George R.R. Martin ist bisweilen ziemlich detailversessen – wenn es beispielsweise um die Mahlzeiten geht, die er beschreibt. Aber auch die Schlachtpläne beinhalten oft längere Beschrbeibungen von Truppenbewegungen und diverse adelige Namen, mit denen man nicht immer direkt etwas anfangen kann.
Aber hinter diesen Beschreibungen versteckt sich auch eine Quelle der Unterhaltung für mich. Ich kann eigentlich mit Strategie und detaillierten Schlachtplänen nur wenig anfangen. Aber bei George Martin gelingt es mir – oder Martin gelingt es, sollte ich wohl sagen –, in diesen Beratungen auch ein Katz-und-Maus-Spiel zu sehen. Wenn Tywin Lannister und sein Sohn Jaime drohen, Robb in die Zange zu nehmen, und Robb stattdessen eine Idee hat, den Fluss zwischen die beiden Heere zu bekommen, dann verstehe ich das.
Ansonsten gibt es in diesem Kapitel die ersten Schilderungen von Roose Bolton – den Namen bitte merken.
Roose Bolton, Lord of the Dreadfort, had a small voice, yet when he spoke larger men quieted to listen. His eyes were curiously pale, almost without color, and his look disturbing.
(…) “No. You want cold cunning, I should think, not courage.”
“Roose Bolton,” Robb said at once. “That man scares me.”
Wir erleben, dass Robb tatsächlich gute strategische Entscheidungen treffen kann – dass er das Zeig hat, ein guter Anführer zu sein (zumindest in Kriegszeiten).
Wir erleben aber auch die verzweifelte Situation der Starks: Eddard und Sansa sind gefangen, Arya womöglich tot oder ebenfalls Geisel – und es bringt nichts, sich zu ergeben, nicht mehr. Robb muss in den Augen der Starks nun kämpfen und gewinnen, oder alles ist verloren. Und selbst dann werden die Geiseln vielleicht getötet.
Was für eine beschissene Situation, auch wenn man nicht 15 ist.
Ich meine zwar, die Starks könnten durchaus mit den Lannistern Frieden schließen, wenn sie wollten. Nur müssten sie dazu sicher Zugeständnisse machen (und womöglich Eddard im Kerker lassen, oder zur Nachtwache schicken) – und das wollen sie nicht. Für sie verständlich. Dennoch ziehen sie damit einen Teil des Reiches in den Krieg. Allein schon Robbs Armee zeigt das:
This host her son had assembled was not a standing army such as the Free Cities were accustomed to maintain, nor a force of guardsmen paid in coin. Most of them were smallfolk: crofters, fieldhands, fishermen, sheepherders, the sons of innkeeps and traders and tanners, leavened with a smattering of sellswords and freeriders hungry for plunder. When their lords called, they came… but not forever.
Diese einfachen Arbeiter werden für Robb sterben. Ebenso sterben sie für die Lannister bzw. den König.
Lord Tywin has closed off the kingsroad, it’s said, and now he’s marching north toward Harrenhal, burning as he goes.
Und manche sterben sicher auch einfach so, für niemanden.
Trotzdem ist das emotionale Zentrum dieses Kapitels der Konflikt zwischen Catelyn und Robb.
“And you are fifteen now. Fifteen, and leading a host to battle. Can you understand why I might fear, Robb?”
(…) “Are you… are you sending me back to Winterfell?”
(…) He looked to her, his eyes shining, the proud young lord melted away in an instant, and quick as that he was a child again, a fifteen- year-old boy looking to his mother for answers.
(…) You named yourself battle commander. Command.
Robb, der junge Herr. Der noch ein Junge ist, aber nun Anführer sein muss. Und Catelyn, die Robb am liebsten Junge sein lassen möchte, aber ihn nun zu einem Anführer machen muss. Diese inneren Konflikte haben Spannung, sie fesseln mich in diesem Kapitel an den Text.
Eine Mutter, die ihren Sohn nicht einfach umarmen kann, weil ihn das in den Augen seiner Gefolgsleute schwächen würde – das ist traurig. Ein Sohn, der Tausende befehligt, aber bei seinem Schlachtplan auf das Lob seiner Mutter hofft – ebenso.
