SDT: Schwestern

Dies ist Teil 10 von 50 der Serie Spiel der Throne

Im siebten Kapitel werfen wir einen Blick auf die beiden Töchter der Starks, die sich nicht gerade gleichen. Sansa verkörpert alles, was eine Hofdame in dieser Weilt so sein soll: sie erfüllt die gängigen Schönheitsideale, sie kann sticken und singen und was man so können muss. Arya ist unscheinbarer, sie kann reiten und rechnen. Damit ist sie aber in dieser Welt keinesfalls so gut dran wie ihre Schwester.

Arya schwankt dabei zwischen Neid – sie beklagt ihr ungerechtes Leben, weil Sansa in allem besser ist und neben dem hübschen Prinzen sitzen darf – und Trotz. Warum soll sie nicht mit Schwertern kämpfen, wenn ihr die Nadel nicht gehorcht? Aber auch da passt sie nicht, denn als Mädchen hat sie auf dem Kampfplatz nichts zu suchen.


Es ist kein Wunder, dass sich Arya und Jon so gut verstehen. Beide bekommen sie vorgelebt, was sie nicht erreichen können. Arya wird weder so wie Sansa werden, noch wird man sie wie Bran behandeln. Und Jon gehört eben auch nirgends richtig hin. Da ist das ähnliche Aussehen nur ein äußerer Spiegel der Gemeinsamkeiten.

Mir gefällt, wie Jon in diesem Kapitel erscheint:

Jon looked her over with all his fourteen-year-old wisdom. “You’re too skinny,” he said. He took her arm to feel her muscle. Then he sighed and shook his head. “I doubt you could even lift a longsword, little sister, never mind swing one.”
(…)
Jon shrugged. “Girls get the arms but not the swords. Bastards get the swords but not the arms. I did not make the rules, little sister.”
(…)
“Nothing is fair,” Jon said. He messed up her hair again and walked away from her, Ghost moving silently beside him.

Wo er gerade noch eher wie ein Junge erschien, ist er nun – für die jüngere Arya – eindeutig eine Respektsperson, ein weiser Ratgeber. Wenn Jon Joffrey einen kleinen Scheißkerl nennt, so klingt das wie Wahrheit. Ich finde, die Beziehung dieser beiden ist toll beschrieben.

Überhaupt:

“He’s our brother,” Arya said, much too loudly. Her voice cut through the afternoon quiet of the tower room. Septa Mordane raised her eyes. She had a bony face, sharp eyes, and a thin lipless mouth made for frowning. It was frowning now. “What are you talking about, children?”
“Our half brother,” Sansa corrected, soft and precise. She smiled for the septa. “Arya and I were remarking on how pleased we were to have the princess with us today,” she said.
Septa Mordane nodded. “Indeed. A great honor for us all.” Princess Myrcella smiled uncertainly at the compliment. “Arya, why aren’t you at work?” the septa asked. She rose to her feet, starched skirts rustling as she started across the room. “Let me see your stitches.”
Arya wanted to scream. It was just like Sansa to go and attract the septa’s attention. “Here,” she said, surrendering up her work.

Hier kommt, wenn ich mich nicht irre, Sansa ihrer Schwester zuhilfe, indem sie ein Alibi erfindet. Aufmerksam wurde die Septa durch Arya selbst. Aber wenn man gerade sauer auf die ältere Schwester ist – wer merkt das schon?

Es ist natürlich einfach für mich, Arya zu mögen, und leichter, als Sansa zu mögen. Arya ist schließlich diejenige, die nicht passt, die ihrer Rolle nicht entspricht und sich dann trotzig derselben verwehrt. Sansa ist angepasst, sie erfüllt die Vorstellungen, mit denen man sie erzogen hat. Und so hat Arya Recht: das Leben ist ganz und gar nicht fair, aber Sansa leidet auch darunter. Rebellion kann auch Freiheit bedeuten, und im Kampf um Lesergunst bedeutet es auch einen großen Vorteil.

An diesen beiden Kindern werden wir noch sehen, wie es mit der Rolle von Mädchen in Westeros aussieht. Wir werden uns auch fragen können, wer von beiden es wohl schwerer hat – auch, wenn wir uns Catelyn und Cersei als erwachsene Versionen des Frauenbildes ansehen.

