Tipp: Twilight + BDSM = 50 Shades of Grey?

In den USA ist 50 Shades of Grey ein neues Phänomen geworden: dieser Roman mit angeblich heißem, verbotenem Sex verkaufte sich mannigfach, rettete Ehen, droht ein Film zu werden. Dabei schreibt Autorin E. L. James noch schlechter als Stephenie Meyer, und ihr Buch ist nur ein Fanfic zu Twilight. Zumindest, wenn man die sehr amüsante Besprechung liest, die Jennifer Armintrout kapitelweise in ihrem Blog veröffentlicht hat.

Und nachdem ich mich informiert habe: das Buch war eine Fanfiction zu Twilight, die dann in eine Trilogie umgearbeitet wurde. Ha!

Hier ist der Link zu Kapitel 1 – man muss sich ein wenig durch das Blog wühlen, um alle 26 Teile zu finden – die Besprechung ist aber bereits fertig. Ich bin bei Kapitel 9 und habe Spaß.

Nachtrag: Ich habe das 9. Kapitel gelesen – obacht, hier wird es sexuell explizit!

Comments 4

  1. avatar Gwen wrote:

    Ah, danke für den Tipp! Hab es noch nicht gelesen. Mir hat eine australische Freundin meiner Mutter von diesem Buch erzählt. Von einem “Book about a bondage relationship”. Darum bin ich umso mehr gespannt, was mich erwartet.

    Posted 02 Jul 2012 at 11:52
  2. avatar Gwen wrote:

    Hast du vor, das Buch selbst zu lesen? Ich bin noch nicht ganz durch den ersten Band durch, musste aber häufig an die Diskussionen hier vom Twilight denken.
    [Spoiler!]Dadurch dass für 50 Shades of Grey nicht die offensichtlichen Elemente (Vampir/Mensch) genommen wurden, sondern etwas “diskretere” Merkmale, ist es teilweise fast eine Karikatur. Die “Charaktere” die nahezu ein unbeschriebenes Blatt Papier sind. Die nervige Unbeholfenheit einer gewissen weiblichen Person, ihre Selbstzweifel und der Hass auf andere, “schönere” Frauen…. allerdings ist das Lieblingswort dieser Autorin nicht “perfect” sondern dass sie an ihrer Unterlippe kaute. Das ist sogar mir aufgefallen, und ich überlese auf englisch gerne mal etwas.
    Aber es ist leider nicht konsequent genug, um diese satirische Wirkung beizubehalten.

    Andererseits fand ich die Abweichungen von der Vorlage zum Teil als Wohltat: Ana hat tatsächlich Freunde, und weiß sie gut genug zu schätzen, dass sie sich Zeit für sie herausnimmt. Es dauert keine 4 Bände bis zum Sex- allerdings hätte er gerne etwas kürzer beschrieben sein können. Aber es ist eben ein Hausfrauenporno.
    Der BDSM Teil? Bislang ist noch nicht so viel passiert. Ich fand jedoch das unterschwellige zu Beginn interessanter als die Fesselspielchen um Seite 200 herum. Immerhin handelt sie mit Grey den Vertrag aus, legt Vetos ein etc. Eine Bella hätte sich da vermutlich reingestürzt und nur aus reinem Trotz Dinge abgelehnt. Die angegebenen “Hard Limits” sind sowas von Klischeebelastet (sie wird dabei gar nicht erst gefragt). Die Softlimits sind…. yeah…. dünn. Die Liste liest sich wie eine Verabredung mit einer professionellen Domina: “Ich möchte, dass du mich am rechten Bein fesselst, aber nicht am linken. Lecken ist ok, BJ haben wir zwar schon gemacht, aber das ist jetzt mein Softlimit”. Ich weiß nicht, was die Autorin für Kontakte mit BDSM hat, aber das ist nur die Spitze des Eisberges an Themen. Und wie sinnvoll es ist, eine solche Liste einem just entjungferten Vanillamädchen vorzusetzen weiß ich auch nicht. Und was bitteschön ist eine Schmerzeinteilung von 1-5? Wie soll man das objektiv beurteilen können, ob erfahren oder nicht?
    Und zuviel habe ich an der Stelle bekommen, als er sie ans Bett gefesselt hat und Eiswürfel rausgeholt hat. Wenn jetzt BDSM in diesem Band noch aus Wachs, Wäscheklammern und ein paar Klapse auf den Hintern bestehen bin ich draußen. BDSM ist sooooo vielfaltig. Warum immer das selbe BDSM nach Grimme?
    Aber noch kann ich Hoffnung haben.

