Kurz verlinkt…
das ohnehin lesenswerte Sprachlog beschäftigt sich mit Joachim Gauck. Ich kann dem Beitrag nur wenig hinzufügen:
Gauck erscheint, wenn man seine Aussagen im Kontext liest, als durchaus komplexer und differenzierender Denker, der selbstverständlich zu Gedanken fähig ist, denen man in 140 Zeichen nur schwer gerecht werden kann. Er erscheint aber auch als Vertreter einer zutiefst konservativen Weltsicht, die sich fast ausschließlich aus den tatsächlichen oder von ihm narrativ konstruierten Leitmotiven seiner eigenen Biographie speist. Er ist deshalb bestenfalls in der Lage, die Herausforderungen der Gegenwart zu erkennen — ernsthafte Ansätze zu ihrer Lösung hat er an keiner Stelle anzubieten. Im Gegenteil.
Ich will das an drei Beispielen deutlich machen.
Ohnehin lesenswert ist das Sprachlog nicht nur wegen des Anglizismus’ des Jahres, sondern auch den Ausführungen um gerechte Sprache, z.B. hier: Frauen natürlich ausgenommen
Wenn diese Aussagen stimmen würden, wäre das nicht unbedingt ein Grund, auf eine sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter zu verzichten. Es ist auch umständlich und überflüssig, die Flagge eines Staatsgastes vor dem Reichstagsgebäude zu hissen, Menschen nett zu begrüßen und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen oder mit Messer und Gabel zu essen. Trotzdem gelten diese Gesten als Zeichen von Respekt, Interesse und gutem Benehmen. Genauso könnte es umständlich und überflüssig sein, statt eines „generischen Maskulinums“ eine der anderen Alternativen zu verwenden — ein Zeichen für das Ziel einer allgemeinen Gleichberechtigung wäre es trotzdem.
Aber stimmen die Aussagen denn überhaupt? Sagen wir es so: Die Forschungslage in diesem Bereich reicht aus, um beide Aussagen stark in Zweifel zu ziehen.
Siehe hierzu auch ein Leitfaden aus der Schweiz Österreich, wie man geschlechtergerecht formuliert:
Leitfaden für gerechte Sprache (PDF)
Schließlich beschäftigt sich Amanda Marcotte mit einem Fall von Massenhysterie, der aber nicht als solcher bezeichnet wird, und warum das ein Problem ist:
For those who haven’t heard, a bunch of teenage girls have been overcome with a series of uncontrollable tics, much like Tourette’s syndrome, and—this is critical to understanding what’s going on—it’s spreading. It’s an open and shut case of mass hysteria: localized, no physical cause, contagious, and concentrated in teenage girls. While mass hysteria can occur in other groups, it most commonly occurs in teenage girls, probably because the stresses unique to being a teenage girl create the perfect situation for this. But the parents don’t want to hear it. They want the answer to be roughly “anything else”. And, according to Hass, a number of media sources are giving them a sympathetic audience to make their understandable but still deluded claims that it’s something other than mass hysteria.
There’s three major issues with indulging these delusions, beyond just the obvious problem of indulging delusions.

Comments 4
Der Leitfaden sieht mir eher österreichisch aus (Beispiele mit Feyman, Wien etc.). Den (wenn es denn nur einen gibt) Schweizer Leitfaden findet sich hier: http://www.bk.admin.ch/dokumentation/sprachen/04915/05313/index.html?lang=de . Der ist auch etwas Umfangreicher was Vor- und Nachteil ist.
Posted 21 Feb 2012 at 16:04 ¶Hm, habe ich den falschen hochgeladen? Prüfe ich mal. Danke für den Link!
Nachtrag: Uni Graz… ist das Österreich? Peinlich peinlich…
Posted 21 Feb 2012 at 18:03 ¶Hier ist auch ein offizielles Dokument aus Österreich, schöner gelayoutet als das oben:
http://www.bmukk.gv.at/medienpool/7108/PDFzuPubID403.pdf
Posted 21 Feb 2012 at 18:12 ¶Graz ist Österreich – die Hauptstadt der Steiermark. Keine Bange, ich komm bei deutschen Bundesländern und Städten auch immer wieder durcheinander.
Posted 21 Feb 2012 at 21:18 ¶Post a Comment