Wir haben also das Kapitel abgeschlossen, das die Grundlage für Twilight bildet. Nun gilt es für Bella, die Familie ihres Geliebten kennenzulernen. Und wir erfahren, dass die Vampire der Cullens eigentlich alle eine besondere Fähigkeit besitzen.
Bevor wir darauf genauer eingehen, eine Vorbemerkung. Die Beschreibung von übernatürlichen Fähigkeiten jeder Art ist mir sehr oft ein Dorn im Auge. Schreibende in Buch wie Film vermeiden es oft, diese Fähigkeiten klaren Regeln zu unterwerfen und daraus Konsequenzen zu ziehen. In der Regel funktionieren die Fähigkeiten dann »mit der Stärke des Plots«. Das ist etwas, was ich bspw. in meiner Kurzgeschichte Von Spiegeln und Masken versucht habe, zu vermeiden.
Fähigkeiten sind dann interessant, wenn sie Grenzen haben – nur darum gibt es Kryptonit bei Superman. Wenn Magneto in X-Men 3 gegen Wolverine und Colossus steht und die beiden nicht einfach mit seinen Magnetkräften durch die Luft wirbelt, ist das ein Bruch der Konsistenz.
Besonders interessant sind dabei immer wieder Visionen und andere Möglichkeiten, die Zukunft zu sehen. Ist die Zukunft veränderbar? Dann garantiert ja aber niemand, dass die Vision überhaupt eine mögliche Zukunft darstellte. Ist sie unveränderlich? Was nützt dann die Vision, wenn sie nichts ändert? Tritt die Zukunft ein, aber anders, als man dachte? In der Regel ist dies die Option, die gewählt wird, weil sie Schreibenden erlaubt, überraschende Wendungen einzubauen, die das Publikum niemals erahnen kann. Wie Superkräfte ohnehin gerne für so etwas benutzt werden.
Die Vampire in Twilight sind eigentlich alle bereits Superhelden. Moderne (oder mormonische) Götter. Sie sind schneller als das Auge, stärker als der Orkan, nahezu unverwundbar. Und ihre Kräfte setzen sie für das Gute… halt! Nee, ihre Kräfte setzen sie ein, um Bären zu jagen oder, in Bälde, Ballspiele zu spielen. Die Moral der Götter ist damit erschöpft, dass sie nicht mutwillig Menschen töten.
Aber jeder Vampir – zumindest jeder Vampir aus Carlisles Familie – hat noch eine persönliche Gabe. Diese hat wohl mit ihrer Persönlichkeit vor der Verwandlung zu tun. Edward kann Gedanken lesen, weil er »sehr empfänglich für die Gedanken anderer« gewesen sein müsse. Sozusagen großes Einfühlungsvermögen, was man Edward aber beileibe nicht bescheinigen kann. Also vielleicht doch eher eine sehr distanzierte, soziopathische Beobachtungsgabe? Würde eher passen.
Die anderen Vampire haben leider teilweise ihre Kräfte einer unvorteilhaften Lotterie zu verdanken. Emmett ist stark. Angesichts der Tatsache, dass Edward bereits den Kampf gegen ein heranrauschendes Auto gewonnen hat, als er Bella rettete, ist das eine große Auszeichnung. Alle Vampire sind stark, aber Emmett noch ein bisschen mehr. Super. Rosalie ist zäh – oder, wie Edward sagt, dickköpfig. Das war eigentlich immer die Superkraft, die ich als Kind gerne gehabt hätte. Esme hat die Fähigkeit, leidenschaftlich zu lieben… oh oh, das sind nicht unbedingt gute Neuigkeiten für Bella, wenn leidenschaftliche Liebe bei Vampiren als Superkraft gilt. Carlisle wiederum, der Typ, der Edward ohne zu fragen zum Vampir machte und ihm dann eine Frau schenkte, hat die Superkraft des Mitgefühls. Kein Kommentar.
