Im Zuge einer Bewerbung musste/durfte ich einen Persönlichkeitstest des Instituts für Persönlichkeitsmanagement durchführen. Der Test bestand darin, mir zu einzelnen Fragen fünf Aktivitäten zu geben, die ich dann meiner Präferenz nach sortieren sollte. Von diesen Fragen gab es 10 mit jeweils 3 Sets von Antworten, also 30 Items. Dass dabei die Reihenfolge in vielen Fällen willkürliche Momententscheidungen sind, erhöht mein Vertrauen in das Ergebnis ebensowenig wie das Fehlen von Literatur über die Validität der Ergebnisse dieses Tests. Meine Auswertung klingt zudem rundum positiv, sodass hier durchaus der Barnum-Effekt zum Tragen kommen kann.

Beispielfrage
Was mich ein wenig beruhigt, dass hier nur “Bedürfnisse” erkannt werden sollen und nicht die Eignung für eine Position geprüft oder Rückschlüsse auf Kompetenz gemacht werden. Das ist immerhin eine Begrenzung der Wirkmächtigkeit dieses Tests. Die Ergebnisse werden dadurch nicht verlässlicher.
Aber weil Tests ja Spaß machen, hier mal mein Ergebnis: Ich bin Der Controller. Durchschnittlich ausgeprägt (Durchschnittswert 100, +/- 20) sind bei mir angeblich die Bedürfnisse Durchsetzung (95), Zugehörigkeit (80), Einfühlung (115) und Individualität (120), hingegen überdurchschnittlich sind die Bedürfnisse Sicherheit (145) und Erkenntnis (145).
Eigenschaften
Der Controller will die Welt in ihren Strukturen und Wandlungen verstehen. Gleichzeitig strebt er nach Sicherheit und Kontinuität. Man kann sich solche Persönlichkeiten als Lotsen vorstellen, die eine exakte Kenntnis des Fahrwassers brauchen und hochkonzentriert dafür sorgen, dass vom Meer kommend die Liegeposition im Hafen ohne Gefahr oder Schaden erreicht wird. Er wirkt auf eine angenehme, ruhige Art für die Sicherheit von Menschen, Ressourcen und Beziehungen. Der Controller besitzt Beharrungsvermögen. Wachsam beobachtet er jene Zusammenhänge, aus denen Gefahren erwachsen könnten. Er lässt sich, um Gefahren für sich und seine Umgebung zu vermeiden, von gegebenen Vereinbarungen und Regeln leiten. Die Sicherheit der Lebens- und Arbeitsbedingungen ist die Voraussetzung, sich für die in der Situation gegebenen Ziele engagieren zu können.Ziele
Die Zielszenarien des Controllers bilden sich aus den Tendenzen einer nachhaltigen Sicherung der eigenen Lebensumstände, und aus dem Bedürfnis, als kühler Beobachter und Entdecker sich für das Erkennen und Umgehen von Risiken einzusetzen. Aus dem Verständnis von Gegebenheiten, Umweltbedingungen, sowie der menschlichen Möglichkeiten und Grenzen, entwickelt der Controller Konzepte für die Sicherung der Lebensbedingungen, sei es im engeren familiären und beruflichen Umfeld, oder im größeren politischen Rahmen. Für die Definition seiner Ziele braucht der Controller den freien Zugang zu allen relevanten Informationen und die nötige Zeit dafür, den Dingen sorgfältig auf den Grund zu gehen.Verhalten
Bei Störungen aller Art braucht der Controller emotionale Distanz als gewissen Sicherheitsabstand, um sich konzentriert mit der Wirklichkeit auseinandersetzen zu können, bis er zu eben dieser genauen Kenntnis gelangt ist. Solange sie die Umstände nicht zuverlässig erforscht haben, wirken sie in chaotischen oder diffusen Situationen verunsichert. Dann neigen einige Controller zu einer übertriebenen Ordnungsliebe, andere ziehen sich zurück und suchen nach neuen umfassenden Informationen, manche finden Sicherheit in einem antrainierten, gelegentlich starr wirkenden Rollenverhalten.
