In der zweiten Hälfte der zweiten Staffel hat Buffy wirklich zu sich gefunden. Die Folgen 13 und 14 sind hochdramatisch, Nummer 16 ist urkomisch, und es gibt keine Anzeichen, dass die Serie nachlässt. Eher im Gegenteil.
Robia LaMorte sieht ihre Zeit als Jenny Calendar inzwischen wohl eher negativ, ist sie doch zu einer wiedergeborenen Christin geworden und hat für Zauberei und andere satanische Dinge nichts mehr übrig. Das ändert aber nichts daran, dass sie in Passion (dt. Titel: Das Jenseits lässt grüßen) Opfer eines der gemeinsten Verbrechen der ganzen Serie wird. Joss Whedon ist bekannt dafür, dass er Liebespaare und überhaupt alle seine Figuren durch die Hölle gehen lässt, aber der Tod von Jenny Calendar ist für mich immer besonders schockierend gewesen.

Joss Whedon ist ein Bastard
Passions ist eine wichtige Episode auf der Zielgeraden der Staffel, und es ist gut, dass diese wichtige Episode derart großartig ist. Lange haben wir nur gehört, wie böse Angel als Angelus war, und nun haben wir zwei Folgen lang ausgesessen und gewartet, was er wohl tun wird. Es reicht nicht, dass wir gesagt bekommen, was es mit ihm auf sich hat. Wir müssen es sehen. Hier liegt eine Gefahr, denn zu oft sind vermeintliche Bösewichte dann, wenn sie endlich erscheinen, längst nicht so schlimm, wie wir uns vorgestellt haben. Angelus aber wird seinem Ruf gerecht.
Angelus: [narrating] Passion… it lies in all of us. Sleeping, waiting, and though unwanted, unbidden, it will stir, open its jaws, and howl. It speaks to us, guides us… passion rules us all. And we obey. What other choice do we have
Es beginnt recht harmlos damit, dass er Buffy verfolgt – übrigens Lob an die Instinkte der Jägerin: Buffy geht zwei Meter an einem Blut saugenden Angelus vorbei, und dann schläft sie in Seelenruhe, während er sie aus nächster Nähe im Schlaf betrachtet. Werten wir das als symbolisch dafür, dass Buffy Angelus immer noch für eine Vertrauensperson hält und daher ihre Alarmglocken nicht schrillen. Jedenfalls hinterlässt er Buffy erst Mal eine Zeichnung um zu zeigen, dass er immer an sie heran kann. Dann tötet er Willows Fische. Okay, aber immer noch etwas schmalspurig. Schließlich widmet er sich Joyce, kann sie aber nicht töten, da Buffy ihm durch einen Zauber den Zutritt zu ihrem Haus verwehrt. Aber er kann ihr sagen, dass er mit Buffy Sex hatte. Wir sehen, dass Angelus Buffy wehtun will, aber sie wehrt sich relativ erfolgreich. Wenn es bei den Fischen bliebe, wäre Angelus recht zahnlos.
Angelus: [narrating] Passion is the source of our finest moments; the joy of love, the clarity of hatred, and the ecstasy of grief.
Als Nebenschauplatz dieser Folge streiten sich Spike und Angelus immer heftiger. Spike, immer noch im Rollstuhl, muss sowohl Drusillas Hilfe als auch Angels Spott ertragen, und Spike weiß, dass Drusilla als Vampirin keine Probleme damit hat, auch mit Angelus Sex zu haben – seine Eifersucht ist durchaus nicht unbegründet, und natürlich ist dieser sonst so selbstbewusste Vampir schwer getroffen, dass er in einem Rollstuhl sitzt.
Angelus: Well, maybe next time I’ll bring you with me, Spike. Might be handy to have you around if I ever need a really good parking space.
Währenddessen nähern sich Jenny und Giles wieder einander an. Es ist schön zu sehen, dass Buffy ihren Unmut weit genug zurücknehmen kann, um Giles die Chance auf ein glückliches Liebesleben zu geben. Anthony Steward Head ist hervorragend in diesen Momenten, in denen Giles’ harte Schale, die er seiner Schülerin zuliebe aufrecht hält, von Jennys Liebesgeständnis hinweggefegt wird.
Angelus: [narrating] It hurts sometimes more than we can bear. If we could live without passion, maybe we’d know some kind of peace. But we would be hollow. Empty rooms, shuttered and dank… without passion, we’d be truly dead.
Jenny sucht nach einer Möglichkeit, ihren Verrat an Buffy wieder gutzumachen. Dazu findet sie tatsächlich ein Ritual, das Angel seine Seele wiedergeben würde – aber bevor sie jemandem davon erzählen kann, kommt Angelus ihr dazwischen. Er zerstört das Ritual (bis auf eine Diskette, die verborgen bleibt) und tötet Jenny. Das allein ist schlimm, aber obwohl Robia LaMorte sehr sympathisch war und doch in vielen Folgen auftaucht, betrachtet der Zuschauer doch nur die zentralen Figuren Buffy, Xander, Willow und Giles als wirkliche Hauptfiguren, und darum trifft Jennys Tod uns erst dann wirklich, als Giles davon erfährt.
Giles: In my years as… Watcher… I’ve buried too many people. But Jenny was the first I’ve loved.
Buffy: I’m sorry. I’m sorry I couldn’t kill him for you… for her… when I had the chance. I wasn’t ready. But I think I finally am.
