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	<title>Derangierte Einsichten &#187; drama</title>
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	<description>Geschreibsel, Kommentare und Kritik</description>
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		<title>Black Swan</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Jan 2011 05:06:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik]]></category>
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		<category><![CDATA[darren aronowsky]]></category>
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		<description><![CDATA[Kino. Kino kann großartige Weiten inszenieren – aber auch intime Nähe. Darren Aronowsky setzt in Black Swan auf Nähe. Wir sehen Close-Ups und halbnahe Einstellungen anstelle von tanzenden Figuren. Und doch ist dies ein perfekter Ballettfilm. Es geht um Einschränkung und Unterdrückung, um abgemagerte und für Tanz optimierte Körper ohne Leben. Und doch ist dies [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kino. Kino kann großartige Weiten inszenieren – aber auch intime Nähe. Darren Aronowsky setzt in <em>Black Swan</em> auf Nähe. Wir sehen Close-Ups und halbnahe Einstellungen anstelle von tanzenden Figuren. Und doch ist dies ein perfekter Ballettfilm. Es geht um Einschränkung und Unterdrückung, um abgemagerte und für Tanz optimierte Körper ohne Leben. Und doch ist dies ein perfekter Ballettfilm.</p>
<p>Warum? Kurze Antwort: <em>Black Swan</em> ist ein Meisterwerk.<br />
<span id="more-2910"></span><br />
<div id="attachment_2911" class="wp-caption alignright" style="width: 145px"><img src="http://p-pricken.de/uploads/2010/12/black-swan-movie-poster.jpg" alt="" title="black-swan-movie-poster" width="135" height="200" class="size-full wp-image-2911" /><p class="wp-caption-text">Black Swan (2010)</p></div>Lange Antwort: Es ist erstaunlich, dass Natalie Portman, Barbara Hershey und Mila Kunis ihren Körper so geschunden haben, dass sie tatsächlich wie (ehemalige) Ballett-Tänzerinnen aussehen – ihnen, vor allem Hershey, steht die Entbehrung ins Gesicht geschrieben. Aber das ist wichtig, denn Aronowsky nimmt diesen Raubbau am Körper, der dem Ballett inne wohnt, als Ausgangspunkt für den Zusammenbruch von Portman, die endlich die Hauptrolle im Schwanensee tanzen soll und die weiße Königin zwar zu tanzen vermag, aber für den schwarzen Schwan das Spielerische oder vielleicht sogar die nötige Sexualität vermissen lässt.</p>
<p>Kein Wunder, lebt sie doch in einem Zimmer für Zwölfjährige mit Puppen und rosa Tapete, wird von ihrer Mutter behütet und bewacht und unterdrückt anscheinend seit Jahren alles an sich außer dem Tanz. Andeutungsweise scheint es, als sei sie sexuell an Frauen interessiert, aber auch das unterdrückt sie, und selbst, als ihr Vincent Cassell, der Regisseur, empfiehlt, doch mal zu masturbieren, ist sie nicht in der Lage, sich selbst zu befriedigen.</p>
<p>Das alles zählt nicht. Es zählt nicht, ob die Zehen schmerzen oder wie oft man sich in der Toilette übergeben muss, um das Gewicht zu halten. Es zählt nur, perfekt zu sein. Und das bedeutet Disziplin und Lockerheit – ein Paradoxon und gerade deshalb so zerreißend.</p>
<p>Und darum fühlt sich Portman auch von Kunis angegriffen, dieser neuen Tänzerin, die ihr so ähnlich sieht und doch ganz anders tanzt: unsauber, aber spielerisch leicht. Der perfekte schwarze Schwan.</p>
<p><em>Black Swan</em> ist hypnotisierend. Aronowsky hält unnachgiebig auf Portmans Gesicht, umkreist sie mit der Kamera, legt die Schwächen, die Unsicherheiten dieser Figur bloß, die Eitelkeiten – die Bruchstellen. All das kulminiert in einem Schlussakt, in dem sich diese Detailarbeit tausendfach auszahlt, in dem der Zuschauer die Veränderungen, die Unterschiede wahrnehmen kann. Und was für welche das sind. Es gibt einen Moment, eine kurze Szene zwischen Sturz und Aufstieg, in dem Natalie Portman mich derart umgehauen hat, dass ich vor Staunen lachen musste. Für ihre Leistung hier fehlen mir die richtigen Worte, die nicht überzogen klingen würden. Dies ist eine dieser Leistungen, nach denen man sich zur Ruhe setzen kann – man konnte immerhin einmal zeigen, was man kann. Holla. Phänomenal.</p>
<p>Cassel ist wie immer charmant-überzeugend. Barbara Hershey&#8230; wie es diese Frau schafft, aus einer knöchrigen und kurz vor dem eigenen Zusammenbruch stehenden Zuchtmeisterin eine sympathische Figur zu machen? Keine Ahnung. Und Mila Kunis habe ich vorher als hübsches Püppchen eingeschätzt, vor der ich nun entschuldigend meinen Hut ziehen muss. Diese drei umkreisen Portman und stützen sie – fliegen muss Portman selbst, tut sie aber auch. Diszipliniert und Locker. Perfekt.</p>