Jasper ist »sehr interessant«. Er hat eine »sehr subtile« Kraft: er kann nämlich die Gefühle ganzer Menschenmassen beeinflussen – also sie aufwiegeln, beruhigen o.ä.. Was für mich nicht unbedingt subtil ist. Aber immerhin, eine Kraft, mit der man etwas anfangen kann. Sehr viel sogar. Eigentlich ist das eine unfassbar mächtige Fähigkeit, mit der man z.B. Wahlen beeinflussen kann, Frieden schaffen, oder in einem Stadion als Wächter arbeiten. Wow, was für eine großartige Fähigkeit, verschenkt an einen Typen, der damit im Wald haust.
Und dann ist da noch Alice, die ja die Zukunft sehen kann. Oder auch nicht. Wir zitieren:
Sie sieht Dinge – Dinge, die passieren könnten, Dinge, die kommen. Aber es ist sehr subjektiv. Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt. Dinge verändern sich.
Abgesehen davon, dass Fräulein Meyer hier immer wieder »Dinge« sagt, wenn sie »Ereignisse« meint, wird doch eines klar: Alices Fähigkeit ist nicht »in Stein gemeißelt«. Soweit Seite 253. 23 Seiten später (S. 276) unterhalten sich Edward und Bella darüber, die Cullens besuchen zu gehen. Und wir lesen:
»Oh, sie wissen schon alles. Sie haben gestern gewettet, weißt du» – er lächelte, aber seine Stimme war hart – »ob ich dich wieder nach Hause bringe, aber warum irgendjemand gegen Alice wetten würde, kann ich mir nicht vorstellen.«
Weil die Zukunft nicht in Stein gemeißelt ist, du Idiot! Herrjeh, gute zwanzig Seiten nur, und schon passt das nicht. Hat dieses Manuskript überhaupt jemand mal gelesen? Ein Lektor? Fräulein Meyer selbst? Oder wurde das nur runtergetippt und durch die Rechtschreibprüfung gejagt?
Und nun eine kurze Einführung in den Unterschied zwischen Männern und Frauen. Edward lacht die ganze Zeit. Wie wir bereits wissen, kann niemand in diesen Büchern etwas einfach nur sagen. Also lacht Edward, oder er neckt Bella, oder er verlacht sie, oder er triezt sie – er ist jedenfalls die ganze Zeit dabei, über ihr Verhalten zu lachen oder sich gar lustig zu machen. Z. B. auf Seite 274:
»So kreativ bist du nicht«, höhnte er.
Das geht halt unbeantwortet vorbei. Aber auf Seite 275:
»Frühstückszeit«, sagte (!!!) er schließlich, lässig – um zu beweisen, da bin ich mir sicher, dass er all meine menschlichen Schwächen im Kopf behielt.
Also griff ich mir mit beiden Händen an den Hals und starrte ihn mit weiten Augen an. Erschrecken lag auf seinem Gesicht.
»Veräppelt!«, kicherte ich. »Und du sagtest, ich könnte nicht schauspielern!«
Er verzog das Gesicht vor Abscheu. »Das war nicht lustig.«
»Es war sehr lustig, und du weißt es.« Aber ich beobachtete seine goldenen Augen ausführlich, um sicher zu gehen, dass er mir vergeben hatte.
Okay, kurz innehalten. Der Anfang dieser kurzen Einlage ist gruselig geschrieben. Diese mit dem Komma abgesetzte Lässigkeit, dann der Bruch in der Erzählzeit (»bin« ich sicher; »I’m sure«), und das nicht motivierte »Also«.
Aber nun. Wir sehen, dass, wenn Bella einmal einen Witz in der Art macht, wie Edward ihn ständig macht, verzieht sich sein Gesicht in Abscheu (!), einer der stärksten negativen Emotionen, die wir kennen. Und Bella muss vergeben werden.
Direkt danach trägt Edward Bella entgegen ihrer Proteste die Treppe hinunter und setzt sie direkt auf den Küchenstuhl, woraufhin es beinahe soweit kommt, dass er ihr Frühstück hinstellt, aber so eine Verkehrung der richtigen Verhältnisse lässt Fräulein Meyer natürlich nicht zu. Stattdessen macht Bella ihr Frühstück und will Edward auch etwas geben – der will aber nichts. Dafür grinst er selbstgefällig. Und wundert sich, wie jemand gegen Alice wetten würde, was wiederum… siehe oben.
