SDT: Verurteilung

Dies ist Teil 55 von 77 der Serie Spiel der Throne

George Martin ist nicht nett zu Sansa. Die Fans sind es auch nicht. Und das beginnt spätestens hier.

“Such a beautiful child. I do hope you know how much Joffrey and I love you.”

“You do?” Sansa said, breathless. Littlefinger was forgotten. Her prince loved her. Nothing else mattered.

(…)

So she went to the queen instead, and poured out her heart, and Cersei had listened and thanked her sweetly… only then Ser Arys had escorted her to the high room in Maegor’s Holdfast and posted guards, and a few hours later, the fighting had begun outside.

(…)

It was not until later that night, as she was drifting off to sleep, that Sansa realized she had forgotten to ask about her sister.

Sansa geht also zur Königin und erzählt ihr, dass Eddard seine Töchter nach Hause schaffen will.Das ist tragisch und vorhersehbar: sie liebt Joffrey (wie das eine Elfjährige eben kann) und will nicht von ihm getrennt werden. Das ist in meinen Augen kein Vergehen – ich verstehe sie.

Die Vorwürfe entstehen dann, wenn Sansa die Machtübernahme der Lannister abtut. Es zählt anscheinend wirklich nichts außer ihrem Joffrey.

When Sansa peered down, she saw a body impaled on the huge iron spikes below. She averted her eyes quickly, afraid to ask, afraid to look too long, afraid he might be someone she knew.

Ich denke, Sansa verschließt hier die Augen vor der Realität – und warum nicht? Die Realität ist so grauenvoll, so ganz und gar nicht wie die Welt, von der sie träumte, dass dieses Wegschauen ein Überlebensinstinkt ist. Soll dieses Kind den ganzen Schrecken und womöglich Schuld auf sich laden?

Denn ehrlich, Cersei handelt wegen Eddard, nicht wegen Sansa. Sie gibt Eddard sogar noch eine Chance im Thronsaal. Gut, es war eine Chance für Eddard, sich öffentlich zum Verräter zu machen (hat er ja auch getan), aber trotzdem. Bei all dem soll jetzt Sansa schuld sein?

Man kann ihr immerhin nicht vorwerfen, dass sie dumm wäre:

Joff would need to punish Father, the lords would expect it, but perhaps he could send him back to Winterfell, or exile him to one of the Free Cities across the narrow sea. It would only have to be for a few years. By then she and Joffrey would be married. Once she was queen, she could persuade Joff to bring Father back and grant him a pardon.

Only… if Mother or Robb did anything treasonous, called the banners or refused to swear fealty or anything, it would all go wrong. Her Joffrey was good and kind, she knew it in her heart, but a king had to be stern with rebels.

Das ist ein vernünftiger Plan. Eddard wird ein Jahr ins Exil geschickt, und dann kann Joffrey ihn wegen seiner Königin begnadigen oder zur Nachtwache lassen oder sonst was. Das ist politisch gut durchdacht, wenn auch auf einer Ebene, die all die anderen Einflüsse und Begehrlichkeiten nicht berücksichtigt. Was man Sansa, die neu am Hofe ist, nicht vorwerfen kann.

Und dass sie nicht nach Arya fragt? Wie auch? Wir sehen gleich zu Beginn, dass Fragen, die der König und ihrem kleinen Rat nicht gefallen, abgebügelt werden. Wie gruselig ist es, als die in Sansas Beisein beraten, wie man Jeyne Poole los wird? Und Petyr Baelish erklärt sich noch bereit, das zu erledigen. Brr.

Danach legt der Rat erst richtig los – es gibt gute und böse Cops, die Sansa geschickt verunsichern und anklagen und ihr Hoffnung geben. Und in all dem darf Cersei die Wohltäterin spielen, die Sansa so sehr mag und ihr glauben möchte… Der Rat ist nicht zufrieden, bis Sansa nicht Briefe an ihre Familie schreibt – Briefe, deren Inhalt Cersei und Co. genau bestimmen. Sansa hat hier keine Chance. Eine verunsicherte und ahnungslose Elfjährige gegen vier ausgebuffte Spieler des Hofes.

Und doch wirkt Martins Schlusssatz wie eine Anklage: sie hat nicht mal nach Arya gefragt, die Undankbare.

Die Idee ist jetzt also wie folgt: Eddard ist ein Verräter. Sansa ist mehr oder weniger eine Geisel. Und Catelyn und Robb sollen sich gefälligst benehmen, wenn sie das Leben des Mädchens (implizit) sowie Eddards Leben und den Reichsfrieden (explizit) bewahren wollen.