<p>Und dann sind es am Ende eben diese Entbehrungen, die so grotesk und zermürbend wirken, die kaum anzusehen sind, die doch erst die faszinierende Aufführung möglich machen. Hätte Portman nicht ein Jahr trainiert, hätte Kunis nicht Monate trainiert, wäre <em>Black Swan</em> nicht so gut oder gar unmöglich. Das Opfer des Künstlers für die Kunst.</p>
<p>Wie gesagt: ein perfekter Ballettfilm. Und auch, was das Publikum angeht; von Ballett <em>und</em> Kino.</p>
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		<title>The Social Network</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Dec 2010 19:16:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[aaron sorkin]]></category>
		<category><![CDATA[david fincher]]></category>
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		<category><![CDATA[jesse eisenberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Lieber Aaron Sorkin, Lieber David Fincher: Sie müssen sich entscheiden. Entweder zeigen Sie in The Social Network die sexistische Realität der Männerbünde in Harvard und den exklusiven Unternehmertreffs – oder Sie inszenieren sexistische Frauenbilder (und damit auch Männerbilder). Wenn Sie wollen, dass die Botschaft lautet: Mark Zuckerberg und die ganzen Machos sind Arschlöcher und Frauenfeinde, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Aaron Sorkin, Lieber David Fincher: Sie müssen sich entscheiden. <em>Entweder</em> zeigen Sie in <em>The Social Network</em> die sexistische Realität der Männerbünde in Harvard und den exklusiven Unternehmertreffs – oder Sie inszenieren sexistische Frauenbilder (und damit auch Männerbilder). Wenn Sie wollen, dass die Botschaft lautet: Mark Zuckerberg und die ganzen Machos sind Arschlöcher und Frauenfeinde, dann können sie nicht Szenen einbauen, in denen die Kamera lasziv und genießerisch an halbnackten Frauenkörpern entlang fährt, während bassige Musik dröhnt. Wenn Sie Sexismus als cool darstellen, ist er nicht gleichzeitig negativ zu verstehen.</p>
<p>Man kann nicht gleichzeitig distanziert urteilen und lüstern gaffen.<br />
<span id="more-2561"></span><br />
<div id="attachment_2562" class="wp-caption alignright" style="width: 137px"><img src="http://p-pricken.de/uploads/2010/11/the_social_network.jpg" alt="" title="SN_IT_1-SHT_FRND_1" width="127" height="200" class="size-full wp-image-2562" /><p class="wp-caption-text">The Social Network (2010)</p></div>Zuckerberg/Jesse Eisenberg, der von seiner Freundin gleich zu Beginn sitzen gelassen wird, geht nach Hause und schreibt in seinem Blog über ihre Körbchengröße, während er gleichzeitig eine Webseite schreibt, bei der die Studenten Harvards die Studentinnen Harvards nach ihrer Schönheit bewerten können. Seine Entschuldigungen: »Sollte ich jemanden verletzt haben, entschuldige ich mich« und »Das war ein Witz, kann man keine Witze mehr machen?«</p>
<p>Dies sind zweifellos typische Reaktionen auf Arschloch-Verhalten. Zugegeben, Eisenbergs Sprache und Dialoggeschwindigkeit könnten auch Anzeichen für leichten Autismus sein, womit die Ahnungslosigkeit zu erklären wäre – und trotzdem gelingt es vielen derart Betroffenen, zumindest eine Ahnung zu entwickeln, dass Verhalten negativ aufgefasst werden könnte. Eisenberg/Zuckerberg hingegen kümmert das gar nicht, er fragt sich nicht einmal, ob er jemanden beleidigen könnte. Er ist einfach ein Arschloch.</p>
<p>Frauen wiederum kommen allenfalls am Rande vor, auch wenn sich alles nur um sie dreht. Sitzen gelassen werden, das Aussehen bewerten, Groupies sein – die Seite, die schließlich die Idee für <em>facebook</em> hergibt, dient dem Zweck, Frauen mit Harvard-Studenten zu verkuppeln&#8230; und die Rollen für Frauen sind ähnlich beschränkt. Eine Frau darf den Helden kränken. Eine Asiatin darf auf der Toilette einen Blowjob geben (und später irrational und verrückt werden). Und eine Junior-Anwältin darf Absolution erteilen. Ansonsten haben Frauen keine Ahnung von Computern oder Spielen, sie können keine Bierflaschen fangen – sie können nur gut aussehen. Und das ist die Darstellung des Films, nicht seiner Figuren.</p>
