Merida — Legende der Highlands (Brave)

Das Gute vorweg: Merida – Legende der Highlands (ab jetzt Merida) ist technisch herausragend. Vor allem das unbezähmbare Haar der Heldin ist großartig.

Das, ähm, wars auch schon.

Merida ist ein frustrierender, frustrierend-langweiliger Film. Es ist nicht unbedingt schlimm, dass man den Plot hundert Mal gesehen hat; dass jeder Schritt vorhersehbar ist. Pixarfilme, so glaube ich zumindest, leben eher von der Ausgestaltung. Da wiegt es schwer, dass Merida den Plot einfach nur abspult, ohne zu überraschen, und dass nahezu alle Figuren Scherenschnitte bleiben, die von Zweidimensionalität träumen.

Merida ist ein Wildfang, die ihre Freiheit als Prinzessin genießt und die Pflichten dieser Rolle hasst. Ihr Vater ist ein Grobschlacht. Ihre Mutter ist die stets perfekte Königin. Diese Mutter ist der Stereotyp des Hausdrachens: sie meckert an Merida rum, an den 3 Söhnen, am König. Dass sie dabei auch den “Schriftverkehr” erledigt, wird gezeigt, nicht weiter kommentiert.

Als Merida heiraten soll, weigert sie sich – die beste Szene des Films kennen wir aus dem Trailer. Nach einem Streit gerät sie an eine Hexe, und ruckzuck ist ihre Mutter in einen Bären verwandelt. Nun müssen die beiden lernen, aufeinander zu hören. Oder so.

Das Ganze ist, wie gesagt, nervig inszeniert. Es gibt keinen überraschenden Moment, keine Lust am Erzählen oder Entdecken. Die Spannung bleibt oberflächlich. Reden wir außerdem besser nicht von dem angeblichen Humor.

Oder doch. Schreiende Frauen sind nicht per se komisch. Ebenso nicht komisch eine Magd, die mehrfach zu Schreikrämpfen getrietzt wird. Schottische Klischees sind nicht per se komisch. Mit Speeren, Bögen und Schwertern aufeinander loszugehen ist nicht komisch. Sein Bein an einen Bären zu verlieren und danach ein Rachelied zu singen ist nicht komisch. Lustige Musik allein ist nicht komisch.

Fünfjährigen mag der Film gefallen. Aber Pixar hat es bislang oft geschafft, wirkliche Familienfilme zu machen und nicht Kinderfilme. Schade, dass ausgerechnet der erste Film mit einer weiblichen Hauptrolle ein reiner Kinderfilm ist.

Ebenso schade, dass dieser erste Film mit weiblicher Hauptrolle so voller Stereotypen ist. Schade, dass dieser Film fünf Frauen hat und hunderte Männer: die schottischen Clans sind anscheinend nahezu rein männlich besetzt. Keiner der Schotten ist verheiratet, nur der König. Keiner (!) sonst – zumindest gibt es keine weiteren Frauen zu sehen. Es fragt sich, wen außer Merida die Clansöhne heiraten sollen.

Am Ende muss Merida nicht heiraten (Hurra). Alle Kinder sollen stattdessen ihre Wahre Liebe suchen. Ich mag die Idee dieser Wahren Liebe ja nicht. Aber auch so kommt das aus heiterem Himmel.

Als Resultat habe ich mich gelangweilt. Ich habe gerungen, ob ich einfach gehen solle. Wirklich enttäuschend.

Aber ja, das Haar: Klasse.

Comments 7

  1. avatar Lia wrote:

    Ich bin durchaus bereit, Merida Bonuspunkte zu geben. Es ist der erste Film in diese Richtung und ich hoffe einfach darauf, dass mit der Zeit noch mehr und bessere Filme folgen. Es kann nicht schaden, wenn es abseits der ganzen Disney-Prinzessinnen-Filme noch andere Vorbilder für Mädchen gibt. “Oben” fing in dieser Hinsicht ja gut an, aber danach waren Frauen im Grunde kein Thema mehr.

