Salt

Salt sollte eigentlich von Tom Cruise gespielt werden, der archetypisch seine Frau retten würde. Dann wurde Angelina Jolie in der Hauptrolle verpflichtet, und die Filmemacher hatten das Problem, dass eine solche Rettung den Ehemann »kastrieren« würde. Also wird er nicht gerettet, sondern getötet. Weil der Tod für Männer besser ist, als von einer Frau gerettet zu werden – nur so als Info für Feuerwehrfrauen und Polizistinnen.

Oh, und: Spoiler!

Salt (2010)

Von den weit hergeholten Ideen in Salt ist die am weitesten hergeholte wohl die, dass die dünne Angelina Jolie Männer im Nahkampf besiegt, die dreimal so viel wiegen, wenn sie in Wahrheit vielleicht sogar Probleme mit schweren Türen haben würde. Das ist gleichzeitig die einzige Idee, die zu akzeptieren mir schwerfiel.

Ansonsten: Jolie ist eine russische Doppelagentin (oder doch nicht?), die seit ihrer Kindheit in den USA lebt und – ebenso wie Dutzende ebensolcher männlicher Doppelagenten – trotzdem noch Russland treu ergeben ist (oder doch nicht?). Jolie ist mit einem bärtigen, fusseligen Spinnenforscher verheiratet. Jolie muss sich nur die Haare schwarz färben, um nicht wiedererkannt zu werden. Jolie kann von einer Autobahnbrücke auf einen fahrenden Laster und von da aus – angeschossen – auf einen fahrenden Kleinlaster auf einer anderen Spur springen (und das ist nicht die abgehobenste Szene). Glaub ich unbesehen.

Warum? Weil der Film es glaubt. Der Plot ist hanebüchen, aber er schämt sich nicht dafür, noch rückt er diese Absurdität ins Rampenlicht. Und so gelingt Salt, wo A-Team oder Expendables versagen.

Natürlich spielt eine Rolle, dass wir in Actionszenen tatsächlich ganze Handlungsabläufe gezeigt bekommen. So sehen wir mit Jolie den herankommenden Laster, dann sehen wir sie in der Totalen über die Brücke springen, dann aus der Vogelperspektive auf das Dach fallen, und dann von der Seite, wie sie sich abrollt – und dann wechseln wir zu den Verfolgern.

Und eine Rolle spielt auch, dass Angelina Jolie ein Star ist. Sie mag zu dünn sein, aber sie hat trotzdem die Präsenz, um einfach gut dabei auszusehen, was sie tut. Es gibt eine Einstellung, in der sie mit Russenmütze im Sonnenuntergang steht und verdammt, wenn die Kamera sie in diesem Moment nicht liebt und liebkost. (Liev Schreiber als Verfolger beweist wieder einmal, dass er selbst magere Genrerollen lebendig machen kann.)

Es ist seltsam, Salt als intelligenten Film zu bezeichnen, ist doch die Handlung so weit hergeholt, dass sie fast ein Witz sein muss. Aber Philip Noyce und sein Team wissen genau, was sie für einen Film machen, und sie wissen genau, wie sie so einen Film machen müssen. Salt ist im wahren Wortsinne selbst-bewusst – und funktioniert. Beinahe die volle Spielzeit besteht nur aus Verfolgungsjagd und Action, und es funktioniert.

Es geht also: Unterhaltungsfilme, die unterhalten. Anspruchsvoll inszeniert – nämlich mit Bedacht und Kompetenz. Ein völlig unerwarteter Lichtblick.

Auch wenn mir die Szene fehlte, in der ein russischer Meisterspion kommt, um den Dopppelagenten zu aktivieren, und der sich den Bauch kratzt und doch lieber American Idol gucken will, als das Land in einen Krieg zu stürzen. Oder ein paar weibliche Doppelagentinnen (außer Jolie – oder doch nicht?).

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