<p>Warum also zwei Stunden einem Arschloch zusehen? Zumal, wenn der Film zwar von sozialen Medien handelt, diese aber augenscheinlich hasst und fürchtet – hierzu hat Lawrence Lessig einen <a href="http://www.tnr.com/article/books-and-arts/78081/sorkin-zuckerberg-the-social-network" target=_blank>lesenswerten Text</a> geschrieben.</p>
<p>Nun, <em>The Social Network</em> sprüht vor Dialogwitz und beeindruckt mit seinen Bildern. Es mag eine erfundene und bemühte Moralgeschichte mit sexistischen Frauenrollen sein, aber dennoch nimmt der Film gefangen. Er fesselt.</p>
<p>Ganz ehrlich, <em>das</em> ist die Art von Film, die oft behauptet wird, wenn jemand Michael Bay verteidigt. Inhaltlich kritikwürdig, aber formal großartig. So großartig, dass es einfach ist, die inhaltliche Kritik bis nach dem Film zurückzustellen und sich auf diese eingängige Moralität einzulassen.</p>
<p>Ich ärgere mich über <em>The Social Network</em> und gleichzeitig bin ich froh, den Film gesehen zu haben. So kanns manchmal gehen.</p>
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		<title>Wo die Wilden Kerle wohnen</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 23:24:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der elfjährige Max (Max Records) fühlt sich vernachlässigt, sowohl von seiner Schwester als auch von seiner Mutter. Eines Abends läuft er davon. Er findet ein Boot und fährt ein Jahr und einen Tag übers Meer, bis er auf die Insel kommt, wo die wilden Kerle wohnen. Die werden mehr oder weniger angeführt von Carol (James [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der elfjährige Max (Max Records) fühlt sich vernachlässigt, sowohl von seiner Schwester als auch von seiner Mutter. Eines Abends läuft er davon. Er findet ein Boot und fährt ein Jahr und einen Tag übers Meer, bis er auf die Insel kommt, wo die wilden Kerle wohnen. Die werden mehr oder weniger angeführt von Carol (James Gandolfini), dem stärksten und aufbrausendsten dieser riesigen, plüschigen Monster. Max schafft es, sie davon zu überzeugen, ihn zu ihrem König zu machen: er werde die Einsamkeit besiegen und alles wieder gutmachen. Und so beginnt seine Herrschaft.<br />
<span id="more-1304"></span><br />
<div id="attachment_1310" class="wp-caption alignright" style="width: 147px"><img src="http://p-pricken.de/uploads/2009/12/where_the_wild_things_are_poster.jpg" alt="" title="where_the_wild_things_are_poster" width="137" height="200" class="size-full wp-image-1310" /><p class="wp-caption-text">Wo die Wilden Kerle wohnen (2009)</p></div><em>Wo die Wilden Kerle wohnen</em> ist ein erwachsener Kinderfilm. Das soll nicht heißen, dass es ein Kinderfilm ist, der eher Erwachsenen zusagen wird (<em>Mr Fox</em> lässt grüßen), sondern ein Film mit einer erwachsenen Sicht auf Kinder und Kindheit. Kindheit ist furchterregend, gefährlich, aber auch einfach und schön. Kinder sind sanft und lieb, aber auch brutal und nervig. Sie haben keinen Blick auf Konsequenzen, bis diese bezahlt werden müssen.</p>
<p>In <em>Wo die Wilden Kerle wohnen</em> wird das nicht geschönt. Die Kerle haben allesamt kindliche Gemüter, und wenn sie mit Max toben, vergisst der Film niemals, wie schnell hier auch etwas wirklich schief gehen könnte. Die Bedrohung ist immer da – die früheren Könige wurden von den Kerlen stets gefressen –, aber auch sehr lustige, befreiende, melancholische, einsame Momente.</p>
<p>Das Besondere dieses Films ist es, nichts zu erklären. Er zeigt einfach nur. Wir lernen nicht, Max besser zu verstehen, wir erkennen nicht, wie genau die Kerle mit Max korrespondieren und welche Lektion denn wann gelernt wird – oder ob überhaupt eine gelernt wird. Der Film lässt die Fragen offen, er zeigt nur die Abenteuer, die Max mit den Kerlen erlebt.</p>
<p><em>Wo die Wilden Kerle wohnen</em> ist ein Film, den Hollywood eigentlich so gar nicht macht. So was geht nicht, müsste man sagen, aber Spike Jonze hat anscheinend niemanden gefragt, ob es denn ginge. Er hat es einfach gemacht, einen Film, der sowohl oberflächlich funktioniert als auch Dinge offen lässt, der direkt anspricht und trotzdem überdacht werden kann, ein Kunstwerk, das sich einfacher Interpretation entzieht und trotzdem nicht für einen elitären Kreis ist.</p>
<p>Die Bildsprache, die Effekte der Kerle, ist fantastisch im besten Sinne von Fantasy: hohe Bäume, weite Wüsten, unendliche Küsten, die Kerle sind knuffig und bedrohlich und zugleich unbeholfener Teddy und Monster.</p>
<p><em>Wo die Wilden Kerle wohnen</em> ist ein wirklich beeindruckender Film. Ansehen.</p>
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