Ich ahne Böses – Catelyn hat nicht gerade bedacht agiert, als sie Tyrion stellte. Gleichzeitig aber, wenn es um ihre Kinder geht… mal sehen.

Demnächst: Jon

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Comments 20

  1. avatar Lia wrote:

    Dieses Kapitel war absolut grässlich zu lesen. Arya ist aus dem Machtbereich Cerseis (und mancher anderer) verschwunden. Sie können zumindest im Moment nicht direkt auf sie Einfluss nehmen.

    Sansa dagegen steht voll und ganz unter Cerseis Einfluss – in jeder Hinsicht. Wenn ich mich so zurückversetze in das Alter, als ich 12 Jahre alt war, habe ich absolut Bauchkrämpfe bei dieser Szene. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Sansa 12 Jahre alt ist, weil auch bei Arya erwähnt wurde, dass sie neun ist.

    Für alle Fans, die Sansa – ein 12 Jahre altes Kind! – so sehr hassen, habe ich zwei Gedankenspiele:

    1) Erinnert ihr euch wie es war, wenn ihr in der Schule zum Direktor musstet? Ihr wusstest nicht, warum und hinter welche Dummheiten die Lehrer möglicherweise gekommen sind. Mit dem Direktor sitzen vier andere Lehrer mit im Raum, Klassenlehrer, Vertrauenslehrer, ev. jemand von der Elternvertretung….. das ist eigentlich schon das Szenario einer Disziplinarkonferenz. Erinnert ihr euch an das Angstgefühl? Dann habt ihr eine ungefähre Ahnung, wie Sansa in dem Moment fühlt.

    2) Sansa ist ein türkisches Mädchen. Sie lebt zusammen mit ihrem Vater, einer älteren Tante und ihrer jüngeren Schwester. Der Aufenthaltsort der Mutter ist unbekannt, die älteren Brüder sind in der Türkei geblieben. Die jüngere Schwester hat einige Anpassungsprobleme nach dem Umzug, genießt aber noch die Freiheiten der Kinder, die Sansa nicht mehr zustehen. Von ihr wird schon ein den Frauen entsprechendes Verhalten erwartet. Der Vater ist mit der Situation völlig überfordert und lässt beide Kinder viel allein. Er beschließt in die Türkei zurückzukehren. Sansa ist gut in der Schule und hat schon gemerkt, dass ihr in diesem Land wesentlich mehr Möglichkeiten geboten werden als zu Hause. Nach einigen sehr negativen Vorfällen vertraut sie ihrem Vater nicht mehr voll und ganz. Abgesehen davon hat sie sich unsterblich in einen Klassenkameraden verliebt. Auch das ist einer der Gründe, warum der Vater zurück nach Hause will. Sansa soll dort vorab schon mal mit einem älteren Mann verlobt werden, den sie später auch heiraten soll. Sansa möchte hier bleiben und geht zur Direktorin der Schule. Von ihr erhofft sie sich Hilfe und Unterstützung. Sehr unverständlich, dass das Mädel nicht zurück in die Heimat will?

    Sansa ist 12 Jahre alt und in diesem Alter denken Kinder noch in erster Linie an ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Noch dazu wurde Sansa nicht nach unseren heutigen Werten zu Hilfsbereitschaft und Kameradschaft erzogen, sondern dazu, die Ehefrau eines möglichst einflussreichen Mannes zu werden. Ihre ganze Erziehung dient genau nur diesem Zweck.

    Was man auch nicht vergessen darf: Sansa weiß sehr genau aus diversen Liedern und Geschichten, was mit Verrätern passiert. Natürlich macht sie sich Hoffnungen, dass sie ihrem Vater und ihrer Familie helfen kann. Vor allem dann, wenn sie selbst Königin ist und selbst Einfluss hat. Dann, wenn endlich alle froh sind, dass es sie gibt und sie so erfolgreich geheiratet hat. Dann, wenn alle zu ihr aufsehen, statt sich immer nur mit den jüngeren Geschwistern zu beschäftigen.

    Wenn diese Szene der Auslöser für die Allgemeine Sansa-Haue ist, muss ich sagen, dass ich wirklich schockiert bin. Das ist eine Art von Opfer-Prügel, die ich bei einer so jungen Figur nicht erwartet hätte. Wohlgemerkt hat Arya gerade eben ein anderes Kind getötet und wird als tapfer und mutig dargestellt, Sansa hat versucht, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und ist böse und schlecht. Beides sind Kinder, die auf eine grauenhafte Situation unterschiedlich reagieren. Auch Arya denkt erst mal nur an sich selbst, an die Tanzstunde mit Syrio und dass sie ihn mit nach Hause nehmen will. Kein Gedanke an Sansa oder ihren Vater. Ich sehe hier charakterlich wenig Unterschied zwischen den Mädchen, wenn es ums Gedankenmachen an andere geht.

