Vorab: den folgenden Beitrag richte ich auch an mich selbst. Als einer der MItorganisatoren der GWUP-Konferenz 2010 haben wir dieselben Fehler gemacht, die ich nun für die Konferenz 2011 ankreide. Damals hätte ich verstärkt darauf achten müssen, auch unter Androhung von Boykott der Konferenz, dass unterschiedlichere Sprecher_innen zu Wort kommen. Habe ich nicht.
Jetzt aber zur aktuellen Konferenz.
Letztes Wochenende war die Jahresversammlung der GWUP. Die Veranstaltung war – in meiner Abwesenheit wahrscheinlich – wieder sehr interessant und lehrreich. Aber…
2010 hatten wir 26 Referent_innen, von denen 2 Frauen waren. Der Rest waren – man möge mich berichtigen – weiße Männer.
In diesem Jahr waren es, wenn ich das richtig sehe, 15 Referent_innen mit einer Frau und erneut dem Rest weißer Männer. Immerhin war ein Brite (? Ich meine Tim Skern) dabei.
Das geht nicht. Es kann nicht sein, dass auf jeden 13. Vortrag eine Frau kommt, dass es keinerlei Skeptiker mit beispielsweise türkischem Hintergrund gibt. Immerhin hat die GWUP ja noch Amardeo Sarma, der aber auf beiden Veranstaltungen keinen Vortrag hielt und ja auch nicht immer als Vorzeige-Migrant herhalten kann.
[Update: Anscheinend wurde in Wien eine Laudatio von Anne Frütel gehalten, und in Essen hielt Amardeo Sarma einen Vortrag, der zwar männlich ist, aber nicht kaukasisch - und nebenbei ein ganz hervorragender Redner.]
Wenn Organisationen sich so wie hier die GWUP derart entschieden als Club weißer Kerle präsentieren, dann darf man sich kaum wundern, wenn andere Personen meinen, kritisches Denken wäre nix für sie. Es wird ja demonstriert, dass sie mehr oder weniger ungewünscht sind. Passenderweise höre ich nun, dass gerade der einzige Vortrag einer Frau der Schwachpunkt der Konferenz gewesen sein soll – was vielleicht stimmt, aber die Kerls hatten auch 14 Versuche, es besser zu machen.
Darum hier mein Vorsatz für die Konferenz 2012 in Berlin: Wenn nicht mindestens 30% der Vortragenden weiblich sind, werde ich am Ende jedes Vortrags spezifisch nach Frauen fragen, die stattdessen hätten etwas vortragen können, und anstelle von Vortragszusammenfassungen hier im Blog jeweils eine mögliche Referentin vorstellen.
Es gibt skeptische Frauen, und sie können auch Vorträge halten. Ebenso gibt es nichtweiße Skeptiker_innen derselben Art. Man muss sie höchstens suchen und auffordern.

Comments 27
Das halte ich für einen falschen Ansatz. Wir Skeptiker vertreten eine Geisteshaltung, die derzeit vorwiegend bei Männern vorkommt. Wenn ich mit Frauen unsere Thematik diskutiere, dann sehen diese in der Regel überhaupt nicht, wo das Problem sein soll. Viele Männer haben noch einen Zugang dazu, wenn es auch nicht gerade den Mittelpunkt ihres Engagements bildet. Frauen können mit Widersprüchen leben bzw. diese fallen ihnen gar nicht erst auf. Dies kennzeichnet unsere heutige (westliche) Gesellschaft. Diese Behauptung von mir müsste mal durch eine Forschungsarbeit belegt werden. In der Folge kann dann auch jemand die Ursachen hierfür suchen. War es früher die political correctness, die wie zähes Pech gesellschaftlichen Prozesse verklebte, so sehe ich diese Gefahr nun im gender mainstreaming. Soll doch das Kritische Denken von weißen westlichen Männern ausgehen. Womöglich wird es irgendwann auch ansatzweise bei der “farbigen Asiatin” ankommen. Aber ist es wirklich so schlimm, dass es Unterschiede zwischen den Menschen und den Kulturen gibt? Kritisches Denken steht in einem Wettbewerb mit anderen Weltanschauungen und sollte aus sich selbst heraus überzeugen, nicht durch die Art, wie wir Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft behandeln. Noch einmal als kritische Formulierung: Ist es überhaupt erstrebenswert, alle Menschen bei ihrer offensichtlichen Unterschiedlichkeit in gleicher Weise an laufenden gesellschaftlichen Prozessen beteiligen zu wollen, für die eben nicht alle gleichermassen zugänglich sind? Mein Vorschlag an Patrick: Versuche das Thema des kultur – und geschlechtsunterschiedlichen Zugangs zum Kritischen Denken bis zur nächsten Konferenz zu bearbeiten und halte darüber einen Vortrag.
