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	<title>Derangierte Einsichten &#187; burka</title>
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	<description>Geschreibsel, Kommentare und Kritik</description>
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		<title>Burkaverbot auf deutschen Ämtern?</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Feb 2011 14:18:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[burka]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetOkay, damit alle wissen, wovon wir reden, erst Mal eine nützliche Grafik: Ich habe mich ja schon mehrfach zur Verschleierung ausgelassen (z.B. hier), aber noch mal verkürzt: Grundsätzlich hat m. E. jede_r das Recht, anzuziehen, was er_sie will. Problematisch ist, dass Kleidung immer auch externen Zwängen unterworfen ist, und bei verschleierten Musliminnen denkt man schnell [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton3261" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D3261&amp;text=Burkaverbot%20auf%20deutschen%20%C3%84mtern%3F&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2011%2F02%2Fburkaverbot-auf-deutschen-amtern%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Okay, damit alle wissen, wovon wir reden, erst Mal eine <a href="http://www.donaukurier.de/_/tools/picview.html?_CMELEM=1955165" target=_blank>nützliche Grafik</a>:</p>
<p><img src="http://p-pricken.de/uploads/2011/02/muslim-covers.png" alt="" title="muslim covers" width="450" height="295" class="aligncenter size-full wp-image-3262" /><br />
<span id="more-3261"></span><br />
Ich habe mich ja schon mehrfach zur Verschleierung ausgelassen (z.B. <a href="http://p-pricken.de/2010/10/the-wire-hamsterdam-und-burka-verbot/">hier</a>), aber noch mal verkürzt: Grundsätzlich hat m. E. jede_r das Recht, anzuziehen, was er_sie will. Problematisch ist, dass Kleidung immer auch externen Zwängen unterworfen ist, und bei verschleierten Musliminnen denkt man schnell an Unterdrückung. Auch bei uns kennen wir Kleidervorschriften, die ebenfalls ins Extreme gehen können – so gilt gerne, dass Frauen z.B. bei Banken Schuhe mit hohen Absätzen tragen sollen und geschminkt sein müssen, und die UBS-Bank hatte ja sogar dieses lange Dokument entworfen (und zurückgezogen), in dem u. a. fleischfarbene Unterwäsche diktiert wurde. In der Ukraine <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,721385,00.html" target=_blank>haben Politikerinnen</a> auch keine Kleiderfreiheit.</p>
<p>Bei Männern heißt es übrigens höchstens: bitte Anzug.</p>
<p>Jedenfalls bin ich, wie man vorherigen Beiträgen entnehmen kann, gegen ein Burkaverbot. Ich halte es für kontraproduktiv und unnötig. Aber ich kann Kleidervorschriften in gewissem Maße verstehen. Jede Arbeitsstelle hat unterschiedliche Pflichten, die mit ihr einhergehen. Ich bearbeite gerade Stromkunden von RWE, und da ist es selbstverständlich, nicht über die Kontodaten zu reden, in die ich Einblick bekomme. Und eine Apothekerin, die aus moralischen Gründen keine Verhütungsmittel verkaufen will, hat den falschen Job gewählt – da muss die persönliche Meinung außen vor bleiben.</p>
<p>Wie gesagt, solange es nicht zu weit geht. In meiner aktuellen Arbeitsstätte sind angeblich öfter schon Mitarbeiter_innen (seien wir ehrlich, in der Regel Frauen) nach Hause geschickt worden, weil sie zu aufreizend gekleidet waren. Wohlgemerkt in einer Arbeitsstelle ohne Publikumsverkehr, reine Bildschirmarbeit. Im Sommer trotzdem nicht luftig kleiden. Das mag – ich kenne die genauen Beispiele nicht – wirklich zu weit gehen. Und die meisten Kleidervorschriften finde ich eher albern.</p>
