Re: Robert Rodriguez

Ich schrieb:

Robert Rodriguez ist der untalentierte Freund von Quentin Tarantino

und wurde um Erklärung gebeten. Wenn ich mir die Zeit dann nehme, kann ich da auch gleich einen Beitrag draus machen, so viele davon gibt es im Moment ja nicht.

Robert Rodriguez’ Erstling ist El Mariachi, ein Film, der bereits seine Stärken und Schwächen andeutet. Für das geringe Budget ist El Mariachi sehr gut fotografiert, und tatsächlich ist Rodriguez hervorragend darin, aus einem kleinen Budget viel herauszuholen. Das ist ein wichtiges Talent, weil es bedeutet, dass seine Filme sehr viel schneller schwarze Zahlen schreiben und Studios nicht zu lange zögern, bevor sie ihm ein Projekt anvertrauen.

El Mariachi ist aber auch relativ verwirrend erzählt, was sich in den Folgefilmen nur verstärkt. Dass ich Rodriguez mit Tarantino genannt habe, liegt nicht nur an deren Freundschaft. Tarantino und Rodriguez haben wahrscheinlich die gleichen Einflüsse, aber wo Tarantino diese Einflüsse analysieren und zu etwas Neuem transformieren kann, ist Rodriguez nur in der Lage, sie auf die Leinwand zu werfen. Er sprüht vor Ideen und hat keine Möglichkeit, diese zu überprüfen, sich zurückzuhalten oder auch nur eine kohärente Struktur zu formen.

Das ist das Problem von Robert Rodriguez, was dadurch verstärkt wird, dass er seine Filme selbst schneidet und orchestriert (und schreibt, und die Kamera führt). Und man benötigt Zurückhaltung und Kontrolle, um einen Film zu erzählen – zumindest die Art narrativer Genrefilme, die er dreht. In Desperado geht es halbwegs gut, aber Once upon a time in Mexico ist ein chaotischer Müllhaufen, in dem Johnny Depp die Knie weggeschossen werden.

Der erste Spy Kids ist ebenfalls nett, und mit jeder Fortsetzung wird der Film wilder, wüster, unverständlicher. Sein Glück bei Sin City war, dass er einen Comic abfilmen konnte – und genau das tat. Er musste die Bilder und die Struktur nicht gestalten, die Arbeit hatte schon jemand für ihn gemacht, und so konnten seine destruktiven Instinkte keinen Schaden anrichten.

Anders bei Planet Terror – das Paradebeispiel, weil im direkten Vergleich mit Tarantinos Death Proof. Hier merkt man, dass Rodriguez all die »richtigen« Dinge liebt, aber keine Ahnung hat, warum. Wo Tarantino analysiert, hinterfragt Rodriguez nicht, sondern reproduziert einfach nur. Er ahmt nach, ohne genau zu wissen, warum das, was er nachahmt, nachahmenswert ist. Er ist ein Kind mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, das Filme macht. Guck hier, guck da, und das geht noch brutaler. Dabei streift er allerhöchstens mal tiefere Aussagen, er ist nur ein Spiegel seiner Einflüsse.

Die Trailer für Machete zeigen ähnliches: Brutalität, nackte Brüste, völlig konfuse Story. Rodriguez lebt von Moment zu Moment, und jeder der Moment ist für ihn cool, weil er in einem anderen Film mal cool war. Rodriguez schraubt die Brutalität an (köpfen wir einfach eine Handvoll Leute), suhlt sich aber weder darin, noch setzt er sich damit auseinander. Wir schießen Depps Knie weg, weil wir es können.

Ich frage mich öfter, wie viel Tarantino bei From Dusk Till Dawn beeinflusst hat, dass dieser Film auch im zweiten Teil noch halbwegs zusammenhält. Und frage mich, wie Rodriguez an der Kette eines harten Produzenten, mit anderem Cutter, Autor, Kameramann und Musiker sein könnte.

Rodriguez kennt nur Exzess, nur das Überbordende und den Augenblick und ist nicht einmal reflektiert genug, daraus eine Stärke zu machen. Darum kotzt er den ganzen Exzess einfach auf Zelluloid und dreht Filme, die bunt, laut, wild, hektisch, brutal sind – und trotzdem langweilig.

Insofern ist es wohl falsch, ihn als untalentiert zu bezeichnen. Vielmehr ist er talentiert, aber inkompetent. Mea culpa.

Nachtrag: und jetzt lese ich gerade die erste Kritik zu Machete, und siehe da:

They try to make Machete into an extended trailer that’s all best parts, stitched together by a sloppy, needlessly convoluted plot and a lot of bluntly explicit messaging on the immigration issue.

q.e.d.

Comments 2

  1. avatar Anonymous wrote:

    Nun, dass was du als schwächen kritisierst, ist dass was mir an ihm so gefällt. Gerade, dass er manche Dinge nur andeutet und sein ruppiger Stil, wie zB der Filmriss ist Planet Trerror, sind dass, was ihn, in meinen Augen, so genial machen. Das ist meinetwegen auch ein wenig Geschackssache, aber macht ihn bei weitem nicht inkompetent oder gar untalentiert.

    Posted 03 Sep 2010 at 17:47
  2. avatar Patrick wrote:

    Aber vergleich mal den Filmriss in Planet Terror mit dem Filmriss in Death Proof.

    Rodriguez macht einen Filmriss, weil die Filme, die er da nachmacht, eben einen Filmriss hatten. Tarantino denkt sich: was macht ein Filmriss, wie kann ich den einsetzen, wann sollte der kommen?

    Mich würde allerdings interessieren, was Rodriguez nur andeutet. Ich habe das oben hoffentlich nicht geschrieben, weil er eben genau null Subtilität hat und nichts andeutet, sondern immer alles sofort voll auf den Bildschirm wirft. Aber vielleicht ist das auch so subtil, dass ich es übersehe.

    Posted 03 Sep 2010 at 19:14

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