Inhalte: (Witze über) Vergewaltigung
Daniel Tosh hat eine Fernsehshow, in der er Youtube-Videos kommentiert. Aber er ist auch ein Komiker, der in Clubs auftritt. Bei einem dieser Auftritte hat er sich ziemlich daneben benommen. Wie ein Arschloch nämlich.

Nicht komisch: eine griesgrämig aussehende Katze mit einem Helm, der aus einer Melone geschnitzt wurde.
Louis CK, ein Komiker, der es besser wissen müsste, brachte in einem Tweet seine Unterstützung für Tosh zum Ausdruck. Ein Interview mit dem Komiker Doug Stanhope (der bei TAM auftritt, siehe vorheriger Beitrag) zeigt, warum das mit Vergewaltigungskultur zu tun hat:
- Die Frau hätte besser aufpassen sollen, welchen Komiker sie sich ansieht. Es ist ihre Schuld.
- Vielleicht ist sie einfach zu leicht aufzuregen. Es ist ihre Schuld, sie hat da nichts verloren.
- Wir haben nur ihre Aussage gegen die Aussage der Barbesitzer. Hoffentlich war Toshs Entschuldigung ein versteckter Angriff gegen ihre Lügen.
Klassische Erklärungsmuster. Dazu kommt noch, ob man etwa alle möglicherweise sensiblen Themen auslassen solle — das Grundthema ist Redefreiheit. Wie üblich. Darf man etwa keine Diabeteswitze machen? Soll man Vergewaltigungswitze verbieten?
Ich hasse das. Denn in Wahrheit wollen Leute wie Stanhope nicht die Freiheit, solche Witze zu machen. Die haben sie ja schon. Sie wollen solche Witze machen, ohne negative Konsequenzen zu fürchten. Niemand soll ihre Witze unkomisch finden und das sagen. Niemand soll sie für Arschlöcher deswegen halten. Es geht wie so oft, wenn angebliche politische Korrektheit zum Ziel genommen wird, um die Freiheit, ein Arschloch zu sein, ohne für eins gehalten zu werden.
Nun gibt es diverse gute Betrachtungen der Frage nach Vergewaltigungswitzen. Ich füge mal noch eine hinzu.
- Der Vorfall. Es geht sekundär um Toshs Behauptung, Vergewaltigungswitze seien komisch. Richtig heftig wird es bei seiner Reaktion: Wäre es nicht komisch, wenn diese Frau jetzt und hier massenvergewaltigt würde?
Entweder fände er das wirklich komisch – in diesem Fall ist er wohl ein Vergewaltiger oder Freund derselben – oder er nimmt hier eine massiv feindliche Umgebung für die Frau in Kauf. Ich frage mich, ob er gelacht hätte, wenn das wirklich passiert wäre. Wer lacht da?
-
Rein statistisch sitzen im Publikum Vergewaltiger. Ebenso wie Menschen, die eine Vergewaltigung überlebt haben. Vergewaltiger bekommen hier auf einem Silbertablett, dass sie nichts Schlimmes tun. Hey, alle Leute lachen drüber, und wer nicht lacht, der bekommt die ganze Macht der Mehrheit zu spüren. Toshs Entgegnung ist vielleicht sogar ein Aufruf, der Frau zu folgen…
-
Humor entwaffnet. Humor ist traditionell eine Waffe der Unterdrückten. Witze auf der Seite der Mehrheit sind lahm und feige und einfach. Man macht sich über Schwächere lustig. Das ist Schikane. Und während Tosh schikanieren darf, darf ich ihn dafür auch als Arsch bezeichnen.
Ich habe mal beschrieben, warum Vergewaltigung ein besonderes Verbrechen sei – interessanterweise hat Chris Clarke genau meine Analogie bestätigt. Die Normalisierung vor Vergewaltigung kann sogar dazu führen, dass aus menschlichen Gründen ein Kinderschänder gedeckt wird – man will ja seine Karriere und die Schule, an der er arbeitet, nicht gefährden.
Update: weiterer Kontext zu Tosh, der ein wahres Arschloch zu sein scheint.
Zeit fürs Wochenende.

Comments 11
Bäh, was widerlich!
Posted 13 Jul 2012 at 11:44 ¶Mal interessehalber: Ne Begründung WARUM rape jokes lustig seien hat er nicht abgegeben, nur wiederholt, dass es so sei, oder?
Weil DAS würd mich mal echt interessieren, wie das jemand wie er begründen würde.
Nee, hat er nicht. Wahrscheinlich “darum”.
Posted 13 Jul 2012 at 11:49 ¶Rein Rhetorisch: Und was würde dieser ach-so-witzige-Tosh machen, wenn er selbst Opfer einer Vergewaltigung wird, oder einer seiner Freunde und Bekannten das widerfährt? Wird er dann immer noch Witze darüber machen?
Um eins klarzustellen; das wünsche ich mir keinesfalls, daß es ihn passiert. Sowas wünscht man sich keinen, nicht mal so einem Arschloch wie dieser Tosh.
Ich bin jemand, der über flache oder nicht ganz so politisch korrekte Witze lachen kann, aber bei Rape Witzen hört bei mir der Spaß auf. Über den Leid anderer Witze zu machen, egal ob Frau oder Mann, ist nicht nur geschmacklos sondern vorallemd niveaulos.