    Ja, sie ist sauer auf Jeney, die die ganze Zeit weint. Sansa reißt sich zusammen und erwartet dasselbe von Jeney. Diese “spielt nicht mit”, sondern lässt ihren Kummer raus. Vermutlich wünscht sich Sansa, dass sie das auch einfach so tun könnte, aber von einer Stark und einer zukünftigen Königin wird ein anderes Verhalten erwartet und sie hält sich dran. Meiner Meinung nach rettet sie damit ihr Leben. Ich fürchte, ein weinendes Nervenbündel hätte weniger liebreizend auf Cersei und die anwesenden Männer gewirkt.

    Und muss das sein mit Jeney? Was hätte denn dagegen gesprochen, wenn Martin die beiden Mädchen zusammen bleiben lässt? Da hätten sich durchaus interessante Entwicklungen ergeben können. Aber natürlich muss für Jeney ein möglichst übler Weg gefunden werden. Was ein Littlefinger mit einem Mädchen knapp vor der Pubertät anfängt, kann ich mir durchaus vorstellen. Jeneys Vater ist tot, was dem Mädchen wohl klar ist. Sie verschließt die Augen nicht vor der Realität wie Sansa, aber ganz ehrlich: was bringt ihr das? Es ist nicht so, als würde sie dafür von ihrem Erschaffer belohnt. Erfährt man eigentlich irgendwann, was mit Jeney weiter passiert ist?

    Ja, Sansa fragt nicht nach ihrer Schwester. Aber in diesem Szenario, nach diesem Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel gibt es vermutlich nur wenige Menschen, die dazu noch imstande gewesen wären. Martin bleibt bei Sansa gerne ein wenig auf Abstand. Von ihren Gefühlen erfahren wir wenig, wir sehen sie nur handeln.

    Ja, Sansa hat ihren Vater “verraten”. Ehrlich? Alles, was sie Cersei gesagt hat, war, dass ihr Vater vorhat, sie nach Hause zu schicken. Und dass sie gerne hier bleiben würde, was im Hinblick auf die zukünftige Hochzeit ein durchaus vernünftiger Plan ist. Zu Hause wird sie kaum Gelegenheit haben, die Pflichten einer Königin kennenzulernen, sie wird kaum lernen können, wie man ein Haus mit vielen Angestellten führt. In den ganzen alten Romanen ist genau das immer wieder ein Thema. Die Tochter soll verheiratet werden und muss dafür natürlich erst mal die entsprechende Ausbildung bekommen. Wer denkt, dass hinter Haushaltsführung nichts steckt, sollte mal darüber nachdenken, dass das durchaus mit der Führung eines Kleinbetriebes vergleichbar ist. Diener tun, was man ihnen befiehlt. Dazu muss man aber erst mal wissen, was genau man befehlen muss. Das ist wie mit gut oder schlecht ausgebildeten Mitarbeitern. “Mach!” ist meist keine hilfreiche Aufgabenstellung.

    Was würde Sansa gewinnen, wenn sie nach Winterfell zurückkehrt? Verheiratet werden soll sie hier wie dort. Hier allerdings soll sie mit dem heißgeliebten Prinzen verheiratet werden, dort mit einem alten Knacker, den sie nicht mal kennt. Hier ist es warm, dort ist es kalt. Hier hat sie einen gewissen Luxus, dort herrscht Einfachheit. Hier herrscht Leben und Treiben, dort kann sie nur sticken. Hier hat sie offensichtlich schnell Anschluss gefunden an die Hofdamen, dort gibt es nur ihre Geschwister. Was genau soll Sansa an einer Rückkehr nach Hause gut finden?

    Was Eddard verbockt hat, kann man nicht auf Sansas Schultern laden. Sie ist das Kind, er der Erwachsene. Ich finde entsetzlich, dass er seinen Töchtern nicht mal gesagt hat, dass der König tot ist. Sansa schließt nur aus dem Glockengeläute darauf. Möglich, dass sie trotzdem versucht hätte, zu Cersei oder vor allem Joffrey durchzukommen. Sie hätte bestimmt gerne seine Trauer geteilt. Es wäre Eddards Aufgabe gewesen, seinen beiden Töchtern den Ernst der Lage mitzuteilen. Statt dessen schickt er die Jüngere noch mal zum spielen (aus seiner Sicht ist vermutlich nicht mehr dahinter) und die andere soll gefälligst gehorchen. Aber das Thema der fehlenden Kommunikation im Hause Stark hatten wir ja schon.

