Inhaltswarnung: Geschlechtsverkehr, brutale Kämpfe
Einmal Top, einmal Flop, und eins mittendrin:
Mittendrin
Ich bin unsicher, wie ich Tyrions Kampfesstärke finden soll. Ich wurde ja schon mal darauf hingewiesen, dass er bestimmt eine Kampfausbildung erhalten habe. Darauf deutet hier wenig hin: Tyrion besorgt sich nicht etwa eine Waffe, an die er gewohnt ist. Aber ich bin relativ sicher, dass er keine Ausbildung hatte, wie man ein Pferd mit der Spitze seines Helms ersticht. Dieses Finale war dann doch etwas absurd.
Top
Das war es aber nur in der Rückschau, denn George Martin beschreibt den Kampf, dass ich schneller atmen muss. Er tut das sehr geschickt.
Zuerst geht er recht nüchtern die Strategie durch: wir erfahren, dass Tyrion den Fluss halten soll, dass seine Bergstämme an der Front kämpfen werden. Wir wissen, um was es geht, und wie groß die Gefahr ist.
Crow food,” Bronn muttered beside him, giving voice to what Tyrion had left unsaid. He could only nod. Had his lord father taken leave of his senses? No pikes, too few bowmen, a bare handful of knights, the ill-armed and unarmored, commanded by an unthinking brute who led with his rage… how could his father expect this travesty of a battle to hold his left?
Inklusive dieses Details, dass Unsicherheit bringt: Tyrion ist nicht in alles eingeweiht. Soll er hier geopfert werden?
As the horns died away, a hissing filled the air; a vast flight of arrows arched up from his right, where the archers stood flanking the road. The northerners broke into a run, shouting as they came, but the Lannister arrows fell on them like hail, hundreds of arrows, thousands, and shouts turned to screams as men stumbled and went down. By then a second flight was in the air, and the archers were fitting a third arrow to their bowstrings.
Der nächste Schritt ist sozusagen die Vogelperspektive. Wir erleben mit, wie die Schlacht generell verläuft. Gehen die Pläne auf? Was passiert auf dem Schlachtfeld? Die Szenerie wird deutlich. Gleichzeitig sehen wir bereits, wie uns Fremde töten und getötet werden: diese Schlacht ist tatsächlich eine.
Bei all dem vergisst Martin den Humor nicht. Humor ist in dieser Serie ohnehin zumeist Galgenhumor oder Sarkasmus, und entsprechend grimmig ist der Moment, wenn die Bergstämme Tyrions Ansturm einfach überholen. Ebenso haben wir herausstechende Momente von Kampfkunst oder zumindest Bedrohlichkeit: wie der Reitende Berg Gregor Clegane kämpft, ist in der Tat einschüchternd. Auch, weil Clegane hier zwar auf der Seite der Erzählfigur ist, meine Sympathien aber eher bei den Starks als den Lannisters liegen. Damit ist Clegane jemand, der besiegt werden muss. Martin baut ihn hier aber auf, als wäre er “Beißer” aus den Bond-Filmen: Unkaputtbar.
By then the enemy was on him, and Tyrion’s battle shrunk to the few feet of ground around his horse. A man-at-arms thrust at his chest and his axe lashed out, knocking the spear aside. The man danced back for another try, but Tyrion spurred his horse and rode right over him. Bronn was surrounded by three foes, but he lopped the head off the first spear that came at him, and raked his blade across a second man’s face on his backslash.
Der letzte Schritt ist dann das konkrete Umfeld Tyrions. George Martin schränkt zusehends Tyrions und unser Blickfeld ein, und jetzt sind wir mittendrin. Ich weiß, worum es geht. Ich weiß, dass blutig gekämpft wird – und jetzt muss sich Tyrion selbst erwehren, und ich lese von einzelnen Stößen und Schritten. Durch die genaue Beschreibung wirkt es fast ein wenig zeitlupenhaft (Matrix-Effekte mit Worten), die Zeit dehnt sich, und umso mehr halte ich den Atem an, wie es ausgeht.