Posted 13 Jul 2012 at 17:23 ¶**Inhalt: (kurze) Beschreibung einer Vergewaltigung [PP]
Was wird denn alles unter „Vergewaltigungswitzen“ verstanden? »Wäre es nicht witzig, wenn die jetzt von 5 Männern vergewaltigt würde?« halte ich z.B. für keinen, weil es schon gar kein Witz ist und somit auch kein Vergewaltigungswitz ist. Das war m.E. tatsächlich nur dämlich. Eher würde ich dabei an sowas wie die “Dickwolves” von Penny Arcade denken (den Originalcomic meine ich). Dort wird aber eine Vergewaltigung eben nicht als harmlos dargestellt (sonst würde der Gag in dem Comic gar nicht funktionieren). Und ja, ich musste lachen. Die Wortwahl “überleben” bei einer Vergewaltigung halte ich übrigens für äußerst ungünstig, denn die Vergewaltigung selbst hat gar nicht zum Ziel, das Opfer zu töten. Insbesondere bei Beachtung auch der Fälle, wo es zum Beispiel alkoholbedingt (im Vollrausch) zu einer Vergewaltigung kommt, wirkt das Ganze doch eher deplatziert: „Sie war betrunken und ist eingeschlafen. Er hat sie ausgezogen und die Penetration vollzogen. Aber sie hat es überlebt.“
Posted 15 Jul 2012 at 23:26 ¶Godsboss, es geht manchmal nicht nur um körperliches Überleben. Eine Vergewaltigung muss man auch geistig und vor allem gefühlsmäßig überleben können. Sieh es wie einen Überfall. Den muss man auch überleben. Was anderes ist eine Vergewaltigung ja nicht, egal wie sie abläuft.
Posted 16 Jul 2012 at 00:21 ¶Godsboss: die Dickwolves (Link zu Shakesville) sind ein gutes Beispiel, auch wenn diese Sache natürlich weit über den Comic hinaus ging (Timeline).
Der Terminus »Überlebend« ist gewählt, wei bei dem typischen »Opfer« die Person, der das Verbrechen angetan wird, stärker mit Hilflosigkeit bedacht wird. Weil aber diese Personen ihre Genesung selbst in die Hand nehmen, weil sie immer noch eigene Wünsche bzgl. ihres Umgangs haben, soll »überlebend« ihnen mehr Handlungsfreiheit zusprechen. Viele fühlen sich als Opfer stigmatisiert.
Posted 16 Jul 2012 at 06:09 ¶Hier übrigens eine Petition an den CEO von Comedy Central, Toshs Show abzusetzen:
http://www.change.org/petitions/ceo-comedy-central-take-daniel-tosh-off-the-air
Posted 16 Jul 2012 at 12:44 ¶Die Seite, auf die Sie sich beziehen, stellt in meinen Augen wilde Behauptungen auf. Ich habe mir Louis C.K.s Unterstützung für Tosh angeschaut, und ich ich finde sie überzeugender als das Gegenteil. Auch wenn ich nach der Schilderung des Auftritts von Tosh meine Zweifel habe, daß da Kritik nicht sehr gerechtfertigt wäre. Aber auch dann rechtfertigt das in meinen Augen nicht die Behauptung, daß Louis C.K. Vergewaltigung rechtfertigen würde.
Der Mechanismus hingegen, den Du beschreibst, daß einige Menschen alles behaupten möchten, aber verlangen, daß ihre Meinung akzeptiert wird und sie Kritik an ihrer Meinung als Einschränkung von Meinungsfreiheit bezeichnen, den gibt es, da gebe ich Dir recht.
Posted 20 Jul 2012 at 21:11 ¶CK soll ja nicht Vergewaltigungen stützen, sondern die Vergewaltigungskultur.
Posted 20 Jul 2012 at 21:35 ¶Bevor man wilde Lügen über Leute aufstellt, informieren: http://www.thedailyshow.com/full-episodes/mon-july-16-2012-louis-c-k- (Louis C. K. ist im (vor-)letzten Segment zu sehen)
Kurzform: er war sich dessen, was der andere über Vergewaltigungen gesagt hat, zum Zeitpunkt seines Tweets nicht bewusst. Da man ihm schwer das Gegenteil beweisen kann, sollten wir den guten alten Grundsatz “unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils” beibehalten
Posted 22 Jul 2012 at 10:04 ¶Ich sehe das eher so wie Shakesville:
http://www.shakesville.com/2012/07/nope.html?m=1
http://www.shakesville.com/2012/07/considering-rape-culture.html?m=1
Posted 22 Jul 2012 at 10:20 ¶Trackbacks & Pingbacks 3
[...] Blog vorkommt: er verteidigt nämlich das Recht auf Vergewaltigungswitze (nicht ganz korrekt, siehe nächster Beitrag). Das passt doch: Vergewaltigungswitze ja, sarkastische T-Shirts ja, Leitlinien [...]
[...] Telefon. Das ist ein Tracker. ### BLOGPOST: Manche Leute wollen die Freiheit ein Arschloch zu sein, ohne für eines gehalten zu werden. [...]
[...] Derangierte Einsichten – Finden Sie das komisch? – [...]
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