Und wie er das tut, ist bemerkenswert. Wie Angelus das romantische Treffen arrangiert mit Rosen, Kerzen und Opernmusik, das ist derart monströs, dass all das Gerede von seiner Bösartigkeit bewahrheitet wird. Wir sehen, dass Angelus unrettbar verkommen ist – auch, weil Anthony Steward Head wirklich die Hoffnung und Vorfreude von Giles und seine anschließende Leere personifiziert. Es ist ein brutaler Moment. Und es ist der Moment, in dem der Zuschauer zu demselben Urteil kommt wie Buffy: Dieser Angelus muss weg. Was vor drei Folgen noch undenkbar war, ist gelungen, wir finden uns damit ab, Angelus zu töten. Buffy sieht es ein, und wir haben kein Problem damit.
Buffy: [narrating] I can’t hold on to the past anymore. Angel is gone. Nothing’s ever gonna bring him back.
Was natürlich bedeutet, dass ihr letzter Satz davon begleitet wird, dass wir noch einmal die Diskette sehen, auf der das rettende Ritual gespeichert ist. Als Buffy (und wir) die Hoffnung aufgeben, werden wir daran erinnert, dass es doch noch Hoffnung gibt – aber Buffy weiß es nicht. Sie macht sich mit dem Gedanken vertraut, Angelus zu töten. Noch ist sie nicht ganz bereit dazu, es zu tun – aber sie sieht zumindest ein, dass es sein muss. Ein letzter Schritt fehlt jedoch noch… und der kommt beim nächsten Mal.

Comments 7
Hast du eigentlich auch jemals Buffy-Bücher gelesen? Anscheinend gibt es da einige, mir ist aber nicht klar, ob die identisch sind mit den Fernseh-Folgen oder ganz eigene Geschichten erzählen.
Anscheinend werden auf EinsFestival Anfang September wieder Buffy-Folgen gebracht. Sonst scheint es da nirgendwo welche zu geben.
Posted 26 Aug 2010 at 17:27 ¶Nee, Buffy-Bücher hab ich nicht gelesen. So eine Art Fan bin ich nicht
Ich mag die Serie und fertig. Ich habe die Comics mal angefangen, aber die waren auch zu anders.
Ich glaube aber, die Bücher sind keine Folgen, sondern neue Geschichten.
Posted 26 Aug 2010 at 21:33 ¶Was ist denn “so eine Art Fan”? *ggg* Ich wusste nicht mal, dass es da Comics gibt. Ich hab die Bücher schon mal in der Bücherei gesehen. Das wäre also eine nette Möglichkeit, die Reihe kennenzulernen, ohne vor dem Fernseher sitzen zu müssen.
Posted 29 Aug 2010 at 13:40 ¶Aber ich kann dir da keine Hinweise geben, ob bzw. welche Bücher was taugen.
So eine Art Fan meint, dass ich die meisten Fan-Aktionen und Fan-Artikel doof finde. Weder für fan fiction noch Merchandise bin ich zu haben, und es gibt ja sogar vielgelobte Podcasts, in denen Fans die Geschichte von Buffy weitererzählen – so was finde ich eher komisch als interessant. Ich bin distanzierter.
Posted 29 Aug 2010 at 16:05 ¶Hmm, Fanfiction fand ich auch recht lange seltsam. Bis ich entdeckt habe, dass das manchmal durchaus Spaß und Sinn machen kann. Es gibt bei fast allen Geschichten Figuren, die innerhalb der Geschichte einfach zu kurz kommen. Da freue ich mich oft, eine gut erzählte Fanfiction zu lesen.
Schlimm wird es dann, wenn zB bei Twilight (wer hätte das gedacht) die Fanfiction besser ist als das Buch selbst aus der die Figuren stammen. Das passiert nicht oft, aber es gibt FF-Autoren, die nur deshalb bei keinem Verlag sind, weil sie den direkten Austausch mit ihren Lesern lieben. Die schreiben nicht schlechter als andere Autoren und besser als Steph ist schnell mal jemand.
Klar gibts auch schlecht geschriebene, aber im Grunde ist es eine kreative Art die eigene Fantasie zum Ausdruck zu bringen. Oder auch, die Wut auf den Autor zu kompensieren.
Aus dem Alter für Merchandising Artikel bin ich raus. Das ist ja albern. Ausgenommen natürlich mein Sheepworld-Schäfchen zum anlehnen und knuddeln. *ggg* Schmeißt du mich jetzt hier raus?
Posted 29 Aug 2010 at 19:09 ¶Soll ich dir mal ein Beispiel für recht gute Fanfiction zeigen: http://www.fanfiction.net/s/4999187/1/Twilight_the_Rewrite
Natürlich ist die Autorin jung, nach wie vor handelt es sich um eine Geschichte für Jugendliche, es gibt immer noch Ungereimtheiten….. aber: Steph könnte sich
Posted 09 Sep 2010 at 16:51 ¶da gleich ein paar Scheiben abschneiden. Da ist wesentlich mehr Stil, Fantasie und Kreativität vorhanden als Steph jemals haben wird. Ich find die Geschichte um einiges besser als das Original. Und stell dir vor: Bella und Edward haben sogar Humor!
Ich habe nur den ersten Absatz gelesen und finde es schon besser
Posted 10 Sep 2010 at 16:08 ¶Post a Comment