Zuerst aber widmen wir uns noch mal kurz den Jungs. Wir erleben ja, wie der Thronprinz sich Robb gegenüber verhält. Nicht nur, wie Jon bemerkt, trägt er zwei Wappen auf der Brust, er düpiert Robb auch in dessen eigenem Schloss. Robb, der Ältere der beiden, muss sich nun als Feigling bezeichnen lassen, weil ihm ein scharfes Schwert untersagt wurde.

The burned man looked at Robb. “How old are you, boy?” “Fourteen,” Robb said. “I killed a man at twelve. You can be sure it was not with a blunt sword.”

Ich kann mir nicht helfen: ich verstehe den Waffenmeister da sehr gut. Was passierte, würde Robb dem Prinzen eine Verletzung beibringen (oder auch umgekehrt)? Scharfe Schwerter und Jugendliche klingt wie das sichere Rezept für ein Unglück. Gleichzeitig wollen sich gerade diese Jungs (Mädels dürfen ja eh nicht) auch als männlich erweisen und sehen in so einer Beschränkung wenig Sinn. Wenn dann noch Umstehende und Erwachsene in den Spott einfallen…

Nun ja. Wir sind dabei, nach und nach alle Figuren genauer kennen zu lernen, während sich alle auf ihre jeweiligen Wege machen. Im nächsten Kapitel geht es entsprechend weiter mit Bran. Und es geht hoch hinaus.

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Comments 26

  1. avatar NW wrote:

    Sansa und Arya entsprechen für mich klar den Bildern der braven Tochter, die sich so verhält wie es erwartet wird, Arya der ‘wilden’ Tochter, die sich nicht der vorgeschriebenen Rolle einpassen will, weil sie anderes interessanter findet. So interpretiere ich auch nicht Sansas Verhalten als ein der Schwester zu hilfe eilen. Sondern sie wollte die für sie peinliche (weil unangebrachte) Situation beenden oder sich gegen die unflätige Schwester durchsetzen und bestätigt bekommen, dass sie die bessere (bravere) Tochter ist. Sie greift die Schwester an, die nicht ihre Schwärmerei für Joff teilt, indem sie Jon attakiert (jealous, bastard). Dadurch provoziert sie den Ausbruch von Arya, welcher sogleich von der Septa sanktioniert wird. Dann das letzte Wort um sich durchzusetzen (Our half brother). Dann das lächeln für die Septa, das zeigt, wie stark sie die soziale Situation als angepasste beherrscht. Dann ein kompliment um weiter die nette zu sein. Im kontrast dazu die scheue Mircella, die eigentlich auch erzogen ist und nicht weiss wie sie das dominanzverhalten von Sansa interpretieren soll. Zumindest so meine Interpretation, die sicherlich auch vor dem gemeinsamen Verhalten meiner Freundin (eher Arya) und dem ihrer Schwester (eher Sansa) geprägt ist.

    Die Rolle von Sansa sehe ich vor einem anderen Hintergrund. Bei den sieben Göttern wird das Konzept von “Maiden, Mother and Crone” aufgenommen. Sansa ist die ideale Maiden, Cathelyn die ideale Mother (old Nan vielleicht die Crone?). Die dominante Kultur von Westeros fordert genau dies von den Frauen. So sind es auch Cathelyn aus dem Süden und Sansa, die ihr ähnelt, die diese konzepte Verkörpern (Rob kann ich schwer fassen, doch denke ich kann man ihn sicher auch bei den sieben widerfinden). Dagegen stehen die alten Götter der Nordischen. Diese Kultur wird ebenfalls vererbt. Jon, Arya und Ned sehen sich ähnlich und passen alle auch eher in das Konzept der alten Götter (ok, vielleicht auch nicht, weil dieses unklarer bleibt). Und bei den alten Göttern sind auch Frauen Kämpfer (z.B. bei den Wildlingen).

    Posted 25 Jan 2012 at 10:26
  2. avatar Patrick wrote:

    Oh, keine Frage, Sansa kann man auch so lesen. Ich versuche, ihr ein wenig die Lanze zu brechen – sie hat es noch schwer genug :-)

    Posted 25 Jan 2012 at 11:46
  3. avatar Patrick wrote:

    Das mit den Religionen: ja! Toller Ansatz, blieb mir verborgen.

    Father, or the Father Above, representing judgment, He is depicted as a bearded man who carries scales and is prayed to for justice.

    Mother, or the Mother Above, representing motherhood and nurturing, she is prayed to for fertility or compassion, she is depicted as smiling with love and embodies the concept of mercy.

    Warrior, representing strength in battle, he is prayed to for courage and victory. He carries a sword.

