Inhalt: Ableismus
Wir sind nun in der Schlussphase dieses ersten Buches. Eddards Tod zieht weite Kreise, und die zu Beginn doch recht komfortablen Starks werden entwurzelt. Arya ist in Yorens Gewalt – wir werden ihr Schicksal erst im zweiten Buch erfahren. Sansa, Robb und Catelyn werden uns noch beschäftigen. Bleiben die beiden jüngsten Kinder (und Jon Snow).
Bran muss seine Träume aufgeben, ein Ritter zu werden, und dafür anderen Träumen Glauben schenken.
Wobei: hatte er wirklich einen prophetischen Traum?
I agree that it is odd that both you boys dreamed the same dream, yet when you stop to consider it, it’s only natural. You miss your lord father, and you know that he is a captive.
Ich fühle mit Maester Luwin. Er steht als Maester für Gelehrsamkeit, für das Äquivalent von Wissenschaft, aber er lebt in einer magischen Welt. Solange es Magie gibt, ist Wissenschaft nicht verlässlich. Hier ist es für mich recht eindeutig: Bran hatte, Rickon hatte einen prophetischen Traum.
Summer began to howl.
Maester Luwin broke off, startled. When Shaggydog bounded to his feet and added his voice to his brother’s, dread clutched at Bran’s heart. “It’s coming, “ he whispered, with the certainty of despair.
(…) A raven landed on the grey stone sill, opened its beak, and gave a harsh, raucous rattle of distress.
Rickon began to cry.
Bran found himself shivering as the maester unrolled the paper. “What is it?” he said, holding his brother all the harder.
“You know what it is, boy,” Osha said, not unkindly. She put her hand on his head.
Luwins Gegenstück ist Osha. Es ist ein wenig klischeehaft, dass ausgerechnet die »Wildling« sich gegen Buchwissen und für vermeintlichen Aberglauben entscheidet. Wenn Luwin wie Scully von Akte X verdammt ist, zu Unrecht zu zweifeln, und Osha (Mulder?) zurecht glaubt, so empfinde ich das immer beiden Positionen gegenüber als unfair. Ein offener Verstand würde Magie in einer magischen Welt nicht ausschließen.
Der Mulder-Vergleich ist weniger haltbar. Osha glaubt auch deshalb an Magie, weil sie aus eigener Erfahrung weiß, dass z. B. Tote wieder wandeln können. Wer weiß schon, was hinter der Mauer so alles passiert? Luwin tut das aber alles ab.
Andere Träume wirken weit unrealistischer:
“Ser Rodrik should teach me to use a poleaxe. If I had a poleaxe with a big long haft, Hodor could be my legs. We could be a knight together.”
“I think that… unlikely,” Maester Luwin said. “Bran, when a man fights, his arms and legs and thoughts must be as one.”
Gut, dass Luwin auf Hodor achtet. Er wird ohnehin oft wie ein Muli behandelt, da freut mich dies:
Hodor is a man, not a mule to be beaten.
Aber zurück zu Brans Wunsch, Ritter zu werden. Er weiß von einem blinden Ritter.
Bran, that is only a story, like the tales of Florian the Fool. A fable from the Age of Heroes.” The maester tsked. “You must put these dreams aside, they will only break your heart.”
Aber wenn Magie wirklich möglich ist (oder wird) – kann Bran dann vielleicht doch ein Ritter werden? Das macht mir ein wenig Sorgen, auch wenn ich Bran wünsche, dass er glücklich wird. Denn wenn Bran ein »kaputter Körper« und Hodor ein »kaputter Geist« sind, wird Martin dann beide vereinen? Damit würde ich mich sehr unwohl fühlen, zumindest bei einer dauerhaften Einheit.
Osha ist eine interessante Figur. Sie scheint sich abgefunden zu haben mit ihrem Schicksal. Darum sind ihre Hände auch nicht mehr in Ketten, sondern nur noch die Füße. Weil sie komplett in Ketten nichts angestellt hat? Über diese ganze Sache denke ich besser nicht nach.
Allenfalls möchte ich noch einmal das Schicksal der Kinder erwähnen. Es wird nicht erklärt, aber ich nehme an, dass die Kinderfrauen in Winterfell Angst vor Shaggydog haben und Rickon deshalb macht, was er will. Jedenfalls hockt dieser vierjährige Junge allein (mit seinem Wolf) in der Gruft der Starks. Rickon ist traumatisiert, Shaggydog verroht – er greift ja sogar Luwin an. Spätestens jetzt, nehme ich an, wird der Wolf angekettet oder getötet. Andererseits ist er anscheinend die einzige Bezugsperson für Rickon, die ihn noch nicht im Stich gelassen hat. Bran hat ja selbst genug zu tun und ist für sein Alter eher überfordert.