    Ich denke, Sansas relativ vernünftiges und kooperatives Verhalten hat ihr hier das Leben gerettet. Eine Arya, die das Herz auf der Zunge trägt, hätte den Raum möglicherweise nicht lebend verlassen. Wen will man schon anklagen, wenn das Mädel bei den Ausschreitungen rund um Roberts Tod ums Leben kommt? Wär sie mal lieber in ihrem Zimmer geblieben wie ihre Schwester, aber die Kleine konnte ja nie gehorchen….. Sansa dagegen wird als Geisel überleben können. Sie weiß im Grunde, welches Verhalten von ihr erwartet wird. Sie ist sehr beeinflussbar, aber das liegt nun wirklich am Alter. Mit denselben Methoden, die Cersei & CO hier anwenden, arbeiten Pädophile. “Du weißt, dass du deinen Eltern nur Probleme bereitet hast. Sie brauche eine Pause von dir. Nein, sie haben nicht nach dir gesucht. Aber Kleines, du hast einfach so eine Ausstrahlung, da kann ich gar nicht anders…” Und die Kinder glauben es.

    Sansa und Arya tun mir leid. Sie sind zu jung für das alles und das ist schade. Eine 13-jährige Arya und eine 16 Jahre alte Sansa hätte ich erstens realistischer und zweitens spannender gefunden.

    Posted 13 Jun 2012 at 19:56
  2. avatar Patrich wrote:

    Ich sehe das ähnlich. Ansonsten hat Sansa noch ein paar, vor allem einen Monent, in dem sie sich Unmut zuzieht.

    Deine Vergleiche sind sehr cool.

    Posted 13 Jun 2012 at 20:44
  3. avatar Erm wrote:

    Ich verstehe nicht, warum sich Lia so über die “Sansa-Haue”, wie sie es nennt, aufregt. Wenn ich mir ihre Kommentare über Figuren wie Catelyn oder Eddard ansehe, sollte sie wenigstens so fair sein, anderen Lesern/innen zugestehen, dass die mit der Figur Sansa dasselbe tun dürfen.

    Posted 13 Jun 2012 at 21:53
  4. avatar Patrich wrote:

    Na, stimmt schon, dass Lia hart ins Gericht geht.

    Posted 13 Jun 2012 at 22:06
  5. avatar Lia wrote:

    Erwachsene behandle ich wie Erwachsene. Die sind selbstverantwortlich und sollten imstande sein, ihr Leben zu meistern. Von Kindern verlange ich das nicht, schon gar nicht in diesem Alter. Also werden meine Beiträge zu den Kindern immer anders geprägt sein als die über die Erwachsenen dieser Geschichte. Selbst schuld, wenn Martin so viele Kinder drin hat.

    Posted 13 Jun 2012 at 22:59
  6. avatar Erm wrote:

    Ich hätte als Beispiel auch ihre Kommentare zu Arya nehmen können.

    Posted 13 Jun 2012 at 23:11
  7. avatar Parias wrote:

    Da muß ich mal ungefragt in die Bresche springen; So wie ich Lia verstanden habe, kritisiert sie deswegen Ned und Catelyn, weil die beiden Charaktere sich für ihren Alter recht dämlich verhalten und in jeden noch so offensichtlichen Fettnäpfchen treten.

    Sansa jedoch ist, wie Lia festgestellt hat, trotz der Anforderung als Frau zu funktionieren, ein Kind, das weder die geistliche Reife, noch die Erfahrungen hat, um die Fallstricke zu erkennen (das wird oftmals übersehen) und darum, schätze ich mal, hat Lia mehr Verständnis mit ihr als mit ihren Eltern.

    Ich bin kein Fan von Sansa, aber ich gebe Lia recht. Man kann ein Kind (Sansa) nicht mit einem Erwachsenen (Ned) gleichstellen.

    Ich werde das Gefühl nicht los, daß Martin Probleme mit rechtschaffenen Charakteren wie Ned und Jon hat: Entweder sind sie saudämlich wie Ned, oder sie wirken beim Versuch, ihnen Fehler zu geben unsympathisch (Jon).

    Posted 13 Jun 2012 at 23:32
  8. avatar Lia wrote:

    Ich muss hier mal was klar stellen: ich hasse Arya nicht, ich sehe sie nur kritischer als viele andere. Dieses Kind tut mir in der Seele leid und ich bin sehr froh, dass sie diese Zeit mit Syrio erleben durfte. Nicht, weil sie dort kämpfen gelernt hat. Das konnte sie in gewisser Weise auch schon vorher. Sondern weil sie dort als Mensch voll und ganz angenommen wurde, nicht als Junge oder Mädchen sondern einfach nur als der Mensch, der sie nun mal ist.