    Die dargestellte Familienkonstellation entspricht leider in sehr vielen Fällen der Realität. Die Mutter sorgt für regelmäßige Mahlzeiten, dass Zähne geputzt werden, die Kinder früh ins Bett gehen, Hausaufgaben gemacht werden, der Vater ist zum toben und spielen da, zum verwöhnen…. oder aber gar nicht (zumindest nicht, solange die Kinder nicht im Bett sind). Wir haben hier übrigens keine andere Situation als im Hause Stark, nur dass da die Septa die Erziehung der Kinder übernimmt. Grundsätzlich sind sich Ferghus und Eddard in dieser Hinsicht
    durchaus ähnlich. Beide verwöhnen die Tochter ohne an deren Zukunft zu denken.
    Denn faktisch machen beiden diesen Töchtern das Leben schwerer als es sein
    müsste. Mädchen in diesem Zeitalter waren mehr oder weniger gezwungen zu heiraten, wenn sie denn nicht ins Kloster gehen wollten. Ein Mädchen hatte zu lernen, wie man sich benimmt, kleidet, wie man einen Haushalt führt und kleine Kinder versorgt, denn das waren die zukünftigen Aufgaben. Ein Vater, der seiner Tochter Pfeil und Bogen schenkt, hätte deren spätere Chancen auf dem Heiratsmarkt extrem gemindert. Ich kann also eine Mutter verstehen, die mit
    einer aufmüpfigen Tochter und drei kleinen Brüdern ein wenig überfordert ist und gestresst reagiert.

    Wir haben es hier mit einem Kinderfilm zu tun und da sind interessante Außenseiter immer gefragt während Realismus nicht unbedingt an erster Stelle steht. Merida strotzt vor Logikfehlern und verromantisierter Darstellung, aber lassen wir es bei einem Kinderfilm ruhig mal durchgehen. Merida steht immerhin auch für jedes moderne Mädchen, das gerne Sport treibt, im Handarbeiten eine drei hat, mit seinen Haaren nicht zu Rande kommt und permanent im Streit mit der Mutter liegt. Nicht, dass ich etwa so ein Mädchen kennen würde. Oh nein! Ich kenne mindestens zwei. Mit der wilden und ungezähmten Göre Merida können sich bestimmt einige Mädchen identifizieren, die mit der typischen Disney-Prinzessin eher nichts anfangen. Einen Bonuspunkt gibts sicher dafür, dass Merida nichts in den Schoss fällt. Sie muss üben, um erfolgreich zu sein. Das kann nicht schaden, in einer Zeit, die den Kids vorgaukelt, dass jeder ein Star werden kann.

    Dass hier ein Mutter-Tochter-Konflikt aufgearbeitet wird – nun ja, es geht hier
    um ein Mädchen und die Abgrenzung zur Mutter hin ist mindestens so ein Thema wie
    bei Jungs und Vätern. Ich finde das wesentlich besser als hätte Merida sämtliche
    Konflike nur mit Männern. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Merida auch vom Vater hört, dass ihre Heirat nun mal eine beschlossene Sache ist und den Zusammenhalt der Clans sichert. Vielleicht bringen die Produzenten ja im nächsten Film den Mut auf, ein paar mehr Dimensionen in ihre Figuren zu stecken. Die Eindimensionalität der Charaktere ist hier sicher eine der größeren Schwächen. In einem Kinderfilm kommt man aber meistens damit durch. Am Ende haben sowohl die Mutter wie auch Merida einen anderen Zugang zueinander gefunden und das mag für viele Mädchen ein Trost sein. Auch der Hinweis, dass man nicht den anderen ändern kann, um etwas zu verändern, sondern nur sich selbst, mag hilfreich sein.

