»Die Mörder sind hier (…) Sie haben Waffen und Benzin. Weck Brook und Celia – leise! – und pass auf sie auf. Gib auf sie acht. Beobachte die Seitentür. Wenn ich den Weg frei gemacht habe, bring sie raus. Sorge dich nicht um mich. Versuche nicht, mir zu helfen. Geh. Jetzt.«
Und damit gehts los. Shori packt ihre Sonnenbrille und schleicht aus dem Haus, Wright holt die Frauen. Die Angreifer sind anscheinend alle männlich und menschlich und haben automatische Waffen dabei. Sie kippen Benzin über das ganze Haus. Shori schleicht sich nach hinten und wartet auf einen.
Er war wie der Hirsch, den ich getötet hatte – nur Beute. Er war mein erster Hirsch an diesem Tag. Bevor er merkte, dass ich da war, war ich schon auf seinem Rücken, eine Hand über seiner Nase und seinem Mund, meine Beine um ihn geschlungen, ihn reitend, mein anderer Arm um seinen Kopf unter seinem Kinn. Ich brach ihm das Genick und, einen Moment später, all er zusammenbrach, riss ich ihm die Kehle heraus. Ich wollte keinen Laut von ihm hören.
Bad. Ass. Tja, ihr Killer, diesmal ist einer der Vampire tagsüber wach, und ihr seid am Arsch. Als ein zweiter Mann um die Ecke kommt, tötet Shori den genauso schnell wie den ersten und ist sogar froh, ihre Stärke und Geschwindigkeit mal ohne Rücksicht einsetzen zu können und nebenbei ein paar der Leute töten zu können, die ihre Familie angegriffen hatten.
Sie gibt sowohl Wright als auch Celia eine der Maschinenpistolen der Angreifer, dann schnappt sie sich einen dritten »Hirsch«. Brook bekommt dessen Waffe. Inzwischen brennt das Haus, und dann entbrennt auch ein Feuergefecht, weil Shori und die Symbiont_innen entdeckt werden. Allerdings hört man bald Sirenen, und die Angreifer ziehen sich zurück.
Ich öffnete die andere Garagentür und wartete, bis alle in den Autos waren. Dann stieg ich ein und wir flohen.
Wir flohen langsam.
Natürlich, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, aber diese trockene Beschreibung fand ich lustig, und ich habe sogar den Eindruck, dass sie gewollt lustig war, nach den vorherigen Seiten Action.
Nun steht Shoris Haushalt natürlich vor einem Problem. Wohin? Zu Wright will sie nicht, um Wrights Eltern nicht zu gefährden. Erst einmal aus dem Auto leben und herausfinden, ob Celia und Brook nicht doch noch etwas wissen, eine andere Möglichkeit kennen, wo man unterkommen könnte.
»Ich meine, wie die Dinge stehen, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll, nach anderen meiner Art zu suchen. Ich weiß nicht einmal, ob ich suchen sollte. Ich will nicht, dass jemand getötet wird, aber ich muss irgendwas tun. Ich muss herausfinden, wer diese Mörder sind und warum sie uns töten wollen. Und ich muss einen Weg finden, sie zu stoppen.«
Damit man als Leser auch weiter Bescheid weiß, worum es geht. Was der Plot ist. Schließlich gibt es einen.
Wright hat mittlerweile nicht nur damit zu kämpfen, dass er auf Menschen geschossen hat, sondern auch, dass er womöglich am Montag nicht zur Arbeit kann und seinen Job verliert. Eben ganz normale Sorgen, die jemand in so einer Situation haben könnte, wenn er nicht nur ein Roboter ist. Ebenso verliert Celia kurz die Fassung, weil sie sich daran erinnert, dass sie fast alles Geld ausgegeben hat und Stefan dazu bestimmt etwas zu sagen gehabt hätte – aber niemals mehr ihre Finanzplanung zur Sprache bringen wird.
Dafür punktet Shori anscheinend bei den Frauen mit ihrer Rücksicht und ihrem Unwillen, Wrights Verwandte in Gefahr zu bringen. Und bei mir punktet sie, als Brook herumdruckst, als es um Geld geht, und Shori erraten muss, dass sie der Gruppe Geld »stehlen« könnte, indem sie Menschen beißt und dann um Geld bittet – sie werden es ihr gerne geben.
Shori ist bereit dazu, wenn es sein muss, auch wenn es ihr nicht gefällt. Und dann:
»Fragt mich, wenn ihr etwas wissen wollt. Sagt mir, was ihr glaubt, das ich wissen sollte. Beschwert euch, wenn ihr euch beschweren wollt. Aber redet nicht mit anderen, wenn eure Worte an mich gerichtet sind, und sagt die Wahrheit.«
(…)
»Shori, warum bist du vor ein paar Minuten sauer auf Brook geworden?«
»Ich glaube, sie hat meinen Stolz verletzt. Sie macht sich Sorgen, dass ich mich nicht um euch drei kümmern kann. Ich sorge mich, dass ich nicht immer wissen werde, wie ich mich um euch kümmern sollte. Ich hasse meine Ignoranz. Ich muss von euch lernen, weil ich keinen Ina fragen kann.«
(…)
»Also willst du, dass wir ehrlich und direkt mit dir umgehen, selbst wenn dir nicht immer gefällt, was wir sagen?«
»Ja.«
Das sind Anzeichen von guten Führungspersönlichkeiten. Wer tatsächlich ehrliche Meinungen hören will, auch und vor allem, wenn die Meinungen unliebsam ist, kann sich mein Vertrauen verdienen. Shori steigt hier enorm in meiner Einschätzung. Und auch Celia hat anscheinend nun ein anderes Bild von Shori:
»Stört dich, dass ich so klein bin?«
Sie grinste. »Zuerst ja. Jetzt mag ich es irgendwie. Nachdem ich dich heute in Aktion gesehen habe, denke ich, dass du verdammt furchterregend wärest, wenn du größer wärst. (…) Was ist mit dir? Bist du zufrieden mit mir?«
Celia hat also sogar Unsicherheiten, ob Shori sie wirklich will. Verständlich, sind Brook und Celia ihr doch auch ein wenig aufgezwungen wurden. Aber auch Shori empfindet das wohl nicht so: »Ihr gehört mir«, sagt sie.