    Maiden, representing innocence and chastity, she is usually prayed to to protect a maiden’s virtue.

    Smith, representing crafts and labor, he is usually prayed to when work needs to be done, for strength. he carries a hammer.

    Crone, representing wisdom, she carries a lantern and is prayed to for guidance.

    Stranger, an exception to the other aspects, the Stranger represents death and the unknown. Worshipers rarely seek favor from the Stranger, but outcasts sometimes associate themselves with this god.

    Da werden natürlich auch Rollen vorgegeben. Catelyn als Mutter, Sansa als Maid ist sicher richtig.

    Wie Cersei in diese Rollen passt, wollte ich ohnehin noch später beschreiben, aber den Sprung zum Glauben habe ich nicht gemacht. Danke!

    Posted 25 Jan 2012 at 11:52
  4. avatar Kiran wrote:

    Sansa und Arya sind eigentlich keine besonders orginellen Charaktere – die brave Prinzessin und die burschikose Rebellin, jaja, kennen wir…und es ist am Anfang schockierend einfach Arya zu mögen und Sansa wirklich zu hassen. Manchmal habe ich mich erschrocken, bei dem was ich Sansa alles an den Hals gewünscht habe.

    aber irgendwann werden ja beide durch den großen grausamen Fleischwolf die diese Geschichte darstellt gedreht – und dann wird es interessant…

    Posted 25 Jan 2012 at 11:59
  5. avatar Patrick wrote:

    Heh, das stimmt. Ich spiele ja das Rollenspiel »Burning Wheel«, und da geht es auch darum, dass die Spielercharaktere plötzlich richtig in der Klemme sitzen. Im Konflikt erkennen, wie jemand wirklich ist.

    Das kommt auf jeden Fall. Und ja, man merkt schon auch, dass George Martin Arya und Tyrion mag – es ist eben einfach, sie ebenfalls zu mögen.

    Posted 25 Jan 2012 at 12:12
  6. avatar Kiran wrote:

    Deswegen wollte ich ja eigentlich auch eine Eis und Feuer-Runde mit Burning Wheel spielen. Allerdings wäre es gerade nur eine Solo-Kampagne mit meiner Freundin ;)

    Posted 25 Jan 2012 at 12:24
  7. avatar Patrick wrote:

    Das eignet sich bestimmt super!

    Wir fangen auch gerade eine neue Runde an, ich freue mich schon. :-)

    Posted 25 Jan 2012 at 12:33
  8. avatar Lia wrote:

    Also diese sieben Götter klingen total nach der Horde am griechischen Olymp, nach Zeus, Hera, Ares, Artemis, Hephaistos, Athene und Hades. Aber vielleicht lese ich auch nur zu viel Percy Jackson.

    Momentan sind die beiden Mädchen noch Stereotypen, allerdings schon so charakterisiert, dass ganz klar ist, wem gefälligst die Sympathie zu gelten hat. So etwas hasse ich.

    Sansa ist die älteste Tochter und wie bei vielen dieser Mädchen lastet auf ihr eine Menge Druck. Es gibt zwar den älteren Bruder, aber der ist eben kein Mädchen. Sansa ist das erste Kind, an dem Cat ihre diversen Erziehungsversuche ausprobieren konnte und als typische älteste Tochter liegt ihr viel daran, den Ansprüchen ihrer Mutter zu genügen. Zusätzlich erlebt sie wohl gerade die Anfänge der Pubertät, was die Aufmerksamkeit eines echten Prinzen (!) natürlich noch erstrebenswerter macht. Sansa ist klar, wofür ihre Erziehung dient und versucht, dem Vorbild ihrer Mutter nachzueifern. Ich kann momentan an ihr nichts Schlimmes entdecken. Ja, sie triezt ihre kleine Schwester ein wenig, möchte sich auch gegen “die Kleine” abgrenzen, um sich erwachsener fühlen zu können, aber ich denke nicht, dass sie etwas tut, was nicht hunderttausend andere Geschwister auch tun. Auch mir kommt vor, dass sie ihre kleine Schwester ein wenig in Schutz nimmt. Aber noch kann ich Sansa wenig einschätzen und sie ist eben noch zu sehr Stereotyp der älteren, braven Tochter. Sie ist die Susan aus Narnia, die am Ende nie dorthin zurück darf.