Die beiden jungen Starks sind nicht zu beneiden. Und jetzt ist auch noch ihr Vater tot – und der Rest der Familie vom Krieg bedroht.
Trotzdem. Dies war mehr ein »Bran gibt es auch noch«-Kapitel, wie ich finde.
Nun ja. Immerhin keine sexuelle Gewalt.
Demnächst: Sansa, und Inhaltswarnung wegen Gewalt und sexueller Gewalt, Depression

Comments 6
Also ich finde das Kapitel äußerst interessant und informativ.
Endlich erfahren wir mehr über die Kinder des Waldes. Sie waren also nicht sehr groß, bauten ihre Häuser in die Bäume und schufen Waffen aus Obsidian. Faszinierend, oder? Obsidian wurde auch bei den Azteken für Speerspitzen verwendet. Sie waren lange vor den Menschen da.
Und diese Menschen kamen aus dem Osten übers Meer. Mit Pferden. Heißt das, dass die Bevölkerung Westeros’ von einer Splittergruppe der Dothraki abstammt? Ist das der Grund für die Reibereien zwischen den Reiter-Dothraki und den Hirten-Dothraki? Es gab unterschiedliche Ansichten, eine Gruppe fuhr übers Meer und wurde nie wieder gesehen, einige blieben zurück, vielleicht weil sie dem Meer nicht trauten, wurden aber nicht wieder von den Reitern aufgenommen. Doch, das wäre eine Erklärung. Später kamen die Andalen, ebenfalls aus dem Osten.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ein wissenschaftlich gebildeter Mann wie der Septon, der viel über die Geschichte des Landes weiß, nicht gerne an die Kinder des Waldes glauben mag. Er gehört zu dem Volk, das sie zerstört hat. Das kann kein angenehmer Gedanke sein. Da ist es doch viel einfacher, diese Geschöpfe ins Reich der Fabelwesen abzutun. Interessant finde ich nur, dass der Septon sehr wohl ganz genau die Geschichten aus der Zeit vor vielen 1.000 Jahren kennt, aber offensichtlich nichts mehr über die Anderen, die Wiedergänger oder deren Bekämpfung. Irgendwas passt da nicht ganz zusammen.
Ich denke, dass in diesem Kapitel eine Menge versteckte Informationen enthalten ist, die man vielleicht erst mit der Zeit entschlüsseln kann. Die Andalen zB sind hellblond und weißhäutig. Das scheint nicht selbstverständlich gewesen zu sein, was ein Grund sein könnte für die Durschlagkraft der dunklen Haare. Kinder mit afrikanischen Elternteilen haben fast immer dunkle Haare und meist auch die dazugehörigen Locken. Damit könnte schwarz tatsächlich eine dominante Haarfarbe sein. Was uns wieder zu der Frage führt, welche Kinder in der Stark-Familie tatsächlich von Eddard sind und welche nicht.
Die Targaryen müssten direkt von den Andalen abstammen, oder? Damit sind sie erst später als die anderen Stämme nach Westeros gekomnen, haben sich aber sofort durchgesetzt.
Auch die Starks haben eine interessante Familiengeschichte. Da fuhr einer also übers Meer und kam nicht wieder. Es könnte daher irgendwo in Essos Abkömmlinge der Starks geben, von denen die gar nichts wissen. Hat ein Seemann nicht in jedem Hafen eine Geliebte?
Tja, und damit kommen wir zum vernachlässigten Kind der Famile Stark. Rickon und sein Wolf sind offensichtlich stark verhaltensauffällig. Ich schätze mal, dass dieser Wolf genauso die Gemütslage seines Besitzers zeigt wie das bei Lady und Sansa der Fall war oder bei Nymeria und Arya. Es würde mich nicht wundern. Ein vier Jahre altes Kind sollte nicht so alleingelassen werden. Auf diese Weise werden sie sehr oft aggressiv und irgendwann richtet sich die Aggression nach innen. Denn irgendwas müssen sie ja falsch gemacht haben, wenn alle weggehen und nicht wiederkommen. Rickon ist so ein einsamer kleiner Kerl. Irgendwie hoffe ich, dass Osha sich der beiden Jungs annimmt. Sie scheint die vernünftigste Person in dem ganzen Schloss zu sein. Rickon würde sicher von ihr profitieren und ich wette, dann ist auch Shaggydog kein Problem mehr. Zum Teufel mit allen feigen Kinderfrauen, die ein verletztes, trauerndes Kind nicht in den Arm nehmen können. Ich wette, eine solche Kinderfrau hätte Shaggy auch bestimmt nicht gebissen.
