ZS: Vampire wachsen nicht auf Bäumen (S. 250-254)

Dies ist Teil 35 von 61 der Serie Zwielicht am Sonnabend

Ich denke, wir müssen nicht erwähnen, dass Edward ein viel besserer Autofahrer ist als Bella; dass er im Radio Oldies hört; dass er für die Musik der Sechziger und Siebziger (»Dreckige Hippies«, sagt Stephenie Meyer und spuckt aus) nichts übrig hat. Wir könnten uns allerdings fragen, warum er mit Bellas Lastwagen fährt, anstatt sie einfach huckepack zu tragen. Schließlich wurde aus einem mehrstündigen Fußweg eine Strecke von fünf Minuten, und Edward kann sicher noch schneller rennen. In den Kommentaren zum letzten Beitrag wurde festgestellt, dass er so mindestens 120 km/h schnell sein müsse. Wozu dann Autos?

Aber wenden wir uns lieber Edwards Lebensgeschichte zu.

Bella schafft es, ihn zum Reden zu bringen, und er gibt an, im Jahre 1901 geboren worden zu sein. Er starb 1918 in der Grippe-Epidemie, die weltweit zwischen 50 und 100 Millionen Opfer forderte. Zumindest lag er im Sterben, aber Carlisle Cullen entschloss sich, Edward zu einem Vampir zu machen. Warum? Edward vermutet Einsamkeit. Warum Edward?

Tja, das ist eine gute Frage. Edward kann sie nicht beantworten, obwohl er ja sogar die Gedanken von Vampiren lesen kann. Vielmehr sagt er: »[Meine Eltern] waren bereits an der Krankheit gestorben. Ich war allein. Darum wählte er mich aus.« Das ist nun wirklich kein Grund. Eigentlich sollte man vermuten, ein besonderer – weil vegetarischer – Vampir wäre etwas anspruchsvoller, was mögliche Gefährten angeht. Vor allem würde das auch Rückschlüsse auf Carlisle zulassen – aber der ist ja eh nur soweit wichtig, als das Edward und damit Bella betrifft.

Edward war jedenfalls Carlisles erstes “Kind”. Erst später machte er auch Esme zu einer Vampirin, zu seiner Gefährtin. Hat Carlisle Edward vielleicht aus sexuellen Hintergründen erwählt? Wahrscheinlicher ist, dass die Gemeinschaft zwischen Jungs und Männern einfach wichtiger und echter ist, und wenn man dann mal einen echten Freund hat, dann fehlt nur noch der Sex, und das können dann die Frauen liefern.

Interessant dabei ist, wie Edward Carlisle beschreibt. Er tut dies in höchsten Tönen: Carlisle war immer der »menschlichste, mitfühlendste« von allen, »ich glaube nicht, dass du seines Gleichen in der ganzen Menschheitsgeschichte finden könntest.«

Dieser edle Vampir nahm sich also den sterbenden Edward und verwandelte ihn, was für Edward »sehr, sehr schmerzhaft« war. Aber natürlich würde er »das niemals jemandem antun, der eine andere Wahl hätte.«

Das bedeutet jedoch NICHT, dass Carlisle eine Wahl gewähren würde. Er nimmt sich einfach Sterbende und lässt sie nicht sterben. Er vergreift sich an ihnen, und wenn das Blut trinken der Vampire eine Metapher für Sex sein soll, dann vergewaltigt er diese Menschen und macht sie selbst zu Vergewaltigern. Aber gleichzeitig soll er menschlich und mitfühlend sein? Ehrlich?

Nachdem er Esme gefunden hat, macht Carlisle Rosalie zum Vampir, um Edward eine Gefährtin zu geben – wieder sehr mitfühlend, sich einfach eine junge Frau zu schnappen und diese einem anderen Mann zu schenken. Man sollte doch annehmen, Edward könnte sich seine Gefährtin selbst aussuchen, aber nicht mit diesem besten aller möglichen Monster.

Alice und Jasper kamen von außerhalb zur Gruppe – Jasper fand von sich aus zum Vegetarismus, und Alice Hintergrund ist ungewiss. Edward erkennt an, wie selten es ist, dass ein Vampir von sich aus Vegetarier wird – Carlisle hat es wahrscheinlich auch geschafft.

Hier beschreibt Stephenie Meyer eine schöne Metapher für Religion, denn in der Regel übernimmt man ja die religiösen Ansichten seiner Erziehung und stößt nicht selbst drauf. Genauer auf den »Vegetarismus« bezogen trifft es sicher zu, dass die meisten Menschen, die sich für Enthaltsamkeit entschließen, dies aufgrund ihrer Erziehung tun. Allerdings lässt Meyer außer Acht, warum solche Vampire so selten sind. Es ist eben das Glück, von Carlisle geschaffen worden zu sein (oder mit dem richtigen Glauben aufzuwachsen). Rückschlüsse werden dadurch nicht geschlossen.

Bella ist von allem überwältigt: »Da waren viele Dinge, die ich durchdenken musste, Dinge, die mir gerade erst klar wurden.« Welche Dinge? Wir werden es niemals erfahren. Aber es gibt Dinge, derer Bella sich klar wird, und die sie durchdenkt. Ist ja auch schon mal was. Uns wird hingegen nicht gerade erst klar, dass Stephenie Meyer eine schlechte Autorin ist.