    Arya ist die Kleine und sie erinnert mich sehr an Lucy aus Narnia. Auch sie ist das Stereotyp der wilden, unangepassten Rebellin. Dazu kommt, dass sie relativ ungeschickt ist, aber….. sie ist nicht nur gut in Mathe oder Reiten, offensichtlich ist sie auch gut in Haushaltsführung. Das sollte eigentlich nicht unwichtig sein in einer Welt, in der Rollen so eindeutig verteilt sind. Möglich, dass sticken nie zu ihrer Lieblingsbeschäftigung gehören wird, aber grundsätzlich ist auch sie die Tochter ihrer Mutter. Als jüngere Tochter und eines der mittleren Kinder hat sie nur öfter Gelegenheit, den Zwängen ihrer Erziehung zu entfliehen, was sie auch entsprechend ausnutzt. Die Aufmerksamkeit ist ja immer auf die ältesten und die jüngsten Kinder verteilt. Es ist einfach, Arya zu mögen. Sie wird und als “die Gute” präsentiert, als Außenseiterin in einer Welt, die Frauen kein eigenes Leben zugesteht.

    Ich weiß noch nicht, was ich von ihr und Sansa halten soll. Mir ist schon klar, was der Autor möchte, dass ich denke….. aber, ganz ehrlich, das ist mir zu einfach gestrickt.

    Interessant finde ich, dass nur zwei Kinder Eddard ähnlich sehen: Jon und Arya. Ist es eigntlich sicher, dass die anderen alle von ihm sind? Cat scheint wenig Scheu vor dem Maester zu haben. Ich weiß, der hat Geburtshilfe geleistet, aber ganz sicher auch nicht mehr? Übrigens ist das mit der Geburtshilfe eine etwas eigentümliche Sache. Ich hätte jetzt mal angenommen, dass auch auf Westeros in erster Linie Frauen bei der Geburt eines Kindes dabei sind. Da bisher vieles ans irdische Mittelalter angelehnt ist, hätte ich gedacht, dass das auch bei den Geburten der Fall ist. Aber gut, ich nehme jetzt mal an, dass der Maester eine tolle medizinische Ausbildung hat, die ihn bestens dafür qualifiziert.

    Auch der Thronprinz ist leider sehr stereotyp gezeichnet als verzogener Fratz, der sich noch nicht zu benehmen weiß. Natürlich sind die beiden Jungs in einem anstrengenden Alter, aber ich hätte mal angenommen, dass gerade die Erziehung des Thronanwärters extrem ernst genommen wird. Immerhin wird dieser Junge irgendwann ein großes Reich regieren, man sollte meinen, das wäre Grund genug, ihm die dafür nötige Grundlage beizubringen. Momentan kann man aber noch nicht viel über ihn sagen. Wir haben ihn bisher erst in einer – noch dazu recht unglücklichen – Szene kennengelernt. Einer Szene, die vor allem durch die anwesenden Erwachsenen verschärft wurde.

    Schade, dass das Kapitel mit einem Cliffhanger endet und ich vermutlich mehrere Kapitel abwarten muss, bis ich wieder etwas von Arya und/oder Sansa lesen kann.

    Andererseits: Martin scheint Jungs besser schreiben zu können als Mädchen. Robb, Jon und Bran wirken lebendiger und echter als Sansa und Arya. Das ist mir bei Dany schon ein wenig aufgefallen. Vielleicht ist es also ganz gut, wenn die Mädels erst mal Ruhe von ihrem Autor bekommen. Mir fehlt da einfach einiges.

    Posted 26 Jan 2012 at 00:28
  9. avatar Wajakla wrote:

    Bzgl. Götter … nein, die Sieben kann man eher weniger mit den Göttern des Olymps vergleichen.
    Der Glauben an die Sieben besitzt nämlich ein Aquivalent zur christlichen Dreifaltigkeit, nämlich die Sieben, die einer sind.
    Irgendwo wird auch in einem Nebensatz von einem Septon erklärt, dass es an sich ein Gott mit sieben Aspekten ist, man diese aber aufgeteilt hat um es dem einfachen VOlk verständlicher zu machen, für das das Konzept des Einen der Sieben ist, zu kompliziert sei. ;)

    Bzgl. der Stereotypen … ich vermute, gänzlich ohne Stereotypen zu schreiben, stellt ein Ding der Unmöglichkeit war und würde im Endeffekt bei dem Versuch wohl auf ein furchtbares Geschwurbel hinauslaufen, wo der Autor nur noch darauf achtet, bloß keine Stereotypen zu bedienen.
    Wobei man zu Joffrey noch sagen muss … klar, an sich sollte ein Thronprinz gut erzogen werden, aber das setzt auch kompetente Erzieher vorraus ^^

    Ob Martin Jungs besser beschreiben kann als Mädchen will ich nicht entscheiden, aber dass er allgemein junge Leute schlecht beschreiben kann, hat er selbst schon zugegeben.
    Er meinte auch, wenn er das Lied nochmal von vorne schreiben würde, würde er die Kinder alle 2-3 Jahre älter machen.

