Samstags zerreiße ich ja immer Twilight, auch weil das so furchtbar geschrieben ist. Aber es gibt auch Gegenbeispiele. Ein tolles Gegenbeispiel ist die TV-Serie Justified, und ich werde hier nun ein Beispiel geben.
Die Serie handelt von Raylen Gibbens (Timothy Olyphant), einem US-Marshall, der in seine alte Heimatstadt in Kentucky versetzt wird. Dort trifft er unter anderem auf seinen Vater Arlo (Raymond J. Barry). Arlo ist ein Windhund, ein Betrüger, ein Kleinkrimineller, für den die Metapher »mit allen Wassern gewaschen« eine Untertreibung ist. Raylen hat gelernt, in jeder Handlung, in jedem Satz, in allem, was Arlo tut, ein verdecktes Motiv zu sehen. Und Arlo ist ihm trotzdem oft noch einen Schritt voraus.
Und jetzt kommt der Moment, von dem ich rede.
Arlo ist ein Vietnamveteran, und in der betreffenden Folge sitzt er einem anderen Soldaten gegenüber, der droht, sich mit einer Handgranate umzubringen. Der Soldat erzählt, dass er wunderbarerweise verschont blieb, als seine ganze Einheit getötet wurde, und als seine neue Einheit jetzt zurück nach Afghanistan geschickt wurde, hat man ihn wegen seines Lungenleidens zu Hause gelassen – ihn plagen Schuldgefühle.
Und dann erzählt Arlo:
In Vietnam führte sie ihr Sergeant in einen Hinterhalt. Die Hälfte des Trupps wurde getötet, die andere Hälfte gefangen genommen. Arlo war der einzige, der sich beim Angriff in die Büsche warf, und der Vietcong sah ihn nicht. Arlo hätte kämpfen können, sagt er, aber der Kampf war verloren, und also blieb er versteckt und sah zu, wie sie seinen besten Freund, einen Typen, den sie »Blue« nannten, wegtrugen. Und Blue sah ihn. Ihre Augen trafen sich, und obwohl Arlo wegsehen wollte, konnte er nicht. Und dann… lächelte Blue. Und Arlo sagt, er sehe dieses Lächeln jeden Tag vor sich. Und er glaube, dass Blue froh war, dass Arlo davon gekommen war. Und dass die toten Gefährten des Soldaten ihm gegenüber auch froh wären, dass einer überlebte.
Der Soldat fragt: »Warum ich?«
Arlo antwortet: »Sehe ich aus wie ein heiliger Mann? Ich kann das nicht beantworten. Aber ich kann dir eine Gegenfrage stellen: Warum nicht du?«
Kurz darauf, die Situation jetzt geklärt, sitzt Arlo neben Raylen und sagt: »Hast du alles gehört?« Raylen nickt. Arlo: »Du weißt, dass das alles Bullshit war, oder?«
Nicht nur war das großartig gespielt. Aber hier kommt rein, warum das toll geschrieben ist. Erstens passt diese Geschichte hervorragend zu dem, was der Soldat sagte. Sie wirkt tatsächlich gerade verschieden und gerade ähnlich genug, als dass Arlo sie hätte ausdenken können.
Zweitens aber funktioniert sie auch, sogar noch besser, als wahre Geschichte. Nicht nur, dass Arlo dann diesen Moment ehrlicher Verletzlichkeit seinem Sohn gegenüber überspielt – was uns seinen Charakter verrät. Nein, man stelle sich das vor: der Typ kommt aus Vietnam, er hat erlebt, wie alle um ihn herum starben oder in Gefangenschaft gerieten – aber er kam davon. Er überlebte, indem er sich versteckte, und er glaubt, dafür sogar von seinem besten Freund Blue Absolution erhalten zu haben.
Das passt absolut zu Arlo als Schlawiner, als jemand, dem nichts zu schade ist, um zu überleben und seinen Vorteil zu kriegen. Egal, was er tut – Arlo wird nicht derjenige sein, der dran glauben muss, wenn andere sich verstecken. Er wird überleben.
In einer kurzen Szene haben wir einen offensichtlichen Konflikt, der auf eine Art und Weise gelöst wird, die viel über die Figuren verrät, dessen Lösung ambivalent bleibt, und auch noch etwas darüber verraten könnte, warum der Charakter so wurde, wie er ist.
Das ist gut geschrieben, und wenn Stephenie Meyer vor dem Fernseher saß, hat sie hoffentlich Tränen der Schande geweint. Und nicht nur sie…

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[...] ich habe gestern ein Beispiel für gutes Schreiben gegeben, das mir selbst auch vor Augen führte, wie sehr das in Twilight [...]
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