Ob das Profil stimmt oder nicht, in solchen Situationen ziehe ich mich definitiv zurück und eruiere erst einmal (also “Typ 2″), was für Partnerinnen sehr nervig und anstrengend sein kann. Und in Diskussionen kann es auch vorkommen, dass ich meine Meinung beibehalte, bis ich Zeit hatte, die Gegenargumente zu verdauen.
Die Frage ist natürlich, ob das nicht mehr oder minder auf alle zutrifft. Auch wenn ich sicher eher intro- als extrovertiert bin.
Der typische Controller sorgt selbst dafür, dass er über ein Mindestmaß an Kenntnis und Stabilität über Struktur und Wandel der Umgebung verfügen kann. Dieses abgesicherte Wissen macht ihn flexibel, freundlich, aber auch gewissenhaft und sehr loyal. Konflikte sind dann zu erwarten, wenn die Wahrheitsliebe des Controllers von seinen Partnern oder Kollegen als störendes Misstrauen wahrgenommen wird. Dann ist es gut zu wissen, dass die Suche nach Erkenntnis seiner Persönlichkeit entspricht, und nicht im Verhalten seiner Umgebung begründet liegt. Im Laufe der Zeit wird der Controller erkennen, dass er mehr erreicht, wenn er im Stillen recherchiert und denkt. Partner sollten ihm dafür Zeit und Möglichkeiten einräumen, denn all das trägt zur Stabilität des Miteinanders bei.
Entscheidungen
Der Controller könnte der Erfinder des Regelkreises sein. Von der Definition der Ziele bis zur Kontrolle der Zielerreichung geht er konzentriert Phase für Phase durch. Er orientiert sich vorrangig am sachlichen und sozialen Kontext, sowie an den Regeln, nach denen die vereinbarten Ziele erreicht werden sollen. In seinen von detaillierten Untersuchungen und Fakten untermauerten Entscheidungen dominieren strukturierte Sicherheitsüberlegungen. Systemische Veränderungen, die nicht von ihm selbst initiiert wurden, akzeptiert der Controller, wenn er Gelegenheit findet, sie hinreichend zu prüfen und abzusichern. Er sorgt für klare und unmissverständliche Regelungen und findet seinen sicheren Platz. Meistens bestimmt er nicht selbst das Ziel, sehr wohl aber den Kurs.Kommunikation
Die vernunftbetonte Grundhaltung des Controllers lässt ihn zunächst zurückhaltend und defensiv kommunizieren. Er bezieht sich auf die Analyse der von ihm vorgefundenen Strukturen, ist jedoch flexibel und kräftig genug, um sich nach sachlicher Betrachtung und Abwägung deutlich für das einzusetzen, was im allgemeinen Kontext als richtig und wichtig anerkannt wird. Auch dabei bestimmen wohlüberlegte Maßnahmen zur Sicherung der gemeinsam für wichtig befundenen Systeme oder Vorhaben seine Überlegungen. Der typische Controller vermeidet es, von anderen angegriffen zu werden. Deshalb stärkt er schon vor einer Kommunikation mit Fremden seine Festungsmauern mit Dokumentationen und Vereinbarungen. Das Fundament seiner Sicherheit ist ein unangreifbares Wissen.
Im zweiten Teil des Profils geht es um Ausrichtungen. Hier bin orientiere ich mich angeblich primär an der Vergangenheit (121 Punkte) – also an empirischem Wissen –, und nur sekundär an der Zukunft (94) – Visionen – und der Gegenwart (89) – Hier und Jetzt.