<p>Ich fände es bescheuert, gäbe es ein explizites Verbot für Burkas in öffentlichen Ämtern. Aber ich finde es richtig, dass man den Angestellten und Beamt_innen auferlegt, ihr Gesicht nicht zu bedecken. Das Amt sollte ein Ort sein, an dem der Staat mit seinen Bürgern zusammenkommt, und für den Bürger ist es wichtig, dass der Staat Gesicht zeigt. Das ist auch eine Vertrauensfrage. Dass eine solche Kleidervorschrift primär Burkas und Nikabs trifft, ist mir auch klar, aber darum sollte sie trotzdem nicht speziell dagegen sein.</p>
<p>Mir wäre es sogar recht, würde von Amtsdiener_innen weltanschauliche Neutralität verlangt, d. h. keine sichtbaren Kreuze, keine Hidschabs, kein Bindi, usw. Aber die Kleidervorschriften auf Ämtern sind ja recht lax, und wir leben nicht in einem laizistischen Staat, also bleibt das wohl – die Kirchen würden sonst auch ausflippen.</p>
<p>Leider ist die Diskussion um Burka/Bikab im öffentlichen Dienst extrem polemisiert. Sofort kommen Ressentiments zum Vorschein, die ein sehr hässliches Bild auf viele Kommentatoren richtet. Sarrazin ist eben nicht so abseitig und isoliert, wie ich es gerne hätte. Aber natürlich regt man sich lieber über antisemitische Sprüche der ägyptischen Muslimbrüder auf als über antimuslimische Motivation bei uns. Unsere Ängste sind schließlich berechtigt&#8230;</p>

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		<title>The Wire, Hamsterdam und Burka-Verbot</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Oct 2010 13:23:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[must-read]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetThe Wire ist eine herausragende Fernsehserie, ein verfilmter Roman und zugleich ein journalistisches Exposé der us-amerikanischen Großstadt. The Wire macht Sachen, die nur das Fernsehen machen kann, und die das Fernsehen trotzdem fast nie macht. Die Serie ist dramatisch, politisch, sozialkritisch, menschlich, ergreifend, frustrierend, realistisch (frustrierend realistisch?). Darum habe ich auch kein Problem damit, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton2162" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D2162&amp;text=The%20Wire%2C%20Hamsterdam%20und%20Burka-Verbot&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F10%2Fthe-wire-hamsterdam-und-burka-verbot%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p><em>The Wire</em> ist eine herausragende Fernsehserie, ein verfilmter Roman und zugleich ein journalistisches Exposé der us-amerikanischen Großstadt. <em>The Wire</em> macht Sachen, die nur das Fernsehen machen kann, und die das Fernsehen trotzdem fast nie macht. Die Serie ist dramatisch, politisch, sozialkritisch, menschlich, ergreifend, frustrierend, realistisch (frustrierend realistisch?). Darum habe ich auch kein Problem damit, das Thema des <a href="http://p-pricken.de/2010/02/burka-nikab-und-freiheit/" target=-blank>Burka-Verbots</a> mit einer Analogie über <em>The Wire</em> zu verargumentieren.<br />
<span id="more-2162"></span><br />
In der dritten Staffel der Serie ist ein kurz vor dem Ruhestand stehender Polizei-Captain so frustriert von den Jahren des sinnlosen Kampfes gegen die allgegenwärtigen Drogen und das noch allgegenwärtigere System mit seiner Bürokratie, Korruption und geschönten Zahlen, dass er zu ungewöhnlichen Mitteln greift: er teilt den Drogendealern einen leer stehenden Häuserblock zu und errichtet dort eine Art Freihandelszone: In diesem Häuserblock, so versichert er, werden Drogenhandel, Drogenbesitz und Drogenkonsum nicht bestraft.</p>