    Einen extra Bonuspunkt gibt es von mir für Meridas Pferd. Angus ist ein ausgewachsenes Shire-Horse, eine der definitiv größten Kaltblutrassen der Welt!
    Was für ein erfrischender Unterschied zu den ganzen grazilen Pferdchen irgendwelcher anderer Heldinnen, die meist Araberpferde, Vollblüter oder niedliche Ponys sind. Diesen überzüchteten Wesen, die in den meisten Fällen nur gerade so wegen des fehlenden Horns von einem Einhorn zu unterscheiden sind. Nichts da, Merida reitet ein riesiges Kaltblut und sie reitet es richtig gut. Ein Shirehose ist etwa 1,70 m hoch (gemessen bis zum Widerrist, also dem Nacken) und wiegt ungefähr eine Tonne. Kein Witz! Diese Rasse gibt es auf den britischen Inseln, seit Wilhelm, der Eroberer, sie im 11. Jh. mitgebracht hat. Ein Shirehorse zum galoppieren zu bringen ist alles andere als einfach, weil da eine Menge Masse bewegt werden muss. Wenn es allerdings mal in Bewegung ist, würde ich nicht wagen, im Weg zu stehen. Immerhin donnert dann eine Tonne Lebendgewicht auf einen zu. Ich wette, dass die Nachfrage nach Friesen, Norikern, Tinkern und anderen gut reitbaren Kaltblutrassen enorm steigen wird. Endlich mal ein Film, der die ganzen kleinen Reitermädchen von dem Gedanken
    wegbringt, dass nur ein graziles Vollblut das richtige Pferd zum träumen ist.

    Im übrigen ist es natürlich abgedroschen ohne Ende (für uns Erwachsene), dass
    sich die Mutter grad in einen Bären verwandelt. Ist ja nun wirklich nicht neu.
    Allerdings kommt mir so ein Leben als Bärin gar nicht so übel vor. Keiner sagt was zu behaarten Beinen, man kriegt die Babys praktisch im Schlaf, wer sich mit einem anlegt hat schlechte Karten, man kann den ganzen Sommer über fressen was man will und wacht im Frühjahr rank und schlank auf, man verschläft den ganzen tristen Winter und gönnt sich nur die schönen Jahreszeiten. Mal ehrlich, wenn man nicht grade in Bayern landet, ist so ein Bärenleben gar nicht so schlecht.

    Posted 06 Aug 2012 at 18:35
  2. avatar Skreee wrote:

    Ich würd so gern ganz viel dazu schreiben, hab aber jetzt nicht die Zeit. Ein ganz kleiner Punkt, und ich bezieh das nicht persönlich auf dich, Lia, sondern nehm deinen Kommentar nur als Aufhänger, weil ich den Punkt auch anderswo mehrfach las: “Im übrigen ist es natürlich abgedroschen ohne Ende (für uns Erwachsene), dass sich die Mutter grad in einen Bären verwandelt. Ist ja nun wirklich nicht neu.”

    Echt? Wieviele Filme gibt es denn, in denen sich die Mutter, oder auch nur eine Frau, in einen Bären verwandelt? Ich weiß, es gibt irgendwie Brother Bear und noch ein paar Filme, in denen jemand in ein Tier verwandelt wird, aber ich erinner mich an keinen, in dem diese spezifische Handlung vorkommt. Aber mein Punkt ist: und? Selbst wenn. Jeden Tag werden Filme gemacht, die nicht prinzipiell originäre Handlungen haben. “Junge verliebt sich in Mädchen, Mädchen sagt nein, Junge bedrängt Mädchen solange, bis es ja sagt, Romantik pur, the End.” Dieser Film wird jedes Jahr ungefähr gefühlte 50 mal gedreht, und es scheint wenige zu stören, wie oft man diese Handlung gesehen hat.
    Aber Filme, in denen es primär darum geht, das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter zu behandeln? Davon gibt es so wahnsinnig viele? Ich erinner mich grad konkret nur an “Mother and Child”, und dann kommt da erstmal lang Zeit gar nix. Wenn wir uns aktuelle Hollywood-Filme anschauen, schaffen die allerwenigsten es grad mal durch den Bechdel-Test. Ich kann ehrlich nicht verstehen, wie man dann argumentieren kann, dass man einen Frauen-zentrischen Film mit dieser Handlung dann schon sooooo oft gesehen hat.
    Und ich fand nicht vorhersehbar. Ich dachte, es kommt der Plot mit “jaja, jetzt schiesst sie “ihre Hand” beim Wettbewerb frei, aber einer der Jungs aus den Clanen (vermutlich ein unscheinbarer Stalljunge) wirds ja dann doch werden.”. Das wäre der typische, schon oft gesehene Plot gewesen.
    Ja, Eleonor ist teilweise Hausdrachen, aber teilweise erzieht sie auch grad ihr Kind (ihren Mann leider auch). Aber das ist nicht einfach nur eines der Hindernisse, die Merida überwinden muss (wie das sonst immer wäre), sondern die Beweggründe dahinter sind der Plot. Und es ist nicht nur Eleonor, die sich ändern muss (wie es sonst immer – ich wiederhole mich – in der typischen “hero has to overcome obstacles”-Handlung wäre), beide müssen dazulernen.

