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	<title>Derangierte Einsichten &#187; dokumentation</title>
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	<description>Geschreibsel, Kommentare und Kritik</description>
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		<title>Graphic Sexual Horror</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Sep 2010 22:30:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik]]></category>
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		<category><![CDATA[dokumentation]]></category>
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		<description><![CDATA[»Graphic Sexual Horror« lautete die Warnung, wenn man auf die >BDSM-Pornoseite Insex.com klickte. Es passt also, dass die Dokumentation über Insex denselben Namen trägt, und es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass dieser Titel Aufmerksamkeit erzeugt. Aber ist eine Dokumentation über Pornografie wirklich sehenswert? Nehmen diese Filme nicht immer eine von zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Graphic Sexual Horror« lautete die Warnung, wenn man auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/BDSM" target=_blank>>BDSM</a>-Pornoseite <a href="http://www.insex.com" target=_blank>Insex.com</a> klickte. Es passt also, dass die Dokumentation über Insex denselben Namen trägt, und es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass dieser Titel Aufmerksamkeit erzeugt. Aber ist eine Dokumentation über Pornografie wirklich sehenswert? Nehmen diese Filme nicht immer eine von zwei Rollen ein, entweder die Verteufelung oder die Lobeshymne?<br />
<span id="more-2192"></span><br />
<div id="attachment_2193" class="wp-caption alignright" style="width: 181px"><a href="http://p-pricken.de/uploads/2010/09/GraphicSexualHorror.jpg"><img src="http://p-pricken.de/uploads/2010/09/GraphicSexualHorror.jpg" alt="" title="GraphicSexualHorror" width="171" height="200" class="size-full wp-image-2193" /></a><p class="wp-caption-text">Graphic Sexual Horror (2009)</p></div>Ganz so einfach ist es zum Glück nicht, auch wenn die Frauen hinter der Dokumentation – Barbara Bell und Anna Lorentzon – früher für Insex gearbeitet haben. Als Zuschauer bekommt man einen relativ umfassenden Eindruck von der Geschichte dieser Seite bis zu ihrem Ende, das kontrovers genug war, dass ich an mehreren Stellen davon hörte. Bell und Lorentzon bekommen auch halbwegs offene und ehrliche Interviews mit den Models und den Machern der Seite – allein die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen, ist eine Seltenheit, wie man ja auch von nicht-pornografischen Filmen weiß, wo immer alles ganz toll ist und alle super miteinander auskamen.</p>
<p>Die Dokumentation dreht sich mindestens so sehr um Insex-Gründer PD wie um die Internetseite. Zu Beginn ist er ziemlich klar der Gute, der seine sexuellen Interessen in ein erfolgreiches Unternehmen verwandelte. Pornografie ist grundsätzlich eine Möglichkeit für vor allem schlecht ausgebildete Frauen, sich einen guten Lebensunterhalt zu verdienen und dabei halbwegs sicher zu sein. Und PD bezahlte seine Models anscheinend ausnehmend gut, vor allem für die Live-Shows, bei denen Mitglieder per Chat mitbestimmen konnten. Dort konnten die Frauen bis zu 4000 Dollar pro Tag verdienen, inklusive der Chance, wieder eingeladen zu werden.</p>
<p>Geld war entsprechend eines der großen Motive, um dort mitzumachen. Aber auch die Herausforderung, ein solches Shooting zu überstehen, denn PD ging tatsächlich an die Grenzen der Models. Das war nicht nur eine Karrierehilfe – Insex-Models waren in anderen Produktionen gern gesehen –, sondern auch ein emotionaler Kick, den man vielleicht mit Extremsport vergleichen kann. Und natürlich gab es auch genug Models, die zudem sexuelle Befriedigung durch Fesseln, Schmerz oder Erniedrigung erlangten.</p>
<p>Früh wird darauf hingewiesen, dass die Models ihre harten Limits abstecken konnten – Aktivitäten, die sie keinesfalls erlauben wollten – und auch ein Safewort hatten, also eine Möglichkeit, jederzeit abzubrechen, wenn es ihnen zuviel wurde. Ebenso früh sehen wir auch, dass PD die Limits nicht unbedingt einhielt, sondern sich in der Situation nicht unbedingt beschränken wollte. Diese Grenzerfahrung mag es sein, die von einigen Models gewünscht wurde, ist jedoch gleichzeitig nicht unbedingt der Sinn von vorher abgesprochenen Limits, gerade in professionellem Kontext.</p>
<p>Insex war rasend erfolgreich, und der Erfolg stieg zu Kopf. Die Kompromisslosigkeit von PD wurde spürbarer – ein ehemaliger Mitarbeiter berichtet von wöchentlichen Wutanfällen. Ein Wassertank explodierte, weil das Glas zu dünn war (es kam niemand zu Schaden), was noch in der Dokumentation zu wütenden Schuldzuweisungen führt. PD begann, die Models nach dem Dreh noch zu privaten BDSM-Spielen aufzufordern, mit der klaren Implikation, durch sexuelle Gefälligkeit oder Gefügigkeit mehr Geld verdienen zu können. </p>
<p>In der wohl schwierigsten Szene des Films sehen wir ein nacktes Model, das als Limit erbeten hatte, keine Ohrfeigen zu bekommen, das geohrfeigt wird. Als sie zusammenbricht, wird sie von PD noch beschimpft. PD hat vergessen oder kümmert sich nicht um das Limit, und fordert das Model auf, doch ihr Safewort zu benutzen. Die Implikation ist jedoch klar: weniger Geld bei diesem Shooting und wahrscheinlich keine weiteren mehr. Hier wird das Safewort, das eigentlich zur Sicherheit der Models bzw. der submissiven Beteiligten dienen soll, zur emotionalen Manipulation benutzt, und als Vorwand: solange das Model nicht abbricht, ist doch alles in Ordnung. Oder?</p>
<p>Diese Frage stellt sich wirklich, wie weit die Einwilligung der Models geht. Aber letzten Endes hatten sie die Möglichkeit abzubrechen, das kann man nicht bestreiten, und so sind diese Grenzüberschreitungen eine moralische Grauzone, die durch den finanziellen Aspekt noch verstärkt wird – im Privatbereich bestreiten die Sexualpartner ja nicht ihren Lebensunterhalt mit diesen Überschreitungen.</p>
<p>Natürlich ist das keine Situation, die auf die Pornobranche beschränkt ist. Auch in anderen Jobs gibt es sexuelle Nötigung und Übergriffe, auch dort lässt man sich zu Handlungen zwingen, die man nicht tun will, um nicht die Stellung zu gefährden. Dann geht man eben Samstags arbeiten oder hängt noch ein paar unbezahlte Überstunden dran. Die Stärke von <em>Graphic Sexual Horror</em> ist es, dass die Art und Weise, wie PD über die Stränge schlägt, nicht einfach durch die Branche an sich erklärt wird.</p>
<p>Es gibt noch eine weitere Grenzüberschreitung, die aber diesmal Insex passiert. Die US-Regierung will die Seite stoppen, hat aber keine rechtliche Handhabe dazu – schließlich haben die Models sogar auf Video den Aktivitäten zugestimmt. Also schicken sie Briefe an die Banken, in denen sie implizieren, über Insex würde Geld für Terroristen gewaschen. Durch diesen Druck seitens Homeland Security kann Insex keine Kreditkarten mehr verarbeiten und geht pleite. Dieser Staatseingriff ist denn doch am Ende der Dokumentation nicht nachzuvollziehen, zumal über derartige Tricks.</p>
<p>Das Problem von <em>Graphic Sexual Horror</em> ist nicht, dass es sich einem uninteressanten Subjekt widmet. Vielmehr ist es interessant, über Insex zu erfahren, aber die Dokumentation ist zu offen und nicht fokussiert genug, um wirklich zu fesseln. Die Offenheit erlaubt es allerdings auch, über Insex, die Frage des Konsens und sogar das Vorgehen der US-Regierung zu diskutieren, da der Film hier keinerlei Stellung bezieht. Interessant auch, dass PD weiterhin (auf anderen Seiten) aktiv ist – ich frage mich, wie sehr er sich dort im Zaum hält.</p>
<p>Im Endeffekt würde ich <em>Graphic Sexual Horror</em> also doch sehenswert nennen, allerdings mit der Zugabe, dass ein guter Teil des Films aus Szenen von Insex.com besteht, und auch, wenn man keine Penetration sieht, so sieht man doch viele nackte Frauen in Extremsituationen mit Bildern, die sicher nicht jugendfrei sind und die Leuten, die weder Horrorfilme sehen noch mit BDSM zu tun haben, vielleicht schwer im Magen liegen oder zumindest heftige Reaktionen hervorrufen können. Selbst bei den eindeutig in beiderseitigem Einvernehmen begangenen Aktivitäten.</p>
<p>Wobei auch das wahrscheinlich nur zu einer noch interessanteren Diskussion führen würde. Vielleicht also einfach beim nächsten Freundestreffen zeigen.</p>