<p>Nach einigen Problemen funktioniert es tatsächlich, die Drogendealer, die Aufpasser, die Botenjungs – sie alle wandern in den Häuserblock ab. Und die restlichen Straßen Baltimores sind plötzlich sauberer, ruhiger. In den Vorgärten liegen keine Drogenabhängigen rum, es gibt weniger Schießereien, die Straßenecken sind nicht von Dealern besetzt. </p>
<p>Das ist, mit anderen Worten, das Resultat eines Burka-Verbotes. So, wie die Drogendealer von den Straßen nach »Hamsterdam« verschwinden, so verschwinden Niqab-Trägerinnen aus der Öffentlichkeit. Auf den ersten Blick sieht es aus, als habe die Maßnahme gewirkt.</p>
<p>Zum Glück hört <em>The Wire</em> hier nicht auf. Denn es wird klar, dass die Drogendealer vielleicht von den Straßen sind, aber der Drogenhandel floriert weiter. Gleichzeitig wissen Jugendliche, die Schmiere standen, nicht, was sie jetzt tun sollen, wie sie jetzt Geld verdienen sollen. Hamsterdam wird zur Zielscheibe für Räuber, und Bandenkriege hören auch nicht einfach so auf. All das ist nur aus den Augen, aus dem Sinn. So, wie die Niqab-Trägerinnen: wenn sie von dem Mann im Haushalt unterdrückt werden, werden sie das immer noch, können sie jetzt nicht einmal mehr vor die Tür. Der Zwang nimmt eher zu als ab. Wirkliche Veränderungen gibt es nicht.</p>
<p>Der Captain merkt das, und er versucht, Abhilfe zu schaffen: Er organisiert Projekte für saubere Nadeln, für ein Sportzentrum, für Jobs. Mit anderen Worten geht er auch mit Mitteln gegen die Situation vor, die nicht nur Repression beinhalten. Und für einen Augenblick sieht es sogar aus, als könnte es funktionieren, aber&#8230; habe ich gesagt, dass <em>The Wire</em> realistisch ist? Das System ist übermächtig, und wenn es einmal doch so aussieht, als könnte man es besiegen, dann gibt es die Individuen, die auf die Übermacht des Systems setzen und nicht den Mut aufbringen, etwas durchzuziehen.</p>
<p>Trotzdem ist die Lektion wichtig: Ein Verbot des Niqab ist nur Augenwischerei. Will man gegen Zwangsverschleierung vorgehen, kann man nicht mit weiterem Zwang antworten. Man muss Alternativen anbieten, Möglichkeiten, dem Zwang vorzubeugen oder ihm zu entgehen: Ausbildung, Zufluchtsstätten, Hilfsmöglichkeiten. Und dann hoffen, dass diesmal kein Bürokrat und kein feiger Politiker den Stecker zieht, kurz bevor es wirkt.</p>
<p>Manchmal ist das Fernsehen eben klüger als die Wirklichkeit. Zumindest, wenn es um <em>The Wire</em> geht.</p>

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		<title>Burka, Nikab und Freiheit</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 09:32:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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		<category><![CDATA[sexuelle revolution]]></category>

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		<description><![CDATA[TweetAuf der Mädchenmannschaft wurde der angeblich »kluge, reflektierte und ausführliche Text« Burka oder Sexuelle Revolution? mit dem Untertitel Verschleiern oder lieber so nackt und schlank auftreten wie möglich? verlinkt. Ich hatte mich auf eine ausführliche und reflektierte Auseinandersetzung mit der Burka gefreut, bekam aber stattdessen das hier zu lesen: Ich fasse zusammen: Durch die sexuelle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton1479" class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F%3Fp%3D1479&amp;text=Burka%2C%20Nikab%20und%20Freiheit&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=none&amp;counturl=http%3A%2F%2Fp-pricken.de%2F2010%2F02%2Fburka-nikab-und-freiheit%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://p-pricken.