    Ich bin mir sehr sicher, dass das bisher nicht oft der Fall war. Jon dürfte in Winterfell der einzige gewesen sein, der für sie da war. Von ihrem Verhältnis zu Robb, Bran und Rickon erfahren wir nicht viel, ihr Verhältnis zu Sansa ist ausgesprochen angespannt. Die Mutter erleben wir ihr gegenüber einschränkend und strafend, die Vater-Tochter-Beziehung entwickelt sich erst knapp vor Roberts Tod in Kings Landing.

    Es ist Sansa, um deren körperliche Sicherheit ich mir mehr Sorgen mache, es ist Arya, deren seelische Gesundheit mir mehr Kopfzerbrechen bereitet.

    Und ja, Kinder haben bei mir immer und grundsätzlich einen gewissen Welpenschutz. Ich bin Mutter und kann diesen Teil in mir nicht einfach so ablegen. Dieser Welpenschutz gilt auch für Joffrey und Klein-Robert. Beide Jungs würde ich am liebsten am Kragen packen und ganz woanders unterbringen, wo sie richtig gefördert werden und eine Chance auf eine sinnvolle Entwicklung haben. Es sind ja nicht nur die Mütter, die hier versagen, es ist das ganze Umfeld, das diese beiden Jungs krank macht.

    Sollte Sansa sich mit 20 Jahren immer noch so kindlich undschuldig naiv benehmen, werden sich meine Beiträge zu ihr sicher anders anhören. Ich hoffe aber, dass sie bis dahin viel dazu gelernt hat. Sollte Arya mit 17 immer noch eine introvertierte kleine Kämpferin sein, die sämtliche Regeln für sich biegt…. werde ich hoffen, dass sie in den nächsten Jahren dazu lernt, offener wird, sich auch mit ihrer weiblichen Seite anfreundet, denn mit 17 ist sie bei Gott noch nicht erwachsen. Aber natürlich würde ich mich fragen, warum Martin so gar keine Charakterenticklung zulässt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Kinder in den nächsten Bänden so bleiben wie sie sind. Beide haben Schreckliches erlebt und kämpfen vermutlich mit ihren eigenen Dämonen.

    Was das dämliche Verhalten der Erwachsenen angeht: da habe ich die gleichen Probleme wie bei Twilight. Als Leser will man nicht, dass die Hauptfiguren dümmer sind als man selbst. Wenn Ned eine Cersei herausfordert, benimmt er sich dümmer als er eigentlich sein dürfte. Wenn Cat Tyrion gefangen nimmt, handelt sie auf eine unglaublich gedankenlose Weise. Man möchte kaum glauben, dass sie grad aus Kings Landing kommt, wo sich immer noch ihr Mann und vor allem ihre Kinder befinden. Wie bei den Cullens erwartet man mehr Intelligenz (oh, das Kind in Bellas Bauch braucht Blut? Wer hätte das gedacht! Danke Jacob!). Man erwartet nicht, dass ein Mann, der mit Cat verheiratet ist, eine andere, offensichtlich kämpferische Frau so sehr unterschätzt.

    Für mich waren diese Szenen beinahe ein wenig out of character, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass eine Cat, die anfangs so sehr als Löwenmutter gezeigt wird, plötzlich keinen Gedanken mehr an die Sicherheit ihrer Familie verschwendet. Genauso ging es mir mit Eddard, der als Herrscher über ein extrem kaltes Land mit der Mauer im Rücken eigentlich bessere Führungsqualitäten mitbringen sollte. Es mag sein, dass das Provinz ist, aber gerade in der Provinz sind Intrigen und Ränkespiele oft die einzige Abwechslung. Auch wird anfangs der Unterschied zwischen ihm und Robert so klar definiert. Ich hätte mir von ihm einfach mehr erwartet.

    Es ist einerseits schön, dass Martin auf diese Weise das Klischee verlassen will, aber er tut es auf keine positive Weise. Kaum verlassen die Figuren ihre Schubladen, wirken sie unbeholfen und dumm. Wenn er das bei den ganzen Kindern auch so macht, habe ich allerdings wenig Hoffnung, dass sie interessante Erwachsene werden.