Und wir sind dem Treffen mit den Cullens wieder ein Stück näher gekommen. Viele Leute auf einem Haufen, das wird sehr spannend, wie Fräulein Meyer das erzählt.
Dieses Buch könnte so viel besser sein, wenn… Jasper seine Kräfte einsetzt und versehentlich einen Bürgerkrieg auslöst.

Comments 2
Stimmt, es wäre tatsächlich viel lustiger, wenn Steph’s Vampire ihre Superkräfte
nicht richtig im Griff hätten. Allerdings wären sie dann nicht mehr perfekt und
daher unwürdig, ein eigenes Buch zu bekommen. Da bin ich mir sicher. *ggg*
Steph’s Vampire haben Superkräfte, ein Supergehör, superschnelle Reaktionen….
sie sind Heroes ohne Einschränkungen, die ein kluger Autor sonst seinen
Superhelden verpasst. Das macht sie so unerträglich für den Leser. Steph hat
ihren Vampiren zusätzlich und ganz unnötigerweise noch ein paar extra
Fähigkeiten verpasst. Wäre es nicht toll, wenn die neben ihren
Superheldenfähigkeiten auch noch supermenschliche Fähigkeiten hätten? Da sie nun
mal Vampire sind und keine Menschen, musste sie ihnen diese als Special Skills
mitgeben. Du hast da eine interessante Frage aufgeworfen: wenn extreme Güte,
extremes Mitgefühl etc. eine besondere Gabe eines einzelnen Vampirs ist,
bedeutet es dann, dass den anderen Vampiren diese Fähigkeit vollkommen fehlt?
Carlisle ist die Güte selbst. Er ist gütiger Vater, gütiger Freund, gütiger
Arzt, früher war als Missionarensohn gütiger als sein eigener Vater, er ist der
gütige Herrscher über seine Patchworkfamilie. Denn dass er das Sagen hat, ist
eindeutig klar. Damit dürfte er auch derjenige sein, der alle immer wieder dazu
verdonnert, zum x-ten Male die Schule zu besuchen. ICH wäre vor Langeweile
bestimmt schon freiwillig zu den Volturi gegangen um mich zerreißen zu lassen.
Ganz ehrlich, soooo interessant kann der fünfte oder zehnte Schulbesuch einfach
nicht mehr sein. Wir reden ja nicht mal von einer Universität, bei der man dann
wenigstens unterschiedliche Studien betreiben könnte. Die Mitglieder seiner
Familie richten sich in allem und jedem vollkommen nach ihm, um (Zitat Edward)
“ihn nicht zu enttäuschen”. Ganz so gütig ist Papa Carlisle also vielleicht gar
nicht, wenn irgendetwas anders läuft als er das bestimmt hat in seiner gütigen
Allmacht. Gott schmeißt ja auch jeden aus dem Paradies, der sich nicht an seine
Gebote hält. Wir sollten nicht aus den Augen verlieren, dass Edward definitiv
nicht erwachsen ist, sondern eigentlich ein 17-jähriger Teenager, der in seiner
Entwicklung eingefroren ist. Das macht manche seiner Eigenschaften erklärbar.
