Die Zukunft von Repo Men ist die nach einem langen Krieg, der nicht näher erklärt wird. Es ist eine Zukunft, in der man alle Organe künstlich ersetzen kann – und diese »Artifors« (artificial organs) sogar mit Ratenzahlung finanzieren. Wenn du allerdings mehr als drei Monate mit der Zahlung in Rückstand bist, dann kommen Jude Law und Forrest Whitaker, betäuben dich und schneiden dir dein Organ raus – während du betäubt bist, fragen sie allerdings manchmal noch, ob du nicht einen Krankenwagen dabei haben möchtest.
Natürlich geht das nur so lange gut, bis Jude Law selbst ein künstliches Herz (Metaphern-Alarm) bekommt.

Repo Men (2010)
Verschenktes Potential in der Form von Carice van Houten, Laws Ehefrau, die zu Beginn möchte, dass ihr Mann lieber in den Verkauf wechselt und dann mehr und mehr zur eindimensionalen Schreckschraube wird. Law geht lieber mit seinem Kumpel Whitaker einen trinken, aber als dann bei seiner Heimkehr van Houten keine Lust auf Sex hat, ist das nicht verständlich, sondern ein Charakterfehler. Als dann Whitaker in Laws Vorgarten eine Niere entfernt, stellt sie Law ein Ultimatum, und als Law bei seinem üblichen »letzten Job« verletzt wird, verlässt sie ihn geradezu während der Herz-OP. Law darf dann seinen Sohn kaum noch sehen, und kurz vor Schluss… siehe unten.
Verschenktes Potential in der Form von Gesellschaftskritik I. Wie kommt es dazu, dass die mindestens unter vorgehaltener Hand bekannten Methoden der Repo Men anscheinend niemanden stören? Wie sieht die Gesellschaft aus, die so ein Geschäftsmodell akzeptiert? Repo Men macht aus der Organfirma keinen eindimensionalen Bösewicht, aber auch nichts anderes. Die gesamte Organgeschichte ist nur ein Macguffin ohne eigene Aussage. Und zum Schluss… siehe unten.
Verschenktes Potential in der Form von Gesellschaftskritik II. Law wechselt die Seiten ausschließlich, weil er nach der OP unfähig ist, anderen die Organe herauszuschneiden. Der Film geht allenfalls andeutungsweise darauf ein, wieso jemand vielleicht seine Raten nicht bezahlen kann – weder über persönliche Schicksale noch über ungerechte Ratenverträge, was nach der Finanzkrise doppelt nachlässig ist. Wir erleben auch nicht die persönlichen Kosten der Leute, die vor den Repo Men fliehen und im Untergrund leben (und ihre Familie verlieren, nur als Beispiel). Law geht nicht gegen das System vor, weil er es als falsch erkennt, sondern weil er jetzt selbst betroffen ist.
Verschenktes Potential… nein, Ärger sogar zum Schluss. SPOILER!! Der dritte Akt des Films besteht darin, dass Law, von Whitaker überwältigt und an ein neuronales Netzwerk angeschlossen, ein künstliches Happy End erlebt (was ganz am Ende aufgeklärt wird und zu Beginn mehr als angedeutet). Wie sieht das aus? Er trifft seinen Sohn, seine Frau meckert und wird vom Junior in einer U-Bahn mit einer Betäubungspistole angeschossen (!) und er flieht mit Braga in die Tropen – Braga will nämlich Sex mit Law, mehr wissen wir nicht wirklich über sie.
Vorher aber brechen die beiden in das Hauptquartier der Organfirma ein, um die Datenbank zu zerstören und alle frei zu setzen. Dabei erleben wir eine schlechte Kopie der großartigen Gangszene aus Oldboy und dann, weil die Datenbank kein Eingabegerät hat, sondern nur Scanner (obwohl wir schon gesehen haben, dass manchmal die Seriennummer unlesbar ist), muss Law seine und Bragas Organe einscannen: er schneidet sich und sie auf und schiebt den Scanner in den Körper. Der Anblick, als Braga ihren ganzen Unterarm in seine Brust schiebt und das Herz scannt, ist urkomisch. Dann sprengen sie die Datenbank doch noch in die Luft. Langweilig.
Leider hat Repo Men weder die Ironie, um Laws Träume durch einen Pop-Filter zu ziehen – zum Beispiel in einer bewusst minderwertigen Kopie von Oldboy –, noch die Tiefe, um diese Wunschwelt, in der die nüchterne Familienmutter beschossen wird und Law seine Gespielin am ganzen Körper aufschlitzt und dies wie einen Sexakt inszeniert, auf Laws oder allgemein menschliche Psychologie zu beziehen.
Am Ende bleibt ein Film, der lieber erst keine Ansprüche hätte wecken sollen, weil er keine erfüllt – außer ein paar netten Actionszenen, recht blutigen Operationen und drei gut aufgelegten Darstellern in Whitaker, Law und dem bösen Organchef Liev Schreiber. Dafür ist Alice Braga furchtbar und das Ende ein großer Stinkefinger.

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