    Posted 14 Jun 2012 at 18:24
  9. avatar Wajakla wrote:

    “Erfährt man eigentlich irgendwann, was mit Jeney weiter passiert ist?”
    Ja, das kommt noch …

    “Eine 13-jährige Arya und eine 16 Jahre alte Sansa hätte ich erstens realistischer und zweitens spannender gefunden.”
    Wieviel Sinn macht es, das immer und immer wieder zu thematisieren?
    Ich hab schon in den Kommentaren zu den ersten Artikeln ein paar mal erläutert, dass Martin selbst bereits erklärt hat, dass er Kinder nicht gut schreiben kann und – wenn er nachträglich die Möglichkeit hätte – sie um min. 2 Jahre älter machen würde.

    Posted 15 Jun 2012 at 01:49
  10. avatar Markus wrote:

    Ich verstehe den Satz
    “…Sansa realized she had forgotten to ask about her sister”
    nicht als weitere Kritik an Sansa sondern eher so, dass ihr (endlich) langsam klar wird, wie ernst die Situation für alle Beteiligten ist.
    Ihr kommt in diesem Moment die Erkenntnis, dass der Zoff mit ihrer Schwester keine Rolle mehr spielt und sie sich Sansa Sorgen um Aryas Gesundheit machen sollte.
    Insbesondere finde ich auch, dass Sansa recht schnell ihre Naivität reduziert, anstatt in ihrer Märchenwelt zu bleiben.

    Posted 15 Jun 2012 at 13:02
  11. avatar Lia wrote:

    Das Alter der Kinder ist einer der mir unangenehmsten Punkte in diesen Büchern. Hätte er da nicht vorher drüber nachdenken können? Es ist für mich beim lesen wirklich sehr belastend, wenn mir in manchen Szenen schockartig wieder klar wird, dass ich über ein neun Jahre altes Kind lese. Ihr wisst schon, das ist eigentlich das Alter mit Hello Kitty, Bibi Blocksberg und der großen Sorge, dass nächstes Jahr die Grundschule zu Ende ist und die beste Freundin womöglich an einer anderen Schule landet.

    Ich denke, dass Sansa recht unsanft in der Wirklichkeit gelandet ist, als Jeneys Verbleib so gefühllos geregelt wurde. Das war nämlich bestimmt nicht ihre Absicht und Jeney war ihr im Grunde näher als ihre Schwester. Grad in der letzten Zeit. So plötzlich alleine im Zimmer zu sitzen kann nicht angenehm gewesen sein. Da gibt es auch nichts mehr, was die Gedanken ablenkt. Ich frage mich, was Sansa jetzt eher annimmt: dass ihre Schwester tot ist oder dass sie fliehen konnte. Arya wurde ja als einzige der Familie mit keinem Wort erwähnt.

    Von Robb haben wir lange nichts mehr gehört, auch nicht von Bran. Ich bin gespannt, wann die beiden wieder in den Fokus der Geschichte rücken.

    Posted 15 Jun 2012 at 19:42
  12. avatar Patrich wrote:

    George Martin hat diese Reihe ja auf lange Zeit angeleg; die letzten Bücher sollten nach einem Zeitsprung folgen. Ich vermute, er hat mit dem “Alter M Ende” begonnen und zurück gerechnet und das so hingenommen.

    Posted 15 Jun 2012 at 19:57
  13. avatar Lia wrote:

    Und weil bei den Amerikanern Helden immer möglichst jung sein müssen, hat er das “Alter Ende” mit max. 25 Jahren angesetzt?

    Zeitweise sehne ich mich nach Helden und Heldinnen in meinem Alter. Es ist gar nicht so, dass nach dem 30. Geburtstag das Leben zu Ende ist. Ehrlich!

    Posted 15 Jun 2012 at 20:45
  14. avatar Patrich wrote:

    Na, es ging wohl auch um das Alter von Cersei und Eddard und so. Aber ich stimme zu: Jugend muss nicht immer sein, und so KinderheldInnen: na ja

    Posted 15 Jun 2012 at 21:21
  15. avatar Lia wrote:

    Das Problem hab ich mit zunehmendem Alter immer öfter. Ok, es gibt Miss Marple, aber so alt bin ich nun auch wieder nicht. Wenn die gute Frau mir auch durchaus imponiert. Aber die Heldinnen der meisten Romane sind max. 28 Jahre alt, weiß, gebildet und gesund. Die Haarfarbe kann inzwischen sogar ein wenig variieren und gewichtsmäßig darf sie ein paar Kilo zu viel haben, aber ja nicht zu viel und immer mit dem Blick zur Waage.

    Ich bin ja schon froh, wenn so manche Heldin einer Buchreihe mit den einzelnen Bänden altert und irgendwann über 30 ist!