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p>Auf der <a href="http://maedchenmannschaft.net/gewalt-gegen-frauen-in-allen-spharen-gedanken-zu-blackberrys-und-burkas/" target=_blank>Mädchenmannschaft</a> wurde der angeblich »kluge, reflektierte und ausführliche Text« <a href="http://www.3bewohnerderer.de/2010/02/burka-oder-sexuelle-revolution-verschleiern-oder-lieber-so-nackt-und-schlank-auftreten-wie-nur-moglich/" target=_blank>Burka oder Sexuelle Revolution?</a> mit dem Untertitel <em>Verschleiern oder lieber so nackt und schlank auftreten wie möglich?</em> verlinkt. Ich hatte mich auf eine ausführliche und reflektierte Auseinandersetzung mit der Burka gefreut, bekam aber stattdessen das hier zu lesen:</p>
<blockquote><p>Ich fasse zusammen: Durch die sexuelle Revolution wurde die Frau zwar unabhängiger, was das gebären von Kindern und somit ihre Lebensgestaltung angeht, aber wurde dafür mehr oder weniger zum Sexobjekt degradiert, das perfekt gestylt, schlank und gut aussehend sein muss. (Das ist jetzt natürlich extrem dargestellt, aber man kann es nicht gänzlich bestreiten).</p></blockquote>
<p>Also jetzt ausführlich und hoffentlich reflektierter hier. Dafür mit weniger Bildern.<br />
<span id="more-1479"></span><br />
<strong>Der grundsätzliche Konflikt: Freiheit</strong><br />
Der Grund, warum die Burka kontrovers diskutiert werden kann, liegt darin, dass hier eins der höchsten Güter überhaupt mit sich selbst konkurriert, nämlich die Freiheit. Genauer gesagt die Freiheit, sich so zu kleiden, wie man möchte. Betroffen ist die muslimische Frau, die idealerweise selbst entscheiden soll, was sie anzieht, auch wenn das eine Burka ist oder eine Nikab.</p>
<p>Nun ist es aber so, dass das Tragen dieser verhüllenden Kleidungsstücke aber traditionellen Ursprung hat und in der islamischen Kultur noch mehr Gewicht hat als bspw. die christliche Vorschrift, nach der Frauen ihren Kopf bedecken sollen, wenn sie zum Gottesdienst gehen. Um Männer nicht zu verführen, sollen Frauen sich komplett bedecken, denn nackte Haut sei aufreizend. Das ist natürlich ein bescheuerter Grund – Millionen von Männern schaffen es, nicht jeder Frau, die nackte Haut zeigt, hinterherzusteigen (verheiratet oder nicht), und in muslimischen Ländern gibt es sicherlich auch Ehebruch, Burka hin oder her. Der Grund für dieses Kleidungsstück ist also religiöse Tradition.</p>
<p>Nichts desto trotz wird in einer Kultur, in der Frauen, die das Kopftuch ablegen, <a href="http://www.butterfliesandwheels.com/notesarchive.php?id=3089" target=_blank>belästigt und bedroht werden</a> können, Frauen diese Kleidung (oder auch das &#8220;harmlosere&#8221; Kopftuch) aufgezwungen. Diese Frauen entscheiden sich also <em>nicht</em> freiwillig, die Burka zu tragen, sondern sie müssen sie tragen. Gegen diesen Zwang möchte man vorgehen, wenn man die Burka verbietet – man begegnet also Zwang mit Zwang.</p>
<p><strong>Von absoluter Freiheit und Zwang</strong><br />
Geht das überhaupt? Hier regt sich schnell der Widerstand der Linken, die zu sehr von moralischem Relativismus beeinflusst sind, von der Idee des Multikulturalismus als müheloses Nebeneinander. Nach dieser Denkart ist jede Bemühung, kulturspezifischen Auswüchsen Einhalt zu gebieten, unzulässig. Diese Denkart ist jedoch zu simpel. Wenn die universellen Menschenrechte oder auch nur das Ideal der persönlichen Freiheit überlebensfähig sein sollen, müssen sie gegen Triebe, die speziell gegen sie gerichtet sind, verteidigt werden. Ansonsten erlaubt Freiheit, dass Zwang sich ausbreitet.</p>