    Posted 26 Jan 2012 at 01:36
  10. avatar Anders wrote:

    Die Maester sind Ärzte, Lehrer (zumindest der für die Jungs) und die politische Berater des jeweiligen Lords. Sie schreiben seine Briefe und schicken sie mit Raben durch die Gegend. Sie werden in einer Quasi-Universität im Süden, der Zitadelle, ausgebildet. Wie man schon bemerkt haben dürfte, hat Maester Luwin keinen Familiennamen. Das gilt für alle Maester, allerdings entstammen natürlich einige auch adligen Familien.

    Die Mädchen werden nicht wirklich von der Mama erzogen. Sansa und Aryas Lehrerin ist Septa Mordane, eine Nonnenlehrerin, weniger Catelyn selbst. ‘Septa’ bezeichnet einen weibliche Dienerin der Sieben, ‘Septon’ einen männlichen Priester.

    Posted 26 Jan 2012 at 08:57
  11. avatar Patrick wrote:

    Ich denke, Stereotype lassen sich nicht vermeiden – man muss ja irgendwo anfangen mit der Figurenbeschreibung. Im ersten Kapitel – denn wir erleben die beiden ja hier zum ersten Mal – können die noch nicht so ausdifferenziert sein. Ich würde da also zur Geduld mahnen.

    Ich habe auch schon mal überlegt, mir die Audiobücher umzuschneiden und alle Kapitel mit denselben Figuren aneinander zu hängen, um das etwas zu vermeiden. Die Sprünge können wirklich nerven, gerade in spannenden Momenten.

    Posted 26 Jan 2012 at 09:58
  12. avatar Lia wrote:

    Also ich denke schon, dass ein Autor Stereotype vermeiden kann. Dann, wenn er nämlich richtige Menschen beschreibt und nicht nur Ideen. Speziell die Mädchen sind so was von platt, dass es einfach nur ärgerlich ist.

    Außerdem ergreift Martin schon vorab mal Partei. Ganz offensichtlich gibt es Gestalten, die er selbst lieber mag als andere. Das ist schon ok so, aber er sollte es dem Leser nicht ganz so brutal ins Gesicht schleudern. Ich möchte Figuren kennenlernen und mir dann selbst ein Bild von ihnen machen. Natürlich werden Charakter und Handlung immer vom Autor bestimmt, aber richtig gute Figuren werden von unterschiedlichen Menschen auch entsprechend unterschiedlich gesehen. Sie sind vielschichtig und lassen Spielraum für Interpretationen. Bei Sansa und Arya gab es ganz klare eindeutige Aussagen. Die eine ist gut, die andere böse.

    Die Mädchen sind bisher einfach am schlimmsten beschrieben. Wir haben Dany als Damsel in mistress, Sansa als brave wohlerzogene Tochter und Arya als liebenswerte Rebellin. Das schlimme daran ist, dass Sansa genauso beurteilt wird wie Dany oder Arya, obwohl man sie in dem Kapitel nur relativ kurz kennenlernt. Man sieht sie als kichernden, tuschelnden Teenager (völlig normal), ein wenig verknallt in den Prinzen (völlig normal), im Streit mir der (vermutlich oft nervigen) kleinen Schwester (ebenfalls normal) und im Dialog mit der Septa (ansatzweise erwachsen). Arya und Dany bekommen im Gegensatz dazu mehr Zeit, mehr Text und mehr Möglichkeit zum Ausdruck. Trotz dieser kurzen Szene wird Sansa sofort abgeurteilt. Das ist aber eigentlich zu diesem Zeitpunkt gar nicht möglich. Man kennt sie ja noch überhaupt nicht richtig.

    Trotzdem fühle ich mich vom Autor dazu gedrängt, jetzt schon Partei für die eine und gegen die andere Schwester zu ergreifen. Das ist in meinen Augen schlechter Stil. Ich möchte über Menschen lesen und nicht über platte Stereotype, auch wenn sie noch so niedlich vom Autor präsentiert werden.