    Und äähhh, Eddards Alter dürfte keine große Rolle mehr spielen, oder? Ich glaube einfach nicht, dass er lange genug überlebt, um das Ende der Geschichte mitzuerleben. Gerade Cersei hätte mir übrigens gefallen als alternde Kämpferin um den Thron. Was spricht dagegen, dass eine Vierzigjährige mitspielt? Ist man dann zu alt für den Thron? Thronerben hat sie ja einen und der müsste nicht zwölf sein. Eine beinharte, lebenserfahrene Cersei, die so viel Humor hat wie die Weiße Hexe aus Narnia, würde mir richtig gut gefallen. Wer weiß, wie sie mit dem Problem Eddard umgegangen wäre.

    Posted 15 Jun 2012 at 22:01
  16. avatar Patrich wrote:

    Ich hatte ja mal einen Detektivroman begonnen mit einer 38-jährigen Deutschtürkin als Heldin…

    Posted 16 Jun 2012 at 07:32
  17. avatar Lia wrote:

    Warum hast du ihn nicht fertig geschrieben?

    Posted 16 Jun 2012 at 15:28
  18. avatar Erm wrote:

    An Parias!

    Dass Du Lias persönliche (subjektive) Meinung verteidigst, ist nett, aber unnötig, da meine Kritik an ihr absolut nichts damit zu tun hat, welche persönlichen Meinungen sie vertritt, sondern wie sie mit anderen Meinungen, die ihrer persönlichen (und subjektiven) Meinung widersprechen, umgeht. Schlagwortartige-abwertende Verurteilung von Personen, von denen sie lediglich weiß, dass die nicht ihrer Meinung sind, finde ich nicht in Ordnung. (Schlagwort Sansa-Haue) Wenn ich Meinung von einigen von solchen “Sansa-Hauern/innen” in Bezug auf die objektive Gültigkeit ihrer Argumentation mit Lias bisherigen Argumentationen vergleiche (die nur subjektive Meinung sind) müsste sie selbst ihre Beiträge zu Catelyn oder Eddard oder anderen mit wesentlich mehr Recht als Catelyn- oder Eddard-Haue bezeichnen.

    Eine Meinung zu etwas kann jeder haben, kann jeder. Wenn ich mich jemand allerdings von seiner Meinung über das, was in einem Buch erzählt wird, überzeugen will, muss er/sie mir aber mit objektiven Argumenten kommen, also sachlich-text- und kontextbbezogenen Analysen, aus denen ihre Interpretation schlüssig zu erkennen ist.

    Subjektive, dazu noch an den Text herangetragene Ansichten, selbst wenn sie als allgemein gültige Wervorstellungen ausgegeben werden oder auf diesen tatsächlich aufbauen, sind zu wenig.

    Für Patrich mag Lia eine strenge Kritikerin sein, ich würde aufgrund ihrer bisherigen Beiträge sie für eine Nörglerin halten, die billiges Nörgeln mit ernsthafter Kritik oder jammern auf hohem Niveau verwechselt.

    GRRM ist offensichtlich ein Autor, dessen Bücher Lias subjektiven Ansichten gänzlich widersprechen. Eigentlich traurig, dass Lia darauf mit Genörgelt und Besserwisserei reagiert. Warum sagt sie sich nicht einfach: dieser Autor ist nichts für mich, hört mit dem Lesen seiner Bücher auf und macht sich auf die Suche nach neuem Lesestoff. Oder sie setzt sich hin und beginnt GRRMs Geschichte selbst zu schreiben, wobei sie das, was er anders hätte machen sollen, so macht, …

    Posted 17 Jun 2012 at 10:28
  19. avatar Erm wrote:

    Keine Angst übrigens, wenn ich jetzt jemanden hier veletzt haben sollte, ich werde noch ein paar Worte zu Patrichs nächsten Beitrag schreiben und dann seid ihr mch los.

    Nachdem mir die letzten Beiträge Patrichs endgültig bestätigt haben, dass das hier auf bloßen Verriss abzielt (auch wenn Patrich das ursprünglich tatsächlich nicht beabsichtigt hat) und dass es hier keineswegs um eine kritische Auseinandersetzung mit den Büchern von GRRMs geht (die ich mir eigentlich schon wünsche), wäre es reine Zeitverschwendung, hier noch länger mitzulesen.

    Posted 17 Jun 2012 at 11:57
  20. avatar Lia wrote:

    Erm, wenn ich dich mit der Bezeichnunge “Sansa-Haue” beleidigt habe, entschuldige ich mich dafür. Das lag nicht in meiner Absicht.

