SDT: Kampf der Könige

Dies ist Teil 75 von 77 der Serie Spiel der Throne

A Clash of Kings heißt der zweite Band dieser Fantasy-Reihe, und der Titel ist jetzt auch geklärt. Die Könige heißen: Joffrey Baratheon, Renly Baratheon und Robb Stark (König des Nordens). Außerdem nennt sich Mance Raider “König jenseits der Mauer”, Stannis Baratheon ist der eigentliche Erbe… und jenseits des Meeres ist auch noch Königin Daenerys mit ihrem kleinen Rest-Khalasar. Es gibt also genug Köpfe, die gerne eine Krone trügen.

Womit wir thematisch wieder bei der Natur des Anführens sind.

Rechtmäßigkeit spielt hier keine wirkliche Rolle. Robb ist der Nachfahre der alten Könige des Nordens – er hat ein Anrecht. Dany ist die Erbin des großer Eroberers. Joffrey ist der offizielle Erbe desjenigen, der die Eroberer vertrieb, und Stannis ist der wahre Erbe. Rechtmäßiger König, rechtmäßige Königin ist, wenn wir ehrlich sind, die Person, die am Ende auf dem Thron sitzt. Der Rest wird passend gemacht.

Wer sollte denn König sein? Wir sehen, dass Robb eigentlich in Frieden leben will – aber ein König kann das wohl nur selten. Ist das nicht eher eine schlechte Wahl für den Thron? Joffrey ist anscheinend jemand, der Schwächere gerne quält – keine gute Eignung zum König und für mich entscheidender als der Inzest. Wäre Dany eine gute Königin? Renly ein guter König? Stannis? Ich weiß es nicht.

Mance Raider ist womöglich der einzige König, der von seinen Untertanen gewählt wurde, und selbst da müssen wir mal abwarten, was wir über ihn erfahren.

Vielleicht ist die Monarchie insgesamt keine gute Idee.

It was your doing, yours, a voice whispered inside her. If you had not taken it upon yourself to seize the dwarf…

Ist es Catelyns Schuld? Das ist nicht von der Hand zu weisen. Sie war es, die Tyrion gefangen nahm. Ohne diese Tat hätte Jaime Eddard nicht angegriffen. Und sonst? Nein, Catelyn ist nicht schuld. Schon allein, weil sie nicht dafür verantwortlich sein kann, was andere tun. Aber auch, weil Tyrions Gefangennahme weniger wichtig war als die Wahrheit über Jaimes Vaterschaft von Joffrey. Und was ist mit dem Attentat auf Bran? Oder dem Moment, als er aus dem Fenster geworfen wurde?

Oder ist am Ende Robert schuld, der Cersei ehelichte? Oder Rhaegar, der Lyanna entführte? Oder König Aerys? Wie weit gehen wir zurück?

Nein, schuld ist man nur an direkten Konsequenzen, die man bewirkt.

Aber Catelyn ist in einem schwierigen Zustand. Ihr Sohn riskiert regelmäßig sein Leben in der Schlacht. Ihr Mann wurde ermordet. Ihr anderer Sohn ist gelähmt, ihr dritter eigentlich zu klein, um allein zu sein. Ihre Töchter sind gefangen – oder Schlimmeres. Ihr Vater liegt im Sterben. Ihre Schwester ist komisch. Da kann sie schon mal schlecht drauf sein.

Hoster Tully stirbt an Krebs, wenn ich das richtig lese. Und er verzeiht dem Blackfish immer noch nicht. Dieser hat nämlich nicht geheiratet.

“He has not wed. You know that, Father. Nor will he ever.” “I told him… commanded him. Marry! I was his lord. He knows. My right, to make his match. A good match. A Redwyne. Old House. Sweet girl, pretty… freckles… Bethany, yes. Poor child.” (…) Spit on the girl. The Redwynes. Spit on me. His lord, his brother… that Blackfish. I had other offers. Lord Bracken’s girl. Walder Frey… any of three, he said… Has he wed? Anyone? Anyone?”

Brynden Tully ist ein hervorragender Soldat und Taktiker, ein ehrlicher und sogar humorvoller Mann – das schwarze Schaf der Familie wählt den schwarzen Karpfen als Zeichen. Aber trotz allem ist er eben das schwarze Schaf, weil er sich den strengen Rollenbildern nicht fügte. Er wollte nicht heiraten. Dabei wird er nicht als Frauenheld geschildert. Aber er könnte einer alten Liebe nachtrauern. Oder er ist asexuell. Oder schwul. Alles legitime – und existente – Theorien. Alle machen den Blackfish zu einem Symbol für die Art, wie Sexismus auch Männern schadet.

