu leicht bestraft und nicht ausreichend verfolgt, wenn man einfache Diebstähle o.ä. zum Vergleich nähme. Insofern wäre es doch zu befürworten, dass die Regierung hier einmal etwas gegen solche Verbrecher mit weißem Kragen unternimmt.</p>
<p>Unter dem Strich sehe ich sowohl positive wie auch negative Konsequenzen aus dem Kauf, aber die positiven überwiegen, sodass m.E. alleine schon aus Gerechtigkeitsgründen die Regierung <em>gut</em> daran tut, die Daten zu kaufen.</p>
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		<title>Religion und Moral, mal wieder</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Dec 2009 14:22:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[atheismus]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer wieder schön, wenn in einer Diskussion um Religion die olle Kamelle kommt, Religion sei die Quelle unserer Moral. Nicht nur, dass eine nette Studie wenig überraschend zu dem Ergebnis kommt, dass &#8220;Gottes Wille&#8221; verdächtig genau mit den jeweiligen Ansichten des Gläubigen übereinstimmt und nur als Rechtfertigung dient. Nein, auch die vielen, vielen unmoralischen Taten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder schön, wenn in einer Diskussion um Religion die olle Kamelle kommt, Religion sei die Quelle unserer Moral. Nicht nur, dass eine nette Studie wenig überraschend zu dem Ergebnis kommt, dass <a href="http://scienceblogs.com/notrocketscience/2009/11/creating_god_in_ones_own_image.php" target=_blank>&#8220;Gottes Wille&#8221; verdächtig genau mit den jeweiligen Ansichten des Gläubigen übereinstimmt</a> und nur als Rechtfertigung dient. Nein, auch die vielen, vielen unmoralischen Taten und Aussagen von angeblich ach so gläubigen Menschen führen diese Idee ad absurdum. Diesmal hat moralischer Verfall in Indonesion für eine <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/8384827.stm" target=_blank>Naturkatastrophe</a> gesorgt. In Uganda sollen <a href="http://www.boxturtlebulletin.com/2009/10/23/15873" target=_blank>Homosexuelle</a> mit lebenslänglich oder gar der Todesstrafe belegt werden – eine überwiegend christliche Nation. Von den Kirchen und dem Papst hört man aber nur Aufregung um das Kruzifix-Urteil in Italien (oder vielleicht noch die Türme in der Schweiz), und in Spanien droht die Kirche Politikern, die Abtreibung unterstützen, sie <a href="http://hpd.de/node/8357" target=_blank>nicht mehr zum Abendmahl zuzulassen</a>.</p>
<p>Ach ja, und dann ist da noch Irland. Der Bericht über die Missbrauchstaten an Kindern unter kirchlicher Aufsicht <a href="http://www.nytimes.com/aponline/2009/11/26/world/AP-EU-Ireland-Catholic-Abuse.html?_r=3&#038;hp" target=_blank>ist erschienen</a>, und er berichtet von vielhundertfachen Fällen von Missbräuchen, die allesamt totgeschwiegen wurden, solange es ging. Nicht einmal, als 1995 endlich ein Erzbischof die Polizei an die kirchlichen Akten ließ, machte er sie alle zugänglich, sondern nur 17 – obwohl zu diesem Zeitpunkt über mindestens 29 Priester Akten bestanden. Manche Priester wurden über hundert Mal auffällig.</p>
<p>Über diese Fälle zu schweigen ging auch moralisch in Ordnung, so die Kirche, denn da wurde nicht gelogen – und wir dürfen nicht vergessen, es gibt zwar das Gebot, kein falsches Zeugnis abzulegen, aber kein Gebot, keine Kinder zu missbrauchen. Denn es gibt den <a href="http://www.bbc.co.uk/blogs/ni/2009/11/any_mental_reservations.html" target=_blank>Geheimen Vorbehalt</a>, der es erlaubt, Informationen zurückzuhalten, ohne zu lügen. Das sah dann so aus:</p>
<p>Auf die Frage nach Schweigegeldern für Missbrauchsfälle antwortete ein Kardinal: &#8220;Es wird kein Geld aufgewandt, um Missbrauchsopfer zum Schweigen zu bringen.&#8221; Das stimmte auch, weil der Kardinal im Präsens sprach, und die Gelder in der Vergangenheit benutzt wurden – also keine Lüge. Ebenso die Aussage: &#8220;Wir kooperieren mit der Polizei&#8221; – keine Lüge, weil nicht gesagt wurde, das man vollständig kooperiere. Was man eindeutig nicht tat.</p>