<p>Insofern ist es nicht grundsätzlich abzulehnen, die Burka zu verbieten. Die Frage ist, was man damit bezwecken will, und was man damit erreichen würde. Bezwecken möchte man, dass in entsprechend unterdrückenden Familien aufwachsende Frauen nicht dazu gezwungen werden können, sich zu verschleiern, und damit eher Teilhabe an der Gesellschaft haben können, anstatt sich schon allein visuell auszugrenzen. (s.u.) Aber ist das wirklich die wahrscheinlichste Folge?</p>
<p>Oder wird stattdessen eine Familie, in der Tochter oder Frau dazu gezwungen würde, nur verschleiert auf die Straße zu gehen, diese Tochter oder Frau ohne Schleier eben nicht auf die Straße lassen? Nach der Schule kommt die Tochter dann direkt nach Hause und wird eingesperrt? Es gibt ja auch Berichte, nach denen Frauen unter der Burka dann westliche Kleidung tragen und dann, wenn sie unter Freunden sind, ihre Burka ablegen. Erreicht man also mit einem Verbot eher nur, dass die Unterdrückung der Frauen verstärkt und in die Privatheit verlagert wird? Ist die Burka vielleicht ein Zwang, den man in Kauf nimmt, gerade <em>weil</em> er unterdrückten Frauen zumindest die theoretische Gelegenheit bietet, an der Gesellschaft teilzuhaben? Ist der <a href="http://www.ahiida.com/home.php" target=_blank>Burkini</a> zu begrüßen, weil er muslimischen Mädchen ermöglicht, Schwimmen zu gehen?</p>
<p><strong>Kontakt mit dem Fremden</strong><br />
Ich persönlich habe auch immer widerstreitende Gefühle, wenn ich verschleierte Frauen sehe. Ich sehe darin entweder ein Zeichen von Unterdrückung oder aber Ausdruck großer Religiösität, und bei beidem fühle ich mich unwohl. Anscheinend ist allerdings das ein Hauptgrund für viele, ein Verbot der Burka zu fordern, persönliches Unwohlsein. Ich habe allerdings kein Recht darauf, mich nicht unwohl zu fühlen, und Freiheit hat es nun mal in sich, dass auch Leute die Freiheit zu Dingen benutzen, die mir nicht gefällt. Anderen wird unwohl, wenn sie küssende Männer oder Frauen sehen, wenn sie Leute in Ledermänteln und Nasenringen sehen, wenn die Love Parade im Fernsehen kommt oder wenn der Atheistenbus durch die Heimatstadt fahren soll. Unwohlsein? Pech gehabt. Das ist kein Grund. Bei der Burka habe ich oft den Eindruck, die erhoffte Folge ist einfach: &#8220;Aus den Augen, aus dem Sinn.&#8221;</p>
<p>Es gibt natürlich auch jene, die ernsthaft gegen die Unterdrückung der Frau arbeiten, und das ist definitiv auch der Punkt, der mich am ehesten gegen die Burka disponiert. Unterdrückung von irgendjemandem geht nicht, das kann man nicht zulassen – auch wenn wir Zwang in vielen Fällen natürlich trotzdem ertragen; allein der Zwang, Geld zu verdienen (für Essen und Unterkunft), beschränkt meine persönliche Freiheit schon ungemein. Man muss sich jedoch fragen, ob ein Verbot von Verschleierung wirklich zielgerichtet ist.</p>
<p>Es gibt spezielle Orte, an denen ich das nachvollziehen kann. Ein Verbot von Verschleierung in Institutionen kann ich mir vorstellen, zumal es die Schulpflicht gibt und Eltern entsprechend (idealerweise) gezwungen sind, ihre Kinder zur Schule zu schicken, Schleier oder nicht. Ich bin ohnehin gegen öffentliche religiöse Symbolik seitens der Lehrer. Solange aber eine der Aufgaben der Schule nach der NRW-Verfassung und dem Schulgesetzt ist, »Ehrfurcht vor Gott« zu vermitteln, <em>muss</em> dies auch Allah einschließen und entsprechend hat man wohl keine Handhabe für ein generelles Verbot von Verschleierung.</p>