Dieses Kapitel macht mir Robb und Catelyn greifbar und sympathisch. Ich will, dass sie erfolgreich sind. Sie sollen den Lannistern in den Hintern treten und Eddard und Sansa befreien. Und vielleicht kriegt Eddard dann doch noch den Thron, den er so sehr hasst.
Demnächst: Tyrion

Comments 2
Moat Cailin hat noch drei stehende Türme. Ein Hinweis darauf, dass es am Ende dieser Geschichte drei KönigInnen geben wird? Robb, Jon und Dany. Oder beschreibt Martin immer alles so genau, selbst wenn man nie wieder dorthin zurückkommt?
Dann dieser Roose Bolton, der so blass ist und so seltsame Augen hat. Es wurde erwähnt, dass die Anderen mit Menschen Kinder gezeugt haben. Ist er ein Abkömmling einer solchen Familie?
Oh Cat, ich kann dich so gut verstehen. Du lässt sie einen Augenblick aus den Augen und dann sind sie groß.
Nein, es ist nicht nur Vorsicht vor den Blicken der anderen Männer, die Schuld ist an Cats Zurcükhaltung. Seinen plötzlich erwachsenen Sohn neu kennenzulernen ist eine bittersüße Angelegenheit, in der man keinen Schritt zu weit gehen möchte. Vielleicht habt ihr alle schon mal diesen Blick bei euren Müttern gesehen, ohne ihn richtig einschätzen zu können. Loslassen ist keine leichte Angelenheit, schon gar nicht, wenn das eigene Kind in einen Krieg zieht.
Offensichtlich hat Robb gut aufgepasst, wenn er seinen Vater begleitet hat. Er hat einen Blick fürs Detail und einen Sinn für Taktik.
Allerdings stimmt es, was Cat ihm sagt. Er könnte sich auch gegen einen Krieg entscheiden. Tatsache ist, dass Eddard, Sansa nichts passieren wird, solange sie sie als Pfand brauchen. Und auch wenn ich Eddard kaum Überlebenschancen einrechne, könnten Sansas Chancen steigen. Wie das aussieht, wenn ihre Familie Krieg gegen die Lannisters führt und diese somit einen Grund haben, die Braut auszutauschen, dürfte eine interessante Frage sein.
In diesem Buch haben immer wieder Menschen die Ehre über alles gestellt und eigentlich waren sie damit meist schlecht beraten. Und damit überlege ich, wie lange Cat und Robb noch leben. Also doch nicht Robb, Jon und Dany sondern Jon, Dany und …. wer auch immer?
Ehre kann schon wichtig sein und sicher hätte Robb mit Spott zu kämpfen. Aber er wäre jedenfalls am Leben und mit ihm eine Menge Familieväter, Großväter und Söhne, deren Familien zu Hause um das Leben ihrer Liebsten bangen. Hallo Volk, war nett, dich mal kurz erwähnt zu sehen.
Interessant auch: Cat erkennt sofort, dass Sansas Brief Cerseis Worte sind. Wichtig wäre, was nicht gesagt wurde, nicht das, was dort steht. Fast ein Wunder, dass einem so aufgeweckten Jungen wie Robb nicht aufgefallen ist, dass da kein Gruß an die Mutter war, keine Frage nach Bran. Auch Cat hat sich bisher nicht nach Bran erkundigt. Müssen wir ihr das jetzt so übel nehmen wie Sansa, die auf Arya vergessen hat?
Posted 25 Jun 2012 at 18:50 ¶Was mir jetzt erst auffällt: Lysa. Da ist es wieder, dieses Panikverhalten, wenn jemand ihr den Sohn wegnehmen will. Nicht einmal der eigenen Schwester traut sie.
Was wenn Lysa Jon umgebracht hat, weil er ihr den Sohn “stehlen” wollte? Ganz klar im Geiste ist sie offensichtlich nicht mehr. Das würde erklären, warum sie erst Cersei beschuldigt und danach Tyrion.
Etwas ist eigenartig an der Sache. Gut möglich, dass der Auslöser dieses Krieges ein Ehestreit mit tödlichem Ausgang war.
Posted 25 Jun 2012 at 20:09 ¶Post a Comment