Krieg gegen Frauen, gesammelt

In den USA geht es gerade ziemlich ab. Nicht nur der Tod von Trevor Martin, dessen Verbrechen es wahlweise war, schwarz zu sein oder einen Kapuzenpulli zu tragen, sondern vor allem ein konzertierter Krieg gegen Frauen.

Offensichtliche Inhaltswarnung: Schwangerschaftsabbruch, Gewalt gegen Frauen, Verhütung

Da sollen Frauen ja unbedingt ein Ultraschallbild sehen, bevor sie abtreiben. Ggf. sogar, wenn der Ultraschall invasiv vorgenommen werden muss. Gleichzeitig sollen Ärzte straffrei ausgehen, wenn sie Informationen zurückhalten, die nach ihrer Meinung einen Schwengerschaftsabbruch wahrscheinlicher machen würden. Oder sie sollen Frauen sogar bewusst anlügen.


Reicht noch nicht? Wie wäre es, wenn Frauen vor einem Schwangerschaftsabbruch tabei zusehen müssen, wie ein solcher durchgeführt wird? Und weil man Frauen dann ja immer noch nicht trauen kann – am besten sollte eine Frau für den Abbruch die Erlaubnis des Mannes einholen. Leider nicht Realität wurde die Option (im selben Link erwähnt), dass angebliche Vergewaltigungsopfer sich fragen lassen müssen, ob die Schwangerschaft nicht doch durch normalen Verkehr entstanden sein könne.

Dabei geht es natürlich nicht wirklich um Schwangerschaftsabbrüche. Denn gleichzeitig wird gegen Verhütung agiert. Da dürfen Arbeitgeber einer Frau die Gesundheitsfürsorge verweigern, wenn sie Verhütungsmittel nimmt – oh, und sie dürfen ihre Mitarbeiterin fragen, aus welchem Grund sie diese Mittel nimmt. Weil das den Arbeitgeber angeht.

(Nebenbei: tolle Verhütung, aber für Männer, daher nahezu unbekannt)

Als Sahnehäubchen obendrauf: Wenn eine Frau von ihrem Mann geschlagen wird, soll sie sich an die guten Seiten erinnern, dann wird alles wieder gut.

Hier geht es nicht um ungeborenes Leben. Hier geht es darum, Frauen auf ihren Platz zu verweisen. Kein Wunder, dass eine Petition verlangt, Frauen den Status einer Person zu geben (nicht nur befruchteten Eizellen).

Frauen sind – oder sollen sein – nur Brutkästen, die nebenher das Haus putzen, Essen kochen und das Bett wärmen.

Comments 7

  1. avatar Lisa wrote:

    Um auch mal ein viel zitiertes Bonmot zu bemühen: ich könnte gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.
    Sorry, das ist nicht sonderlich geistreich, aber mehr fällt mir dazu erstmal nicht ein.

    Posted 30 Mar 2012 at 12:19
  2. avatar Muriel wrote:

    Hm…
    Ich bleibe trotzdem dabei, dass “Krieg gegen Frauen” ein alberner, peinlicher Begriff dafür ist.

    Posted 30 Mar 2012 at 12:31
  3. avatar Lia wrote:

    Albern und peinlich sind diese ganzen Aussagen im Jahr 2012 – ganz sicher aber nicht die Bezeichnung dafür. Die ist für zu viele Frauen in dieser Welt bittere Realität.

    Posted 30 Mar 2012 at 20:58
  4. avatar Muriel wrote:

    @Lia: Die Aussagen sind es auch, und die Realität in der Tat für viele Frauen bitter.
    Trotzdem ist ein Krieg eine Sache, und Ungleichbehandlung eine andere.
    Ich bin generell dafür, sich begrifflich noch ein paar Eskalationsstufen offen zu lassen, für den Fall, dass es schlimmer kommt.

    Posted 30 Mar 2012 at 22:59
  5. avatar Erm wrote:

    In den USA ist es vermutlich besonders schlimm und für Deutschland kenne ich die Rechtslage nicht, aber in Österreich ist die Situation seit den 1970er-Jahren nur scheinbar günstig und es scheint ständig Debatten zu geben, dass die “straffreie Fristenlösung” wieder rückgängig gemacht werden soll.

    Dieses Gesetz wird in den Medien oft als Recht auf Abtreibung verkauft, was vollkommen unrichtig ist. Es handelt sich dabei lediglich um eine Verordnung aus den späten 1970er-Jahren, die den Schwangerschaftsabbruch innerhalb einer gewissen Frist unter Straffreiheit gestellt hat. Übrigens ist das Gesetz nicht wirklich in der österreichischen Verfassung verankert, es könnte daher problemlos wieder aufgehoben werden. Weiter darf kein Arzt bzw. Krankenhaus in Österreich dazu gezwungen werden, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. In der Praxis ist eine Abtreibung aufgrund fehlender Einrichtungen auch nur in einer Klinik in Wien, der Hauptstadt, möglich.

    Sinn dieser gesetzlichen Regelung, sie ging von sozialistischen Politiker/innen aus, war auch keineswegs einen Schwangerschaftsabbruch zu erlauben. Es sollte damit lediglich verhindert werden, dass Frauen, die sich keinen anderen Ausweg wissen, als abtreiben, dies illegal tun und dabei ihr Leben riskieren bzw. dauerhafte Schäden davon tragen. (Anders ausgedrückt, mittellose Frauen, die sich die Fahrt und den Aufenthalt im Ausland, um einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, nicht leisten können, sollte so geholfen werden.

    Zumindest in Österreich kann ich nicht ausschließen, dass wir in ferner Zukunft wieder dort sind, wo die USA heute steht.

    Posted 31 Mar 2012 at 07:20
  6. avatar Lia wrote:

    Im Salzburger LKH wird der Eingriff auch vorgenommen. Was bedeutet, dass jeden Samstag (der einzige Tag, an dem man eine Abtreibung vornehmen lassen kann) vor der Klinik Abtreibungsgegner stehen und jede potentielle abtreibungswillige Frau zum Teil massiv unter Druck setzen. Das ging so weit, dass zeitweise sogar die Polizei helfend eingreifen musste. Was das für eine Frau bedeutet, deren Leben sowieso grad die Hölle ist, WEIL sie eine Abtreibung vornehmen lässt, ist für diese Leute ohne jede Bedeutung. Wichtig ist nur das ungeborene Leben. Die lebendige Frau ist Nebensache.

    Ich vertraue auf die österreichische Mentalität, die Provisiorien extrem lange leben lässt. Debatten mag es geben, aber manchmal ist die Faulheit gewisser Politiker ein großer Segen. Zumindest in der nächsten Zeit stehen sie auch noch zu sehr unter Beschuss, als dass sie grad dieses Thema angehen. Sicher ist niemand auf Dauer. Aber hoffen dürfen wir alle – und im Zweifelsfall laut dafür einstehen.

    Posted 31 Mar 2012 at 18:56
  7. avatar Lea wrote:

    Autsch, das ist schon irgendwie schmerzhaft zu lesen.

    Posted 15 Apr 2012 at 13:47

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