From Paris with Love

Taken war ein hässlicher Film, bei dem alle Ausländer gemeine Verbrecher waren und Frauen entweder töricht oder Opfer. Dafür war Liam Neeson ein eiskalter Killer. From Paris with Love, vom gleichen Regisseur, ist ein hässlicher Film ohne Liam Neeson. Dafür sind nicht nur alle Ausländer Schwerverbrecher, sondern auch all die Frauen, die nicht törichte Opfer sind. Und John Travolta ist ein us-amerikanischer Superspion, der Jonathan Rhys-Meyers Möchtergernspion zeigt, wie man erfolgreich Massen massakriert.

From Paris With Love (2010)

From Paris with Love hat viel Action, die primär als Ballerei inszeniert ist. Man bekommt die Idee, dass hier durchaus gute Choreografie zu sehen wäre, wenn Regisseur Pierre Morel oder Kamerachef Michel Abramowicz wüssten, wie man sie inszeniert. So aber haben wir nur schnelle Schnitte und die vage Idee, dass das eigentlich recht wirkungsvoll und energisch sein könnte – es aber nicht ist.

Dafür beweist John Travolta, dass die ganzen Gagschreiber, die in den Achtzigern den Actionstars die coolen Sprüche in den Mund legten, heute arbeitslos sind. Travolta darf sich stattdessen über jede Form von Ausländer lustig machen, einen müden »Royal mit Käse«-Witz reißen und ansonsten so viele Menschen ermorden, wie er möchte.

Denn das ist, was hier gezeigt wird: Travolta und Rhys-Meyers labern vage etwas von Terroristen, schnupfen Kokain und machen ansonsten keinerlei Anstalten, Beweise zu sammeln, Verdächtige zu verhören (abgesehen von der obligatorischen Folterszene, die jedoch längst nicht so extrem ausfällt wie in Taken) oder überhaupt etwas nachzuforschen. Sie gehen einfach da hin, wo die Ausländer sind, diese entpuppen sich unweigerlich als Bösewichte und werden daraufhin kalt gemacht.

All das ist so inszeniert, dass wir diese Vorgehensweise bejubeln sollen. Es ist richtig, wenn Travolta einen Minibus voller Menschen explodieren lässt; wenn er eine Schar Polizisten in eine Sprengfalle laufen lässt; wenn er einer Freundin von Rhys-Meyers’ Verlobten in den Kopf schießt. All das dient natürlich nur dazu, Rhys-Meyers derart aufzuwecken, dass er am Ende seiner Verlobten, die sechs Jahre lang vor ihm verheimlichte, dass sie eine pakistanische Fundamentalistin ist, in den Kopf schießen kann – ein Moment, den der Zuschauer in Zeitlupe und mit anschwellender Musik genießen darf. Währenddessen weigert sich die us-amerikanische Abgesandte, weil sie eine Frau ist, einer Terrorwarnung folgend ihren Kurs zu ändern und wird fast in die Luft gesprengt.

Die Anknüpfungspunkte an Kokainschmuggel und Terroristen verdeutlichen nur, wie sehr sich from Paris with Love im Schmutz unserer Zeit suhlt. Dies ist ein Film, der aus den niedersten Instinkten gespeist wurde, bei dem Leser der BILD-Zeitung sogar zu reflektiert sein könnten. Ein Film, bei dem jede lustige Note des aufdringlichen Soundtracks den schlechten Geschmack in meinem Mund verstärkt. From Paris with Love ist zugegeben nicht so hässlich wie Taken, aber fast, und dafür viel langweiliger, weil John Travolta sich durch den Film rumpelt, als wäre ihm alles scheißegal, und der Film so tut, als wäre das absolut großartig.

Ist es aber nicht.

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