Roman Polanski kann nicht länger schweigen

Und zwar kann er so sehr nicht länger schweigen, dass er das in seinem Text gleich mehrfach wiederholt. Dabei wird mir mit jedem Absatz von ihm schlechter.

Ich schweige dann auch mal nicht.

Polanski stilisiert sich hier in eine Opferrolle hinein, die ich nahezu unerträglich finde. Dieser Mann flößte einer Dreizehnjährigen Alkohol und Betäubungsmittel ein und vergewaltigte sie dann, während sie »nein« sagte. Dieser Mann machte sich eine Dreizehnjährige gefügig und vergewaltigte sie. Um das Mädchen vor einer Aussage zu schützen, ließ man sich auf einen Deal ein, und als der Richter diesen nicht einzuhalten drohte, floh Polanski, um nicht ins Gefängnis zu müssen.

Roman Polanski sagt, er habe seine Strafe bereits in Chino verbüßt, »das kein VIP-Gefängnis ist«. Dort hat Roman Polanski 42 Tage eingesessen. Das ist für ihn die Strafe wegen Vergewaltigung unter Verwendung betäubender Mittel eines 13 Jahre alten Mädchens.

Roman Polanski betont, dass das Gericht »um x-ten Mal die Bitte des Opfers abgewiesen hat, die Strafverfolgung gegen meine Person ein für alle Mal einzustellen und selbst nicht immer wieder bedrängt zu werden, wenn der Fall erneut aufgerollt wird«. Entscheidend ist der letzte Punkt: das Opfer – Polanski selbst nennt die Frau so, die er als Dreizehnjährige vergewaltigte – möchte nicht dem Druck eines Gerichts und der Medienberichterstattung ausgesetzt sein. Die Bitte, das Verfahren einzustellen, hat nichts damit zu tun, dass der Umgang mit Polanski ungerecht sei, es ist reiner Selbstschutz. Und Polanski hat die Chuzpe, sich hinter seinem Opfer zu verstecken: »Seht ihr nicht, was ihr der armen Frau damit antut?«, will er sagen, der dieser Frau als Dreizehnjähriger Alkohol und Betäubungsmittel einflößte und sie dann gegen ihre ausdrückliche Willensbekundung vergewaltigte.

Roman Polanski will »nur wie alle anderen behandelt werden«. So wie alle anderen Kinderschänder, die jahrzehntelang durch die Welt reisen und Millionen verdienen. So wie alle anderen Kinderschänder, die in großen Zeitungen einen Kommentar schreiben und ihre Sichtweise darlegen dürfen. So wie alle anderen Kinderschänder, die wir nach 42 Tagen mit verbüßter Strafe entlassen. So wie alle anderen Kinderschänder will er behandelt werden.

Kann er gerne haben. Er kann gerne zurück nach Chino gehen, in den normalen Trakt, und den anderen Häftlingen sagt man auch vorher, warum der Mann einsitzt: Vergewaltigung einer Dreizehnjährigen.

Ich bin kein Freund unseres Gefängnissystems, schon gar nicht des us-amerikanischen, und ich finde es verabscheuungswürdig, dass Vergewaltigungen im Gefängnis oft als Teil der gerechten Strafe akzeptiert werden. Ich will auch nicht, dass Roman Polanski das durchmachen muss, was andere – vor allem Kinderschänder, die selbst bei Mördern als unterste Liga gelten – im Gefängnis durchmachen müssen, weil ich nicht will, dass irgendjemand das durchmachen muss.

Aber wenn Polanski schon so wie jeder andere behandelt werden will – dann sollte er das auch dürfen. Ist ja seine Entscheidung. Und das geht auch ganz einfach: er muss sich einfach der Strafgerichtsbarkeit stellen. Fertig.

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