Knight and Day

Wenn es einen Fehler gibt, auf den man die misslungene Gesamtkonstruktion von Knight and Day zurückführen kann, dann ist es die Entscheidung über die Perspektive dieses Films. Denn James Mangold bzw. Autor Patrick O’Neill entscheiden sich dafür, diesen Film aus Sicht von Cameron Diaz zu drehen. Diaz ist eine junge Frau, die eher aus Zufall in Kontakt mit Tom Cruise kommt und mit ihm in einem Flugzeug landet, das voller Geheimagenten ist. Cruise ermordet sie alle, Diaz gerät ins Visier von Geheimdiensten und Agenten, und der Rest ist mehr oder weniger Action und die Frage, ob Cruise nun ein Bösewicht ist oder nicht.

Knight and Day (2010)

Dadurch, dass wir die Ereignisse aus Sicht von Diaz erleben, sehen wir nicht, was Cruise abseits seiner Actiontaten so treibt, was seine Figur noch unwirklicher macht, als sie angesichts seiner Heldentaten ohnehin schon wirkt. Cruise ist ein Agent, der lächelnd in ein Feuergefecht mit einem halben Dutzend Männern geht und bei rasender Fahrt von einem Motorrad auf ein Auto springt. All diese gewichtlosen CGI-Manöver und seine Unzerstörbarkeit führen dazu, dass die Actionszenen keine Gefahr ausstrahlen.

Der Film erkennt das und versucht, kein Actionthriller zu sein, sondern stattdessen eine Art romantischer Komödie mit Explosionen. Anders als der ähnliche Genrebrecher Shaun of the Dead aber vergisst Knight and Day, dass dazu die Charaktere klar gezeichnet sein müssen und die Action eben nur Randnotiz sein sollte. Hier ist es uns aber gänzlich unklar, warum sich Diaz und Cruise verlieben, außer aus Skript-Gründen, und es ist daher auch nicht verfänglich, sondern nur hässlich, wenn Diaz aufwacht und feststellt, dass Cruise sie ausgezogen hat und ihr einen Bikini anzog. Dass auch Morde mitunter als lustig inszeniert werden, ist selbstverständlich.

Aufwachen ist ein gutes Stichwort, denn anstatt sich eine Progression zu überlegen, handelt Knight and Day unterschiedliche Actionorte nacheinander ab und setzt dazwischen immer wieder einen Blackout von Diaz, meistens durch Betäubungsmittel hervorgerufen, die Cruise ihr in den Drink mischt oder ähnliches. Und so kommen wir abrupt von der Lagerhalle auf die Insel, von dort in einen Zug usw.

Am Ende gibt es Betrug und dann bekommt der Schurke anscheinend die unermüdliche Energiequelle, die jedoch drehbuchgerecht sofort danach explodiert, und von Knight and Day bleibt nichts weiter als der Eindruck von Hektik und Bemühung – die Bemühung, ein locker-leichter Actionfilm für die ganze Familie zu sein, mit einer Frau als Identifikationsfigur. Leider bemühen sich alle hier etwas zu sehr, um wirklich abschalten zu können, und für aufmerksame Zuschauer sind der unklare Plot und der vergebliche Wunsch, Diaz möge weder nutzlos sein noch mit zwei Sekunden Training zur Superagentin werden, leider zu große Hemmnisse.

Knight and Day ist ein Lehrbuchbeispiel für einen mittelmäßigen Film, dem man allenfalls zu Gute halten sollte, dass man nicht den Eindruck hat, das sei das Ziel gewesen. Der Versuch von großer Unterhaltung scheitert, aber wenigstens wurde er gemacht, und darum sind die unspannenden Actionszenen, die weit hergeholte Romanze, die eindimensionalen Figuren und der löchrige Plot erträglich. Auch eine Art Lob.

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