Doch mal was zur Ölpest

Während BP versucht, sich mit unnötig vom Öl befreiten Vögeln in ein etwas besseres Licht zu rücken, möchte ich auf ein paar Dinge hinweisen, welche den immer noch sprudelnden Ölvulkan noch ein wenig mehr kontextualisieren soll.

BP hat ja ohnehin unheimlich viel versprochen: dass so etwas wie das, was da vor der US-Küste passierte, nicht passieren könnte; dass sie eine solche Eruption problemlos beheben könnten. Gleichzeitig wurden Warnsignale nicht gehört, Kontrollen verschleppt, und wahrscheinlich Unmengen an Schmiergelden (ha!) bezahlt. Da passt es, dass BP für 97% aller fahrlässigen schweren Verstöße (willful and egregious) in ihrer Branche in den USA verantwortlich ist.

Gleichzeitig werdemn in Nigeria, wo Ölpipelines das Land zieren, jedes Jahr ähnliche Mengen an Öl in die Natur abgegeben, ohne dass es einen Aufschrei gibt. Da leben eben, so könnte man zynisch sagen, nur Neger und keine US-Amerikaner.

Noch etwas zeigt diese Ölpest aber: es ist notwendig, das Eigentum an Meeren zu klären. Denn ohne klare Besitzrechte entsteht hier das Allmende-Problem: jeder kann die Ressource »Natur« nutzen, aber wenn BP sie fahrlässig und in großem Maße verbraucht, dann ist niemand da, der sie dafür belangen kann. Fische klagen nicht auf Schadenersatz, und das bedeutet, dass BP selbst mit dem Fonds von 20 Milliarden Dollar gut wegkommt – immerhin ist das gerade mal ein Jahresgewinn. Und das ist schon so hart, dass die Firma all ihre politischen Freunde in den USA aufgefahren hat, um gegen diese Strafzahlung zu protestieren. Dabei geht der Langzeitschaden für die Küstenbewohner, aber auch für die Ressource Natur, wahrscheinlich weitest über diese Summe hinaus.

Ein ähnliches Problem gibt es ja bei der Luftverschmutzung und dem Klimawandel, weshalb die CO2-Zertifikate versteigert werden sollen. Sieht man sich natürlich an, wie schleppend diese eigentlich gute Lösung umgesetzt wird – schleppend genug, um womöglich (bezahlten?) Kritikern die Chance zu geben, das Ganze wieder als angeblich nutzlos zu kippen, bevor es wirklich umfassend greifen kann –, habe ich für eine ähnliche Lösung bzgl. der Weltmeere keine große Hoffnung.

In dem Maße, wie leicht erreichbare Ölvorkommen erschöpft werden, müssen Unternehmen wie BP gleichzeitig auf riskantere Förderstellen ausweichen, und so etwas wie jetzt gerade im Golf von Mexiko wird sich angesichts des Kostendrucks und der korrupten oder nicht existenten Aufsichtsbehörden definitiv wiederholen. Und dann darf man wieder zetern und mit der Faust drohen, aber nutzen wird das nichts.

Und in Nigeria darf das Öl ohnehin versickern. Bei den Schwarzen sieht man ja nicht mal, wenn die ölig sind.

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