Edward hat nicht die Gabe des Mitgefühls, denn das würde bedeuten, dass er sich
schon vorher gut in die Gefühle anderer versetzen konnte. Tatsächlich aber war
er nur imstande, andere Menschen und ihre Gedankengänge recht schnell
einschätzen zu können. Ein Analytiker also und nicht unbedingt ein sympathischer
Mensch. Nichts anderes macht er ja auch die ganze Zeit. Als Vampir kann er
richtig Gedanken lesen, was ihn als ewigen Teenager kein bisschen weniger
gefährlich macht. Da gibt es zwar diese Regel, dass Kinder nicht zu Vampiren
gemacht werden dürfen, aber das Alter in dem das ok ist, wird schon recht früh
angesetzt. Bree Tanner im neuen Buch ist ja auch grade mal 15 Jahre alt, also
eigentlich noch ein halbes Kind. Rosalie dürfte nicht recht viel älter sein,
vielleicht 18 Jahre und damit nach heutigem Brauch immerhin volljährig. Sie ist
zäh, was nach den Erfahrungen ihres Menschenlebens kein Wunder ist. Abgesehen
davon ist sie verrückt nach Kindern und vermutlich hält sie nur die Todesstrafe
davon ab, sich ein solches zu “besorgen”. Dafür unterstützt sie dann Bella
während ihrer Schwangerschaft und verteidigt sie gegen alle gut gemeinten
Ratschläge. Alice hat ihre Sehergabe nachweislich schon bevor sie ein Vampir
wird. Genau deswegen landet sie in der Nervenheilanstalt, in der sie dann Vampir
werden darf. Sehergaben sind in meinen Augen immer schwierig in einer
Geschichte. Offensichtlich sieht sie kurze Szenen der Zukunft ohne wirklich
einordnen zu können, was genau sie eigentlich sieht. So entsteht dann auch der
Irrtum im zweiten Band, dass Bella sich umgebracht hat.
Die einzig wirklich interessante Gabe hat Jasper. In meinen Augen ist er der
gefährlichste Vampir der Familie, geht aber in Steph’s Liebesgriesschmarren
völlig unter. Statt seine Gabe, die sie ihm schließlich selbst verliehen hat,
bei den Kämpfen gegen die Volturi sinnvoll einzusetzen, lässt sie ihn völlig
links liegen. Er ist weder Edward noch Bella und daher zu vernachlässigen. Was
könnte das für eine interessante Geschichte sein mit einem Jasper, der sich
gegen seine eigene Familie stellt, weil er Carlisle Regeln nicht mehr
akzeptieren will. Wahnsinnig alt können Alice und Jasper als Menschen ja auch
nicht gewesen sein. Japser hat im Bürgerkrieg gekämpft, aber auch damals wurden
halbe Kinder gegen Ende hin eingezogen.
Esme wird in der Geschichte kaum wahrgenommen. Sie ist ja nur die Mutter der
Familie und austauschbar….. tatsächlich wird ja auch Bella im letzten Band zur
allbeschützenden Übermutter, der sich niemand entgegenstellen kann. Damit ist
Esmes Rolle in der Familie völlig überflüssig geworden, weil die einzig
verheiratete “Tochter” mit Kind das Regime übernommen hat. Machtwechsel also in
der Mütterriege. Weder Rosalie noch Alice kommen dafür in Frage, obwohl erstere
immerhin verheiratet wäre. Da schlägt wieder die Mormonin komplett durch, bei
der eine Familie ohne Kinder einfach keine wirkliche Familie ist. Vermutlich ist
auch das der Grund, warum Carlisle entgegen seiner eigenen Bedenken überhaupt
andere Vampire erschafft. Er wünscht sich eine Familie, denn ohne diese ist er
nicht komplett. Was wäre auch ein Gott ohne anbetendes Volk?
Sehen wir diese Familie ruhig als das, was sie eigentlich sind: ein Sammelsurium
Posted 23 Jun 2010 at 20:22 ¶verschiedener Teenager mit jungen Erwachsenen als Eltern. Eingefroren in ihrem
jeweiligen Alter und Geisteszustand sind sie damit auch nicht imstande, sich
selbst weiter zu entwickeln. Edward ist nichts anderes als ein hundert Jahre
alter Teenager, Carlisle nichts anderes als ein noch älterer 23-jähriger mit
Allmachtsfantasien. Aber darin sind sie dafür absolut perfekt! Das hätte eine
gute Geschichte ergeben, wenn man es genau so geschrieben hätte.
((Spam???))
Gratulation! Das hat mich gefreut, als ich es gelesen habe. Endlich ein weiter Lottoanbieter, welcher seine soziale Verantwortung wahrnimmt. Ich find es toll und publiziere gerne nochmals den Link: http://www.eurolottery.lu/DE/Euromillions/Hilfe-fuer-die-Erdbebenopfer-der-Naturkatastrophe–in-Chile.html – Hilf mit das diese Aktion wieder startet und poste den Link weiter.
Posted 15 Jul 2010 at 10:41 ¶Post a Comment