Darum bin ich voll in Tyrions Verzweiflung, als dieser mit einem Kopfstoß das Pferd tötet – und merke erst im Nachhinein, was da eigentlich passiert ist. Dann, wenn Martin mich wieder zu Atem kommen lässt:
Dazed, the dwarf knelt and lifted the blade. Pain hammered through his elbow when he moved his arm. The battle seemed to have moved beyond him. No one remained on his part of the field save a large number of corpses.
Jetzt bekommen wir wieder mehr von der Szenerie mit, die Kamera zoomt raus. Schließlich wird auch das Geheimnis gelüftet: die Stämme sollte aufgerieben werden, das war eine Falle für Robb Stark. Nur, dass erstens die Stämme besser fochten als gedacht und zweitens Robb Stark gar nicht da war.
Ebenfalls gefällt mir, wie das Kapitel beginnt: Tyrions Unterredung mit seinem Vater (bzw. Ser Kevan, Tywins Sprachrohr) zeigt, wie sehr Tyrion doch Sarkasmus zum Schutz einsetzt. Er kann sich seine Sprüche nicht verkneifen, aber zugleich fühlt er sich doch unwohl, und sein Vater geht auf die Witze kaum ein. Tywin lässt sich nicht aus der Reserve locken. Stattdessen geht Tyrion wieder, und Gelächter folgt ihm.
Tyrion hat keinen wirklich guten Stand in seiner Familie.
Flop
Ach ja, worum es hier wohl geht? Nicht um Kleinigkeiten wie diese:
Does the thought of facing the Stark boy unman you, Tyrion?
Entmannen als Angst. Männer sind mutig, Frauen nicht. Tywin ist also auch kein “Frauenversteher”.
When he had told Lefford he needed arms and armor to equip the three hundred men Ulf had fetched down out of the foothills, you would have thought he’d asked the man to turn his virgin daughters over to their pleasure.
Jungfräuliche Töchter – natürlich. Shagga schneidet seinen Feinden als Demütigung / Trophäe seine Männlichkeit ab, und Frauen, die nur mit einem Mantel bekleidet sind, laufen kichernd vor Betrunkenen davon. Und Bronn und Tyrion frotzeln über die hässlichen Frauen, die sich hier für wenig Geld an die Soldaten verkaufen. Weil klar ist, dass niemand mit einer zahnlosen Frau umgehen möchte.
In diese Szenerie hinein treffen wir Shae. Darf ich zuerst sagen, dass Shae in der Fernsehserie eine enorme Verbesserung erfahren hat? Denn hier im Buch ist sie ein “höchstens achtzehnjähriges Mädchen” (keine Frau, oh nein), die niemals Unterwäsche trägt, mit Freuden Prostituierte ist, und natürlich ist sie immer feucht. Shae ist für mich ein sehr ermüdendes Beispiel einer problematischen Idealfigur. Denn sie ist nicht auf den Mund gefallen, und sie scheint auch nicht dumm. Doch ihre Aktivität bezieht sich darauf, offensiv mit ihrer Sexualität umzugehen. Ansonsten bleibt sie angenehm passiv.
Tyrion enttäuscht mich hier ein wenig:
I am a Lannister. Gold I have in plenty, and you’ll find me generous… but I’ll want more from you than what you’ve got between your legs, though I’ll want that too. You’ll share my tent, pour my wine, laugh at my jests, rub the ache from my legs after each day’s ride… and whether I keep you a day or a year, for so long as we are together you will take no other men into your bed.
Nicht nur, dass er sich hier eine Freundin kauft. Das zeigt nur, wie sehr er selbst an seinem Aussehen hängt. Sein Familienname, sein scharfer Verstand und seine durchaus vorhandene Güte könnten ihm vielleicht wirklich eine gute Beziehung ermöglichen, aber er glaubt wohl selbst nicht dran.
Aber vor allem enttäuscht mich, dass er eine Ja-Sagerin will.
Jedenfalls ist das kein sehr verheißungsvoller erster Auftritt für Shae.