Posted 09 Jun 2011 at 04:30 ¶Ach, Peter. Als ob es keine kritischen Denkerinnen gäbe. Die gibt es sehr wohl, und wie sich an den Beispielen der SkepChicks und TAM zeigt: wenn Frauen vermehrt öffentlich als solche auftreten, kommen auch mehr Frauen dazu.
Deswegen wird die Besucherstatistik der Konferenz vielleicht nicht ausgeglichen sein, aber darum geht es ja nicht.
Ein Vortrag von mir wäre gerade wieder ein weiterer Vortrag von einem Mann.
Willst du wirklich behaupten, es gäbe keine Psychologie-Professorinnen, die über Wahrnehmungstäuschungen referieren könnten? Sicher nicht.
Und ja, es ist erstrebenswert, unterschiedliche Menschen an den Prozessen zu beteiligen.
Dein Beitrag ist meines Erachtens ein Ausdruck des Privilegs, durch die GWUP hervorragend repräsentiert zu werden.
Zudem: gibt es wirklich einen solchen Geschlechtsunterschied oder liegt der mehr darin, dass es für Männer akzeptabler und normaler ist, sich für so etwas zu engagieren und damit zu outen? Aus Studien weiß man ja, dass es durchaus auch typisch “männliche” Pseudowissenschaften gibt.
Und jetzt denkt sich vielleicht mal eine Frau: diese ganze Esoterik ist doch Quatsch. Ich guck mir mal die GWUP an. Auf den Stammtischen: fast nur Männer. Bei Vorträgen: fast ausschließlich Männer. Und in Kommentaren: “Frauen sind halt esoterisch” und “wollen wir Frauen überhaupt gleichermaßen beteiligen?”
Ja, die gesellschaftliche Prägung der weiblichen Rolle führt eher dazu, dass sie den Parawissenschaften etwas abgewinnen können. Aber selbst dann sehe ich es als Aufgabe der GWUP, dieser gesellschaftlichen Strömung entgegen zu wirken. Sie muss eben vermitteln, dass kritisches Denken gerade *nichts* ist, was nur Männer können.
Aber wenn das schon daran scheitert, dass mehr als 10% von Vortragenden weiblich sein sollen… na ja.
Als ob es nicht 5 oder auch 7 / 8 skeptische Frauen in Deutschland gäbe, die einen Vortrag halten können, und mit denen die GWUP sogar ein Statement setzen könnte.
Und kritisches Denken an sich geht eben nicht nur von weißen Männern aus – diese Gedanken finden sich sehr wohl auch in anderen Kulturkreisen. Dass weiße Männer hier deine Asiatin bekehren muss, empfinde ich als Ausdruck einseitig hegemonialen Denkens, so wie überhaupt diese Idee mich daran erinnert, wie die Rollen von Frauen und Minderheiten in beispielsweise der Wissenschaftsgeschichte vermindert werden und dann im Folgeschritt so getan wird, als sei Wissenschaft eben männlich.
Gerade, um solche Denkweisen zu hinterfragen, sollte die GWUP erst Recht mehr auf Inklusion achten.
Ein gutes Beispiel sind übrigens Superhelden-Comics: lies da mal im Internet, wie auf die Erlebnisse von weiblichen Figuren oder auch Minderheiten reagiert wird. Gerade gibt es einen drohenden “Shitstorm”, weil eine körperlich beeinträchtigte Figur (Oracle) womöglich wieder das Gehen lernt und sich die vielen, vielen ebenfalls beeinträchtigten Fans eines ihrer wenigen Vorbilder beraubt sehen. Ähnlich, als die asiatische Green Lantern starb, oder wenn es um die Behandlung von Homosexualität in den Comics geht, oder – Menschen sehen plötzlich Figuren oder Personen mit Gemeinsamkeiten und sind interessiert.