<p>Ganz ehrlich: Es gibt allenfalls einen deistisch-zurückhaltenden Gott. Die Bibel ist ein Buch, das alles rechtfertigen kann. Andere Glaubensrichtungen sind ebenso anfällig für Missbrauch und Unmoral. Glaube bewirkt ganz eindeutig nicht, dass Menschen sich gut verhalten, sondern (s.o.) sie rechtfertigen ihre eigenen Ansichten.</p>
<p>Es wird Zeit, dass die vielen aufrichtigen, guten Menschen, die sich als Christen verstehen, endlich einsehen, dass sie ihre Güte sich selbst verdanken, und diesen altertümlichen Aberglauben endlich abtun. Damit sich die ganzen Arschlöcher nicht mehr hinter der vermeintlichen Popularität ihrer Glaubensrichtung verstecken können und die Hierarchien in sich zusammenfallen.</p>
<p>Nicht jeder Atheist ist ein Humanist, geschweige denn ein guter. Aber wenigstens tun wir nicht so. Wir verkünden keine eine Wahrheit, kein göttliches Wissen. Uns darf man kritisieren, ohne lästerlich zu sein.</p>
<p>Es gibt<sup><a href="http://p-pricken.de/2009/12/religion-und-moral-mal-wieder/#footnote_0_1148" id="identifier_0_1148" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit">1</a></sup> keinen Gott, wie er von unseren Religionen erkannt würde, aber der Glaube an ihn sorgt immer noch jeden Tag für großen Schaden. Da ist Homöopathie nichts gegen. Und das ist traurig. Darum zum Abschluss was lustiges, ein Cartoon.<br />
<img src="http://p-pricken.de/uploads/2009/12/atheist-cartoon.gif" alt="atheist cartoon" title="atheist cartoon" width="378" height="500" class="aligncenter size-full wp-image-1149" /></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1148" class="footnote">mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit</li></ol><p><a class="a2a_button_facebook_like addtoany_special_service" data-href="http://p-pricken.de/2009/12/religion-und-moral-mal-wieder/"></a><a class="a2a_button_google_plusone addtoany_special_service" data-annotation="none" data-href="http://p-pricken.de/2009/12/religion-und-moral-mal-wieder/"></a><a class="a2a_button_twitter_tweet addtoany_special_service" data-count="none" data-url="http://p-pricken.de/2009/12/religion-und-moral-mal-wieder/" data-text="Religion und Moral, mal wieder"></a><a href="javascript:if(document.all){window.external.AddFavorite('http://p-pricken.de/2009/12/religion-und-moral-mal-wieder/','Religion%20und%20Moral,%20mal%20wieder')}else{var%20b=a2a_config.localize.BookmarkInstructions%20||%20'Press%20Ctrl+D%20to%20bookmark%20this%20page';alert(a2a_config.localize.BookmarkInstructions)}" title="Bookmark/Favorites" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/bookmark.png" width="16" height="16" alt="Bookmark/Favorites"/></a><a class="a2a_button_email" href="http://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2009%2F12%2Freligion-und-moral-mal-wieder%2F&amp;linkname=Religion%20und%20Moral%2C%20mal%20wieder" title="Email" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/email.png" width="16" height="16" alt="Email"/></a><a class="a2a_button_facebook" href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2009%2F12%2Freligion-und-moral-mal-wieder%2F&amp;linkname=Religion%20und%20Moral%2C%20mal%20wieder" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2009%2F12%2Freligion-und-moral-mal-wieder%2F&amp;title=Religion%20und%20Moral%2C%20mal%20wieder" id="wpa2a_20">Share/Bookmark</a></p>
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		<title>Regellos und Zügellos</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Feb 2009 15:33:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[moral]]></category>