Demnächst: Catelyn

Comments 13
Interessant – Tyrion enttäuscht Patrich mal wieder, und warum wohl? Weil er sich eine Freundin kauft, und die ist halt nicht einmal 18 und eine Jasagerin will er.
Patrich hält sich nun einmal für sehr moralisch, und ein Feminist ist er schließlich auch.
Mal ehrlich, was ist an dem, was die Romanfigur Tyrion hier macht, verwerflich?
Tyrion hat sexuelle Bedürfnisse. Da er offensichtlich das Pech hat, dass er aufgrund seiner Erscheinung Frauen nicht freiwillig in sein Bett kriegt, und auf Sex nicht verzichten will, organisiert er sich eine Hure, also eine Frau, die er für das, was sie für ihn tun soll, bezahlt. Das Mädchen, das sich auf diese Geschäftsbeziehng einlässt, ist offensichtlich damt einverstanden. (Im Text gibt es keinen eindeutigen Hinweis dafür, dass sie jemand dazu gezwungen hat, sich darauf einzulassen oder dass sie keine andere Wahl gehabt hat, als sich zu verkaufen.)
Was das Alter betrifft – wenn Mädchen mit ihrer ersten Monatsblutung in der Gesellschaft als erwachsen gelten, dürfte Shae eindeutig in diese Kategorie fallen.
Posted 15 Jul 2012 at 21:34 ¶(Aber darüber wurde bereits genug diskutiert.)
Wieso ist es ein Flop, wenn Tyrion dich enttäuscht?
Posted 15 Jul 2012 at 22:12 ¶Tyrion ist einer der wenigen Helden in ASoIaF, die deutlich mehr positive als negative Charakteristika aufweisen. Ich finde es eigentlich ganz gut, dass man hin und wieder merkt: Auch er ist kein blitzsauberer Held.
Sowas gibt es nunmal nicht.
Kampfszenen sind immer so mühsam zu lesen. Tyrions letzte Gegenwehr ist immerhin überraschend. Wie realistisch sie ist, kann ich nur schwer beurteilend. Ein Pferd wäre wohl nicht gleich tot, es würden eine Menge Blut und Gedärme aus so einer Wunde kommen. Das Pferd würde langsam sterben. Tyrion, der ja direkt drunter steht, läuft eigentlich Gefahr, unter dem sterbenden Pferd begraben zu werden oder wenigstens Huftritte abzubekommen. Ansonsten liest es sich wohl spannend – wenn man Kampfszenen mag.
Interessanter finde ich das Gespräch am Tisch seines Vaters. Bisher hat Tyrion niemand ernst genommen, jetzt kommt er mit einer Horde wilder Männer daher. Ich denke, dass Tywin einfach nicht weiß, was er mit ihm anfangen soll und ihn daher an eine Stelle stellt, an der er sich beweisen kann – wenn er es denn kann. Vermutlich durfte auch Jaime die eine oder andere Bewährungsprobe durchleben. Tywin scheint ein sehr harter Vater zu sein. Das Leben in Westeros ist allerdings auch nicht für Weicheier geeignet.
Wie wird Shae denn im Fernsehen gezeigt? Sie kommt hier wie eine Frau rüber, die gelernt hat, das beste aus ihrer Situation zu machen. Frauen wie sie gibt es und gab es immer, viele hatten tatsächlich von Anfang an wenig Chance, etwas anderes zu werden. Tyrion scheint allgemein, seinen Mitmenschen wenig zu vertrauen. Er ist auch in einer Familie aufgewachsen, in der er wenig Rückhalt hat, obwohl er weiß, dass er immer ihren Schutz genießen wird. Vielleicht denkt er wirklich, dass er nur Menschen trauen kann, die er selbst dafür bezahlt? Wundern würde es mich nicht. Es ist bestimmt nicht leicht, den Menschen Tyrion ganz kennenzulernen.
