Die Nacktscanner jetzt auch hier

Die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen sind zutreffend als »Theater« bezeichnet wurden, weil sie nicht wirklich wirksam sind, sondern nur so aussehen sollen, als seien sie es – das Gefühl der Sicherheit soll vermittelt werden, mehr nicht. Eine der neuesten Spielereien ist der Nacktscanner, bei dem die Kleidung mehr oder weniger gut durchleuchtet wird und die entstandenen Bilder anschließend gelöscht, also auf unbestimmte Zeit gespeichert werden – das ist das Facebook-Verständnis von gelöscht. Außerdem ist noch nicht klar, welcher Strahlung man da ausgesetzt ist, was durchaus ein Risiko sein kann, zumindest für Personen, die ohnehin Strahlung vermeiden sollen.

Gesundheit, Privatsphäre, Unwirksamkeit – das alles reicht nicht, um die Scanner abzuschaffen, es reicht nur, dass man sich entschließen kann, sie nicht zu benutzen. Als Gegenleistung dafür muss man dann eine intensive Untersuchung über sich ergehen lassen, von den Sicherheitsbeamten. Hier in Deutschland ist das m.W. immerhin die Bundespolizei, aber in den USA sind das billige Mietpolizisten mit Machtallüren.

Ich hoffe also, dass sich deutsche Beamte etwas anders verhalten als so: die junge Frau, die nach gut einer Minute ins Bild kommt, wird relativ schnell von Beamtinnen umstellt, während sie (abseits der Kamera) intim abgetastet wird – und nein, dabei wird keine Stelle ausgespart. Umstellt und doch öffentlich, eine unangenehme Situation, wie man auch daran sieht, dass für den Rest des Videos die junge Frau auf einem Stuhl sitzt und weint.

Nichtsdestotrotz sind das an sich unangenehme Berührungen, die unschuldige Fluggäste über sich ergehen lassen müssen, was für sich genommen eigentlich schon nicht sein sollte – und noch schlimmer wird, wenn man, was als Frau nicht unbedingt selten ist, bereits Überlebende einer Vergewaltigung oder einer Missbrauchstat ist und noch eher ein solches Abtasten als Trigger erfährt.

Ein Pilot hat diese Abtastung ebenfalls als sehr zudringlich empfunden, die seine Arbeit behinderte: der Gedanke, das wieder durchleben zu müssen, ließ ihn sich übergeben. Schließlich sind die Beamten verpflichtet, auch Brust und Genitalien zu berühren.

Leider ist es ja auch nicht so, dass alle Fluggäste einfach auf andere Verkehrsmittel umsteigen könnten. Was mich dabei erstaunt, dass es nicht zu großen Protesten kommt – ja, man beschwert sich, und mosert, aber wirklich was tun? Liegt es daran, dass Männer letzten Endes kein so großes Problem haben, gescannt oder abgetastet zu werden und bei weitem nicht so viele Überlebende sexueller Übergriffe unter sich wissen, sodass der psychische Stress dann doch nicht so hoch ist? Oder ist das eher das Befehls-Empfänger-Gen?

Natürlich ist es umgekehrt so, dass man, wenn man Probleme irgendwelcher Art macht, direkt mehr Ärger kriegt:

Da heißt es eben: kuschen oder aufmucken, und wer aufmuckt, kriegt Probleme – man darf nicht fliegen, das Ticket wird zerrissen, man wird vielleicht gar verhaftet, auf jeden Fall wird man umstellt und bedrängt… das reicht schon. Einzelpersonen sind da nur selten in der Lage, standzuhalten.

Und das, wohlgemerkt, wo wir in der Liste der Terrorziele sehr weit unten stehen, und die USA auch. Aber wir haben ja auch wenig Kinderporno-Rings und keine Epidemie von Straftätern mit Migrationshintergrund, und trotzdem wird die Sau regelmäßig durchs Dorf gepeitscht. Ich frage mich, ob wir jetzt immer noch schön gelb wären in der Karte der Überwachungsländer – jedenfalls tun wir unser bestes, Rottöne oder gar Schwarz zu bekommen.

Aber eigentlich sind wir nicht sicher, bis wir nicht das haben:

Comments 2

  1. avatar Angelika wrote:

    gute zusammenfassung, gute links !
    habe das letzte woche auch gelesen und mir meinen teil dazu gedacht.
    (u.a. hoffe ich, dass ich nie wieder nach USofA fliegen muss, freiwillig sowieso nicht. und generell überlege ich, wann und ob ich noch fliege)

    Posted 21 Nov 2010 at 23:19
  2. avatar Patrick wrote:

    Ja, ich würde mir auch sehr, sehr gut überlegen, ob ich momentan in die USA fliegen würde. Aber Sicherheit zurücknehmen ist natürlich immer schwer, weil wenn irgendwas passiert, selbst wenn das nix mit der zurückgenommenen Sicherheit zu tun hat, ist derjenige, der das wollte, der Sündenbock. Und die Politiker und wichtigen Leute, die was zu sagen haben, kommen wahrscheinlich auch ohne Scan oder Abtasten durch, erleben den Unsinn also nicht und denken sich wahrscheinlich, warum andere sich bloß aufregen, kann doch nicht so schlimm sein.

    Posted 21 Nov 2010 at 23:24

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