		<category><![CDATA[must-read]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Mensch ist eine Bestie?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei einem kürzlichen Gespräch schockte mich ein ebenfalls als Skeptiker ausgewiesener Bekannter mit seinem Menschenbild und seinen Moralvorstellungen. Nicht nur, dass moralisches Verhalten für ihn nur anerzogen und kulturell geprägt ist, dass also beispielsweise die römische Sklaverei nicht als unethisch gelten könne, weil sie damals nicht als solche wahrgenommen wurde, sondern auch:</p>
<blockquote><p>Wenn es keine Regeln mehr gibt, wenn man nicht mehr die Gefahr hat, zur Rechenschaft gezogen zu werden, dann packt der Mensch sich die Machete und hackt seinen Nachbarn in Stücke. Vielleicht nicht alle, aber die Mehrheit.</p></blockquote>
<p>Ähh&#8230; nein.</p>
<p><span id="more-337"></span>Ich will nicht verhehlen, dass es in Krisengebieten zu extremen Gewalttaten kommt, und dass sich in jenen Gebieten, in denen die staatliche Macht zusammenbricht, solche Taten häufen. Dazu lässt sich dennoch vielerlei sagen.</p>
<p>Erstens strömen gewaltbereite Täter gerade in solche Gebiete, in denen sie marodieren können. Söldner und Plünderer kommen auch aus umliegenden Nationen und leben sich aus; gleichzeitig fliehen friedlichere Menschen aus diesen Gebieten. Es findet also weniger eine Veränderung des menschlichen Verhaltens als ein Austausch der Menschen statt.</p>
<p>Zweitens kommt es auch in extrem geregelten und oppressiven Machtgefügen zu diesen Taten, dann nur einerseits als Teil der Machtausübung unmenschlich gewordener Regelungen und andererseits als mehr oder weniger versteckte Racheakte an den Machtinhabern.</p>
<p>Drittens kommt es neben Gewaltakten auch immer zu Akten besonders erwähnenswerter Menschlichkeit in positivem Sinne, also Hilfsaktionen und Schutz.</p>
<p>Viertens ist es illusorisch, einen Zustand völliger Regellosigkeit zu postulieren. Auch die marodierenden Banden sind Banden, die brutal und geregelt vorgehen. Der Mensch stellt mindestens implizit Regeln auf, die er befolgt, so dass es völlige und reine Anarchie ebensowenig geben kann wie völlige Kontrolle und Freiheitsberaubung – zumindest nicht über einen Moment hinaus.</p>
<p>Dabei kennen wir natürlich Taten, in denen das obige nicht zutrifft, vor allem Impulstaten – auch wenn man sich streiten kann, in wie weit ein Eifersuchtsmord eventuell verinnerlichten Regularien folgt.</p>
<p>Aber viel mehr noch kennen wir Leute, die nur durch Gesetze und Machtgefüge davon abgehalten werden, brutale Gewalttaten auszuüben, die nur von der Strafandrohung abgeschreckt werden. Wir nennen sie Soziopathen.</p>
<p>Nun zu behaupten, die Mehrheit der Menschen seien Soziopathen, ist doch etwas, dass sich nicht wirklich aufrecht erhalten lässt. Dazu ist es ein für mich erschreckendes Menschenbild, denn es suggeriert ja, dass ich meinem Gegenüber nur in der Sicherheit einer kontrollierten und überwachten Umgebung zu nahe kommen sollte, dass jeder meiner Mitmenschen stets kurz davor ist, mich zu ermorden oder sich an mir zu vergehen (ha, schön wärs!), und nur von potentieller Strafe abgehalten wird, von den externen Regeln des Zusammenlebens. Wie kann man mit so einer Ansicht noch ruhig schlafen?</p>
<p>Ach so, was Regeln angeht, hier noch mal was: eine <a href="http://www.news.com.au/heraldsun/story/0,21985,25006615-663,00.html" title="Herald Sun: Iraqi woman had 80 women raped" target=_blank>nette irakische Frau</a> hat 80 Vergewaltigungen befohlen, um anschließend die Frauen zu Selbstmordattentäterinnen zu machen, weil das die einzige Möglichkeit sei, ihre Schande reinzuwaschen. Das ist Regelhaftigkeit, nicht Anarchie. (<a href="http://scienceblogs.com/pharyngula/2009/02/heres_one_face_of_evil.php" title="Pharyngula: one face of evil" target=_blank>via</a>)</p>
<p>Aber wahrscheinlich ist das eben einfach eine andere kulturell erworbene Ethik, der wir unsere westliche Ethik nicht entgegen setzen dürfen. Bah, Kulturrelativismus.</p>