    Diskussionen über Bücher leben von unterschiedlichen Meinungen. Die sind natürlich immer subjektiv. Wir könnten jetzt natürlich hier alle begeistert über Martin und sein Buch schreiben, ihn bejubeln, hochleben lassen….. aber das wäre sehr schnell langweilig. Wie oft kann man “das hat er super gemacht, das ich klasse, das ist spitze, das ist wunderbar…” schreiben, ohne verrückt zu werden?

    Ich habe hier nach den ersten Kapiteln schnell festgestellt, dass Martin seine Figuren selbst sehr unterschiedlich sieht und seinen Lesern gerne seine Meinung aufzwingen möchte. Wir sollen Cersei, Sansa und Lysa als negativ empfinden und damit wir gar nicht erst auf andere Gedanken kommen, vermittelt er uns bei diesen Figuren so wenig Hintergrundwissen wie möglich. Ich hab es früher schon geschrieben und wiederhole es hier: ich mag es nicht, wenn der Autor versucht, mir seine Meinung zu sehr aufs Auge zu drücken.

    Einer der Gründe, warum ich bei bestimmten Figuren eine andere Meinung habe, liegt in der Tatsache, dass es sich um Kinder handelt. Kinder haben bei mir immer einen kleinen Bonus, auch dann wenn es erfundene sind.

    Ein anderer Grund ist, dass ich gerne eine zweite Sicht auf diese Figuren bieten möchte. Es ist extrem leicht, Sansa zu hassen, es ist sehr viel schwerer, ihre Handlungsweise zu verstehen als bei Arya. Das liegt an der Darstellung des Autors. Sansa ist ja kein frei handelndes Wesen, sondern darauf angewiesen, wie ihr Schöpfer mit ihr umgeht. Es ist allerdings nicht unmöglich, Sansa zu mögen, wenn man ein wenig genauer auf die Hintergründe blickt. Wir wissen nicht, wann sich das Verhältnis zwischen den Schwestern so verschlechtert hat, aber ganz sicher (sofern es sich hier um Menschen handelt) war das nicht immer so. Es muss eine Zeit gegeben haben, in der eine fünf Jahre alte Sansa und eine zwei Jahre alte Arya zusammen im Bett lagen und sich vor einem Gewitter gefürchtet haben. Vermutlich gab es eine “große” Sansa, die ihre kleine Schwester an der Hand nahm zu den Pferdeställen rüber (damit die Kleine eeeeendlich Ruhe gibt “Augenrollen”). Kinder streiten sich, aber sie tun das nicht die ganze Zeit. Jon mag manchmal ungeschickt und wie ein Dummkopf erscheinen, aber er ist ein Teenager, der mitten in einer der schlimmsten Entwicklungsphasen steckt. Derjenigen, in der man alles ganz genau weiß, aber nicht genau, was man eigentlich will und schon gar nicht funktioniert das Leben so wie man es gerne hätte.

    Ja, ich setze mich sehr kritisch mit den Büchern auseinander, die ich lese. Sogar mit denen, die ich bedingungslos liebe. Gedankenspiele machen mir Spaß, wie eben die Vorstellung, von einer realen Welt zu reden (weit draußen im Weltall und zu einer anderen Zeit). Mit langweiligen Büchern setze ich mich übrigens gar nicht auseinander. Bei allen anderen versuche ich möglichst viele Sichtweisen zu finden.

    Cat und Eddard standen deswegen sehr im Mittelpunkt meiner Nörgelei, weil ich sie teilweise außerhalb ihres Charakters empfand. Robert habe ich bisher nur als ignorantes Weichei kennengelernt. Cat und Eddard dagegen konnte ich vorher zu Hause erleben, um Umgang mit ihren Kindern, miteinander usw. Eine Cat, die keinen Gedanken an ihre Familie verschwendet, ein Eddard, der seine eindeutig vorhandene Intelligenz nur für die Suche nach Jons Mörder einsetzt, passen für mich nicht so ganz. Auch Autoren sind nicht unfehlbar und hier hat Martin es sich meiner Meinung nach einfach gemacht. Eddard steht sowieso auf der Abschussliste. Ich habe ja schon festgestellt, dass Martin – im Gegensatz zu vielen anderen Autoren – kein Problem damit hat, alle möglichen Leute sterben zu lassen.

    Ich kann übrigens gut damit leben, dass ihr mir die Fehler in meiner Argumentation nachweist. Genau darauf hoffe ich eigentlich, wenn ich hier schreibe. Ich versuche dafür, meinen Blick auf die Figuren dieses Buch so weit wie möglich zu gestalten.

    Posted 17 Jun 2012 at 13:28

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