“He tried to put his tongue in my mouth,” Catelyn had confessed to her sister afterward, when they were alone. “He did with me too,” Lysa had whispered, shy and breathless. “I liked it.”

Ein Hinweis, dass Lysa Arryn romantischere Gefühle für Kleinfinger hat(te) als Catelyn.

“Robb, if that sword could bring him back, I should never let you sheathe it until Ned stood at my side once more… but he is gone, and hundred Whispering Woods will not change that. Ned is gone, and Daryn Hornwood, and Lord Karstark’s valiant sons, and many other good men besides, and none of them will return to us. Must we have more deaths still?” “You are a woman, my lady,” the Greatjon rumbled in his deep voice. “Women do not understand these things.” “You are the gentle sex,” said Lord Karstark, with the lines of grief fresh on his face. “A man has a need for vengeance.”

Frauen verstehen das nicht? So ein Unfug. Vielmehr sind die Männer hier mehr mit ihrer Rache beschäftigt als mit der Zukunft. Lieber jagen sie Tausende in den Tod in der Hoffnung, einen Menschen zu töten, als Frieden zu schließen.

Wobei ich zustimme, dass es strategisch unklug ist, klein beizugeben. Robb könnte eine Amnestie fordern, aber er ist in den Krieg gezogen – da zieht man sich nur schwer einfach wieder heraus. Die Lösung habe ich bereits oben verraten: ein gemeinsames Ziel, das den Frieden rechtfertigt:

Catelyn was thinking of her girls, wondering if she would ever see them again, when the Greatjon lurched to his feet. “MY LORDS!” he shouted, his voice booming off the rafters. “Here is what I say to these two kings!” He spat. “ Renly Baratheon is nothing to me, nor Stannis neither. Why should they rule over me and mine, from some flowery seat in Highgarden or Dorne? What do they know of the Wall or the wolfswood or the barrows of the First Men? Even their gods are wrong. The Others take the Lannisters too, I’ve had a bellyful of them.” He reached back over his shoulder and drew his immense two-handed greatsword. “Why shouldn’t we rule ourselves again? It was the dragons we married, and the dragons are all dead!” He pointed at Robb with the blade. “There sits the only king I mean to bow my knee to, m’lords,” he thundered. “The King in the North!” And he knelt, and laid his sword at her son’s feet.

Das wird den anderen Königen wohl eher nicht gefallen. Das ist wie bei Highlander: es kann nur eine_n geben.

Demnächst: Dany und das Ende dieses Buches

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Comments 7

  1. avatar Anders wrote:

    Sexismus hat nichts mit dem Hoster-Brynden-Konflikt zu tun. Hoster ist der Lord von Riverrun und das Haupt der Tully-Familie. Es ist sein Recht und seine Pflicht, Ehen für die Mitglieder seiner Familien zu schließen.

    Hier liegt der Hase eher im Pfeffer des feudalen/patriachalen Herrschaftssystem zu tun, als geschlechtlichen Rollenbildern. Wir wissen immer noch nicht, ob Brynden Tully schwul ist, aber Homosexualität per se wird in Westeros nicht zur Sünde erklärt. Brynden hätte durchaus weiter irgendwelche Liebschaften/Freund(innen) haben können, wenn er nur geheiratet hätte. Eine Ehe in Westeros muss nicht glücklich sein. Liebe kann man durchaus außerhalb der Ehe suchen und finden. Wie das geht, demonstriert ja u.a. der pragmatische Renly, der Margaery Tyrell heiratet und trotzdem weiter mit ihrem Bruder Loras in die Kiste steigt.

    Bryndens Vergehen war es, sich seinem Bruder als Familienoberhaupt offen zu widersetzen. Damit hat er Lord Tully vor aller Welt brüskiert und möglicherweise sogar die Stellung von Riverrun im Reich geschwächt. Das wiegt wohl bei den Tullys und ihrem Leitspruch ‘Familie, Pflicht, Ehre’ doppelt schwer…

    Posted 08 Aug 2012 at 13:06
  2. avatar Patrick wrote:

    Anders: stimmt. Danke für die Korrektur.

    Posted 08 Aug 2012 at 15:53
  3. avatar Lia wrote:

    Das ist jedenfalls ein Kapitel, das die Maßstäbe für das nächste Buch vorgibt. Ich kann nicht wirklich einschätzen, ob Stannis oder Renly gute Könige wären. Robb, Dany und ganz besonders Joffrey sind definitiv zu jung für diesen Job.