Wunderschön fand ich, dass Summer am Ende zu Shaggy geht und ihn sauber leckt. Im Moment der größten Trauer ihrer beiden Besitzer sind auch sie sich wieder nahe.
Bran hat wieder Träume und Hoffnung. Im Gegensatz zum Septon finde ich das gut. Übrigens passiert hier genau das richtige: Bran möchte gedankenlos Hodor zu einem Reittier degradieren und der Septon zieht die Grenze. Hodor ist kein Spielzeug und kein Muli, ihm muss genauso mit Respekt begegnet werden wie jedem anderen Menschen. Möglich, dass Bran in der Lannister-Familie diese Lektion nicht oder anders gelernt hätte. Vielleicht wäre es dort akzeptiert worden, einen Menschen für seine Zwecke zu benutzen. Joffrey hatte eben niemanden um sich rum, der ihn in solchen Momenten zur Räson gebracht hat.
Moment mal, wir sehen Arya erst im nächsten BUCH wieder? Martin lässt diesen Cliffhanger einfach so stehen und die Leser mussten damals bis zum Erscheinungstermin des nächsten Bandes warten, um zu erfahren, was mit ihr passiert? Jessas, und ich dachte, Diana Gabaldon wäre beinhart gewesen beim letzten Band. Gegen Martin kommt sie nicht an.
Posted 26 Jul 2012 at 21:28 ¶Die Targaryen dürften eigentlich keine Andalen sein. Ich weiß nicht, wie man das Volk von Valyria genannt hat, aber daher kommen sie.
Btw, Luwin ist kein Septon, sondern ein Maester
Posted 26 Jul 2012 at 23:14 ¶Septone sind Priester im Glauben der Sieben.
Und ja, Martin ist ein “Meister” der Cliffhanger.
Posted 26 Jul 2012 at 23:15 ¶Die Dothraki sind als Volk im Westen von Essos eher eine neue Entwicklung (sie sind in das Vakuum gestoßen, das Valyrias Untergang hinterlassen hat). Die Andalen sind noch vor dem Aufstieg Valyrias aus dem Gebiet des heutigen Pentos nach Westeros übergesetzt (angekommen sind die auf den Fingern, in unmittelbarer Nähe zu Littlefingers Stammsitz
). Die Ersten Menschen sind noch früher gekommen und zwar trockenen Fußes über eine Landbrücke die damals Dorne noch mit Essos verbunden hat. Der Arm wurde später von den Kindern des Waldes mittels Magie zerstört – übriggeblieben ist nur eine Inselgruppe, die Trittsteine, die Freie Stadt bzw. der Stadtstaat Tyrosh ist eine davon.
Ganz zuletzt kamen die Rhoynar und auch nur nach Dorne. Ihre Städte an der Rhoyne wurden von den Valyrern und ihren Drachen vernichtet. Nymeria, die Kriegerkönigin der Rhoynar nach der Arya ihren Wolf benannt hat, hat sie nach Dorne gebracht, wo sie gemeinsam mit dem Fürsten Martell von Sonnspeer ganz Dorne erobert hat.
Was die (absichtliche?) Blindheit von Maester Luwin auf dem magischen Auge angeht: Diese Sache muss man im Auge behalten. Die Maester sind Aufklärer und Rationalisten. Einige von ihnen (u.a. auch Luwin) haben sich in Magie versucht, aber der offizielle Lehre der Zitadelle zufolge stirbt die Magie bzw. ist zur Zeit schon tot.
Posted 27 Jul 2012 at 16:37 ¶Die Andalen erinnern mich der Beschreibung nach an die Anderen. Vor allem die Beschreibung der Augen. Bei den Andalen sind sie wie Edelsteine, bei den Anderen leuchtend blau – wie ein Saphir?
Posted 27 Jul 2012 at 22:32 ¶@Lia: Wenn ich mich recht entsinne wurden die englischen Bücher gesplittet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Lied_von_Eis_und_Feuer#Englisch_.28Original.29
Posted 28 Jul 2012 at 08:09 ¶Post a Comment