<p><a class="a2a_button_facebook_like addtoany_special_service" data-href="http://p-pricken.de/2009/02/regellos-und-zugellos/"></a><a class="a2a_button_google_plusone addtoany_special_service" data-annotation="none" data-href="http://p-pricken.de/2009/02/regellos-und-zugellos/"></a><a class="a2a_button_twitter_tweet addtoany_special_service" data-count="none" data-url="http://p-pricken.de/2009/02/regellos-und-zugellos/" data-text="Regellos und Zügellos"></a><a href="javascript:if(document.all){window.external.AddFavorite('http://p-pricken.de/2009/02/regellos-und-zugellos/','Regellos%20und%20Zügellos')}else{var%20b=a2a_config.localize.BookmarkInstructions%20||%20'Press%20Ctrl+D%20to%20bookmark%20this%20page';alert(a2a_config.localize.BookmarkInstructions)}" title="Bookmark/Favorites" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/bookmark.png" width="16" height="16" alt="Bookmark/Favorites"/></a><a class="a2a_button_email" href="http://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2009%2F02%2Fregellos-und-zugellos%2F&amp;linkname=Regellos%20und%20Z%C3%BCgellos" title="Email" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/email.png" width="16" height="16" alt="Email"/></a><a class="a2a_button_facebook" href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2009%2F02%2Fregellos-und-zugellos%2F&amp;linkname=Regellos%20und%20Z%C3%BCgellos" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2009%2F02%2Fregellos-und-zugellos%2F&amp;title=Regellos%20und%20Z%C3%BCgellos" id="wpa2a_22">Share/Bookmark</a></p>
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		<title>Ärzte lügen nicht</title>
		<link>http://p-pricken.de/2009/01/arzte-lugen-nicht/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 08:52:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[must-read]]></category>
		<category><![CDATA[skeptiker]]></category>

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		<description><![CDATA[Wahrheit und Lüge in der Medizin]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem <a href="http://p-pricken.de/2009/01/wer-heilt-hat-aarghwer-heilt-hat-aargh/" title="Wer heilt, hat... Aargh!" target=_blanK>früheren Beitrag</a> habe ich meine Abneigung gegen einen Spruch dargelegt. Der Spruch: »Wer heilt, hat Recht.« Darin bemängele ich unter anderem, dass Ärzte einen mündigen Patienten nicht anlügen sollen, und dass dies einer Gründe ist, warum ich dagegen bin, bewusst Hokuspokus zu verabreichen.</p>
<p>Ein skeptischer Bekannter stimmte nicht zu.</p>
<p><span id="more-215"></span>Schließlich, so er, richte ein solcher Hokuspokus keinen direkten Schaden an, und es gebe Situationen, in denen eine Lüge angebracht sei. Sein Beispiel war das seiner Freundin, die als Ärztin im Gefängnis viele Patientin mit angeblichen Schlafstörungen hatte.</p>
<p>Nun wissen wir alle, dass Knackis lügen und Schlaftabletten brauchen, um damit zu dealen, um Selbstmordversuche zu begehen oder um sie auf dem Schwarzmarkt gegen eine Feile und verknotete Bettdecken zu tauschen. Jedenfalls kam die Ärztin zu dem Schluss, dass sie nicht einfach Schlafmittel verschreiben könne. Also tat sie das Naheliegende: sie belog die Patienten.</p>
<p>Am Unterarm, so erzählte sie also meinem Bekannten zufolge, gebe es eine Stelle, und wenn man diese drücke, dann könne man gut einschlafen.</p>
<p>Das ist respektlos und m.E. auch ethisch fragwürdig. Versetzen wir uns in die Lage eines Gefangenen. Gehen wir davon aus, dass die Methode wirkt. Wir drücken unseren Unterarm und können besser einschlafen. Toll!</p>
<p>Jetzt erzählt mir einer was von Akkupressur. Da werde Lebensenergie manipuliert, und durch Druck auf bestimmte Stellen können Beschwerden und Krankheiten geheilt werden. Oder Akkupunktur, mit Nadeln. Klar, das gibt es bestimmt, das hab ich ja selbst erfahren. Meine Wunderschlafstelle steht ja auch in keinem Medizinbuch, aber sie funktioniert. Die wissen eben auch nicht alles.</p>