    Geben wir es zu, die Szene mit dem König des Nordens ist ein würdiger Abschluss für diesen Strang des Buches.

    Mance Rayder finde ich jetzt hochinteressant. Bisher hat man von ihm wenig erfahren, wenn sich das ändert bin ich begeistert. Der Norden ist sowieso eine Gegend, über die ich gerne mehr erfahren würde. Anscheinend gibt es dort ja jede Menge Unbekanntes, das noch erforscht werden muss.

    Was ich von Cat’s Erinnerung halten soll weiß ich nicht. Lysa soll zu diesem Zeitpunkt jünger als Arya gewesen sein, also max. sieben Jahre alt. Sie mochte den Zungenkuss. Also ich hab ganz ehrlich noch nie ein Kind in diesem Alter erlebt, das einen Zungenkuss mochte. Probieren ja, aber mögen…. da ist ein weiter Weg hin. Ich weiß einfach nicht, warum Martin seine Kinderfiguren so wenig altersgemäß handeln lassen muss. Finden Jungs Zungenküsse mit sieben toll? Ich weiß, jetzt kommt vermutlich das Argument mit der ach so großartigen Vorbildung mittelalterlicher Kinder in Sachen Sex, weil sie doch die Eltern erlebt haben dabei…. ich wage das zu bezweifeln. Auch damals waren Eltern bestimmt nicht begeistert, wenn die Kinder sie beim Sex überrascht haben und öffentliche Küsse waren sehr lange verpönt. Muss auch in Westeros so sein, sonst hätten die Mädels nicht im Geheimen küssen üben müssen. Das ist einfach wieder so unrealistisch.

    Interessant übrigens, dass ein Frieden sogar möglich gewesen wäre, wenn die beiden verfeindeten Parteien nicht nur überlegt hätten, was der andere denkt, sondern über Unterhändler miteinander geredet hätten. Eigentlich ist es der perfekte Zeitpunkt für Verhandlungen. Beide Seiten haben ihre Stärke gezeigt, beide haben Verluste und es gibt Gefangene zum Austausch. Wobei interessant wäre wie Cat reagiert, wenn sie erfährt, dass Arya gar nicht zu den Gefangenen gehört. Da alle Männer auf beiden Seiten annehmen, dass man einen Mann nicht gegen ein Mädchen tauschen kann oder sollte, gibt es eben keinen Frieden. Ich finds übrigens überraschend, dass Robb keinen Gedanken an Sansa verschwendet. Auch wenn ich eine Schwester nicht mag, sollte ihr Leben trotzdem etwas wert sein. Und er weiß ja nicht sicher, ob Arya nicht auch dort gefangen gehalten wird. Das ist irgendwie seltsam. Robb hat sich auch sehr verändert und ich bin mir nicht sicher, ob mir die Veränderung gefällt.

    Posted 08 Aug 2012 at 18:21
  4. avatar Wajakla wrote:

    “Ich weiß, jetzt kommt vermutlich das Argument mit der ach so großartigen Vorbildung mittelalterlicher Kinder in Sachen Sex, weil sie doch die Eltern erlebt haben dabei”

    Nein nein, jetzt kommt das gleiche Argument wie immer. Martin hat eingestanden, dass die Kinder zu jung sind und älter sein sollten. Insofern erübrigt es sich, im Text irgendwelche Rechtfertigungen dafür zu suchen, da solche nicht vorgesehen sind.
    Zum Rest schreib ich morgen/später mehr wenn ich wieder nüchtern bin ;)

    Posted 09 Aug 2012 at 08:45
  5. avatar Erm wrote:

    Das Problem ist, dass wir die Gefühle und Vorstellungen von Menschen aus dem Mittelalter nicht nachvollziehen können, weil wir diese Zeit nicht erlebt haben.

    Sicher es gibt Überlieferungen, es gibt Literatur aus der Zeit und weitere schriftliche Quellen, aber die geben letztlich nicht wieder, was wirklich war, sondern liefern im Endeffekt nur Hinweise. (Beispiel: wenn ein Gesetzeskodex für ein Verbrechen die Todesstrafe vorschlägt, ist noch nicht bewiesen, dass dieses Gesetz tatsächlich in dieser Form auch praktiziert wurde. Die Literatur kennt Helden, die bereits mit 9 ihre erste Tat begingen – eine reine literarische Fiktion oder wurde das in einigen Fällen tatsächlich für möglich gehalten …)

    Fakten sind, dass die Lebenserwartung offensichtlich niedriger war als heute. Kann davon ausgegangen werden, dass Menschen damals auch bereits früher das waren, was wir erwachsen nennen? Das wissen wir nicht.
    Daneben gibt es auch Diskussion, ab wann Kindheit eigentlich überhaupt als solche aus gesehen wurde etc.
    (Die Vorstellung von einem Kind mit kindlichen Bedürfnissen, das Recht auf eine Kindheit hat, scheint sich erst wirklich im 19. bzw. im 20. Jahrhundert durchgesetzt zu haben.)