Kann es sein, dass Tyrion in den Gedanken seines Vaters grad vom pflegebedürftigen Schützling zum erwachsenen Sohn aufsteigt? Einer, den man mal testen kann, was in ihm steckt? Im Endeffekt hat er ihn mit Clegane einem Anführer unterstellt, der die Aufmerksamkeit der Feinde auf sich zieht. Die Truppe mag unterbesetzt gewesen sein, aber es hat sich auch um eine relativ leicht zu durchschauende Falle gehandelt. Eine, die auch tatsächlich nicht richtig funktioniert hat. Mal sehen, wie Tywin weiterhin mit diesem so unerklärlichen Sohn umgeht.
Posted 15 Jul 2012 at 22:35 ¶Hm, offensichtlich ist Patrick kein zwergenwüchsiger Industriellensohn und wurde als solche von Familie, Freunden, und den Klassenkameraden auf dem Eliteinternat auch nicht als, äh, normales Mitglied der Truppe angenommen. Dann würde ihn Tyrions Gebaren nämlich eher weniger verwundern
.
Selbst in unserer Welt würde es ein Kleinwüchsiger gerade als Heranwachsender in elitären Zirkeln schwer haben, aber für Martins Welt gilt das doppelt und dreifach (Tyrion wurde nur nicht ausgesetzt oder an eine Jahrmarkttruppe verkauft, weil er von hoher Geburt ist, wie wir später erfahren).
Jemand der trotz seiner vorhandenen Talente von nahezu allen wichtigen Bezugspersonen (insbesondere seinem Vater und seiner Schwester) abgelehnt wurde, kann auf seine Äußeres bezogen zwangsläufig nur sehr wenig Selbstbewusstsein haben. Und bei Tyrion kommt ja die Tysha-Erfahrung noch hinzu – für ihn ist Liebe nur als käufliche Liebe erfahrbar. Und nachdem ihm inzwischen als intelligentem Mann auch klar ist, dass das alles falsch ist, erwartet er auch nur ‘girlfriend sex’ (also eine käufliche Beziehungsillusion) ohne die doofen Aspekte einer echten Beziehung (Streit, Widerspruch etc.). Das ist schon sehr konsistent. Und Shae ist eigentlich auch nur als ‘Mädchen für den Feldzug’ geplant. Dass es sie später noch mitnimmt, lässt sich hier ja noch absehen. Angesichts der Möglichkeit des Todes in der Schlacht ist das ganze mehr als nur nachvollziehbar und realistisch. Das gilt auch um all die anderen Soldatenhuren, die da auftreten.
In Tyrions Situation könnte ich auch niemals annehmen, dass eine Frau einfach so Gefühle für mich entwickeln würde. Wieso auch? Ich bin ein reicher Zwerg. Eine Frau meines Standes würde mich als Ehepartner in jedem Fall ablehnen, weil es eben auch nicht-zwergenwüchsige Söhne von hoher Geburt gibt (sein Aussehen und seine Körpergröße sind der Grund weshalb Tyrion unverheiratet ist – wir erfahren später, dass Lord Tywin ihn durchaus verheiraten wollte). Und eine Frau niederer Geburt wäre höchstwahrscheinlich nur nach meinem Geld her. Ich sehe beim besten Willen nicht wie ein Mann mit Tyrions Biographie in Martins Welt den Glauben in die wahre Liebe hätte beibehalten sollen…
Posted 15 Jul 2012 at 23:53 ¶Ich könnte mir vorstellen, dass man sich während eines Krieges auch einfach nicht mit unnötigen Dingen belasten will. Tyrion gibt genau vor, was er haben will, an was anderes will er nicht mal denken. Es wird interessant sein, ob er überhaupt noch an Sex denken kann, wenn ihm sowieso alles weh tut. Wie geht es Männern in dieser Hinsicht?
Tyrion verheiraten zu wollen dürfte nicht einfach gewesen sein. Gibt es eine Frau, die dafür in Frage gekommen wäre? Faktisch dürfte sie ja nicht schwanger werden. Das wäre ja keine gute Idee. Andererseits gibt es diesen Mondtee. Und…. Tyrion dürfte sowieso unfruchtbar sein. Wir haben bisher nicht von zwergenwüchsigen Bastarden gehört, obwohl Tyrion jede Menge Sex hat. Entweder verhüten die Frauen bei ihm auf Teufel komm raus oder das Problem ist gar nicht vorhanden.
