Wo ist das Problem?

Hey du, was ist denn so schlimm daran? Ich frag einfach mal, weil ich es nicht so ganz begreife. Solche Filme gucken nun mal eher Männer.

So Dina im Kommentar zu Sexismus schreibt man so.

Das Problem ist freilich keines, was mit einzelnen Filmen zu tun hat, sondern ein monokulturelles. Frauen kaufen 55% der Kinokarten, sind also zumindest potentielles Publikum. So, wie Frauen potentielle Comicleserinnen sind, aber von der Industrie immer wieder verschreckt werden.

Selbst wenn Comicfilme nur 30% weibliches Publikum hätten – wo sind die Filme für diese Millionen von Kunden? Wo Versuche, mehr Frauen dieses Genre schmackhaft zu machen?

Tatsächlich ist es sogar so, dass wir nicht wissen, ob Männer wirklich avers gegen Heldinnen sind – dazu gibt es einfach zu wenig. Geschweige denn gute Filme. Anfang der Achtziger hätte man mit Fug und Recht behaupten können, dass Menschen generell eben keine Comicfilme gucken – und jetzt?

Gerade wollte ich meiner Freundin eine Wasserpistole kaufen und durfte dabei feststellen, dass auf allen Verpackungen der Super-Soaker nur Jungs zu sehen sind. So, wie es auch keine weiblichen Ritterfiguren gibt. Oder so, wie Kinderspielzeug ohne Not geschlechtskodiert ist und nach rosa und blau zu unterteilen siehe hier. So sind anscheinend auch Filme kodiert. Ohne Not.

Dis Problem ist die fehlende Wahlmöglichkeit.

Comments 8

  1. avatar Lia wrote:

    Wir Frauen haben immer die Wahl, Patrick. Wenn ich eine Mega-Spritzpistole haben will, schreckt mich die Verpackung nicht ab. Laufe ich damit rum und habe eindeutig Spaß, werden es Mädchen nachmachen. Wichtig sind echte Vorbilder als Gegensatz zu den Bildern, die in den Medien vermittelt werden.

    Mir fehlen auch keine Ritterinnen. Mit denen will ich mich als Frau nicht mal identifizieren. Was mir bei diesen Spielsachen fehlt, sind Amazonen.

    Als Ausgleich ist ein großer Teil der Kinder- und Jugendliteratur fast rein auf Mädchen zugeschnitten. Lange Zeit fand man kaum ein Buch mit einem männlichen Helden. Die Verlage gehen offensichtlich davon aus, dass Jungs sowieso nicht lesen. Tun sie aber nun mal. Inzwischen wird es wieder besser. Vielleicht greift die Veränderung ja irgendwann auch auf die anderen Medien über und die Angst vor der Heldin schwindet.

    Posted 25 Aug 2011 at 23:18
  2. avatar Lisa wrote:

    @ Lia: Es mag schon sein, dass frau die Wahl hat, aber ich hätte mir in meiner Kindheit schon solche Vorbilder gewünscht, damit ich mich nicht dafür rechtfertigen müsste, ich wäre wie ein Junge (ganz schlimm damals, allerdings nicht für mich sondern für andere, die meinten zu wissen, wie ein Mädchen zu sein hat). Das ist ja leider das Problem mit solchen tief geprägten Klischees, man muss einen nicht unerheblichen Zeit- und Kraftaufwand bringen, um sich zu rechtfertigen. Und ich habe den Eindruck, dass den Bildern in den Medien mehr geglaubt wird, als den eigenen Erfahrungen.

    Posted 26 Aug 2011 at 17:35
  3. avatar Sabrina wrote:

    Das Problem sind eben genau solche Aussagen wie “Frauen gucken nunmal X und Männer gucken Y!” Stereotypisierung vom Feinsten! So ein Blödsinn brauch doch kein Mensch!

    Der zweite Teil von Dinas Kommentar:
    “Soll das eher männliche Publikum an frühkindlicher geschlechtsspezifischer Sozialistation liegen? Erscheint mir eher unglaubwürdig. Aber vielleicht irre ich mich da?”

    Meiner Meinung nach liegt das tatsächlich ganz krass an geschlechtsspezifischer Sozialisation. Jungs brauchen nicht zu lernen sich mit Mädchen/weibl. Rollen zu identifizieren, denn die überwiegende Mehrheit der Protagonisten in praktisch allen Medien ist männlich! Egal in welchem Genre* die Wahrscheinlichkeit ist extrem groß, dass in einem Buch/Film/etc. der Held eben ein Junge/Mann ist. (*Die große Ausnahme wären vielleicht Romanzen, weil das ja Frauenkram ist, durrhurr.) Wenn die Eltern also nicht darauf achten, wird der Sohnemann nie lernen sich eben auch mit Heldinnen zu identifizieren.

    Bei Mädchen läuft es eben anders: In einer Gesellschaft, in der Mann=normal und Frau=anders gilt, lernen sie schon in jungen Jahren auch Geschichten mit männlichen Protagonisten zu akzeptieren. Gerade wenn sie sich für Abenteuer und actionreiche Stories interessieren, bleibt ihnen manchmal nichts anderes übrig, als auf männliche Helden zurückzugreifen.