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		<title>Grizzly Man</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 11:53:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[filmkritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Werner Herzog ist vielleicht der beste Gesprächspartner, wenn es um Obsession geht. Seine Einstellung zu Wahn und zur Natur lassen sich in vielen Filmen sehen, aber zeigt sich auch gut in einer Anekdote. Als er Begegnungen am Ende der Welt drehte, wollte er eigentlich auf keinen Fall Pinguine beobachten. Zu sehr widerstrebt ihm (und ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Werner Herzog ist vielleicht der beste Gesprächspartner, wenn es um Obsession geht. Seine Einstellung zu Wahn und zur Natur lassen sich in vielen Filmen sehen, aber zeigt sich auch gut in einer Anekdote. Als er <em>Begegnungen am Ende der Welt</em> drehte, wollte er eigentlich auf keinen Fall Pinguine beobachten. Zu sehr widerstrebt ihm (und ich teile diese Ansicht) die niedliche Personifizierung, die Tierfilmen normalerweise innewohnt. Aber er wurde überzeugt, sich doch diese Tiere anzusehen – und aus dem ganzen Rudel pickt er diejenigen heraus, die sich vom Rudel trennen und dem sicheren Tod entgegen gehen, Pinguine mit Geistesstörung:</p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/SeSH80zfb5k&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/SeSH80zfb5k&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p>(<a href="http://www.youtube.com/watch?v=SeSH80zfb5k" target=_blank>Facebook-Komfortlink</a>)</p>
<p>Es passt also, dass sich Herzog in <em>Grizzly Man</em> Timothy Treadwells annimmt.<br />
<span id="more-1531"></span></p>
<p><img src="http://p-pricken.de/uploads/2010/03/Grizzly_Man.jpeg" alt="Grizzly Man (2005)" title="Grizzly_Man" width="142" height="200" class="alignright size-full wp-image-1532" />13 Jahre lang fuhr Treadwell jeden Sommer in ein Bärenreservat, um dort diese großen Raubtiere zu &#8220;schützen&#8221;. Er betrachtete sie als Freunde und Familie. Im 13. Jahr wurden er und seine Freundin von einem Bären getötet und gefressen. Herzog hat die über 100 Stunden Videoaufnahmen, die Treadwell in den letzten fünf Jahren seines Lebens machte, gesichtet und zu einer Dokumentation verdichtet, die durch Gespräche mit Freunden und dem Gerichtsvollzieher angereichert wurden.</p>
<p>Treadwell und Herzog könnten unterschiedlicher nicht sein. Treadwell liebt die Tiere und die Natur und weigert sich sogar, ihre härteren Seiten anzuerkennen – Herzog hingegen bemerkt, dass er als Naturkonstante »Chaos, Feindschaft und Tod« sehe, und wo Treadwell Freundschaft im Blick eines Bären sieht, erkennt Herzog nur die »Unbekümmertheit der Natur und ein vages Interesse an Fleisch«.</p>
<p>Trotzdem sind die beiden füreinander gemacht. Herzog kennt Obsession und Getriebenheit aus seinen anderen Filmen und natürlich auch der langen Zusammenarbeit mit Klaus Kinski. Ich weiß nicht, ob jemand anderes es geschafft hätte, ein ähnliches Portrait zu zeichnen und ich bezweifle, dass der thematisch ähnliche <em>Into the Wild</em> von Sean Penn auch nur ansatzweise so facettenreich und ehrlich die Hauptperson beleuchtet.</p>
<p>Zu Beginn sehen wir den Naturschützer Treadwell und auch den von Herzog ausdrücklich gelobten Filmemacher Treadwell, und seine harmlose Art bringt uns auf seine Seite. Er unterrichtet Kinder, ist selbstlos, hat ein Ziel. Erst über die Dauer des Films eröffnen sich die dunklen Seiten, die ein derart einseitig lebender Mensch zweifellos haben muss: Drogensucht, Jähzorn, Paranoia und Sentimentalität lassen den Mann unsympathischer werden. Herzog zeigt in Treadwells eigenen Bildern Abgründe und Höhepunkte, verbindet tolle Naturaufnahmen mit dem Schrecken, den man dadurch erfährt, dass man das Ende kennt.</p>
<p>Die Tatsache, dass Timothy Treadwell seinen eigenen Tod (und den seiner Freundin) auf Ton aufnahm, führt zuerst zu einer ausführlichen und leicht morbiden Beschreibung des Leichenbestatters, der die Freundin lobt, in diesen letzten Minuten nicht weggerannt zu sein – man wünschte ihr, sie wäre es –, und dann zum eindrucksvollsten Augenblick, in dem Herzog sich die Aufnahme anhört. Der Zuschauer hört sie nicht, und Herzog kann sie nicht zu Ende hören, dann beschwört er eine Freundin Treadwells, sich diese Aufnahme niemals anzuhören und sie tatsächlich sogar zu vernichten.</p>
<p><em>Grizzly Man</em> ist eine packende Dokumentation einer einzigartigen Persönlichkeit, eines tragischen Schicksals und, geht man nach Herzog, der unbarmherzigen Natur, die früher oder später ihr Recht einfordert. Ein Ausnahmefilm.</p>
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		<title>Tödliches Kommando</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 11:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Geht doch nichts über eindeutige Filmtitel, bloß nichts subtiles wie z.B. The Hurt Locker, der Spind der Schmerzen. Nicht mal, wenn es um einen Film geht, der die Situation von Soldaten im Irakkrieg thematisiert, kann man auf reißerische Namensnennung verzichten. Tödliches Kommando heißt also der Film von Kathryn Bigelow. Seis drum.

