Diesen Donnerstag erscheint The Dark Knight Rises in deutschen Kinosälen. Die Filmreihe ist ein ausreichend großes Ereignis, dass mein Senf dazu nicht fehlen darf. Damit meine Kritik des Filmes nicht ganze Bücher füllt, werde ich ein paar generelle Dinge schon heute los.
Dieser Artikel wird Spoiler enthalten zu The Dark Knight und eventuell weiteren Filmen. Die Spoiler werden vorab von mir angekündigt.
Wobei: Was ist ein Spoiler überhaupt? Welche Informationen gelten als Spoiler und wie lange soll man sie zurückhalten? Meine Einstellung dazu hat sich in den letzten Jahren stark verändert.
Spoiler?
Wer ist Keyser Soze? Die Antwort auf diese Frage war ein schockierender Moment in Die üblichen Verdächtigen. Dies zu verraten, würde Zuschauer also des Schocks berauben. Bruce Willis war erzürnt, als in einer Talkshow der Schock von The Sixth Sense verraten wurde. Ich denke aber nicht, dass beide Geheimnisse den gleichen Stellenwert haben.
Die üblichen Verdächtigen ist ein Gimmick-Film. Der ganze Film dreht sich nur um die Frage nach Keyser Soze. Kennt man die Antwort, so lässt sich allenfalls noch bewundern, wie der Film uns Hinweise gibt oder verweigert. Bei Die üblichen Verdächtigen kommt erschwerend hinzu, dass der Film uns Hinweise verweigert. Die große Auflösung kann vom Zuschauer nur bestaunt werden – oder erraten, indem man überlegt, wie solche Filme normalerweise arbeiten.
The Sixth Sense hingegen funktioniert auch, wenn man das Geheimnis kennt. Auch dieser Film spielt nicht mit offenen Karten, da uns nicht einmal klar ist, dass wir uns die Frage stellen sollten, die am Ende beantwortet wird. Aber primär ist hier trotzdem die Geschichte, die erzählt wird, nicht die Frage. Wiederholtes Schauen ändert unsere Interpretation mancher Szenen, der Film bleibt aber sehenswert.
Manchmal befruchten Spoiler also einfach nur unsere Rezeption: wir können besser verfolgen, welchen Weg die Film (oder der Text im Allgemeinen) nimmt, um uns an ein Ziel zu bringen. Filmemacher wissen das auch – immerhin gibt es genug Filme, die mit einem mehr oder weniger bekannten Ausgang arbeiten. Dazu gehören Filme vor historischem Hintergrund ebenso wie sehr viele Genrefilme – wir kennen die Muster und wissen, dass das Paar zusammenkommt, aber wir freuen uns über den Weg dorthin.
Der Sinn von Filmkritik
Warum schreibt man über Filme? Ist es, um anderen Tipps zu geben, was man ansieht oder nicht? Oder will man damit eine Diskussion starten, will man über den Film sprechen? In erstem Fall genügt es wohl meistens, das Setup eines Films zu beschreiben. In zweitem Fall muss man auch – generell oder spezifisch – über Entwicklungen reden, um die Geschichte zu würdigen.
Christopher Nolan
Christopher Nolan ist ein schwieriger Fall für mich. Ich mag seine Filme, manche sogar sehr. Aber ich fühle mich auch berufen, das Lob ein wenig abzuschwächen, weil er mit der Batman-Reihe in den Olymp der Fanboys aufgestiegen ist, die negative Kritiken sogar mit Todesdrohungen bestrafen.
Nolan ist kein perfekter Filmemacher. Ich mag, dass er komplexe Plots bevorzugt – aber er bedient sich dann oft langer Erklärungen, um uns auf dem Laufenden zu halten. Bei Inception wechseln sich scheinbar Actionszenen mit diesen Erklärungen ab. Dadurch bleibe ich oft außen vor, nehme die Geschichte eher analytisch wahr, als wirklich mitzufiebern.
Dazu kommt, dass diese Erklärungen suggerieren, dass die Geschichte durchdacht ist. Dadurch fallen Plotlöcher umso stärker auf, da ich fast schon eingeladen werde, mitzudenken. Bei Michael Bay frage ich mich nicht unbedingt, wie eine Figur jetzt ausgerechnet an Punkt X gelangt – bei Nolan will ich die Antwort. Das mag unfair sein, aber der Anspruch weckt auch Erwartungen.
Ich mag sehr, dass Nolan über das direkte Geschehen hinaus geht. Er stellt Fragen, arbeitet mit Metaphern / Analogien zur realen Welt, stellt thematische Bezüge her. Leider verkneift er sich oft einen Standpunkt. Guck mal, eine Metapher! Und nun? Welche Lesart unterstützt der Film? Keine besondere – auch ein Grund, warum so viele Menschen mit den Filmen etwas anfangen können.
Man kann das für einen Vorzug halten: der Film als Leinwand für die Ansichten des Publikums. Aber ich möchte mehr: wenn ein Film schon Parallelen aufbaut, dann will ich auch, dass damit etwas gesagt werden soll.
Schließlich hat Nolan bisweilen großartig inszenierte Sequenzen oder Bilder. Aber er hält sie nur selten lange genug, dass man sich daran ergötzen kann. Ein wenig scheint er ungeduldig zu sein, wieder zu einer Erklärung zu kommen. Auch bei Actionszenen bin ich manchmal von den Socken, weil es so mitreißend ist – andere Male eher, weil die Action so undurchschaubar ist. Der Shootout in den Lagerhallen von Inception ist ein gutes Beispiel für letzteres, oder die Faustkämpfe der Batman-Serie.
Schließlich habe ich noch ein Problem mit Nolans Frauenrollen, die in der Regel nur Motivator für Männer sind, Plotvehikel – und bei Batman insbesondere der Umgang mit nicht neurotypischen Personen. Die Bösen sind eben “verrückt” – das ist ihre Motivation.
Ich finde, das lässt sich alles gut an Nolans Vorgängerfilm illustrieren.
Ich bin voll gespoilt, was The Dark Knight Rises angeht. Nolans Filme halten das aus – und seine Überraschungen finde ich sogar bisweilen unnötig. Vielleicht hilft mir so manches auch, dem Film besser zu folgen und Motivationen zu verstehen, die ansonsten erst im Nachhinein klar werden.
Egal wie, ich freue mich trotzdem auf den Film. Und ihr?

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