BoW: I only have eyes for you (Buffy 2×19)

Der Bösewicht der zweiten Staffel ist Angelus, der Dämon in Buffys Geliebtem, befreit dadurch, dass die beiden Sex hatten. Buffy kann nicht anders, als sich schuldig zu fühlen. Sie fühlt sich verantwortlich dafür, was mit Angel passiert ist, und sie schämt sich auch dafür, mit ihrer sexuellen Freiheit fahrlässig umgegangen zu sein (zumindest aus ihrer Sicht fahrlässig). Natürlich hängt damit auch zusammen, dass Angelus Jenny Calendar getötet hat – ohne Buffy wäre auch das nicht passiert.

So ist es kein Wunder, dass sie zu Beginn der Folge keine Lust hat, jemals wieder mit einem anderen Mann zusammen zu sein, und ihren Klassenkameraden abblitzen lässt. Aber um Angelus zu töten, muss sie sich von dieser Schuld befreien, sie darf Angel nicht allein in der Opferrolle sehen und sich als Täter. Zum Glück gibt es Geister.

Spike is going to have fun.

Neben ihren Schuldgefühlen spielt aber auch noch eine Rolle, dass Angel Buffy liebte. Egal, wie monströs Angelus sein mag, es ist schwer vorstellbar, dass diese Gefühle wirklich verloren sein sollen. Die Hoffnung, dass da irgendwo doch noch Liebe ist, hält Buffy zurück; gleichzeitig hat sie natürlich nicht die Gelegenheit, mit Angelus darüber zu sprechen, geschweige denn, eine ehrliche Antwort zu erhoffen.

Buffy: Impulsive? Do you remember my ex-boyfriend, the vampire? I slept with him, he lost his soul, now my boyfriend’s gone forever, and the demon that wears his face is killing my friends. The next impulsive decision I make will involve my choice of dentures.

Die Struktur dieser Folge ist ziemlich gut durchdacht. Wir sehen gleich zweimal, wie von den Geistern besessene Paare sich anschreien; beim ersten Mal kann Buffy dazwischen gehen, beim zweiten Mal endet die Besessenheit tödlich. Beide Male bekommen wir nur den Anfang des Streits mit, aber wir merken, dass es sich um ein wörtlich wiederholtes Skript handelt, das durchgespielt wird. Dadurch werden wir auf den letzten Akt vorbereitet.

Principal Snyder: People can be coerced, Summers. I’m no stranger to conspiracy. I saw JFK. I’m a truth seeker. I’ve got a missing gun and two confused kids on my hands; pieces of the puzzle. And I’m gonna look at all the pieces carefully and rationally, and I’m gonna keep looking until I know exactly how this is all your fault.

Die mittleren Akte sind hier nicht besonders interessant. Wir erleben typische Geister-Aktionen: Schlangen tauchen plötzlich auf usw. Auch ist es kein Geheimnis, wer hinter der Sache steckt, denn Buffy erlebt sogar Flashbacks in das Jahr 1955 und sieht die Vorgeschichte. Interessant wird es durch die Reaktion der Charaktere. Giles ignoriert Buffys Visionen und glaubt, der Poltergeist sei Jenny. Hier kommt seine immer noch vorhandene Trauer zum Ausdruck, die ihn uncharakteristisch störrig werden lässt, Jenny wird zu einer fixen Idee – obwohl er insgeheim weiß, dass Jenny niemals so bösartig sein könnte, nicht mal als Poltergeist.

Rupert Giles: You should never be cowed by authority. Except, of course, in this instance when I am clearly right and you are clearly wrong

Wichtiger aber ist Buffy. Sie ergreift klar Partei für die Lehrerin Grace, die von ihrem Schüler-Liebhaber James erschossen wurde. Das erscheint verständlich, ist sie doch das Opfer und James der Täter. Einzig die Vehemenz, mit der sie dem Schüler jegliches Mitleid abspricht, ist ungewöhnlich. Natürlich identifiziert sich Buffy in diesem Fall nicht mit der Frau und dem Opfer, sondern mit dem Täter. So, wie James Grace tötete, so hat auch Buffy Angel mehr oder weniger ermordet. Sie kann sich das nicht vergeben, also kann sie auch James nicht vergeben.

Xander: He killed a person and killed himself. Those are pretty much two of the dumbest things you could do.
Willow: I know, but… Well, don’t you feel kind of bad for them?
Buffy: Sure I feel lousy. For her. He’s a murderer and he should pay for it.
Willow: With his life?
Buffy: No, he should be doing sixty years in a prison, breaking rocks and making special friends with Roscoe the Weightlifter.
Xander: Yikes. The quality of mercy is not Buffy.

Dann kommt es zur Konfrontation mit Angelus, und hier kommt die Struktur zum Tragen. Wir wissen, was die beiden Geister sagen werden; die Überraschung kommt dadurch, dass James mit Buffy den Frauenkörper in Beschlag nimmt, und Angelus von Grace übernommen wird. Diese Besessenheit ist für Angelus besonders unangenehm, ist doch der Vampirdämon ebenfalls nur Gast in Angels Körper; er bekommt zu spüren, was er anderen antut.

Xander: Something weird is going on. Isn’t that our school motto?

Als Zuschauer erfahren wir nun, wie gut der Streit von James und Grace zu Buffys Situation passt, und Sarah Michelle Gellar spielt die Verzweiflung hervorragend. Sie kann ihre Vorwürfe, die sie Angel gegenüber hat, loswerden und ihm ins Gesicht sagen, und anschließend kann Angel ihr für das vergeben, was er ihr angetan hat. Wir sehen häufiger Grace als Angelus; ich nehme an, dass das auch daran liegt, das David Boreanaz zu diesen Zeitpunkt intensive Gefühle jeglicher Art primär durch Zittern darstellte – aber es funktioniert. Und zugegeben, die Momente mit Boreanaz sind nicht schlecht, also ist das vielleicht ein Vorurteil. Am Ende verzeiht Angelus Buffy, und egal, wie unrealistisch diese Vergebung ist, und egal, ob sie unverdient ist oder nicht, Buffy hat sie gebraucht.

Buffy: No. James destroyed the one person he loved the most in a moment of blind passion. And that’s not something you forgive. No matter why he did what he did. And no matter if he knows now that it was wrong and selfish and stupid, it is just something he’s gonna have to live with.

I only have eyes for you (dt.: Ein Dämon namens Liebe) ist eine kleine Episode, die aber die Beziehung zwischen Buffy und Angel(us) voranbringt. Jetzt ist nicht nur klar, dass Angelus sterben muss, sondern die Fronten sind geklärt. Es ist der notwendige Schritt vor dem Staffelfinale. Außerdem bekommen wir hier eine erste namentliche Erwähnung des Bürgermeisters (hurra!) – und dann ist da noch Spike.

Spike: It’s paradise. Big windows, lovely gardens. It’ll be perfect when we want the sunlight to kill us.
Angelus: You don’t like it Spike, hit the stairs and go. Take a stand, man.

Auch in dieser Folge verspottet Angel den im Rollstuhl sitzenden Spike, und die Feindschaft zwischen den beiden erreicht den Höhepunkt, als Angel noch schnell mit Drusilla in die Stadt will, um ein Opfer zu finden, und Spike zu Hause lässt. Und dann, kaum allein, steht Spike aus dem Rollstuhl auf – eine Kriegserklärung, ein großartiger Moment, der Zunder verspricht. Spike ist einfach cool.

Beim nächsten Mal endet die zweite Staffel – und beinahe die Welt.

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