Sergeant William James (Jeremy Renner) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Geht doch nichts über eindeutige Filmtitel, bloß nichts subtiles wie z.B. <em>The Hurt Locker</em>, der Spind der Schmerzen. Nicht mal, wenn es um einen Film geht, der die Situation von Soldaten im Irakkrieg thematisiert, kann man auf reißerische Namensnennung verzichten. <em>Tödliches Kommando</em> heißt also der Film von Kathryn Bigelow. Seis drum.<br />
<span id="more-1323"></span><br />
<div id="attachment_1324" class="wp-caption alignright" style="width: 166px"><img src="http://p-pricken.de/uploads/2009/12/the-hurt_locker.jpg" alt="" title="the-hurt_locker" width="156" height="200" class="size-full wp-image-1324" /><p class="wp-caption-text">Tödliches Kommando (2009)</p></div>Sergeant William James (Jeremy Renner) stößt gut 40 Tage, bevor die Bravo-Kompanie nach Hause darf, als Ersatz für einen getöteten Bombenexperten zu Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Eldridge (Brian Geraghty). Sanborn verlässt sich ganz auf Sicherheitsprotokolle und äußerste Vorsicht, und Eldridge hat schwer mit der vermeintlichen Schuld zu kämpfen, die er am Tod eines Kameraden trägt. James hingegen umarmt die tägliche Gefahr und einer Vehemenz, die an Übermut grenzt, und es ist fraglich, ob seine häufigen Gewaltdrohungen wirklich nur Scherze sind.</p>
<p>Über zwei Stunden hautnahe Filmaufnahmen legen dar, unter welchem Druck die Soldaten stehen, wie feindlich ihnen ihre Umwelt begegnet und erscheinen muss, in der jeder Versuch, nett oder vertrauensselig zu sein, gleich bestraft wird. Hier kann jeden Augenblick eine Bombe hochgehen oder ein Scharfschütze deinen Kameraden niederstrecken, ob du dich nun auf Protokolle verlässt, den Tod an jeder Ecke siehst oder einfach nicht drüber nachdenkst.</p>
<p>Kathryn Bigelow zeigt hier eine Männerwelt – weibliche Soldaten, obwohl sie in der Wirklichkeit existieren, kommen nicht vor –, deren Härte als Schutz fungiert, und sie zeigt einen Krieg, der körperlich Unversehrte dennoch zu Opfern macht. Ihre Kamera folgt in die engen Jeeps, die dunklen Ecken und die hell gestrichenen Baracken, in denen die Männer warten, bis sie wieder in den Einsatz gerufen werden, einen Einsatz, den die Seelsorger im Lager nicht nachvollziehen können. Vor dem Camp warten ältere Verkäufer, die kein Englisch sprechen, und kleine Kinder, die »Yo Motherfucker, want to buy the newest shit?« von sich geben, und wenn man einen Iraker trifft, der mehrere Sprachen spricht, sich als Professor ausgibt und einen einlädt, dann kann man dem gar nicht trauen – zu ungewöhnlich ist so eine Figur in dieser Hölle.</p>
<p>Über weite Strecken von <em>Tödliches Kommando</em> vergisst man, dass man einen Film sieht und keine Dokumentation, aber in Zeiten der eingebetteten Journalisten wäre keine Dokumentation so ehrlich, so echt. Es gibt keine merkliche Autorenstimme, die ein Ziel vor Augen hat – außer dem Ziel, diese Welt zu schildern. Und so kann man über vieles den Kopf schütteln, man kann den Einsatz für richtig halten – aber für folgenlos und einfach, für einen sauberen Friedenseinsatz, dafür kann man ihn nicht halten, wenn im Lager die Soldaten beinahe aufeinander losgehen, während vor dem Lager schon die nächste Bombe improvisiert wird. </p>
<p>Vielleicht wird sie diesmal in einer Leiche versteckt, oder einem unschuldigen Mann um die Brust gekettet, oder sie ist in einem Auto, oder einem Müllsack, oder im Boden vergraben? Vielleicht steht irgendwo jemand mit einem Zünder oder einem Scharfschützengewehr – oder nur jemand mit einer Videokamera. Und vielleicht kommt jemand mit einem Taxi durch die Sperre gefahren, ohne dass man weiß, ob das ein Anschlag sein soll. Wie soll man reagieren? Soll man schießen? Beides könnte die falsche Entscheidung sein. Der Tod lauert ebenso nah wie Bigelows Kamera.</p>
<p>Sehenswert.</p>
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