    Und ja, rückblickend hätte ich auch gerne mehr Heldinnen, Ritterrinnen usw. in meiner Kindheit gehabt. Es ist mir erst am Ende meiner Teenagerzeit bewusst geworden, dass (außer in etlichen Animes, die ich gesehen hatte) es in fast allen Serien/Büchern/Filmen nur um Kerle geht. Und irgendwann ist mir auch aufgefallen, dass wir im Unterricht nie wirklich über Frauen gesprochen haben. Das Image, dass Männer all die tollen spannenden Sachen erleben, ist einfach so allgegenwärtig, dass sich diese Muster praktisch von selbst reproduzieren. /frust

    Posted 26 Aug 2011 at 22:27
  4. avatar Lia wrote:

    Warum sollten sich Jungs mit Heldinnen und Mädchen mit Helden identifizieren? Das habe ich nie und werde ich auch nicht tun. Ich bin eine Frau. Punkt. Was ich mache, ist damit wohl auch Frauensache. Gut.

    Als Kind hatte ich wenig Probleme mit meiner Rolle, aber das mag daran gelegen haben, dass ich in einem fast rein weiblichen Haushalt mit jeder Menge echter Vorbilder aufgewachsen bin. Literarische Vorbilder waren Pippi Langstrumpf, die rote Zora, später eine Ronja Räubertochter, eine Geierwally oder auch Penthesilea.

    Hinter die Stereotype blicken müssen bezüglich ihrer eigenen Heldengestalten auch Männer. Die haben genauso ihre Schwächen.

    *Grüßt von Sylt*
    Lia

    Posted 27 Aug 2011 at 16:55
  5. avatar Sabrina wrote:

    @Lia: Weil Geschlechter-Trennung problematisch ist! Sich während man ein Buch liest oder einen Film schaut mit dem/der Protagonisten/-tin zu identifizieren heißt ja nicht genauso zu werden. Es heißt nur, dass man in der Lage ist mit ihm/ihr mitzufühlen und der Geschichte zu folgen und im besten Fall neue Perspektive zu gewinnen. Und ja, ich denke, Geschlechtertrennung schränkt da den Blick auf die Welt schon sehr ein.

    Da wir als Frauen ohnehin schon von allen Seiten mit mehr oder weniger tollen Stories über Männer konfrontiert werden, sind wir da mit Erfahrungsberichten des anderen Geschlechts gut bedient. Was fehlt sind eben mehr Geschichten über Mädchen und Frauen – nicht nur für ein weibliches Publikum, sondern ganz besonders auch für ein männliches. Im Moment recyceln sich die männlichen Heldengestalten doch selbst. Wie soll denn da jemals etwas neues passieren, wenn Jungen/Männer nie eine andere Perspektive zu sehen bekommen?

    Posted 27 Aug 2011 at 23:40
  6. avatar Skreee wrote:

    @Lia: weil es zu echten Problemen führt, wenn man nie gelernt hat, sich durch Identifizierung auch mal in das andere Geschlecht hineinzuversetzen. Es führt zum Beispiel dazu, dass manche Menschen wirklich glauben, dass Frauen komplett von einem anderen Stern sind, komplett anders ticken, komplett einfach nicht zu verstehen sind. Das macht Beziehungen oder Freundschaften zum Beispiel nicht gerade einfach.

    Posted 30 Aug 2011 at 13:08
  7. avatar Skreee wrote:

    Nachtrag: Gerade wieder in einem Thread gelesen, eine Diskussion, ob eine Tat nun eine Vergewaltigung war oder nicht: “it seemed like this guy just didn’t know ANYTHING about women or how to read them.” und “he clearly needs some guidance on how to deal with members of the opposite sex. ”
    Was hatte er so missverstanden?
    “No”, “Don’t” und “please leave”.

    Posted 30 Aug 2011 at 15:51
  8. avatar Lia wrote:

    Hmm, also trotz vielfacher Lektüre, Filme etc. mit Männern in der Hauptrolle, trotz der Ehe mit einem Mann und der Erfahrungen mit meinem Sohn bin ich nicht in der Lage mich so richtig in das männliche Geschlecht hineinzuversetzen. Ich werde Männer nie verstehen, befürchte ich. Liegt vielleicht auch daran, dass ich eine Frau bin und niemals das Bedürfnis hatte, ein Mann zu sein.

    Bücher, Filme usw. werden meiner Meinung nach dabei stark überbewertet. Die besten Erfahrungen macht man am besten real, anfangs innerhalb der Familie, später in Schule und Peer Group.

    Meines Erachtens fehlen nicht Bücher mit Heldinnen. Die gabs immer und gibt es nach wie vor. Es fehlen Bücher und Filme mit Helden, die nicht dem üblichen männlichen Stereotyp entsprechen. Das können aber nicht wir Frauen machen, sondern da müssen die Männer selbst ran. Wollen wir Frauen mehr Geschichten mit Heldinnen, liegt es ja auch nur an uns, welche zu schreiben.

    Posted 30 Aug 2011 at 18:51

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