    Es gibt Fälle, wo Ehen (gerade politisch-relevante Ehen) bereits im Kinderalter geschlossen, aber erst später vollzogen wurden. Wir allerdings auch Frauenschicksale, wo das erste Kind mit 13 ider 14 Jahren geboren wurde. Waren diese Frauen zu dem Zeitpunkt noch Kinder, zu jung für Ehe und Kinder? Immerhin finden wir unter diesen auch Frauen, die offensichtlich niucht nur eine relativ lange Lebensdauer hatten, sondern auch durchaus politisch in Erscheinung getreten sind, durchaus Aktivität gezeigt haben etc.

    GRRM wird sich wohl ursprünglich daran orientiert haben, seine Bücher zeigen mir jedenfalls, dass eine feudale Gesellschaft und das Mittelalter nicht einfach nur als Kulisse vorkommen, wie das bei vielen Autoren/innen heute der Fall ist, sondern dass er sich mit dieser Zeitepoche tatsächlich intensiv beschäftigt haben muss.

    Außerdem gibt es auch gerade in der Phantasy immer wieder die andere Welt, wo ein Jahr für drei Jahre steht und Ähnliches, auch davon ist GRRM vielleicht ausgegangen.

    Daher ist es gut vorstellbar, dass GRRM seine Leserschaft in dieser Hinsicht einfach falsch eingeschätzt hat.

    Es spricht übrigens für ihn als Autor, dass er die Einwände seiner Leserschaft, denen hier offensichtlich der Zugang fehlt, gelten lässt, wie seine Aussage zeigt, dass es wohl besser gewesen wäre, seine jugendlichen Akteure/innen seiner Bücher älter zu machen.

    Grundsätzlich gibt es für Leser/in drei Möglichkeiten mit dem Alter der kindlichen Akteure/innen umzugehen:

    1.)
    Die Altersangabe nicht strikt als Fakt nehmen und sich diese Kinder in dem Alter vorzustellen, zu dem ihr Verhalten stimmig ist. (In der Fernsehserie wurde in diese Richtung geändert.)

    2.)
    Die Altersangaben als gegeben hinnehmen und den Konflikt, der sich daraus ergibt, als handlungsrelevant sehen: immerhin, ob 9 oder 15 Jahre, die Geschichte erzählt doch von Kindern und Jugendlichen, die in einem Umfeld agieren, dass sie zwingt, früher erwachsen zu sein, wie damit umgegangen wird etc.

    3.)
    Das Ganze als Fehler sehen bzw. der Unfähigkeit des Autors zuschreiben, womit natürlich das Lesevergnügen erheblich beeinträchtigt ist. In diesem Fall wird sich für Leser/in wohl die Frage stellen, ob er/sie weiterlesen soll …

    Für welche jemand sich entscheidet, ist ihm oder ihr überlassen.

    Posted 09 Aug 2012 at 14:11
  6. avatar Patrick wrote:

    Ich fühle mich an Dan Carlin erinnert. Der hat in seiner “Hardcore History” schon mehrfach postuliert: nach allem, was wir über Traumata und Sozialisierung wissen, muss ein Großteil der Menschen vor der Moderne psychologische Behandlung benötigt haben. Ein Wunder, dass die noch so “normal” blieben.

    Posted 09 Aug 2012 at 15:26
  7. avatar Lia wrote:

    Martin hat genauso wenig wie alle anderen Menschen im Mittelalter gelebt und konnte daher auch nur spekulieren. Mag sein, dass er sich die besonders schlimmen Fälle als Vorbilder herausgesucht hat.

    Das mit den drei Jahren für ein Jahr hätte er ja ruhig mal hinschreiben können. Zeitangaben sind allerdings überhaupt nicht seins. Auch da können wir nur mutmaßen.

    Dass die Lebenserwartung im Mittelalter angeblich nicht so hoch war liegt an den diversen Kriegen und der hohen Kindersterblichkeit. Beides setzt den statistischen Durchschnitt natürlich ordentlich runter.

    Posted 09 Aug 2012 at 20:00

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