<p>Oder mein Zellengenosse hat einen Arzt zum Bruder. Plötzlich lacht der mich aus, weil ich an solchen Hokuspokus glaube. Ich bekomme Zweifel, und die Stelle wirkt nicht mehr. Jetzt ist klar: die Ärztin hat mich belogen. Der werd ich noch was von meinen Erektionsproblemen erzählen, von wegen. Und überhaupt, was die mir sagt und gibt, ist eh alles Mist. Ärzten kann man nicht trauen.</p>
<p>Damit hat diese vermeintlich harmlose Lüge das Potential, den Empfänger in die Paramedizin zu treiben oder aber den Placeboeffekt von evidenzbasierter Medizin (sowie den Umgang zwischen Arzt und Patient) zu verschlechtern, und zwar über die Tatsache hinaus, dass man einer erwachsenen Person nicht zutraut, die Wahrheit zu erleben. Eine Alternative:</p>
<blockquote><p>Es tut mir leid, aber ich kann diese Störungen nicht medikamentös behandeln. Stattdessen verrate ich Ihnen einen Trick. Sie müssen sich entspannen. Dazu kann es helfen, wenn sie sich zum Beispiel hier auf den Unterarm drücken und auf diesen Druck konzentrieren. Damit tricksen sie ihr Gehirn aus. Das hilft.</p></blockquote>
<p>Es ist die Aufgabe von Ärzten, die bestmögliche Behandlungsmethode zu finden und dem Patienten vorzustellen. Es ist NICHT ihre Aufgabe, über den Patienten hinweg zu entscheiden, was wie zu tun ist. Wir leben nicht mehr in den Fünfzigern, die Halbgötter in Weiß sind sterblich und fehlbar, und Risiken sowie Vorzüge (k)einer Behandlung sind offenzulegen.</p>
<p>Der echte Grund wird dem Empfänger nicht gefallen? Da muss er durch. Vielleicht wäre man auch ohne Lügen in den Irak einmarschiert. Vielleicht kann man auch ohne Lügen einschlafen.</p>
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		<title>Wer heilt, hat&#8230; aargh!</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jan 2009 14:19:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[must-read]]></category>
		<category><![CDATA[paramedizin]]></category>
		<category><![CDATA[skeptiker]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum ich diesen Spruch hasse]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Wer heilt, hat Recht.« Man wird selbst unter Skeptikern viele Leute finden, die diesen Spruch mögen und ihm zustimmen. Lass die Leute doch für ihre Kopfschmerzen Homöopathika nehmen, wenns ihnen danach besser geht? Der Placebo-Effekt kann ja auch für Heilung benutzt werden.</p>
<p>Ich hasse diesen Spruch. Heute erkläre ich, warum.</p>
<p><span id="more-164"></span>Zunächst einmal ist es eine idiotische Idee, die Bewertung nur von der Heilung abhängig zu machen. Dieser Spruch klingt wie »der Zweck heiligt die Mittel« – und das kann ja sonstwo hinführen. Wenn ich mich beim Arzt beschwere, dass mein Zeh schmerzt, und er amputiert meinen Fuß,,, tja, am Zeh spüre ich dann nichts mehr, also Recht gehabt?</p>
<p>Selbst abseits der reinen Semantik finde ich aber auch die Idee falsch, aus fünf Gründen:</p>
<p>Erstens halte ich es für ethisch fragwürdig, reine Placebos zu verkaufen, und nichts anderes tun ja Homöopathiker und wie sie alle heißen. Wenn Bayer mit einer neuen Pille auf den Markt käme, die schön aussieht und super schmeckt und 9,90 Euro im Zehnerpack kostet, aber keinen Wirkstoff enthält (»Aspirin Pla Ce«), würde man das nicht für besonders ethisch halten, oder?</p>
<p>Zweitens haben Medikamente eben den Vorteil, dass sie nicht nur ihren Wirkstoff haben, sondern die Placebo-Wirkung ja ebenfalls ausnutzen. Warum also dann nicht gleich ein richtiges Medikament nehmen?</p>
<p>Drittens lässt es sich leider nicht klar trennen, wofür man dann auf unwirksame Methoden zurückgreifen kann und wofür nicht, und dann kann man plötzlich Krebs mit Chiropraxis heilen und Homöopathie gegen Hepatits nehmen. Warum auch nicht, bei Kopfschmerzen hat der Arzt ja auch gesagt, dass Homöopathie hilft.</p>
