Das erste Kapitel von Eclipse (Biss zum Abendrot) ist in meinem ebook-Lesegerät vierzig verdammte Seiten lang und verdirbt mir schon fast wieder den Spaß. Es beginnt damit, dass das Kapitel »Ultimatum« heißt, aber auf den ganzen vierzig Seiten kein Ultimatum zu finden ist. Und es geht damit weiter, dass Bella anscheinend Charlie benutzt, um einen Brief zu Billy Black zu bringen, den Billy wiederum Jacob gibt. Jacobs Antwort lesen wir – sie besteht aus einem Batzen begonnener Sätze. Die Blacks haben anscheinend nur ein Blatt Papier pro Tag zur Verfügung, ansonsten würde Jacob ja die neuen Anfänge auf neue Zettel schreiben. Wenn Bella den Brief umdreht, ist da bestimmt auch noch eine alte Einkaufsliste drauf.

Biss zum Abendrot: Eclipse
Bella,
ich weiß nicht, warum du Charlie Zettel bringen lässt, als wären wir in der zweiten Klasse – wenn ich mit dir reden wollte, würde ich dir auf
Eier, zwei Liter Milch, Klopapier, Beißknochen
Danach rast Bella in die Küche, weil das Essen anbrennt. Charlie, der siebzehn Jahre lang alleine gelebt hat, kann nicht kochen. Was kocht er? Nudeln, und dazu macht er Sauce in der Mikrowelle warm. Das sind so etwa die einfachsten Sachen, die es zu kochen gibt, und ich weigere mich zu glauben, dass Charlie das nicht kann. Das dient nur dem Naserümpfen darüber, was Männer eben nicht können, ha ha. Kochen und putzen und all die anderen wichtigen Frauenarbeiten.
Und dann muss ich Lia Recht geben. Am Ende des letzten Buches hatte ich noch Verständnis für Charlie gezeigt, dass er Bella und Edward trennen wollte. Aber Bella ist volljährig, sie ist achtzehn. Und nicht nur, dass sie Hausarrest hat – Edward hat auch feste Besuchszeiten von sieben bis halb zehn. Das ist albern. Ebenso albern, dass Charlie diesen Hausarrest nun aufhebt, unter der Bedingung, Bella solle auch noch mal andere Freunde als Edward treffen – und vor allem bitte Jacob, dem es nicht besonders gut gehe. Wobei Charlie das aber wieder eigentlich nur als Anregung meint und nicht als Bedingung und schon frage ich mich, wozu ich das alles lese? Nur, damit Bella behaupten kann, sie hätte damit zu kämpfen, dass sie ihre Schulfreunde so selten sähe, und sie das nur tut, weil sie ja bald sterben wird und sie dadurch vor der Trauer schützen will? Bullshit. Bella denkt kaum an die Schulfreunde.
Außerdem wirkt es so, als wolle Charlie Bella mit Jacob verkuppeln, was… nee. Sorry, Charlie, aber nein, so nicht. Das ist eklig.
Dann kommt Edward endlich, und Bella »vergisst zu atmen«. Ehrlich, dieses Mädchen ist schwer benachteiligt. Sie bemerkt weder ihre Umgebung, noch, wenn sie selbst schreit oder weint, und sie vergisst ständig, zu atmen. Kann man dagegen nicht was tun?
Vor allem erschwert das meine Wut auf Charlie und Edward. Da Bella eben eindeutig kaum lebensfähig ist, kann ich fast nachvollziehen, wie sehr die beiden über ihr Leben bestimmen. Aber wenn ich Bella als schlecht geschriebene, aber als Durchschnittsmädchen intendierte Figur akzeptiere, ist das sehr, sehr ärgerlich.
Erst will Charlie nicht, dass Bella nach Seattle fährt, weil da gerade ein paar ungeklärte Morde in schneller Folge passierten. Und Edward stimmt sofort zu: er werde Bella sicher nicht nach Seattle lassen, aber vielleicht nach Portland. Weil die Männer nämlich über jeden Schritt der Frauen bestimmen, und Charlies Autorität nicht von Bella, sondern Edward übernommen wird – Edward ersetzt Charlie.
Ebenso finde ich es zwar schade, dass Bella auf keinen Fall auf eine Elite-Universität will, auch wenn die Cullens ihr das bezahlen würden – und ich finde es seltsam, dass Bella sich anscheinend bei vielen Unis erst nach der Bewerbungsfrist beworben hat: warum macht man das? Dafür gibt es doch Fristen –, aber dass Edward im Gegenzug Bellas Handschrift fälscht und sich in ihrem Namen bewirbt, ist nicht okay. Ganz und gar nicht.
Dann will Bella Jacob besuchen, weil es ihm ja angeblich schlecht geht. Und Edward verbietet das. Schließlich darf er wegen des Friedensvertrags nicht ins Reservat, und Bella alleine unter Werwölfen sei viel zu gefährlich.
Der Hammer? Bella stimmt dem mehr oder weniger zu. Sie erinnert sich, dass Paul sie einmal fast angegriffen hätte (aber von den anderen Werwölfen gerettet wurde), und sie erinnert sich an Emily und ihr zerschundenes Gesicht und ja, Edward hat schon Recht. Aber sie will trotzdem gehen, weil er es eben nicht versteht. Nicht, dass sie einfach gehen will – nein, sie will es Eddy sanft erklären, weil sie ohne seine Erlaubnis ja Jacob nicht sehen wird.
»Werwölfe sind unsicher. Manchmal werden die Menschen in ihrer Nähe verletzt.«
Oh, du meinst, wenn zum Beispiel jemand sich an einem Stück Papier verletzt und dann sofort angefallen wird?
Edward macht Bella sogar für das Auftauchen der Werwölfe verantwortlich und lässt sich auch nicht umstimmen.
»Ich werde nichts Gefährliches erlauben.(…)
Hast du überhaupt eine Ahnung, wie wichtig du für mich bist? Eine Idee, wie sehr ich dich liebe?«
(…)
»Ich weiß, wie sehr ich dich liebe.«
»Du vergleichst einen kleinen Baum mit einem ganzen Wald.«
Wow. Was für ein Arschloch. Nein, Bella, ich verbiete dir, dich aus meinen Augen zu bewegen und Dinge zu tun, die ich nicht will – und zwar, weil ich dich so sehr liebe. Du kannst das nicht verstehen, weil du mich nicht so sehr liebst wie ich dich.
»Ich mache da nicht mit. Ich muss Jacob besuchen.«
»Dann werde ich dich aufhalten müssen.«
Toll. Bellas angeblich bester Freund ist schlecht drauf – Charlie sagt sogar »depressiv« –, und Edward lässt sie nicht zu ihm. Was für ein Traummann.
Und dabei habe ich noch nicht einmal erwähnt, dass Bella das Wort »Freund« (boyfriend) für Edward nicht passend findet, dass sie etwas sucht, das nach ewiger Bindung klingt – aber gleichzeitig nicht »Verlobter« sagen will, weil sie gegen eine Heirat ist. Ewiges Zusammensein in monogamer Zweisamkeit – ja! Ehe – nein!
Oder dass Charlie Bella täglich genervt hat, sie solle sich endlich für ein College entscheiden, sie aber eine Seite vorher ihre erste angenommene Bewerbung bekommen hat. Wie soll sie sich denn entscheiden mit einer Auswahlmenge von NULL?
Ach so, noch mal schön der Vergleich der Werwölfe – die ihr Revier beschützen und Vampire jagen – mit den Cullens wegen der Mordserie in Seattle:
»Wir haben die Situation seit ein paar Wochen beobachtet. Alle Zeichen sind da (…) Ja, jemand Neues. Und niemand scheint die Verantwortung für den Neugeborenen zu übernehmen…« Er nahm einen tiefen Atemzug. »Na ja, es ist nicht unser Problem.«
Genau. Fünf Tote bereits (mindestens) von einem neugeborenen Vampir in einer Situation, welche die Cullens genau beobachten – aber nicht deren Problem. Lass den Vampir doch Menschen fressen, solange die nicht Bella bedrohen oder vielleicht Charlie… egal. Das ist unser Held.