<p>Ansonsten ist es immer besser, mit Bildung und Aufklärung zu agieren. Ich halte ein Verbot der Burka wie oben beschrieben für wenig zielgerichtet; besser wäre es, es gäbe &#8220;Staatsbürgerkunde&#8221; o.ä. für Einwanderer und gleichzeitig vielfältige Hilfs- und Beratungsangebote für unterdrückte Frauen. Wenn der Staat in der Lage ist, bedrohten Frauen aus ihrer Zwangslage zu helfen, anstatt ihr nur etwas freizügigeres zum Anziehen zu geben, dann kann auch effektiv gegen diese Zwangslagen vorgegangen werden. Das allerdings kostet Geld; Geld, das nicht ausgegeben werden will. Verbieten ist dann doch einfacher.</p>
<p><strong>Und die sexuelle Revolution? Pro Burka?</strong><br />
Wir sollten festhalten, dass sich jeder durch seine Kleidung einer oder der anderen Subkultur zuschreibt und damit vor anderen verschließt. Es ist gleichzeitig so, dass selbst bestimmte Orte auch mit eigenen Kleidungsvorschriften einhergehen, mehr oder weniger streng. Ich kann im Anzug vielleicht in eine linke Anti-G8-Versammlung gehen oder mich im rosa Hemd in eine Rockerkneipe setzen und werde nur komisch angeguckt, aber ich gehe nicht im G-String (oder Bikini) ins Büro – was auch wieder zeigt, dass bei uns »freizügig« nicht unbedingt »besser« ist.</p>
<p>Ist denn aber die Burka ein Gegenmittel für die Freizügigkeit unserer Zeit? Haben es verschleierte Frauen nicht gut, weil sie nicht Stunden vor dem Spiegel verbringen müssen?</p>
<p>Dieses Argument zielt entweder auf einen generellen mit Freizügigkeit zusammen hängenden Werteverfall ab – den ich erst einmal bewiesen haben möchte – oder behauptet wie in dem oben verlinkten Text, mit Freiheit sei Oberflächlichkeit einhergegangen und die Frau zum sexuellen Objekt verkommen.</p>
<p>Das ist Unfug, um es klar zu sagen. Denn ein sexuelles »Objekt« charakterisiert sich m.E. dadurch, dass es keine eigenen Triebe hat, keine Entscheidungsbefugnis. Eher sind Frauen Sexual<em>subjekte</em> geworden; Sexualobjekte waren sie schon lange. Pornografie gab es zu biblischen Zeiten, und bei den Viktorianern war es eben sexy, den Knöchel zu zeigen anstatt den Bauchnabel. Ich halte es auch für fraglich, ob Frauen unter der Burka wirklich immer ungeschminkt, ungewaschen und ungekämmt sein »dürfen«.</p>
<p>Außerdem kann man gegen Oberflächlichkeit nicht damit vorgehen, indem man ihr nachgibt und die Oberfläche wegnimmt. Ähnlich würde ich auch gegen das Argument reden, die Burka schütze die Frauen vor zudringlichen Blicken – das Problem ist die Oberflächlichkeit bzw. die Zudringlichkeit, nicht der Frauenkörper. Durch die Verschleierung aber wird die Verantwortung wieder den Frauen überantwortet. Ich gucke Frauen auf den Busen, wer das nicht will, muss ihn verdecken. Ich muss nicht aufhören, auf Busen zu starren.</p>
<p>Auch hier bedarf es eher Sensibilisierung, Aufklärung, Bildung anstelle des Versteckens hinter schwarzem Tuch. Letzten Endes ist das der Weg gegen die Zwangsburka: den Zwingern klar machen, dass – ebenso, wie <a href="http://scienceblogs.com/pharyngula/2010/02/allah_hates_masturbation.php?" target=_blank>Hände nicht schwanger werden</a> – Männer durch Frauenhaut eben nicht von unkontrollierbarer Lust mitgerissen werden, dass Zwang nicht gut es, dass Unterdrückung nicht nur falsch ist sondern auch nicht funktioniert, dass Sex viel besser ist, wenn beide oder alle Partner nicht nur widerwillig mitmachen, usw. Anstatt den Frauen zu verbieten, von Männern zu etwas gezwungen zu werden, muss man Männern verbieten, zu zwingen, und sie gleichzeitig dazu bringen, dass sie gar nicht zwingen wollen.</p>
<p>Und dann darf auch jede(r) Burka tragen, denn es geschieht ja freiwillig.</p>

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