<p>Dazu kommt viertens, dass in den Kreisen dieser Paramediziner oft ein feindliches Verhältnis zu evidenzbaiserter Medizin herrscht, und sich dadurch ein sog. Nocebo-Effekt einschleichen kann, dass nämlich bei richtigen Medikamenten die Wirkung aufgrund von Misstrauen geschmälert wird.</p>
<p>Und fünftens schließlich halte ich es einfach für falsch, den Patienten zu belügen. Ja, der Arzt weiß mehr als ich und muss aufgrund seines Wissens entscheiden, was er tut. Aber er hat nicht das Recht, mich anzulügen. Ich bin volljährig und selbständig, und das ist respektlos. </p>
<p>Ich finde, dass dies durchaus Bedenken sind, die man ernst nehmen kann – oder man geht selbstgerecht darüber hinweg. Der Titelsatz ist ja eigentlich nie wirkliches Fazit von Argumentation, sondern Totschlagargument, und man wage es nicht, zu widersprechen. Wie kann man gegen Heilung sein? Das geht doch gar nicht. Damit diqualifiziert man sich selbst – oder überlässt den Pseudianern das Feld.</p>
<p>»Das mag ja alles stimmen, aber meine Tante wurde gesund. Und ich sage immer: wer heilt, hat&#8230;« Aargh!</p>
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		<title>Entweder – oder</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Dec 2008 14:29:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[ethik]]></category>
		<category><![CDATA[freie wahl]]></category>
		<category><![CDATA[moral]]></category>
		<category><![CDATA[pro reli]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Pro Reli macht die Dychotomie zur Kunstform]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_121" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img src="http://p-pricken.de/uploads/2008/12/freiewahl-150x150.jpg" alt="Was nehm ich nur?" title="www.freie-wahl.de" width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-121" /><p class="wp-caption-text">Was nehm ich nur?</p></div>(via <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/12/16/kirchlicher-pro-choice-aktivismus/" title="Begrenzte Wissenschaft: Kirchlicher Pro-Choice-Aktionismus" target=_blank>Begrenzte Wissenschaft</a>; dort auch weiterführende Links) Die Kampagne &#8220;Pro Reli&#8221; bekleckert sich ja nicht unbedingt mit Ruhm, aber hier tun sie mal Wahrheit kund. Wenn auch, wie man annehmen kann, unabsichtlich.</p>
<p>Schwere Entscheidung.</p>
<p><a class="a2a_button_facebook_like addtoany_special_service" data-href="http://p-pricken.de/2008/12/entweder%e2%80%93oder/"></a><a class="a2a_button_google_plusone addtoany_special_service" data-annotation="none" data-href="http://p-pricken.de/2008/12/entweder%e2%80%93oder/"></a><a class="a2a_button_twitter_tweet addtoany_special_service" data-count="none" data-url="http://p-pricken.de/2008/12/entweder%e2%80%93oder/" data-text="Entweder – oder"></a><a href="javascript:if(document.all){window.external.AddFavorite('http://p-pricken.de/2008/12/entweder%e2%80%93oder/','Entweder%20–%20oder')}else{var%20b=a2a_config.localize.BookmarkInstructions%20||%20'Press%20Ctrl+D%20to%20bookmark%20this%20page';alert(a2a_config.localize.BookmarkInstructions)}" title="Bookmark/Favorites" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/bookmark.png" width="16" height="16" alt="Bookmark/Favorites"/></a><a class="a2a_button_email" href="http://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2008%2F12%2Fentweder%25e2%2580%2593oder%2F&amp;linkname=Entweder%20%E2%80%93%20oder" title="Email" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/email.png" width="16" height="16" alt="Email"/></a><a class="a2a_button_facebook" href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2008%2F12%2Fentweder%25e2%2580%2593oder%2F&amp;linkname=Entweder%20%E2%80%93%20oder" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://p-pricken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2008%2F12%2Fentweder%25e2%2580%2593oder%2F&amp;title=Entweder%20%E2%80%93%20oder" id="wpa2a_28">Share/Bookmark</a></p>
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