    Posted 26 Jan 2012 at 22:09
  13. avatar Kiran wrote:

    Ahem. Das Arya mehr Zeit zum Ausdruck bekommt, liegt schlicht daran, dass es ein Arya-Kapitel ist. Die Kapitel sind ja jeweils aus der (sehr subjektiven) Perspektive einer Figur beschrieben. Und Sansa bekommt noch genug Zeit, um ihre Sicht der Dinge darzulegen.

    Denk immer daran, die Geschichte ist bis jetzt schon bestimmt 4000 Seiten lang, oder mehr. Das bedeutet auch, dass vieles langsam beginnt – die Action, aber auch die Charakterisierung.

    Alle drei Mädchen/junge Frauen werden aus den von dir bemängelten Stereotypen ausbrechen oder sie neu interpretieren – manche früher, manche später.

    Gerade die Tatsache, dass man eine Figur teilweise noch nach über 1000 Seiten auf einmal in einem neuen Licht sieht, oder Zeuge wird wie sie sich verändert, macht für mich einen Reiz der Serie aus.

    Zuletzt muss ich aber auch sagen: Gerade Nebenfiguren können auch mal stereotyp sein – es gibt auch im realen leben Menschen der persönliche Tiefen zumindest so tief verschüttet sind, dass man sie kennenlernt… ;)

    Posted 26 Jan 2012 at 22:50
  14. avatar Tre wrote:

    Wo ist denn dieses Urteil? Das Kapitel ist aus Sicht von Arya geschrieben, die sieht ihre Schwester zugegeben negativ. Und wenn das, was Sansa so tut, normal ist – wo ist dann das Klischee? Dany begnnt sicher als Klischee, aber bleibt sie das?

    Posted 26 Jan 2012 at 23:00
  15. avatar Kiran wrote:

    edit: “deren persönliche Tiefen so tief verschüttet sind, dass man sie NIE kennenlernt” :)

    Posted 26 Jan 2012 at 23:19
  16. avatar Anders wrote:

    Faktisch sind und bleiben Arya, Sansa und Bran für die ganze Serie Kinder (und das gilt natürlich auch für die anderen Kinder: Joffrey, Tommen, Myrcella und Lysa Arryns Sohn Robert). Sie sind zu Beginn sieben, neun und elf Jahre alt, und nachdem bis zu ‘A Dance with Dragons’ noch nicht einmal drei Jahre vergangen sind, bleiben sie ganz einfach Kinder.

    Das merkt man durchaus auch an ihren Kapiteln. Allerdings spielt das später keine große Rolle. AGoT präsentiert sie zunächst in der Tat mehr oder weniger als Klischeefiguren. Martin hat auch schon unumwunden zugegeben, dass er Sansa nur als Gegenteil von Arya, die ihm zuerst eingefallen ist, kreiert hat.

    Aber wir werden natürlich auch noch sehen, was es mit Aryas Außenseitergefühl auf sich hat. Zumindest bezogen auf das Aussehen – ihre Geschwister sind schon alle von Ned. Sansa mag wie das idealtypische Mädchen aussehen, allerdings wurde sie bei weitem nicht in dem Maße auf das Leben bei Hofe vorbereitet, wie man das eigentlich erwarten müsste. Ohne viel verraten zu wollen: Eine bloße Zierde zu sein, dürfte in dieser Welt nicht ausreichen, wenn man sich behaupten will.

    Posted 27 Jan 2012 at 09:52
  17. avatar Lia wrote:

    Eine bloße Zierde zu sein hat nie und nirgendwo ausgereicht, um bestehen zu können. Das zeigt unsere eigene Geschichte doch recht gut.

    Mich ärgert trotzdem, dass Martin teilweise so gewaltige Unterschiede in der Qualität der verschiedenen Figuren macht. Ist ja schön, dass immer neue dazu kommen, aber manchmal geht das anscheinend zu Lasten der Qualität.

    Ich bin gespannt, wie sich die einzelnen Charaktere weiter entwickeln. Ob sie wirklich das Klischee hinter sich lassen und zu “echten” Persönlichkeiten werden.

