Pulchritude

Die deutsche Rezension beginnt nach dem Seitenumbruch; wegen Link zur Seite der Autorin folgt zuerst eine englische Zusammenfassung.

For the purpose of linking to the author’s website, I will begin with an English summary. The German review follows after the page break.

Pulchritude is, indeed, a beauty and a beast. Its beauty is in the characters, especially the women. It is also in showing that a more enlightened (and yet still entertaining) text can be written, and how it might be done. It has certainly given me the idea to start writing my vampire novel, and to do it right. The more beastly aspects are mostly in its ideology. This is a feminist retelling of a fairy tale, and at times it reads more like an essay in fictional form: listen up, Ana Mardoll seems to say, this stuff is important. It is important, no doubt. Still, the story is sometimes too on-the-nose, sometimes too abrupt (Beauty falling in love, Guarino’s flight). The extensive author commentary doesn’t help. In fact, I wish this supplemental material would exist only on the website, or came with a special note – I would rather interpret a story my own way, and not be presented with the author’s intention and interpretation right after the story ends.

This review is based on the free promotional copy. I was really looking forward to it because I am an avid reader of Ana Mardoll’s blog.

Pulchritude (dt. Schönheit) ist der Versuch von Ana Mardoll, ein Märchen mit sozialem Bewusstsein zu schreiben. Also behandelt diese Neufassung von Die Schöne und das Biest Machtverhältnisse, Privilegien, Rassismus und Sexismus – diese sind in den Figuren angelegt:

  • Bella ist die Schöne, die ihre Familie liebt. Sie hat eine liebevolle, schwarze Stiefmutter und zwei Stiefschwestern, von denen die eine etwas pummelig ist.
  • Das Biest ist ein junger Prinz, der seine Privilegien nie untersucht hat und dadurch eine Hexe erzürnt.

Die Frage ist ja, ob all das funktioniert. Die Antwort lautet: Manchmal.

Es ist lesenswert, dass hier all diese Figuren, die man stereotyp aus Märchen kennt, mit eigenem Willen und Selbstbestimmtheit ausgestattet werden. Es zeigt, dass es möglich ist, auch Nebenfiguren Wünsche und Ziele zu geben, dass die Stiefmutter nicht böse sein muss, und so weiter. Es macht Spaß, die verschiedenen Sichtweisen und Figuren kennenzulernen.

Aber Pulchritude ist sehr kurz, und die Randfiguren bleiben am Rand. Dazu verbringen wir fast zu viel Zeit mit ihnen: immerhin bekommen sie alle eigene Kapitel, damit wir sie kennenlernen. Entweder hätte ich sie weggelassen, oder ihnen etwas zu tun gegeben. So wird deutlich, dass hier mehr passieren soll, als eine Geschichte zu erzählen.

Das aber ist tödlich. Sobald ich den Eindruck habe, hier belehrt zu werden, ärgere ich mich. Dazu sollte Ana Mardoll lieber einen Blogeintrag schreiben. Ein Buch soll erst einmal erzählen, dann vielleicht didaktisieren.

Außerdem ist das Ende etwas abrupt; besonders schade ist, dass die Motivation des Bösewichts am Ende nicht so deutlich wird, weshalb die Erzählung für einen Moment gar nicht funktioniert.

Der Geschichte folgen im Übrigen mehrere Anhänge: darunter eine Abhandlung über die Ursprünge der Sage, die zur Schönen und dem Biest wurde, und eine Erklärung dessen, was sich die Autorin bei der Geschichte und den Figuren gedacht hat.

Ich will ehrlich sein: zuerst fand ich diese Idee super: Sie erinnerte mich an das Bonusmaterial bei einer DVD. Dann aber verstärkte sich dadurch der didaktische Anspruch von Pulchritude: Jetzt erzählt mir die Autorin noch, wie ich ihr Buch zu verstehen habe. Ich konnte und kann beide Sichtweisen nicht ganz ablegen.

Als Erzählung ist Pulchritude nicht so gelungen: zu kurz, zu weitschweifig, und zugegeben sind Märchen jetzt auch nicht meins. Ich kann diesen Text aber auch als Experiment lesen, als Konzeptbeweis: man kann durchaus erzählen und dabei auch soziale Gerechtigkeit im Hinterkopf behalten. Als Experiment ist dieser Text durchaus gelungen – jetzt muss nur noch jemand eine richtig gute Geschichte damit verknüpfen.

Pulchritude gibt es als kostenloses ebook zum Testen – siehe hier – alle weiteren Kaufoptionen findet ihr hier

Comments 1

  1. avatar Lia wrote:

    Ich hab das Buch runtergeladen und angefangen zu lesen. Dank deiner Vorwarnung werde ich die Fußnoten erst nach der eigentlichen Geschichte lesen. Ich bin gespannt, ob das einen Unterschied ausmacht.

    Posted 26 Jun 2012 at 18:27

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *