Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Vorweg: ja, ich habe die Comics (an)gelesen. Nein, ich fand die Comics nicht so überragend, wie man oft hört. Und das ist eigentlich auch alles egal, weil ich hier über den Film schreibe.

Michael Cera gefällt sich in der Rolle von Ellen Wongs festem Freund, weil Wongs Schulmädchen ihn anhimmelt. Ansonsten spielt er in einer Band mit halben Ambitionen und lebt in einem Apartment mit dem schwulen Kieran Culkey, wobei allerdings die gesamte Einrichtung dem Mitbewohner gehört. Da verliebt er sich in Mary Elizabeth Winstead, aber um mit ihr zusammen sein zu können, muss er ihre sieben bösen Ex-Partner besiegen.

Scott Pilgrim (2010)

Die Darsteller dieser Story sind durchaus willens und lassen sich nicht lumpen, wobei besonders Culkin jede Szene mit ihm im Bild dominiert. Noch bemerkenswerter aber ist die Inszenierung wegen der Bilddynamik, mit der Wright Michael Bay vormacht, wie man schnelle Schnitte, durchs Bild fliegende Animationen und hämmernden Soundtrack trotzdem zu kohärenten Szenen verweben kann. Scott Pilgrim ist ein Augen- und Ohrenfest, doppelt wenn man auch nur die Hälfte der Anspielungen auf Popkultur der 80er versteht.

Leider, leider bedeutet das aber nichts. Will heißen, es bleibt bedeutungslos. Scott Pilgrim ist Zuckerwatte, die im Wind weht. Eigentlich sollte die Story dafür sorgen, dass wir mit Cera und Winstead hoffen, dass sie zusammen kommen. Dass wir uns wünschen, dass die beiden auch reifer werden, erwachsener, einander verdienen. Dass wir mitfiebern. Oder alternativ, dass die Exfreunde (und die Exfreundin) uns etwas darüber erzählen, wie man die Vergangenheit seiner Lebensgefährten akzeptiert und damit zurecht kommt.

All das passiert aber nicht. Cera ist ein oberflächlicher Typ, der am Ende Selbstvertrauen lernen muss, das aber irgendwie aus dem Nichts kommt. Winstead ist nicht mehr als ein zu gewinnender Preis, deren distanzierte Haltung niemals verrät, was sie denn nun will – man hat eher den Eindruck, dass sie eben mit dem Typen mitgeht, der gerade eben den Kampf gewonnen hat. Die Exfreunde sind Karikaturen anstatt Symbole für typische Vergangenheiten.

Entsprechend ist der Film wie ein Feuerwerk: man staunt und ohht und ahht über das bunte und laute und wilde Treiben, aber irgendwann ist es dann auch gut, und zurück bleibt nichts, weil letzten Endes da nur Farben über den dunklen Hintergrund flimmerten. Niemals wird klar, warum Cera überhaupt von Winstead angezogen wird, geschweige denn umgekehrt oder gar, ob die beiden überhaupt etwas gemeinsam haben. Winstead hat nur tolle Haare, und Cera kann dumm gucken, das reicht anscheinend.

Ich bin sehr, sehr enttäuscht von Scott Pilgrim, nicht weil er so schlecht ist, sondern weil dieser Film mit grandioser Ausstattung und fehlendem Inhalt so ein perfektes Bild von Mittelmaß und dem Klischee des gerade den Teenager-Jahren entwachsenen Hipsters abgibt, dass es schmerzt. Hier haben wir eine Welt, in der Sarkasmus die wichtigste, vielleicht einzig liebenswerte Eigenschaft ist, die jemand besitzen kann, und entsprechend ist auch der Film. Man kann sich nicht mal über die vielen Stereotype aufregen, das wäre schon zu viel Einsatz, zu viel Emotion. Distanz wahren.

Meh.

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