Posted 16 Jul 2012 at 00:18 ¶Warum dürfte eine Frau von Tyrion nicht schwanger werden? Nur weil er optisch nicht gerade besonders toll aussieht, heißt das doch nicht, dass er auch unfruchtbar sein muss. Apropos Aussehen, die restliche Familie wird als optisch attraktiv beschrieben und schließlich könnte ein Nachkomme auch nach der Mutter kommen, zumindest was sein Aussehen betrifft …
Posted 16 Jul 2012 at 01:04 ¶Tyrion enttäuscht mich, weil er sich so auf Aussehen und Genügsamkeit fixiert.
Man könnte auch vermuten, dass Tyrion ständig auf sein Aussehen reduziert wird, dass sein Verstand nur selten geschätzt wird. Dass er gleichzeitig verbales Sparring mag – also vielleicht sucht er sich eine Frau, die ihm verbal Kontra geben kann?
Seine Vorstellungen sagen ja aus, dass er Shae ggf. über Monate bezahlen will – also mehr will als nur Sex. Was für eine Frau will er also: eine, die keine Zicken macht. Das finde ich schade, weil das auch wieder den typischen Vorstellungen entspricht.
Damit ist Tyrion nur Spiegel seiner Umwelt – aber er hat sowohl die Außenseiter-Erfahrung als auch den Verstand, sich dieser zu verweigern. Wenn Martin sich dieser Gesellschaft gegenüber kritisch erweist, muss das ja irgendwoher kommen. Tyrion wäre ein guter Kandidat (gewesen?).
Wie soll Shae denn ablehnen? Nicht nur, dass sie eine Feldhure ist, die mit dem Heer zieht und genau das es ist, womit sie ihr Geld verdient; Tyrion ist auch der Sohn des obersten Feldherren, des reichsten Mannes des Landes, eines notorisch rachsüchtigen dazu. Nein sagen und erstens Lannistergold verlieren, zweitens die Chance auf einen relativ sicheren Job verlieren (sie wird sicherer sein als allein im Lager), drittens riskieren, dass Tywin brüskiert wird? Egal, wie sie zu Tyrion oder seinen Anforderungen steht – nein sagen kann sie wohl kaum.
Sibel Kekili spielt Shae sehr viel spröder und mit eben diesem Kontern:
Posted 16 Jul 2012 at 06:27 ¶KRITIK Wie soll Shae denn ablehnen? Nicht nur, dass sie eine Feldhure ist, die mit dem Heer zieht und genau das es ist, womit sie ihr Geld verdient KRITIK ENDE
Ist Shae wirklich eine Feldhure, als Tyrion sie kennen lernt? Es wird nicht direkt erwähnt. Sie könnte genau so gut ein Mädchen aus der Gegend sein, die das Angebot Tyrions wesentlicher verlockender findet, als das, was sie zurzeit machen darf.
ZITAT Egal, wie sie zu Tyrion oder seinen Anforderungen steht – nein sagen kann sie wohl kaum. ZITAT ENDE
Posted 16 Jul 2012 at 09:16 ¶Trotz der Vorteile oder auch Nachteile, die ihre Entscheidung für sie hat. Shae hat eine Wahl, sie könnte sehr wohl ablehnen.
Tyrion kann sich keine eigene Frau suchen. Sein Vater würde das für ihn tun. Kein Kind von Adel kann selbstbestimmt über seinen Ehepartner entscheiden. Ehen werden arrangiert, auch für erwachsene Kinder. Cersei hat sich Robert nicht ausgesucht, Dany hat sich Drogo nicht ausgesucht, Joffrey und Sansa haben einander nicht ausgesucht, Robb hat sich seine Frey-Braut nicht ausgesucht etc.
