Toy Story 3

Ich habe zu den Filmen der Toy Story-Reihe ein distanziertes Verhältnis, weil ich mich nicht davon lösen kann, dass es sich um Spielzeug handelt. Wenn also die Filme zeigen, wie der Besitzer der Toys sie vergisst oder austauscht und dies als einschneidend negatives Ereignis geschildert wird, dann kann ich mich der wörtlichen Interpretation nicht erwehren und denken, dass man Spielzeuge eben vergessen darf.

Ich bereue das manchmal, weil sich dahinter eine so dichte Metaphorik verbirgt.

Toy Story 3 (2010)

In der dritten Episode sind die Spielzeuge in Andys Zimmer bereits auf den harten (und gut verkaufbaren) Kern zusammengeschrumpft. Andy ist kurz davor, aufs College zu gehen, und spielt schon lange nicht mehr mit Woody, Buzz und Co. Die Angst geht um, er werde sie sogar wegwerfen, nur Cowboy Woody bleibt treu ergeben, wie auch in den vorherigen Filmen ist er festen Glaubens. Über Umwege geraten die Spielzeuge in einen Kindergarten, ein vermeintliches Paradies, das allerdings unter der Herrschaft des Teddybären Lotso Hugs eher einem Gefängnis gleicht. Und Woody tritt zum Ausbruch an…

Auf den ersten Blick ist Toy Story 3 ein unterhaltsamer Familienfilm, der allerdings – Warnung an die Eltern – einige Filmzitate aus Thrillern und Horrorfilmen enthält und einige doch sehr düstere Momente, die für kleine Kinder womöglich beängstigend wirken können. Dabei fand ich es etwas schade, dass der Film mit Barbie nur ansatzweise eine gleichwertig heldenhafte Behandlung mit weiblichem Spielzeug versucht, wie es mit Woody und Buzz der Fall ist, und dass man sich zwar nicht gehässig, aber doch beständig über Kens unmännliches Verhalten amüsiert.

Der Film enthält auch zwei wirklich gruselige Figuren, nämlich Big Baby – das in einem der zwei perfekten Filmmomente sehnsüchtig den Mond anstarrt – und den Wachaffen, der wie ein Wesen wirkt, das aus abgezapftem Albtraumstoff geschneidert wurde.

Und dann gibt es noch die Szene kurz vor Schluss, auf dem Schrottplatz, als Toy Story 3 plötzlich ganz tief in die Kiste greift und einen Moment voller Dramatik, Tragik und Entschlossenheit hervorzaubert, den Filme mit echten Schauspielern so kaum hinbekommen.

Dieser Moment, und die Metaphern als Ganzes, lassen sich sowohl auf eine religiöse Metapher ein als auch auf eine säkulare – die Menschen waren in der Welt der Spielzeuggeschichten immer schon die Götter, und wenn Andy nicht mehr mit ihnen spielt, dann sind die Toys tatsächlich von Gott verlassen, und Woody ist der Gläubige, der dies nicht realisieren will – oder geben die anderen Spielzeuge vielleicht ihren Glauben zu früh auf?

Szenenweise unfassbar gut, sehr unterhaltsam, und dicht genug, um Erwachsenen Diskussionsstoff über Leben und Tod, über Schicksal, über Religion, vielleicht sogar Politik zu geben. Toy Story 3 ist eine Allegorie, die Kindern in Punkten vielleicht zu düster oder zu schwierig ist, und die für mich eben leider immer noch mit Spielzeugen funktioniert. Nichtsdestotrotz ist dies einer der besseren, ja der besten Filme dieses Jahres bisher. Fast ein Armutszeugnis gegenüber den Live-Action-Filmen, aber gleichzeitig doch gut, dass wir Pixar haben.

Comments 1

  1. avatar Lia wrote:

    Ich schätze, den Film werden wir uns wohl aus Nostalgie ansehen müssen, obwohl mein “Kleiner” eigentlich aus dem Alter für diese Filme raus ist. ;-)

    Ich bin nicht der Meinung, dass man Spielzeug vergessen sollte. Sonst vergisst man vielleicht auch irgendwann, dass man selbst mal ein Kind war und sein Herz an irgendein unsäglich albernes aber heißgeliebtes Spielzeug gehängt hat.

    Und spätestens bei den eigenen Kindern bedauert man, dass man die eigenen Lego-Sachen o.ä. schon vor langer Zeit fortgegeben hat.

    Posted 29 Jun 2010 at 19:26

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