Randbemerkungen: Beim Einkaufen soll Celia so tun, als sei sie Shoris Mutter, aber sie erhebt Einspruch: »Du bist meine Schwester, okay? Ich weigere mich zu glauben, dass ich alt genug aussehe, um deine Mutter zu sein.«
Shori über die Idee, dass Vampire Menschen zu ihresgleichen machen: »Das wäre seltsam. Wenn ein Hund einen Mann beißt, erwartet niemand, dass der Mann ein Hund wird. Er kriegt vielleicht eine Entzündung und stirbt, aber das ist das Schlimmste.«
Hehe.

Comments 3
Eine Frage stellt sich mir jetzt allerdings: woher wussten die Killer, wo die vier zu finden waren? Der Angriff, bei dem Shori verletzt wurde, war der erste. Das ist klar. Dafür braucht es kein Timing, das war ein Überraschungsschlag. Der zweite bei ihrem Vater könnte auch noch unabhängig von ihr geschehen sein. Die Killer warten eine Zeit bis niemand mehr richtig aufpasst und metzeln dann den Rest der Familie nieder. Auch noch gut. Aber das Haus, in dem Shori und ihre Symbionten Zuflucht finden, ist nur ein sporadisch genutztes Gästehaus. Hätte es unter Beobachtung gestanden, hätte Shori das riechen müssen. Es wird beschrieben, dass das Haus auch nicht einsehbar ist von anderen Häusern. Erst der Rauch weckt die Aufmerksamkeit der Nachbarn, weswegen dann die Feuerwehr kommt. Shoris feiner Geruchssinn hätten einen Spion bemerken müssen. Die Killer waren noch dazu alles Menschen. Keine Ina, die von weiter weg Aktivitäten im Haus mitkriegen hätten können. Woher wussten diese Killer also, wann sie zuschlagen müssen?
Im übrigen finde ich das Kapitel fantastisch. Shori verteidigt die ihren buchstäblich mit Zähnen und Klauen. Wer bis dahin davon ausging, dass sie ein Kind ist, müsste spätestens jetzt vom Gegenteil überzeugt sein. Auch als Vampir ist sie nach ihren Erfahrungen keines mehr. Dazu hat sie zuviel erlebt.
Auch klar wird: Ina haben ihren Stolz, können aber darüber hinweg sehen und alles Notwendige tun. Konflikte werden hier nicht nur angerissen, sondern auch ausgearbeitet. Und es gibt ja nicht wenige in diesem Buch.
Das mit dem Hundebiss fand ich auch klasse. *ggg* Eine trockene und logische Erklärung, auch wenn der Hinweis auf die Werwölfe nicht fehlen darf.
Posted 05 Jan 2011 at 20:26 ¶Ich nehme an, die Mörder sind einfach dabei, die Familie auszurotten? Und darum zu dem Haus gefahren? Ansonsten ja, woher wissen die das? So paranoid mit Handyortung und so… ich weiß nicht. Vielleicht ist ihnen jemand von der anderen Siedlung gefolgt?
Ja, das ist eindeutig kein Kind. Kommt ja auch beim Einkaufen vor, dass sie kein Wort sagt, weil sie gar nicht weiß, wie sich ein Kind verhalten würde.
Besonders gefällt mir wirklich die Figurenzeichnung: die halten zusammen und sind doch unterschiedlich, haben verschiedene Ansichten, ihren Stolz, es gibt Konflikte – aber die sind nicht gleich ein Weltuntergang – eben genau das Gegenteil von New Moon.
Posted 05 Jan 2011 at 20:35 ¶Handy hat sie kein eigenes, über das man sie orten könnte. Eine Erklärung wäre höchstens noch, dass man auch alle Symbionten töten wollte und daher im Gästehaus mal sicherheitshalber auch nachschauen wollte. Aber so ganz gehts mir noch nicht ein.
Was ist der Hintergrund für die Morde? Dass Shori ein Experiment ist, mit dem irgendjemand nicht einverstanden war? Allerdings waren diese Killer Menschen. Ina, die sich Söldner leisten für die Drecksarbeit? Oder Menschen (sozusagen eine Van-Helsing-Einsatzgruppe), die hinter das Geheimnis dieser Gemeinschaften gekommen sind und die Vampire fürchten?
Eigentlich wärs einfacher gewesen, hätte Shori wenigstens einen der Angreifer gebissen. Dann hätte sie gleich rausfinden können, wer und was hinter diesen Angriffen wirklich steckt. Aber das wäre wohl auch zu einfach gewesen. *ggg* Und wir wissen ja, dass Butler es ihren Lesern ungern einfach macht.
Momentan entwickelt sich die Geschichte recht roadmoviemäßig.
Posted 05 Jan 2011 at 21:13 ¶Post a Comment