Tyrions einzige Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen wäre seine Familie zu verlassen. Und das will und tut er nicht. Wir wissen bereits, was Tywin mit Tyrions erster nicht standesgemäßer Frau gemacht. Er würde niemals eine Frau akzeptieren, die Tyrion einfach so irgendwo aufgetrieben hat.
Und was verbales Sparring angeht: Tyrion ist vollkommen beziehungsunfähig und emotional geschädigt. Er will vergessen, dass er ein Zwerg ist bzw. das Gefühl haben, um seiner selbst willen geliebt zu werden. Ihm geht’s keinesfalls darum eine Beziehung mit einem ihm intellektuell ebenbürtigen Partner zu haben. Ja, das ist eine Charakterschwäche, und ja, er verbaut sich auch einiges, aber so ist der Charakter nun mal angelegt. Ich tue mir wirklich schwer, mir einen anderen Tyrion vorzustellen. Dazu kommt, dass Frauen in dieser Welt in der Regel nicht allzu umfassend gebildet sind. Keine Ahnung ob eine umfassend gebildete, adlige Intelligenzbestie jetzt Lust hätte mit dem intelligenten Zwerg anzubandeln. Dabei ergäben sich möglicherweise interessante Gespräche am Frühstückstisch, aber sie würde natürlich gleichzeitig auch zum Gespött vor ihrer Familie, Freundinnen, dem Volk etc.
Posted 16 Jul 2012 at 11:14 ¶Den Part mit der “Ja-Sagerin” verstehe ich eher sarkastisch – so wie man Tyrion kennengelernt hat, würde er die andauernde Gesellschaft einer echten Ja-Sagerin eh nicht genießen können. Insofern ist seine Aufzählung der Anforderungen an Shae für mich eher eine Anspielung darauf, was für gewöhnlich von eine “Eskorte” erwartet wird.
Posted 16 Jul 2012 at 11:24 ¶Vor allem rechnet er selbst gar nicht damit, dass Shae da etwas außergewöhnliches zu bieten hat.
Zugegeben: beides stimmt, Erm.
Posted 16 Jul 2012 at 11:43 ¶Anders: “so ist Tyrion nun mal angelegt” greift mir etwas kurz. Ich finde eben schade, dass er nicht anders angelegt wurde. Flop ist das für mich dann, weil sich Shae in diesem Kapitel nur einreiht in das Muster. Das deutet für mich dann nicht daraufhin, dass hier großes Bewusstsein über Sexismus herrscht. Eher klingt das danach, dass Tyrion sich eben die “beste” Hure leistet.
Shae kann verneinen – und mir tut sehr leid, dass ich das nicht entsprechend geschrieben habe. Tyrion würde das wohl auch akzeptieren.
Posted 16 Jul 2012 at 11:59 ¶Erm, ich bin davon ausgegangen, dass Tyrion bisher keine Kinder in die Welt gesetzt hat, weil keine erwähnt wurden. Bei allen anderen wurde auf Bastarde hingewiesen, bei ihm kein bisschen. Auch seine erste Frau dürfte – trotz ausreichend Sex – nicht schwanger geworden sein. Auch keine der anderen Frauen, mit denen er bisher so verkehrt hat. Ich kann also zumindest zur Debatte stellen, dass Tyrion eventuell unfruchtbar ist. Es muss nicht sein, aber es fällt halt auf.
Zum zweiten Punkt: der ist beinhart. Kinder wie Tyrion werden, wenn sie nicht gerade hochwohlgeboren sind, offensichtlich an Schauspielgruppen verkauft. Ich denke, dass Frauen nur ungern das Risiko eingehen, einen Zwerg zu gebären, der auf Grund seiner Herkunft weniger Überlebenschancen hat als Tyrion. Ganz ehrlich, man trägt so ein Kind neun Monate im Bauch. Das letzte, was man nach der Geburt sehen will, ist, wie das Kind weggebracht wird. Dann lieber verhüten und kein Kind.
Posted 16 Jul 2012 at 18:08 ¶Post a Comment