    Als Pornolektüre ohne Anspruch geeignet, wenn man sich an den Einzelheiten nicht aufhängt kommt auch Stimmung auf. Aber den Hype drum verstehe ich nicht. Und mit dem Hype finde ich einige Darstellungen auch etwas kritischer, als ich sie gefunden hätte, würde das Buch nur als 08/15 Groschenroman verkauft werden.

    Posted 06 Jul 2012 at 23:04
  3. avatar Gwen wrote:

    Und der Spiegelkommentar könnte vielleicht jemanden hier interessieren: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/eva-illouz-die-soziologin-analysiert-sado-maso-in-shades-of-grey-a-842741.html
    BDSM: Der zeitgemäße, utopische Gegenentwurf zur Durchschnittsbeziehung?
    Ich finde die Schlüsse der Autorin hier sehr fragwürdig. Nur ein paar Beispiele:

    <i>Die BDSM-Beziehung vereint per definitionem Schmerz und Genuss, weshalb sich in ihr die Widersprüche herkömmlicher Beziehungen, die beständig zwischen Schmerz und Genuss schwanken, auflösen.</i>

    Ja, weil alle BDSMler Alltagsmasochisten sind, die Beziehungsschmerz lieben!

    <i>Eine der größten Herausforderungen, die moderne Beziehungen heute darstellen, ist die Aufgabe von Autonomie, weil dabei unser Selbstwertgefühl auf dem Spiel steht. Der Sadomaso-Vertrag ermöglicht das logisch und psychologisch eigentlich Unmögliche: Durch ihn gibt man freiwillig seinen freien Willen auf und ordnet sich jemand anderem unter.</i>

    Einerseits finde ich, dass das etwas wahres dran ist. Nicht nur wegen der freiwilligen Entscheidung für etwas, sondern vorallem wegen der bewussten Entscheidung dafür/dagegen. Aber mit der Unterordnung ist das eine sehr einseitige und imho auch missverständliche Betrachtung.

    Das Gebot der Gleichheit, für das der Feminismus seit mehr als 40 Jahren eintritt, verlangt ständiges Aushandeln. Der SM-Vertrag zieht einen Strich unter den Dauerhandel, indem er karikaturenhaft überzogene Rollen und Verhältnisse in Kraft setzt. Tatsächlich macht BDSM Ungleichheit akzeptabel, weil sie einvernehmlich, vertraglich abgesichert und auf Genuss abzielend zustande gekommen ist.
    Das karikaturenhafte hilft im wahren leben nicht sehr viel weiter, und auch BDSM Beziehungen sind und bleiben ein kontinuierliches Aushandeln. Der Mensch ist schließlich nicht statisch, sondern entwickelt sich weiter, und weiß an keiner stelle im Leben alles, sondern interpretiert es immer wieder neu.

    usw.
    Auf die Utopie will ich hier im kurzen Kommentar gar nicht erst eingehen… lest es einfach selbst.

    Immerhin ist es eine Diskussion, die so nicht immer öffentlich geführt wird. Aber schade, dass selbst auf Spiegel die Kommentare von Lesern zum größten Teil nicht zu gebrauchen sind. Denn bei dem Text kräuseln sich meine Fußnägel deutlich mehr als bei dem Buch, auf dessen Erfolgswelle der Artikel reitet. Denn das Buch will nichts mehr als ein Porno sein. Der Artikel hingegen… himmel.

    Posted 06 Jul 2012 at 23:21
  4. avatar Diana wrote:

    Es ist schlicht und einfach ein Buch, das wieder niemand gut findet, sich aber zig-tausendfach verkauft. Niemand hat es gelesen, aber alle haben eine Meinung darüber. Wie bei den Büchern von Dieter Bohlen und Charlotte Roche. Man könnte es das “Mc-Donalds-Phänomen” nennen.

    Posted 10 Jul 2012 at 16:02

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