    Posted 27 Jan 2012 at 20:05
  18. avatar Anders wrote:

    Hm, Sansa kriegt ja schon noch eine Innenansicht. Das wird ja nicht bei allen Hauptfiguren (gleich) der Fall sein. Und man darf nicht unterschätzen, dass viele Figuren die Leute, mit denen sie interagieren, eher falsch einschätzen. Sansa und Arya müssen da nicht unbedingt dazu gehören, wohl aber z.B. Prinzessin Myrcella, die sich entgegen Jons Einschätzung später als nicht unbedingt dämlich erweist.

    Zierde meinte ich eher bezogen darauf, dass Sansa niemand darauf vorbereitet hat, Königin oder Prinzgemahlin zu werden. Sie hat sehr, sehr naive Vorstellungen von der Wirklichkeit, in der sie sich bewegt, und das ist natürlich in erster Linie nicht ihre Schuld, sondern die ihrer Eltern/Lehrer.

    Dass es auch anders geht, zeigen andere junge adlige Frauen in der Geschichte noch. Und sogar Daenerys, die nur einen verzweifelten Bruder als Gefährten hatte, ist besser vorbereitet, auf das was auf sie zu kommt, als Sansa.

    Bei den Starks legt man großen Wert darauf, dass die Männer möglichst früh erwachsen werden.

    Posted 29 Jan 2012 at 11:01
  19. avatar Lia wrote:

    Es wundert micht total, dass Sansa als älteste Tochter keine Erziehung in Richtung “einflussreiche Hochzeit” erhalten hat. Kann das wirklich sein? Ich meine, es ist ja klar, dass sie irgendwann heiraten muss. Sehr viele Alternativen haben die Frauen in Westeros ja nicht. Noch dazu ist sie die älteste und damit erste, die verheiratet werden wird. Es ist auch klar, dass in Westeros Liebesheiraten eher Seltenheitswert haben. Aus welchem Grund wurde Sansas Erziehung bisher so vernachlässigt? Ic kann mir eher weniger vorstellen, dass die Mädchen in Westeros erst mit 18 verheiratet werden. Das ehefähige Alter ist dort bestimmt um einiges früher. Dany ist ja auch noch sehr jung und soll trotzdem schon Drogo heiraten.

    Außerdem wird Unterricht in Haushaltsführung, Mathematik etc. erwähnt. Das weist durchaus auf einige Vorbereitungen hin, dass die Mädchen später selbst große Häuser führen sollen.

    Eddard hat also vollkommen Recht, wenn er die Mädchen mit an den Hof nimmt. Zu Hause werden sie offensichtlich nicht entsprechend gefördert.

    Oder verheiraten die Starks ihre Mädels grundsätzlich unter ihrem Stand? Kann ich mir nicht so recht vorstellen.

    Posted 29 Jan 2012 at 19:53
  20. avatar Patrick wrote:

    Ich glaube, dass Sansa im Norden ein wenig behütet aufgewachsen ist. Ned mag diese Ränkespiele nicht, Catelyn hat vielleicht gehofft, als Hochadelige würden die Anwärter schon zu Sansa kommen – und sie wollte ihre Kindheit dauern lassen?

    Letztendlich ist es sicher auch so, dass Martin darüber weniger nachgedacht hat, wenn er sie wirklich eher als Gegenentwurf zu Arya gesehen hat.

    Danke übrigens für deine Meinung, ich hoffe natürlich, du wirst nicht allzu sehr leiden, aber deine ehrlichen Worte genieße ich.

    Posted 29 Jan 2012 at 19:59
  21. avatar Anders wrote:

    GRRM meinte mal, üblicherweise würde man unter Adligen so zwischen kurz vor der Volljährigkeit heiraten, die mit 16 beginnt. Allerdings geht das technisch schon sobald man jeweils geschlechtsreif ist – allerdings ist die ‘maiden’-Zeit (also die Pubertät) bei den Mädchen idealerweise eher eine Verlobungszeit.

    Davon merkt man in der Serie selbst allerdings nicht. Daenerys macht nur den Anfang. Diverse große Häuser – nicht nur Roberts Kinder und die Starks, sondern auch der neue Lord Arryn (Catelyns Neffe) und die Tyrell-Tochter, sind noch relativ jung. Angesichts der Handlung müssen Sitte und Anstand da doch etwas zurückstehen.

    Im Norden sind Eheschließungen mit den Andalen im Süden eher unüblich. Catelyn als Südländer-Lady ist da eine sehr große Ausnahme. Vor Roberts Angebot mag man geplant haben, Sansa an irgendeinen Vasallen im Norden zu verheiraten. Dafür wäre sie wahrscheinlich auch ausreichend vorbereitet – bzw. zumindest dann, wenn sie im eigentlich heiratsfähigen Alter wäre. Bis dahin sind’s ja doch formal immer noch fünf Jahre.