Zitat des Kapitels:
Selbst mit Alice auf der Hut – Edward verließ sich auf ihre geradezu unheimlich genauen Visionen der Zukunft, um uns vorzuwarnen…
Der Plot des letzten Buches, so dünn er auch war, beruhte auf der verdammten Annahme, dass Alices Visionen nicht »unheimlich genau« sind.
Oh Gott, das ist so scheiße. Hoffentlich kommt Jacob bald.

Comments 1
Keine Bange, Jacob kommt bald! *ggg*
Ich weiß ja nicht, wie das in christlichen amerikanischen Familien gehalten wird. Kann ja sein, dass da die erwachsenen Kinder immer noch wie zehnjährige behandelt werden.
Ganz sicher ist aber nicht üblich, dass mit den Bewerbungen fürs College etc. so lax umgegangen wird. Ist das nicht eines der allerwichtigsten Dinge, wann man sich wo bewirbt? Hätte nicht Bellas Beratungslehrer längst Alarm schlagen müssen, weil sie da so gar nicht aktiv wird? Noch dazu bei ihren an sich gleich bleibend guten Noten? Es wird ja immer der Anschein erweckt, als wäre sie eine außerordentlich gute Schülerin, die selbst in schweren Krisenzeiten gute Ergebnisse abliefert. So mancher andere Vater hätte da lange vorher gedrängt und wäre mit ihr zu verschiedenen Schulen gefahren. Aber gut, das ist Charly. Nach zwei Büchern erwartet man von ihm eigentlich nichts mehr. Dabei hätte das so eine tolle, interessante Vater-Tochter-Geschichte werden können.
Edward hat Charly schon vor langer Zeit ersetzt. Als Bella das allererste Mal Edward gefragt hat, ob sie etwas tun darf. Du erinnerst dich, als sie zu dieser Party bei den Blacks will? Edward ist ein Kontrollfreak und Bella scheint gerade das sehr an ihm zu lieben. Aber warts ab, Edward wird noch schlimmer als bisher.
Allerdings würde ich mein Kind vielleicht auch nur ungern alleine in eine Stadt fahren lassen, in der grad ein Massenmörder sein Unwesen treibt. Mit Edward Wissen im Hinterkopf noch weniger, weil ja offensichtlich Neugeborene am Werk sind.
Und so kommen wir zum ersten Unlogik-Dilemma. Die Neugeborenen muss jemand gemacht haben. Die entstehen ja nicht von selbst. Jasper ist angeblich Experte, weil er ja selbst lange Zeit in Vampirbandenkämpfe verwickelt war. Aber man braucht natürlich Alice’s unglaublich sichere Vorhersage, damit man weiß, was passiert. Der Leser kann es sich an zwei Fingern ausrechnen: erster Finger Viktoria, zweiter Finger Neugeborene.
Wieder einmal scheinen die Cullens, Bella und alle anderen Involvierten zu den dämlichsten Wesen dieser Welt zu gehören. Und dass es die Cullens nichts angeht…. naja, sind ja nur Neugeborene Vampire, die Menschen abschlachten. Was bei den Volturi ok ist, muss auch da in Ordnung sein. Gleiches Recht für alle.
Bellas Gezicke wegen der Hochzeit ist so unglaublich und wirkt so aufgesetzt, dass man sich fragt, was Steph damit wirklich wollte. Soll das ein schlechtes Licht (ein noch schlechteres) auf Bellas Charakter werfen, damit die späteren Strafen des Himmels gerechtfertigter sind? Wollte sie zeigen, dass man nicht sofort nach der Schule heiratet, sondern erst mal auf Mission geht? Sollte das einen ernsthaften schlimmen Konflikt in dieser grandiosen Liebesgeschichte ergeben? Glaubt doch eh keiner. Auch wenn Bella gleich zugestimmt hätte, wäre es kein Problem gewesen, die Hochzeit dann erst im vierten Band stattfinden zu lassen. Total idiotisch!
Posted 09 Jan 2011 at 17:41 ¶Post a Comment