Lektionen aus Matrix:Reloaded

Ich bin auf einen Beitrag gestoßen, in dem die Effekte der großen Rauferei in Matrix: Reloaded kritisiert wurden. Und ja, mit zunehmender Dauer nehmen die Computerdoubles zunehmenden Raum ein und sind störend offensichtlich. Aber als ich die Sequenz erneut gesehen habe, ist mir aufgefallen, dass hier auch ganz andere Problemstellen der unzureichenden Fortsetzungen erkennbar werden.

Hier noch mal die Szene zum Angucken, leider kann ich sie hier nicht einbetten.

Wenn man sich diese fünfminütige Kampfsequenz ansieht, fällt tatsächlich auf, dass die Effekte nicht gut genug sind. Aber es fällt noch viel mehr auf.

Matrix ist ein hervorragender Film. Nicht nur, dass er die Kameraführung technisch revolutionierte; nein, die Wachowskis inszenierten mitreißende Actionsequenzen. Diese Sequenzen hatten alle Elemente, die wichtig waren. Die Kämpfe waren übersichtlich – gerade durch die fließende Kamera und Bullet-Time konnte man sehen, wie sich die Kontrahenten bewegten und erhielt nicht nur kleine Fetzen von Bewegung – das schafft die obige Sequenz auch. Aber da war noch mehr.

Es war in den Szenen klar, worum es ging. Stets gab es klare Ziele, und fast immer bestand auch das echte Risiko, dass etwas schief ging. Zu Beginn galt es nur, vor den Agenten zu fliehen. Dann wurde Neo in die Matrix eingeführt. Schließlich gab es einen Moment, indem die Möglichkeiten der Rebellen beleuchtet wurde, als sie nämlich die Polizisten im Foyer niedermachten – erschossen. Dann galt es, Morpheus zu befreien, und schließlich die Konfrontation von Neo mit den Agenten: Der Versuch, zu kämpfen, Flucht und schließlich die reine Überlegenheit des Auserwählten.

Der Burly Brawl hat nichts davon. Agent Smith und Neo prügeln sich einfach nur. Neo will nicht entkommen oder irgend etwas erreichen, er schlägt nur die anstürmenden Massen zurück. Gleichzeitig aber ist es eine reine Prügelei. Neo schlägt die Massen von Agenten der Reihe nach zu Boden, wo sie wieder aufstehen – er macht auch keine Anstalten, einzelne Agenten dauerhaft auszuschalten. Es ist aus Neos Sicht ein sinnloser Kampf, da er weder den Gegner dezimiert noch ein anderes Ziel hat. Vielleicht hofft er, Smith werde langweilig.

Der Brawl verrät auch Einfallslosigkeit: denn Faustkämpfe haben wir bereits gesehen, und der Auserwählte sollte doch, so vermuten wir, besondere Kräfte haben. Wir erwarten, dass Neo Code mit den Händen verändern kann, oder gar per Gedanken. Stellen wir uns vor, er würde einzelne Agenten in der Luft zerreißen, ihnen Bits aus dem Körper schlagen, sie mit dem Pfahl durchbohren – dann könnte er immer noch überwältigt werden, aber wenigstens passierte etwas.

Stattdessen prügeln sich hier ein Auserwählter und viele Viruskopien, die allesamt und ohne Ausnahme von der langen und harten Prügelei keinerlei Schaden nehmen oder auch nur sichtbar beeinflusst werden. Nicht mal gerät eine Krawatte in Unordnung, rutscht ein Hemd aus der Hose oder geht eine Brille zu Bruch.

Das ist langweilig. Das ist ziellos, das ist ohne Konsequenzen, das ist ohne Wucht, das ist einfallslos und in die Länge gezogen. Und da würden auch keine perfekten Effekte helfen.

Lektion an Actionfilmer: so geht es nicht.

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