Anderenfalls sollten Skeptiker aufhören, sich zu wünschen, dass mal dezidiert skeptische Themen in Filmen oder Serien vernünftig umgesetzt werden – denn eine Beteiligung oder Repräsentation ist ja unsinnig. Film und Fernsehen sind eben unskeptische Medien und damit haben Skeptiker Pech gehabt. Wir müssen froh sein, wenn wir mal einen Brocken hingeworfen bekommen.
Und wieso sich mit atheistischen Themen beschäftigen? Man kann doch die Moral von den Gläubigen ausgehen lassen, bis sie mal bei den Atheisten ankommt. Reicht doch auch.
Aber nein, da wünscht man sich dann gerne, dass in Talkshows nicht nur 1 Skeptiker (männlich) gegen 4 Esoteriker_innen agiert, dass der Skeptiker im Film mal nicht bekehrt wird usw. Weil man sich nicht abgebildet fühlt, sich nicht angesprochen sieht – kurz, weil Mann da nicht in der privilegierten Rolle steckt.
Posted 09 Jun 2011 at 06:45 ¶Ich finde, dasss Du eine Diskussion anstößt, die meilenweit am eigenlichen Problem vorbeigeht. Sicherlich gibt es viele skeptische Frauen (ich bin sogar mit einer verheiratet und wir publizieren sogar wöchentlich etwas), aber viel schlimmer als die Frauenquote der Referenten bei einer GWUP-Konferenz, sind die 94 Mrd. US-Dollar, die jährlich in die Alternativmedizin gepumpt werden oder die 7000 Menschen pro Jahr, die durch falsch angewandte chiropraktische Eingriffe sterben.
Posted 09 Jun 2011 at 08:20 ¶Bei 1000 Mitgliedern müsste man sich vielleicht sowieso mal die Geschlechterverteilung der Mitglieder anschauen. (Ich habe übrigens auf der Konferenz sehr viele weibliche Teilnehmer gesprochen und gesehen, viel mehr als ich erwartet habe. Somit war ich angenehm über die vielen aktiven Skeptikerinnen überrascht.)
Dein Vorschlag die nächste Konferenz und die, auch dann hoffentlich exzellenten, Vorträge durch Deine angekündigten Wortmeldungen zu torpedieren, wird unseren Gegner nur Material geben, um zu zeigen, dass die Skeptiker auch nur ein “uneiniger” Verein sind, der sich mehr mit internen Grabenkämpfen, als mit der Sache beschäftigt.
Ich finde es schade, dass Du eine hervorragende Veranstaltung mit Deinem Beitrag in Mißkredit bringst und bin tatsächlich etwas enttäuscht.
Aber wir sind ein freies Land und jeder kann und soll seine Meinung äußern, man sollte dann aber auch andere Meinungen akzeptieren.
Zum Abschluss ein, wie ich finde, schöner Song zum Thema “Lesbische schwarze Behinderte” von Funny van Dannen:
Sorry, auch als Skeptikerin UND Frau muss ich dir widersprechen.
Es geht nicht darum, ob es Skeptikerinnen gibt oder nicht – es gibt unter den Frauen Esos UND Anhängerinnen des kritischen Denkens, genauso wie unter den Männern und Menschen mit und ohne Migrationshintergrund or whatever – sondern darum, dass hier Feminismus und political correctness ad absurdum geführt werden.
Fehlt nur noch, dass 2012 “weiße, männliche Referenten” wieder ausgeladen werden, weil´s heißt “hamwa schon, wir brauchen aber noch ein paar Frauen mit Migrationshintergrund”. Das ist genauso diskriminierend.
Wahrscheinlich wirst du mir jetzt vorwerfen, Jahrzehnte des Feminismus zu zerstören, aber das ist mit ziemlich egal. Ich muss mir mal Luft verschaffen, weil ich mich über deinen Post sehr geärgert habe. Der GWUP vorzuwerfen, sie sei ein Verein der weißen Männer, ist schon ziemlich frech. Und offen gesagt, wenn du derart overprotective bist, tust du den Frauen damit auch keinen Gefallen.
Posted 09 Jun 2011 at 08:36 ¶Nun, ganz ehrlich, mir erscheint GWUP als Verein kritisch denkender weißer Männer. Auch musste ich gerade mal lesen, dass ich als Frau sowieso nicht kritisch denken kann und zu esoterisch veranlagt bin. Nun gut, schön, dass ich das auch erfahre.
Ich dachte, Skepsis zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass einem Widersprüche auffallen (und man trotzdem irgendwie lernen muss, damit umzugehen). Alternativmedizin wird sich nicht in Luft auflösen, weil es Skeptiker gibt. Ganz im Gegenteil, Skeptiker sind genau die Gegnerfront, die jeder esoterische Verein als Werbung braucht.
Keine Ahnung, ob eine Frauenquote bei den Vorträgen etwas bringen würde. Den Beiträgen hier nach eher weniger. Vielleicht würde dann ja das große Gähnen beginnen, weil es ja nur eine der Quotenfrauen ist und damit unwichtig. Das Thema würde jedenfalls untergehen. Lassen wir auch das mit kritischen Männern und Frauen aus anderen Teilen der Welt. Die gibts ja gar nicht. Kann ja gar nicht sein, oder?
Skepsis ist ein Privileg weißer Männer, das habe ich heute gelernt.
Danke für diese Lektion!
Posted 09 Jun 2011 at 08:51 ¶@Lia: Also ICH habe gelernt, dass es besser ist, wenn Frauen für sich selbst sprechen – dass sie das hierzulande nicht dürften, wäre mir neu.
Posted 09 Jun 2011 at 09:07 ¶Ich wüsste nicht, dass ich irgendwo behauptet habe, Frauen dürften nicht für sich selbst sprechen.
Ich habe heute nur gelernt, dass Skepsis weißen Männern vorbehalten ist. Mit Redefreiheit hat das ja nichts zu tun.
Posted 09 Jun 2011 at 09:10 ¶Wie um alles in der Welt kommst du auf sowas??? Es gibt tausende von Gegenbeispielen – du bist scheinbar selbst eins, ich zähle mich, jedes weibliche GWUP-Mitglied, jede(n) Skeptiker(in) mit Migrationshintergrund, jeden kritisch denkenden Menschen weltweit ebenfalls dazu! Es bedarf doch nicht der Fürsprache des Blog-Autoren, um das zu erkennen!
Posted 09 Jun 2011 at 09:33 ¶Wow, ich hätte nicht gedacht, dass das echt solche Rektionen auslöst. Naja, Skeptiker sind auch nur Menschen
@Alexa
Imho geht es GERADE darum, dass Frauen für sich selbst sprechen können und können sollen. Das es eben kein Mann für sie mitsagen kann. Und auch keine andersdenkende Frau. Es geht genau darum, der eigenen Meinung Raum zu verschaffen. Denn oft stößt sie andere an.
Und wenn auf Vorträgen eben so gut wie nur weiße, westliche Männer sitzen – dann wird der gesamte Verein als solch ein weißer, westlicher wahrgenommen. Als krasses Gegenbeispiel:
Wenn auf Vorträgen so gut wie nur Frauen sitzen, dann fühlen sich weniger Männer angesprochen. Wenn dort nur Asiat/innen sitzen würden, dann fühlten sich so gut wie nur Asiat/innen angesprichen.
Das ist das ewige Repräsentationsproblem, auch innerhalb feministischer Kreise, wenn z.B. nur feministische Professor/innen oder nur Alice Schwarzer zu Talkshows eingeladen werden – dann sieht es so aus, als könnten diese für alles sprechen, das sie repräsentieren.
Identifikation findet eben nicht nur über Inhalte statt, sondern über viele Kanäle.
Konferenzen auf denen nur Männer sprechen – das kann Zufall sein. Es kann aber auch so wirken, als sollten keine Frauen sprechen. Als “gäbe es sie nicht”.
Und da setzt das gleiche Schema wie überall an: Der Frage danach, warum so wenig Frauen Vorträge halten.
Und da setzt das an, das ich von Patrick gut finde. Die Achtsamkeit für die Problematik.
Posted 09 Jun 2011 at 09:38 ¶@Lia:
Interessante Ansichten zum Thema “Skeptizismus und Frauen” findest Du in unserer Special-Folge, in der wir Rebecca Watson interviewen durften. Ihr Standpunkt ist u. a. eher der, dass das “Eso-Buisiness” sehr gezielt Frauen anspricht. Männer fallen ihrer Meinung nach eher auf andere unskeptische Dinge rein, z. B. UFO’s, Bigfoot etc.
Deine Ansicht zur Alternativmedizin kann ich nicht nachvollziehen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass in Homöopathie nichts mit Naturmedizin oder Pflanzenmedizin zu tun hat. Da sehe ich schon eine Aufgabe der Skeptiker darin aufzuklären.
Das Interview findest Du bei Interesse unter:
Posted 09 Jun 2011 at 09:42 ¶http://www.hoaxilla.de/specials_083.htm
Nur eine kleine Korrektur: In Essen hat Amardeo Sarma einen Vortrag gehalten – zum aktuellen Forschungsstand bezüglich des Turiner Grabtuches. Und ja: Es gibt durchaus skeptische Frauen. Aber die müssen auch einen Vortrag halten können und wollen. Das ist weder bei Frauen noch bei Männern selbstverständlich. In Wien hätte man z.B. durchaus auch Krista Federspiel hören können, die aber vollauf mit der Organisation der Konferenz beschäftigt war. Oder Anne Frütel, die die “Laudatio” auf Prof. von Werlhof gehalten hat. Auch ich würde mich freuen, wenn die Programme etwas ausgewogener wären, aber vielleicht solltest Du mal ein paar Vorschläge machen, wer denn eingeladen werden soll. Skeptikerin Haily Stevens vom RI-Podcast baut gerade für SitP eine Sprecherinnenliste auf und das scheint nicht ganz so einfach zu sein, obwohl die Skeptiker-”Bewegung” in England weitaus mehr Anhänger hat, als in Deutschland.
Posted 09 Jun 2011 at 14:47 ¶Alexander: Oh ja, das ist ein schönes Argument, das “falsche Problem”. Da kann man auch sagen, die Gelder in Alternativmedizin sind nicht das richtige Thema, sondern das Geld, das den Sozialkassen fehlt. Weil man ja immer nur ein Thema behandeln darf.
Genauso darf eine Veranstaltung anscheinend nur total super sein oder sie wird durch den Dreck gezogen. Kritische Denker mögen anscheinend keine Kritik.
Aber ich teile Alexas Angst, dass dann weiße männliche Referenten am Ende nicht vortragen dürfen. Man stelle sich das vor, dass dann nur noch 90% männlich sind und man einen Referenten auslädt! Unfassbar! Weil ansonsten bei diesen Veranstaltungen ja immer jeder reden darf.
Stimme auch zu, dass es natürlich Menschen geben muss, die Vorträge halten können. Darum sind auch alle Vorträge bei den GWUP-Konferenzen immer total perfekt und großartig, weil es ja ein großes Ausleseverfahren gibt, wer denn da etwas vorstellt – die müssen durch drei Bewerbungsrunden, um ihre Fähigkeiten zu testen.
Und ja, stimmt auch, die Frauen können ja für sich selbst reden, wenn also jemand was vortragen will, kann sie sich ja melden, und wenn sich niemand meldet, dann will auch keine.
Was Rebecca Watson angeht, so setzt sie sich mit SkepChick übrigens dezidiert dafür ein, dass mehr Frauen dort sprechen; die Seite regt an, dass man den Sitzungen weißer Männer fernbleibt und sponsort sogar Frauen ein TAM-Ticket. Auch dadurch hat TAM beim nächsten Mal 20von 41 Vortragsrollen auf ihrer Homepage weiblich besetzt. Mit durchaus zugkräftigen Namen. Weil DJ Grothe sich bewusst gekümmert hat, mehr Frauen (und Nichtweiße) anzusprechen.
Mir will auch nicht in den Kopf, dass Humanismus und Skeptizismus sich nicht vertragen sollen und ich mich zwischen skeptischen Weißschwänzen und einer allgläubigen Menschheit entscheiden soll.
Am Deutschen Volke soll die Welt genesen… ach ne, vom Skeptizismus des weißen Mannes soll die Welt erleuchtet werden. Der Rest packt es halt nicht.
Ich bin auch überrascht: ich dachte, mein Beitrag wäre ein Gedankenanstoß. Dass hier derartige Entgegnungen kommen, erstaunt mich. Und gleichzeitig sind es die typischen Reaktionen:
- die Frauen sollen sich melden
- ich soll doch einen Vortrag über Frauen halten
- ich soll doch mal sagen, wer eingeladen werden soll
Organisiere ich das Ding? Leider nicht. Wie ich gesagt habe, geht dieser Beitrag auch an mich, ich habe das damals auch bei der Orga verpennt – ich wäre über so einen Blogbeitrag dankbar gewesen.
Wenn die Organisation darauf Wert legt, Referentinnen oder auch transsexuelle Referenten oder sonst jemanden zu finden, dann werden sie das und können das auch besser als ich aus einer anderen Stadt heraus.
Aber wenn in Wien ein Professor der Wiener Uni referiert: in Berlin gibt es Gender Studies ohne Ende. Da kann bestimmt eine Professorin über männlichen Bias in der Wissenschaft oder Wirtschaft oder Gesellschaft referieren – ein tolles skeptisches Thema, da es sich um Täuschungen wirklicher Verhältnisse handelt.
Oder wie wäre es mit einer Religionswissenschaftlerin, die sich mit Behauptungen auseinandersetzt, der Koran enthalte wissenschaftliche Fakten es 20. Jahrhunderts?
Mythen der DDR?
Ich bin sicher, wenn man sich nur einmal die Vorlesungen und Seminare der Berliner Bildungsstätten ansieht, wird man zuhauf passende Dozentinnen und Dozenten finden.
Zuhauf. Ohne viel Arbeit.
Wenn man denn will.
Posted 09 Jun 2011 at 18:51 ¶Ralf: ich sehe mich korrigiert, danke!
Posted 09 Jun 2011 at 18:52 ¶Oh, eins noch:
“Dein Vorschlag die nächste Konferenz und die, auch dann hoffentlich exzellenten, Vorträge durch Deine angekündigten Wortmeldungen zu torpedieren, wird unseren Gegner nur Material geben, um zu zeigen, dass die Skeptiker auch nur ein “uneiniger” Verein sind, der sich mehr mit internen Grabenkämpfen, als mit der Sache beschäftigt.”
Dieses Argument lasse ich nicht gelten. Das mag sich auf einzelne Aktionen beziehen, aber im Rahmen einer demokratischen Meinungsbildung muss die Jahreshauptversammlung eines Vereins sehr wohl verschiedene Stimmen aushalten können. Die GWUP ist ja keine Partei. Sollte ich etwas gegenteiliges vom Vorstand hören, sieht das vielleicht anders aus, aber ich gehe bislang davon aus, dass dort freie Meinungsäußerung herrscht und ich werde fragen dürfen, was denn ein Vortragender davon hält, dass statt ihm nicht eine bestimmte andere Referentin eingeladen wurde und ob er dafür sei, mehr Frauen vor das Mikro zu holen.
Posted 09 Jun 2011 at 19:05 ¶Hallo Patrick,
offen gesagt denke (hoffe) ich immer noch, dass Dein Text eine Parodie (z.B. auf die Frauenquote) sein soll.
Angesichts der Ernsthaftigkeit der Kommentare bin ich mir allerdings nicht mehr sicher.
Posted 10 Jun 2011 at 10:26 ¶Tja, Problembewusstsein eben.
Posted 10 Jun 2011 at 10:54 ¶Lieber Patrick, nur ganz zum Schluß noch eine ernstgemeinte Bitte: Pick your battles! Ich sehe, was du mit deinen Posts bewirken willst und deine Absichten sind bestimmt ehrenhaft, aber du suchst dir in diesem Fall wirklich die falschen Gegner.
Posted 10 Jun 2011 at 11:59 ¶Da musst du dich dann auch nicht über Gegenwind wundern [Zitat: "Ich bin auch überrascht: ich dachte, mein Beitrag wäre ein Gedankenanstoß. Dass hier derartige Entgegnungen kommen, erstaunt mich."].
Gebe ich gerne zurück mit dem battlepicking. Der Gegenwind sorgt nur für ein schlechteres Gewissen bei mir, weil ich letztes Jahr wesentlich aktiver hätte einwirken können und müssen und das verpennt habe.
Die falschen Ansprechpartner – wieso müssen es eigentlich Gegner sein? Wieso “Gegenwind”? – sehe ich allerdings eher nicht, sondern bislang deuten die Reaktionen eher darauf hin, dass die richtigen angesprochen wurden.
Posted 10 Jun 2011 at 13:58 ¶(Man kann sogar kritisch denken und nebenbei Sachen ausprobieren, die als Esoterik gelten, oder gläubig sein. Es gibt nicht nur Esoteriker und Skeptiker.)
Vielleicht müsste sich ja die GWUP ändern, um für Frauen interessant zu sein. Die GWUP ist für mich ein Verein für linke Sozialwissenschaftler, die oberflächliche Kenntnisse der Naturwissenschaften so benutzen, als sei Naturwissenschaft ein Atheismus-Beweis, weil Darwin gewissermaßen Gott arbietslos gemacht hat. Das ergibt sich jedenfalls aus den Eindrücken, die ich im Internet von den Fanboys gewinne.
Posted 13 Jun 2011 at 11:12 ¶Atheisten sind Leute, die gegen Gott kämpfen, obwohl es den wahrscheinlich gar nicht gibt
Ich finde die Verbissenheit und Gehässigkeit, die man z.B. bei den Blogs von Esowatch, Astrodictum simplex etc. findet, sehr abstoßend.
Posted 13 Jun 2011 at 11:19 ¶Hi Patrick,
mach doch mal konkrete Vorschläge. Mißstände beklagen ist einfach. Was an der GWUP soll sich ändern, damit mehr Frauen Lust haben mitzumachen=? Welche skeptischen Frauen werden fahrlässig oder bewusst nicht eingeladen? Wer sollte eingeladen werden?
Nur mal ein Beispiel. Bei Facebook haben wir 2700 Menschen die “gefällt mir ” angeklickt haben und 75 % sind Männer, konstant….Warum nicht mal eine Sozialwissenschaftlerin, die Lust hat dazu eine Arbeit, Studie, Masterarbeit etc. zu betreuen, fänd ich spannend.
Posted 13 Jun 2011 at 15:48 ¶Habe doch oben Vorschläge gemacht.
75% der “liker” sind Männer, okay. Konstant könnte daher kommen, dass dieselben Leute entsprechende Infos abonniert haben.
Aber da sind trotzdem 25% Frauen, oder? Und nicht 6%.
Posted 13 Jun 2011 at 20:52 ¶Eine Frage wegen Twitter: Ich habe diesen Thread getwittert, und zwar indem ich die URL oben aus dem Browser kopiert und auf Twitter in das Eingabefenster eingegeben habe. Twitter hat daraus automatisch eine Abkürzungs-URL gemacht, die aber nicht funktioniert. Weiß jemand was das soll?
http://twitter.com/#!/irene_muc/status/80262090392215552
Posted 14 Jun 2011 at 16:47 ¶Bei mir funktioniert der Link.
Posted 14 Jun 2011 at 18:53 ¶Wow. Nach den ersten Kommentaren hatte ich schon fast Bingo. Und das von Skeptikern. Yikes.
Posted 14 Jun 2011 at 23:53 ¶Hallo!
Ich kann nur hoffen, dass der erste Kommentar im Thread nicht repräsentativ für die GWUP ist.
Für mich als skeptische Frau ist er ein Schlag ins Gesicht und zeigt, dass wir immer noch nicht wirklich voran gekommen sind.
Der Artikel ist ja schon älter und die Kommentare auch, aber ich bin jetzt erst drauf gestossen, da ich schon länger mit dem Gedanken spiele, der GWUP beizutreten.Es sind in der offiziellen “who`s who” sehr wenige Frauen, und ja, auch die Beiträge in den Magazinen und die Blogs sind männlich dominiert.
Das habe ich bisher immer als Begleiterscheinung des Phänomens betrachtet, dass es trotz vieler Bemühungen eben noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen in gleicher Weise in allen gesellschaftlichen Bereichen angekommen sind.
Männer übrigens auch nicht.
Ich habe mir auch die Interviews im Skeptoskop mit Julia Offe und Alexa Waschkau angehört, sehr interessant.
Auch wenn es schon ein älterer Blogeintrag hier ist, ich muss einfach doch noch was dazu loswerden.
Gleich der 2. Satz macht mir Magenschmerzen!
“Sketptiker vertreten eine Geisteshaltung, die derzeit vorwiegend bei Männern vorkommt.”
Aha.
Woher weisst Du das?
Und woran machst Du das fest?
Der Rest des Kommentars entbehrt ebenso jeglicher sachlicher Grundllage, es ist das ewige Herumreiten auf Klischees und basiert auf persönlichen Eindrücken und Erfahrungen.
Zitat:
“Wenn ich mit Frauen unsere Thematik diskutiere, dann sehen diese in der Regel überhaupt nicht, wo das Problem sein soll.”
Du gehst überhaupt nicht darauf ein, welche Themen gemeint sind – Du sprichst von “unsere” Themen – darin schwingt doch die Ausgrenzung a priori schon mit, wenn man Dich beim Wort nehmen darf und Du damit meinst, dass Frauen vielen skeptischen Themen gegenüber angeblich nicht aufgeschlossen sind.
Korrigiere mich gern, sollte ich das falsch verstanden haben.
Ein weiteres Zitat aus dem Kommentar, der mich die Wand hochgejagt hat:
“Noch einmal als kritische Formulierung: Ist es überhaupt erstrebenswert, alle Menschen bei ihrer offensichtlichen Unterschiedlichkeit in gleicher Weise an laufenden gesellschaftlichen Prozessen beteiligen zu wollen, für die eben nicht alle gleichermassen zugänglich sind?”
Äh – warum bitte sollte – bleiben wir mal beim Thema Skeptizismus – das nicht allen Menschen gleichermassen zugänglich sein???
Nicht jede/r interssiert sich für Skeptizismus, aber wer es tut, sollte auch Zugang und die Möglichkeit zur Beteiligung haben können, so er/sie das will!
Ich kann als Mann ODER Frau dafür offen sein oder auch nicht, egal welcher Kultur ich entstamme!
Und ob ich mich als Mann ODER Frau an den laufenden gesellschaftlichen Prozessen beteiligen möchte, das darf ich hierzulande glücklicherweise selbst bestimmen – anderenorts muss dafür noch hart gestritten und gekämpft werden.
Das vergessen wir hier leider oft.
Oft ist es so, dass ich mich auch “overprotected” fühle, wenn Männer sich für mehr Frauen oder mehr Diversity allgemein stark machen.
In diesem Fall, also was die Öffentlichkeitswirkung der GWUP angeht, finde ich, der Aufruf zu mehr Austausch und Vielfalt ist absolut gerechtfertigt.
Der Artikel selbst und auch die Kommentare zeigen für mich, dass das Thema Gender dringend weiter diskutiert werden muss.
Dass man den Begriff Gender-Mainstreaming sicher überstrapaziert hat und ihn platt geredet hat, ist mir klar.
“Diversity” ist jetzt das neue Zauberwort – also der Abbau und das Hinterfragen von Vorurteilen und Stereotypen.
Es ist noch viel zu tun…
Posted 04 Oct 2012 at 08:20 ¶Hi!
Auf der Welt-Skeptikerkonferenz in Berlin war das Geschlechter-Verhältnis recht gut.
Trotzdem bin ich nicht mehr in der Gwup: siehe der neuere Beitrag hier.
http://p-pricken.de/tag/gwup/
Posted 04 Oct 2012 at 09:02 ¶Trackbacks & Pingbacks 1
[...] bekennt. Oder ich lese mir die Kommentare auf meinen Vorschlag durch, gezielt Sprecherinnen auf die GWUP-Konferenz zu [...]
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