Ebenfalls zählen primär Fakten (133) – Vergleich mit messbaren, begreifbaren Wahrnehmungen -, dann erst Sinn (108) – Vergleich mit Werten, Idealen, Zielen – und schließlich Emotionen (90) – Orientierung an den Gefühlen, die ausgelöst werden könnten -, oder wie es so schön heißt: Körper, dann Geist, dann Seele. Ja, das steht da.
Schließlich orientiere ich mich am Kontakt (126) – Mögliche Auswirkungen auf die Nähe zu anderen (Zusammenhalt) – vor Sicherheit (114) – Bewusste Ausrichtung auf Kontinuität und Stabilität (Ordnung) –, dann Anerkennung (110) – Orientiert daran, welches Feedback sich ergeben könnte (Stolz) – und schließlich Wachstum (81) – Prüfung, welche Alternative am meisten bringt (Erfolg). Das letzte interpretiere ich einfach mal als Idealismus.
Das Einzige, von dem mir mein Berufsprofil abrät, ist die Aufgabe, zu Integrieren. Angeblich sind alle Werte in diesem Profil zwischen 90 und 110 “normal” ausgeprägt, ab 80 sollte man eine Tätigkeit vermeiden. Integrieren ist 73. Wobei wohlgemerkt auch hier nicht darauf eingegangen wird, was ich können soll, sondern was mir Spaß macht, was mir liegt. Und das kann ich nicht unbedingt verneinen.
Ab 120 sollte die Aktivität in der Tätigkeit vorhanden sein, weil sie motiviert und bestätigt. Das trifft für mich zu auf: Gestalten (125), Vermitteln (123), Strukturieren (131), Forschen (132), Kontrollieren (146), Untersuchen (141), Bewahren (143), Lehren (121), Helfen (135), und Pläne realisieren (124).
Beruflich besonders motiviert (Werte über 110) werde ich durch Herausforderungen (113), Qualität (135), Selbständigkeit (118), Beständigkeit (112), Feedback (111) und Verantwortung (112). Wenig motivierend (unter 90) wirkt auf mich die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen (88).
Bei persönlichen Beziehungen sind mir besonders wichtig (über 110) Verlässlichkeit (136) und Individualität (125). Ich habe keinen Wert, der mir unwichtig ist (unter 90).
Schwerfallen (unter 90) könnte mir keine Tätigkeit; besonders leicht (über 110) hingegen könnte mir fallen: Pläne durchsetzen (119), Organisieren und Kontrollieren (115), Planen und Konzepte erstellen (111), Details entdecken und Analysieren (136), Strukturieren und kontrollieren (146), Untersuchen und Verbessern (141), Ordnen und Überwachen (142).
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Ganz ehrlich, so schlecht finde ich das Profil nicht, auch wenn ich nicht weiß, wie wissenschaftlich das ist. Das Genie dieser Dinge ist ja auch, dass meine Selbstwahrnehmung hier eine große Rolle spielt: weil ich glaube, dass ich am ehesten Analysiere, werte ich Analytik hoch, und das Profil schätzt mich dann als Analytiker ein – was einerseits mein Selbstbild bestätigt und andererseits von mir als Bestätigung dieses Tests aufgefasst wird.
Auch fußt die Idee auf der Annahme, dass es eben sechs dominante Bedürfnisse gibt, nach denen sich Menschen unterscheiden lassen – allein diese Annahme ist nicht unbedingt durch unterschiedlich farbige Muttermale, die wir seit der Geburt haben, oder andere Forschung belegt; sie ist, so weit ich das sehen kann, einfach ein Konzept, nach dem sich der Test ausrichtet.
Insofern könnte das Profil auch nur beschreiben, wie ich mich selbst sehe. Da ich auch nur mein eigenes Profil kenne, kann ich leider nicht sagen, wie die Werte sonst verteilt sind. Ich habe nur ein Einzelbeispiel, aus dem ich keine Rückschlüsse ziehe – außer, dass ich das Profil nicht als negativ empfinde und daher hier veröffentlichen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu kriegen.

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