    Der Film hat Probleme, auf jeden Fall, aber die Argumentation, man hätte diese Handlung ja schon allzuoft gesehen, hat mich echt verblüfft.

    Seid froh, dass ich grad keine Zeit hab, sonst hätte ich was wirklich langes schrieben. ;)

    Posted 10 Aug 2012 at 11:06
  3. avatar Patrick wrote:

    Ha!

    Ich kann nur sagen, dass ich mich im Kino echt gelangweilt habe und dies dann in die obige Erklärung verwandelte.

    Schön, wenn andere bessere Erfahrung machen.

    Posted 10 Aug 2012 at 11:17
  4. avatar Lia wrote:

    Du magst recht haben, Skreee. Kann sein, dass mir diese Verwandlungsgeschichten immer ein wenig auf den Geist gehen. Aber wie gesagt, es ist ein Kinderfilm und in so einem kann man das problemlos verwenden. Vermutlich gibt es auch viele kleine Mädchen, die sich ganz insgeheim so was auch schon gewünscht haben nach einem bitteren Streit mit der Mutter.

    Was ich bei der Robin Hood Szene klasse fand war, dass sie ihre Kleidung zerreißt. Erstens ist das gar nicht so einfach und zweitens wirkt das sehr befreiend, gerade auch auf erwachsene Frauen, die sich allzu oft der Mode wegen in irgendwelche hautengen Klamotten zwängen. Unsere Stoffe heute sind wenigstens elastischer – allerdings reißen sie auch nicht mehr so ohne weiteres.

    Wie gesagt, den Mutter-Tochter-Konflikt finde ich um einiges besser als hätte Merida sich nur mit Vater und anderen Männern auseinandersetzen müssen. Das passt auch gut in die Lebenswelt vieler Mädchen.

    Ich bin auch froh, dass sie am Ende nicht doch verliebt mit einem Jungen in den Sonnenuntergang reitet, sondern lieber mit ihrer Mutter.

    Schade, dass du nicht länger geschrieben hast. Das hätte mich jetzt sehr interessiert. Hast du gar keine Zeit?

    Posted 10 Aug 2012 at 20:16
  5. avatar Patrick wrote:

    Lia: was du sagst, stimmt alles. Die Bogenschützenszene war das Highlight – aber schon vorher zu sehen :-)

    Posted 10 Aug 2012 at 20:29
  6. avatar Lia wrote:

    Trotzdem, mein Highlight ist das Pferd! Die Freundin-Tochter wünscht sich seither wenigstens einen Noriker – oder einen Friesen!

    Posted 10 Aug 2012 at 20:53
  7. avatar Skreee wrote:

    Patrick: es ist ja nicht so, dass ich nicht auch grosse Teile des Filmes damit kämpfen musste, nicht laut zu stöhnen. Andererseits bin ich, als Merida das erste Mal ausreitet, erstmal in Tränen ausgebrochen (und ich heul nie im Kino), weil ganz ganz ganz viele Stimmen in mir glücklich riefen “eine weibliche Hauptrolle. Bei Pixar. Hach”). Nochmal andererseits nehm ich ja auch grad Hormone, da … zählt das vielleicht nicht ganz so. ;)

    Posted 13 Aug 2012 at 00:18

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