Was auch bei ihrer Behandlung von Alice wichtig wird. Alice sieht die Zukunft, oder zumindest so halb: »Dinge die passieren könnten, die auf uns zu kommen. Aber es ist sehr subjektiv. Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt. Dinge ändern sich.« Im Endeffekt sieht Alice also Dinge, die wahr werden können – oder auch nicht. Seeehr nützliches Talent. Natürlich wird Alices Gabe im weiteren Verlauf wie echte Prophezeiung behandelt und nicht bezweifelt. So sagt Edward kurz darauf: »Wenn sie diesen anderen Sinn nicht gehabt hätte, wenn sie Jasper und Carlisle nicht gesehen hätte und gewusst hätte, dass sie eines Tages eine von uns werden würde…«

Da klingt die Zukunft gar nicht mehr so unsicher.

Ich hingegen prophezeie, dass die nächste Folge von »Zwielicht am Sonnabend« Logikfehler, Stalking und schlecht geschriebene Sätze enthalten wird. Wir werden sehen, ob sich das bewahrheitet…

Series NavigationZS: das schwache Geschlecht (S. 244-249)ZS: Weibsvolk! (S. 253-257)

Comments 5

  1. avatar Lia wrote:

    Carlisle erzählt später, dass Edwards Mutter ihn vor ihrem Tod gebeten hatte, sich um Edward zu kümmern (“so als wüsste sie Bescheid”). Er hat das dann so interpretiert, wie es ihm passt und Edward zu einem Vampir gemacht.

    Jasper wird nicht direkt von alleine zum Vegetarier sondern trifft in einer depressiven Phase nach diversen Kämpfen mit einer Vampirarmee auf Alice. Die bringt ihn zu den Cullens, wie sie das vorher so gesehen hatte.

    Alice war in ihrem Menschenleben in einer psychiatrischen Anstalt, wohl wegen ihrer Visionen und Ahnungen, die auf ihre Umwelt zu seltsam wirkten. Dort hat James sie als Opfer auserkoren, der Vamp Bellir der Bella stalkt und entführt. Wie er das in einer geschlossenen Anstalt macht, wird nicht erklärt. Wie auch, SM erklärt ja grundsätzlich nie etwas.

    Jedenfalls wird Alice durch einen Psychiater dieser Klinik “gerettet”, der ebenfalls ein Vampir ist. Der wird dann von James in einem Wutanfall getötet, weil er ihm sein Opfer genommen hat. Denn an Alice als Vampir hat James kein Interesse mehr. So wird Alice zum Vampir, weiß aber nichts über ihre Herkunft.

    Das alles erfährt man ganz kurz gegen Ende des 1. Bandes. Im 2. Band erwähnt Alice ganz kurz, dass sie ihre menschliche Familie kennengelernt hat, von denen noch einige leben. Aber es gibt keine weiteren Erzählungen, das alles bleibt im Hintergrund als unwichtige Nebeninformation, denn es hat ja nicht mit Bella und Edward zu tun.

    Allein diese kleinen, unwichtigen, nebensächlichen Fakten hätten schon ein tolles Buch ergeben. Ganz ohne Edward und Bella, dafür wesentlich spannender und dramatischer. SM vergibt jede Chance, die einen echten Schriftsteller grad erst zu Hochtouren auflaufen hätten lassen.

    Posted 15 May 2010 at 20:51
  2. avatar Gwen wrote:

    “SM erklärt ja grundsätzlich nie etwas.”

    Boah Leute… diese Abkürzung irritiert mich beim Lesen jedesmal!

    Posted 16 May 2010 at 17:30
  3. avatar Patrick wrote:

    Ich muss auch immer mitdenken :)

    Steph? SteMe?

    Posted 16 May 2010 at 17:38
  4. avatar Lia wrote:

    Och jo, Leute, aber gebt mal zu: die Abkürzung SM ist einfach zu verlockend als Abkürzung für Stephenie Meyer. ;-) Sie hat einfach so eine sadistische Art des Schreibens, die den Leser völlig im Unklaren über Motive und Gedanken seiner Lieblingshelden lässt. Wer, wenn nicht ein Sadist, würde seine Leser so behandeln? *ggg*

    Posted 16 May 2010 at 18:44
  5. avatar Siri wrote:

    Diese ganze Vegetariersache ist doch totaler Bullshit! Sind Tiere keine Lebewesen? Spüren sie keine Angst oder Schmerz? Was geht SM *ggg* eigentlich im Kopf um? Wie wir ja bereits wissen nichts… äh… Menschliches ^^
    Vielleicht ist es bei den Mormonen ja so, dass Tiere keinen Wert haben. Das konnte ich allgemein bei christlichen Menschen im Alltag beobachten…
    Naja jedenfalls krige ich immer einen Wutanfall, wenn ich höre, dass diese Cullens sich “Vegetarier” schimpfen. Damit sind sie auch nicht besser, als alle anderen Vampire. Ob Menschen oder andere Tiere ist egal, wir sind alle gleich (sollte man jedenfalls meinen). Egal wen sie von beiden töten, da sie es zum Leben brauchen, finde ich es vollkommen okay, aber Vegetarier… *Kopf schüttel*

    Posted 04 Oct 2011 at 23:29

Trackbacks & Pingbacks 1

  1. From Pennsylvania Car Accident Attorney – Offices in Harrisburg, Lancaster, Carlisle, Hanover and York | Attorney IQ on 15 May 2010 at 00:05

    [...] Derangierte Einsichten – ZS: Vampire wachsen nicht auf Bäumen (S … [...]

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *