Finsterbiss: Wallungen

Dies ist Teil 13 von 29 der Serie Finsterbiss

Oh Mann, das dreizehnte Kapitel. Bevor ich davon erzählen kann, ein kurzer Einschub. Warum lese ich die Bücher eigentlich als ebook? Nun, die ersten elektronischen Bücher fand ich noch nicht so überzeugend, was auch daran lag, dass es keine vernünftigen Lesegeräte gab. Auf einem Palm wollte ich das nicht lesen, und überhaupt war ich damals noch ein Buchpurist.

Aber mit der Zeit wurde die elektronische Tinte erfunden, die das Lese-Erlebnis verbesserte, und die halbwegs buchgroßen Lesegeräte kamen auch dazu, zusammen mit der Möglichkeit, die Bücher per Touch Screen zu markieren. Das war dann ein sehr großer Reiz.

Als ich dann meinen ebook-Leser hatte, habe ich natürlich auch schnell dafür gesorgt, mir viele Bücher zu besorgen. Und der Vorteil dieses Lesegerätes ist, dass ich jetzt zwar immer die Bücher von Stephenie Meyer dabei habe – aber eben nicht nur, sondern auch viele andere. Und wenn ich lesen möchte, muss ich nicht unbedingt Smeyer lesen. Das hilft. Besonders, weil die Kapitel mich manchmal auch wütend machen. So wie heute.

Und diese Geschichte müsst ihr euch jetzt auf zwanzig Buchseiten vorstellen – dann wisst ihr, wie das dreizehnte Kapitel ist. Ein Körnchen Relevanz in einem Meer von Blah, und dazu auch noch Smeyer-typische Inhalte.

Aber bevor ich die Geschichte beschreibe, hier einmal nur Bellas Reaktionen.

»Warum?«, atmete (!) ich voller Schrecken, fühlte mich unhöflich und doch nicht in der Lage, aufzuhören, auf seine subtil verwüstete (!!!) Haut zu starren.
(…)
Ich gaffte ihn an, erschüttert.
(…)
Ich schauderte bei dem Bild in meinem Kopf, bei dem Wort trinken.
(…)
Ich schauderte.
(…)
Meine Erkenntnis war ein Flüstern.
(…)
Ich starrte voller Schrecken sein Gesicht an.
(…)
»Laurent?«, flüsterte ich, und das Blut leerte sich aus meinem Gesicht.
(…)
Carlisle unterbrach meinen inneren Albtraum.
(…)
»Nein!«, schnappte ich nach Luft.
(…)
Ich wollte laut schreien, als ich verstand, was Jasper meinte.

Das ist mehr oder weniger alles, was Bella in diesem Kapitel tun und sagen darf, außer noch diesem:

Ich war taub, entsetzt, tödlich verängstigt. Und doch, darunter, fühlte ich, dass ich etwas Wichtiges übersehen hatte. Etwas, dass Ordnung ins Chaos bringen würde. Das es erklären würde.

Zu diesem Etwas kommen wir noch, aber zuerst bemerken wir, dass Bella das ganze Kapitel über nichts tut, außer extreme Gefühle zu erleiden. So wird das Buch nicht dramatisch, sondern grotesk, weil Bella anscheinend überhaupt keinen Filter besitzt.

Kommen wir nun zu dem, was die aktiven (na ja, mehr oder weniger) Figuren tun. Jasper fing ja an, indem er seinen vernarbten Körper zeigte: »Das selbe, was mit deiner Hand passierte, eintausend Mal wiederholt.«

Was passierte? Krieg zwischen Vampiren. Jasper beschreibt das eindringlich:

»Dann kamen die anderen aus dem Süden, um uns zu vertreiben.« Er rieb zwei Finger über das blasse Narbenmuster auf seinem Arm.

Das wars. Das ist alles, was wir über die Narben hören. Das hat sich doch gelohnt.

Überhaupt: Jasper glaubt, dass jemand in Seattle Neugeborene schafft, um diese als Armee einzusetzen. Neugeborene Vampire sind im ersten Jahr viel stärker, darum gefährlich, und Jasper war einmal selbst ein solch neugeborener Rekrut. Um das zu sagen, erzählt er also seine ganze Lebensgeschichte, detailliert mit dem Namen der Frau, die ihn zum Vampir machte, sowie ihrer zwei Weggefährtinnen.

Außerdem erzählt er uns, wie Vampire funktionieren:

»Du musst wissen, es gibt Orte auf dieser Welt, die sehr viel anziehender für uns sind als andere. Orte, an denen wir weniger Zurückhaltung zeigen müssen und trotzdem nicht auffallen. Stell dir zum Beispiel eine Karte der westlichen Erdhalbkugel vor. Stell dir darauf jedes menschliche Leben als kleinen roten Punkt vor.«

Ask and ye shall receive.


»Je dunkler das rot, desto einfacher können wir – also jene, die so leben – trinken, ohne für Aufmerksamkeit zu sorgen.«

Mein erster Gedanke war: Die bösen, bösen Großstädte eben. Da, wo Vampire nach Belieben jagen und morden können – weil die Cullens schließlich zum siebten Mal die High School abschließen müssen. Aber nein:

»Nicht, dass die Zirkel im Süden sich darum scheren, was Menschen bemerken oder nicht. Es sind die Volturi, die sie in Schach halten.«

Hm? Im Süden? Es wird nicht sofort klar, aber Smeyer meint Mexiko. Da, wo es so rot ist, dass sich Vampire bekriegen, um die Städte zu kontrollieren. Nicht etwa New York – nein, die USA sind ja zivilisiert, da gibt es ja auch Weiße. Oder so. In Mexiko hingegen kommt man auf die Idee, Neugeborene als Armee zu benutzen und sie anschließend zu töten, weil die gleichzeitig total gefährliche Krieger sind, aber auch einfach zu töten. Oder so.

Glaubt ihr nicht? Ist aber so:

»Der Norden ist vergleichsweise sehr zivilisiert. Wir sind hauptsächlich Nomaden hier, die den Tag ebenso mögen wie die Nacht, die Menschen erlauben, mit uns zu interagieren, ohne Verdacht zu schöpfen (…) Es ist eine andere Welt im Süden. Die Unsterblichen dort kommen nur nachts raus. (…) Es ist Krieg im Süden, dauerhafter Krieg seit Jahrhunderten, ohne einen einzigen Moment des Friedens.«

Klar? Weiße = zivilisiert, Dunkle = kriegerisch.

Die Volturi wiederum sind wachsam:

»Als die Zahl der Toten epidemische Ausmaße annahm – tatsächlich macht eure Geschichtsschreibung eine Krankheit für den Bevölkerungsrückgang verantwortlich – schritten die Volturi endlich ein.«

Eine Zahl von Toten, die als außergewöhnlich in der Geschichtsschreibung wahrgenommen wird. Das ist nötig, um diese wachsamen Wächter der Vampire aus Italien hervorzulocken. Und gleichzeitig hat trotzdem niemand erkannt, dass da Vampire umgehen – warum machen sich die Volturi überhaupt noch die Mühe? Wenn man Tausende, Zehntausende umbringen kann, ohne dass es auffällt?

Und merke: die Volturi – westeuropäische Vampire – kommen nach Mexiko und bringen dort alle Vampire um. Sie massenmorden mexikanische Vampire, weil die eine zu große Bedrohung für alle darstellen. Danach wird natürlich weiter bekriegt – Mexikaner eben –, aber auf kleinerem Raum.

Jasper erzählt noch ein wenig mehr, bevor er auf sich zu sprechen kommt. Jasper gehörte der Armee der Südstaaten an und war deren jüngster Offizier. Er trat freiwillig mit siebzehn bei – warum? Um das Recht auf Sklavenhandel zu verteidigen? Aber wie es sich gehört, war seine Aufgabe, Frauen und Kinder aus Kriegsgebieten zu evakuieren und zu beschützen. Der typische Südstaatenheld eben. Wie es sich gehört. In Südtexas trifft er schließlich auf Vampire aus Mexiko, die ihn beißen und zu einem ihrer Jungsoldaten machen. Liegt ja nahe, dass er so weit in den Süden käme und gleichzeitig diese mexikanischen Vampire dort Männer suchten – natürlich Männer, sie wollen ja Kämpfer haben.

»Sie waren, ohne Frage, die drei schönsten Frauen, die ich je gesehen hatte. Sie hatten so blasse Haut, ich erinnere mich, wie ich darüber staunte. Selbst das kleine schwarzhaarige Mädchen, deren Gesichtszüge eindeutig mexikanisch waren, war wie Porzellan im Mondlicht.«

Da habt ihrs: Vampirismus macht euch weiß. Fun fact dazu: die Mormonen glauben bzw. glaubten lange, dass dunkle Haut ein Zeichen war, dass die Vorfahren sich gegen Gott und für den Teufel entschieden hatten, und sie daher bösen Blutes waren. Schwarze durften auch erst ab Ende der Siebziger Mormonen werden – und dann kam die neue Lehre, dass sie im Himmel weiße Haut erhielten. Wie bei den Vampiren.

Zu Sexismus, Frauenhass und absoluter Langeweile kommt also jetzt noch Rassismus dazu. Stephenie Meyer deckt wirklich alles ab. Zu beachten ist, dass die mexikanischen Vampire trotzdem kriegerisch bleiben: sie sind vielleicht von außen weiß, aber ihr wilderes Inneres lässt sich nicht verändern. Es ist eben ihre Natur.

Nebenbei: Kennt jemand True Blood? Egal, wie man zu der Serie steht, der Vampir Bill wird zumindest versuchsweise so dargestellt, dass man bei ihm den Südstaaten-Gentleman aus der Bürgerkriegszeit erkennt. Bei Jasper kommt diese Enthüllung völlig aus dem Nichts.

Jasper jedenfalls ist total der tolle Kämpfer und wird Marias rechte Hand. Sie bekriegen Mexiko, und dabei trägt er auch die Bisswunden davon. Sehr dramatisch eben. Dann gibt es eine traurige Geschichte, dass Jasper immer wieder neue Vampire schuf und, wenn diese schwächer wurden, sie wieder tötete, bis er eines Tages ein Pärchen gehen ließ. Hat natürlich alles nix mit der aktuellen Situation zu tun. Aber dank des Pärchens kommt er aus Mexiko raus zurück in den Norden, wo er wieder in Frieden mit anderen Vampiren morden kann.

Und dann, irgendwann, kommt er in ein Café – und da sitzt Alice dank ihrer bescheuerten Plotkraft und fragt ihn, warum er so lange gebraucht habe, um herzukommen. Sie hat ihn natürlich erwartet. Und dann reisten sie nach Forks und zogen bei den Cullens ein.

Nach dieser langen Geschichte kommt Jasper aber zum Thema zurück: jemand erschafft eine Armee von neuen Vampiren. Weniger als zwanzig, schätzt er. Aber warum? Warum nur? Ja, warum?

Auch Bella – siehe oben – meint, irgendwas zu verpassen.

Edward hat eine Idee: vielleicht sind ja die Cullens das Ziel? Nur warum? Wer würde so etwas tun? Wieso nur? Sind es die Volturi? Oder nicht? Und warum kann Alice nichts sehen? Ich wage es kaum, aber hier die Erklärung für letzteres:

»Es ist, als ob jemand sich ständig umentscheidet, von einer Aktion zur nächsten springt und zwar so schnell, dass ich keine gute Sicht bekomme…«
»Unentschlossenheit?«, fragte Jasper ungläubig. »Ich weiß nicht…«
»Nicht Unentschlossenheit«, knurrte Edward. »Wissen. Jemand, der weiß, dass du nichts sehen kannst, bevor die Entscheidung getroffen wurde. Jemand, der sich vor uns versteckt.« (…)
»Wer würde das wissen?«, flüsterte Alice.

Ja, wer nur? Wer? Übrigens: die obige Erklärung ist bescheuert. Passt, weil Alices Kräfte ja auch bescheuert sind.

Dann aber muss alles schnell gehen: die Cullens brauchen Unterstützung. Und darum muss Carlisle sofort und ohne Pause in Alaska bei den anderen Vegetarier-Vampiren anrufen. Es gibt keine Zeit zu verlieren… nachdem Jasper zehn Seiten lang seine Geschichte erzählte.

Und jetzt der Hammer: die Alaska-Vampire kommen nicht. Weil die Werwölfe Laurent getötet haben. Den Mörder. Der, wie Bella sich erinnert, mit Victoria zusammenarbeitete. Nur kann sie jetzt nicht daran denken, wo plötzlich ein unbekannter Gegner aufgetaucht ist.

Jedenfalls helfen die Alaska-Vampire nicht, weil sich eine der dortigen Vampirinnen (“Irina”) in Laurent verliebt hatte – wie Frauen nun mal so sind. Und wie sie nun mal so sind, wollen sie dann Rache für den Tod des Mannes, und weil Carlisle nicht die Werwölfe bekämpfen will, helfen die nicht. Typisch Frau eben. So, wie Maria Jasper zum Vampir machte, weil sie sich für den Tod ihres Gefährten rächen wollte – man tötet eben immer die gefährlichen Männer, und die Frauen sind nicht so wichtig. So, wie auch in der Legende der Wölfe die Vampirin sich rächen wollte. So, wie Victoria sich rächen will, auch wenn die jetzt hier gerade nichts mit zu tun hat…

Okay. Durchatmen.

Erstens: ihr habt ein verdammtes Wolfsrudel zum direkten Nachbarn. Die, wo nichts lieber tun als wie Vampire zu jagen und zu töten. Die perfekte Hilfe. Dafür, dass die Cullens im Schnitt je hundert Jahre als sind, kriegen die aber ziemlich wenig gebacken.

Zweitens: ruft die Volturi zu Hilfe. In einer winzigen Woche – nicht einmal, denn es ist ja schon ein neuer Tag – ist die Schule vorbei, und Bella soll zum Vampir werden.Ruft jetzt die Volturi, und wenn die zwei Tage vorher kommen und Bella sehen wollen: wo ist das verdammte Problem? Dann wird sie halt zwei Tage früher gebissen. Und vielleicht kommen die auch nicht vorbei oder brauchen lange genug, damit das kein Problem mehr ist. Die Volturi sind schließlich dazu da, so was zu beseitigen.

Oh, und drittens: die mysteriöse Person, die neue Vampire schafft, ist die verdammte Victoria, ihr Dackerbacken! Wie kann man nicht darauf kommen?

Argh!

(realize: 6x; gesamt: 63 – das Problem bei diesem Wort ist, dass es auch “normal” benutzt werden kann. Insofern werde ich wohl ab dem nächsten Kapitel stattdessen die Momente aufzählen, in denen plötzliche Dinge erkannt oder vergessen werden)

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Comments 5

  1. avatar Lia wrote:

    Hach ja, Jasper und seine Geschichte. Wieder eine verlorene Chance auf eine echt gute Geschichte. Aber wie Steph auf ihrer HP ja anmerkt, denkt sie sich eigentlich nie eine Geschichte zu ihren Figuren aus, weil sie das einengen würde. Es würden ja alle anderen Möglichkeiten dieser Figur verloren gehen, wenn sie sich für eine entscheidet. Ja stimmt, Steph, wie im richtigen Leben. Deshalb wirken deine Figuren alle so unecht.

    Natürlich könnten sie einfach die Volturi rufen. Denn immerhin besteht ja ein echtes Problem, noch dazu im braven Norden. Mal ganz abgesehen davon, dass die Volturi ja wohl längst Bescheid wissen müssten. Oder? Wozu haben die all diese supertollen Vampire mit ihren unglaublichen Fähigkeiten? Bestimmt sieht Marcus schon jede Beziehung unter den neugeborenen Vampiren von Ferne. Im übrigen solltest du auch das Bree Tanner Buch lesen. *ggg*

    Würden die Cullens die Volturi informieren, hätten sie außerdem auch noch jede Zeit der Welt. Gar kein Problem. Aus irgendeinem Grund brauchen die Volturi immer ewig, bis sie an einem Schauplatz erscheinen. Vermutlich weil sie Tretroller benutzen.

    Steph’s Sicht der Welt kommt hier ganz stark zum Vorschein. Sowohl ihr Frauenbild wie auch ihr Rassismus. Schlimm finde ich auch, dass Jaspers Narben mehr Entsetzen hervorrufen als die Tatsache, dass seine Fähigkeit zur Gefühlsmanipulation ausgenutzt wurde und er fast daran zerbrochen wäre.

    Posted 01 Feb 2011 at 19:50
  2. avatar Emilie wrote:

    Also, ich kann die Reaktion dieser Irina schon irgendwie nachvollziehen. Den Cullens ist es Wurscht, dass die Werwölfe ihren Lover gekillt haben, warum sollte sie sich jetzt darum kümmern, wenn irgendeine Vampir-Armee die Cullens im Visier hat?

    Ich glaube außerdem, dass Victoria deshalb Bella umbringen will, weil James Bella leckerer fand als Vicky. Die Cullens sind nur zu blöd, das zu erkennen.

    Eigentlich ist doch das schlimme an Irina und Victoria nicht ihr Rachedurst, sondern ihr Unfähigkeit, das dann in die Tat umzusetzen.

    Posted 01 Feb 2011 at 19:55
  3. avatar Emilie wrote:

    Zu der Erklärung, warum Alice nichts mit ihren komischen Fähigkeiten sehen kann (wenn wir annehmen, dass sie nur Sachen sehen kann, für die sich jemand entschieden hat): Ich entscheide mich, mich ständig umzuentscheiden? Kann man sowas überhaupt?

    Posted 01 Feb 2011 at 20:00
  4. avatar Patrick wrote:

    Ein wenig hast du vielleicht Recht mit Irina, aber gleichzeitig war Laurent ein Mörder…

    und nein, auf die logischen Probleme bin ich absichtlich nicht eingegangen. “Ich entscheide mich, Alice zu täuschen, indem ich mich nicht entscheide” … hmmm?

    Posted 01 Feb 2011 at 22:11
  5. avatar Lia wrote:

    Das wäre dann aber auch eine Entscheidung und die müsste Alice sehen können. Noch dazu, da sie ja vor kurzer Zeit auch noch festgestellt hat, dass sie Victoria laufend im Visier hat. Steph hat nur vergessen, dass sie das geschrieben hatte. *ggg*

    Posted 01 Feb 2011 at 22:23

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