    Posted 29 Jan 2012 at 23:45
  22. avatar NW wrote:

    Für eine politische Heirat bestand vermutlich noch keine Notwendigkeit. Der letzte Krieg brachte das Haus Stark in eine sichere Position, da ja auch der König eng mit Eddard Stark befreundet ist. Also können kleinere Allianzen wider gestärkt werden und sich das politische dem Kernbereich – dem Verteidigen des Nordens – zu widmen. Eddard Stark hat kein Interesse am Spiel um den Thron und so plante er vermutlich in seinem angestammten Gebiet, dem Norden, zu bleiben. Von diesem Standpunkt aus ist nur eine Heirat nach unten möglich und es würde sogar etwas wie eine Liebesheirat im Rahmen sein.

    Posted 30 Jan 2012 at 11:02
  23. avatar Anders wrote:

    Ja, aus der Perspektive ist es in der Tat auch merkwürdig, dass Lord Rickard Stark gleich zwei große Heiratsbündnisse mit mächtigen Häusern im Süden geschlossen hat. Den ältesten Sohn mit der Tochter von Hoster Tully zu verloben und die einzige Tochter mit dem Lord von Storm’s End. Das war für den Norden schon eher untypisch – wie man in ADwD dann ja auch bestätigt bekommt.

    Posted 30 Jan 2012 at 11:09
  24. avatar Lia wrote:

    Also die Mädels standesgemäß nach unten zu verheiraten (sofern es jetzt nicht die gewaltige Liebesgeschichte ist), wäre aber schon sehr untypisch für solche adeligen Familien. Normalerweise sorgt man schon dafür, dass der Stand erhalten bleibt oder eben besser wird. Da geht es ja auch um die Kinder aus diesen Verbindungen. Also so ganz kann ich mir nicht vorstellen, dass Sansa oder Arya an irgendwelche kleinen Vasallen abgegeben werden, wenn sie die Verbindung zu anderen Adelshäusern ihres Standes stärken können. So unangreifbar ist auch der Norden hier nicht (gerade der Norden nicht), dass man nicht mit dem guten alten System des “andere mögen Kriege führen, du gutes ….. heirate” auf Nummer sicher gehen könnte.

    Posted 30 Jan 2012 at 21:22
  25. avatar Anders wrote:

    Hm. Genau ist mir das auch nicht durchsichtig. Aber es ist schon so, dass der Norden eher abgeschottet ist. Da kamen die Andalen – die zweite Einwanderungswell nach Westeros nach den Ersten Menschen – nie hin, und deswegen hält sich da auch noch der Glaube an die Alten Götter. Das ist schon ein kultureller Unterschied, und daran hat sich auch seit der Einigung des Reiches durch die Targaryen vor 300 Jahren nichts geändert. Von daher sind Catelyn als Lady Stark aus dem Süden, und Verlöbnisse von Stark-Töchtern mit Erben aus dem Süden (Lyanna, Sansa) eher ungewöhnlich. In Winterfell gab es ja vor Catelyns Ankunft nicht einmal eine Septe.

    Technisch gesprochen wären aber wohl nur Angehörige der Großen Häuser (Stark, Baratheon, Lannister, Arryn, Greyjoy, Tyrell, Tully und Martell – die Hightowers kann man wohl noch mit dazu rechnen) nur ihresgleichen standesgemäß. Alle anderen Häuser sind ja ihrerseits Vasallen irgendwelcher Lords, und nicht direkt dem Eisernen Thron untertan. Das scheint bei der Heiratspolitik aber keine allzu große Rolle zu spielen. Man heiratet schon auch nach unten.

    Posted 31 Jan 2012 at 10:46
  26. avatar Patrick wrote:

    Die Ehen werden ja auch benutzt, um Vasallen zu binden. Gerade, weil sich die großen Häuser nicht so nahe stehen — ehemals waren es ja auch eigene Königshäuser, eben die sieben Königslande –, kann es sich lohnen. Dann sind auch Häuser, die sonst vielleicht Ansprüche stellen oder gar aufmucken, zufrieden gestellt.

    Sansa hätte ich jetzt auch eher bei einem Karstark oder so gesehen – aber ich verstehe auch, wenn man das anders sieht.

    Posted 31 Jan 2012 at 11:12

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