BoW: Prophecy Girl (Buffy 1×12)

Da ich es im Moment nicht schaffe, einen Nachrichtenüberblick zu behalten und darüber reflektiert zu bloggen, habe ich mir ein Ausweichprojekt ausgedacht: Ich werde in loser Folge die meines Erachtens besten Episoden aus dem Whedonverse, also aus Fernsehserien von Joss Whedon, genauer beleuchten, in chronologischer Reihenfolge. Damit beginne ich natürlich mit Buffy.

Zumal ich schon lange einen Blick auf Buffy werfen wollte, der nicht nur Fanboy-Gelaber ist.

Wenn man Buffy noch nie gesehen hat, würde ich nicht unbedingt empfehlen, mit der ersten Staffel anzufangen. Zu holprig sind die meisten Episoden und die Charaktere auch noch nicht völlig gefestigt. Selbst Episoden wie Angel (Folge 7) kann man übergehen, indem man den Neulingen sagt, dass Angel ein Vampir ist (wenn sie das nicht eh wissen).

Aber eine Episode wollte ich dann doch aufnehmen, und so wird es die letzte Folge der ersten Staffel, die es schafft, die Thematik der nächsten sechs Jahre in Gang zu setzen: Prophezeiungen.

GILES: I’m older and wiser than you and… just do what you’re told for once.
BUFFY: That’s not how it works.

Im Verlauf der sieben Staffeln bekommt es Buffy nicht nur mit dem Erwachsenwerden zu tun, sondern auch mit Prophezeiungen, Regeln, Normen. Die erste Staffel behandelt den Master, einen uralten Vampir, der unter Sunnydale gefangen ist, und der an einem bestimmten Tag aus seinem Gefängnis ausbrechen und den Höllenschlund öffnen wird, der sich unter der High School befindet. So ist es prophezeit. Außerdem ist prophezeit, dass sich die Jägerin – also Buffy – dem Master in den Weg stellen wird. Und dass sie dabei sterben wird.

BUFFY: I’m sixteen. I don’t want to die.

Buffy reagiert mit Unglauben. Dann kündigt sie. Sie will nicht sterben, sie weigert sich. Irgendein gemeines Schicksal hat sie als Vampirjägerin auserwählt, und nun soll sie in den Tod gehen? Der Versuch, ein normales Mädchen zu sein, einfach nur in die Gesellschaft zu passen, ist etwas, das Buffy lange antreibt. Die Unmöglichkeit dieses Unterfangens wird hier auf die Spitze getrieben. Buffy will einfach nur zum Ball gehen und ihr schönes Kleid tragen. Sie möchte mit dem Ende der Welt nichts zu tun haben. (Nebenbemerkung: die deutschen Übersetzungen für die Titel der Folgen sind oft schmerzhaft eindeutig. Statt Prophecy Girl heißt es hier: Das Ende der Welt, und das ist noch harmlos.)

MS CALENDAR: If you face the Master, you will die.
BUFFY: Maybe. Maybe I’ll take him with me.

Aber am Ende stellt sie sich doch dem Master, und die Prophezeiung wird wahr: durch Buffys Tod kann der Master aus seinem Gefängnis entkommen – eine typisch ironische Interpretation einer Prophezeiung, die erst dadurch wahr wird, das man sie erfüllt. Aber Buffy tut dies nicht, weil es ihre Pflicht ist – sondern weil es das Richtige ist. Sie ist bereit, trotz ihrer Jugend in den Tod zu gehen, um damit die Welt zu retten. Damit wird Buffy zur Heldin.

BUFFY: I may be dead – but I’m still pretty. Which is more than I can say for you.
MASTER: You were destined to die! It was written!
BUFFY: What can I say? I flunked the written.

Und gleichzeitig erleben wir, was an Buffy besonders ist: sie ist nicht allein. Hier ist es Xander, der Clown, der sie beatmet und wiederbelebt. Buffy stirbt, aber nur für einen kurzen Moment, dann kehrt sie zu den Lebenden zurück mit neuer Kraft und, frei von Prophezeiungen, tötet den Master. Mit einem kessen Spruch auf den Lippen. Hier wird die Prophezeiung noch halbwegs erfüllt und endet nur nicht so, wie man gedacht hätte. In der Zukunft wird noch deutlicher, dass Buffy sich mehr und mehr emanzipiert, sowohl von den Männern des Watcher’s Council (keine Ahnung, wie das auf deutsch heißt) als auch von solchen Dingen wie Prophezeiungen – bis sie am Ende das System sprengt. Aber so weit sind wir noch lange nicht.

XANDER: Yeah, Buffy died and everything.
WILLOW: Wow. Harsh!

Das wäre der Moment, um darauf hinzuweisen, dass man Buffy unbedingt und zweifellos im Original sehen muss. Optimal ist das englische Original, gefolgt von Original mit englischen Untertiteln, und zur Gewöhnung kann man auch die deutschen Untertitel benutzen, die zumindest etwas erträglicher sind als die Synchros. Synchronisation ruiniert eigentlich immer etwas, aber Buffy lebt unheimlich von Details und Sprachwitz, sodass die behäbigen Übersetzungen mindestens den halben Spaß versauen. Ich habe damals auch mit deutschen UT angefangen, das etwa zwei Folgen durchgehalten, dann eine Staffel oder so mit englischen UT geguckt, bevor ich mich getraut habe, auf sie ganz zu verzichten. Und die Tonmischung wird dabei dann auch nicht versaut (die Dialoge sind in der Synchro immer extra laut).

BUFFY: We saved the world, I say we party.

Ich würde wie gesagt nicht mit dieser Folge beginnen, sondern mit der nächsten in dieser Reihe, nachdem die Sache mit dem Master ganz abgehakt ist. Die Folge, mit der Buffy eigentlich erst richtig los geht, und das hat nicht von ungefähr mit einem gewissen James Marsters zu tun…

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