Für eine Kritik, die sich speziell mit den Rollen für Frauen und ethnische Minderheiten beschäftigt, siehe meinen ersten Gastbeitrag bei Heroine Content. Hier geht es genereller um den Film, auch wenn einige Dinge sich wiederholen.
Der persische König bemerkt bei einem Ausritt auf den Markt einen mutigen Jungen und adoptiert ihn. Der Junge wächst zu Jake Gyllenhaal heran, der als persischer Prinz mit seinen zwei älteren Brüdern die Stadt Alamud erobert, wo Prinzessin Gemma Arterton über den Sand der Zeit wacht und über den heiligen Dolch, mit dem man die Zeit zurückdrehen kann. Gyllenhaal erhält Arterton als Geschenk, wird dann aber verdächtigt, den König umgebracht zu haben (in Wahrheit ist das natürlich Onkel Ben Kingsley), und flieht – die Prinzessin an seiner Seite.

Prince of Persia (2010)
Es gibt auch nur eine wirkliche Frauenrolle, aber Artertons Prinzessin widersteht zumindest den meisten Klischees, was ich wirklich lobend hervorheben möchte. Leider sind sowohl Arterton als auch Gyllenhaal ziemliche Schnarchnasen, die meistens nichtssagend gucken. Es wäre schöner, wenn sie ihre Hauptfiguren hätten lebendiger gestalten können, so bleibt leider vieles flach. Dafür stören dann die Dialogszenen zwischen den Actionsequenzen auch nicht so.
Die Actionsequenzen selbst bestehen aus Kämpfen und Klettereinlagen als Hommage an das (tolle) Spiel – eine Einstellung ist sogar direkt aus Assassin’s Creed übernommen (falsches Spiel, aber immerhin). Klettereinlagen sind dann besonders toll, wenn man sich die Umgebung gut vorstellen kann und weiß, wer wie von wo wohin gelangt. Kampfszenen sind gleichfalls besonders mitreißend, wenn man Schläge, ja ganze Schlagabfolgen sehen kann und den Verlauf des Kampfes verfolgt. Leider sind bei Prince of Persia beide Formen von Action eher durch schnelle Schnitte gekennzeichnet, die Dynamik und Bewegung simulieren, aber man weiß nicht, was sich wohin bewegt.
Dazu kommt, dass der Film einfach dämlich ist. Da gibt es eine grobe Irakkriegs-Parallele – Alamud wird wegen verbotener und versteckter Waffen angegriffen, aber das ist nur ein Vorwand, in Wahrheit geht es um den (Boden-)Schatz der Stadt. Kritik am us-amerikanischen Umgang mit anderen Völkern, indem man einen Film über den Irak im Iran ansetzt und kaukasische Schauspieler besetzt… Ansonsten hat das Drehbuch aber fast schon dankenswerterweise keinen weiteren Gedanken, es gilt nur, zu prügeln.
Wir lernen, dass Ben Kingsley droht, die Welt zu vernichten, weil er länger als eine Minute in der Zeit zurückreisen will. Am Ende reist unser Held problemlos länger als eine Minute in der Zeit zurück und macht damit all die ganzen Toten, die wir gesehen haben, all die Opfer und Konsequenzen ungeschehen. Nur reist der Held natürlich nicht bis vor den Angriff auf den Irak, also Alamud zurück, sondern bis direkt nach der Eroberung. Ein paar Leute bleiben also tot. Und Kingsley muss selbstverständlich auch sterben, nachdem ihn der vierzig Jahre jüngere muskulöse Held im Schwertkampf besiegt hat. Kann einem fast Leid tun.
Allerdings ist Prince of Persia einfach nur ein dummer mittelmäßig schlechter Actionfilm – typisch Hollywood eben, und kein Film, der das eigene Publikum hasst und für Idioten hält. Bewusst Mittelmaß zu produzieren ist zwar ärgerlich, aber nicht so ärgerlich wie bewusst Mist zu produzieren, insofern gibt es Schlimmeres. Aber auch sehr viel Besseres.

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