Angela Merkel sagt, die Griechenlandhilfe sei alternativlos. Und Minister von, zu und gegen Guttenberg sagt, es gebe keine Alternative zum Afghanistan-Einsatz. Ich hoffe sehr, dass dies nur rhetorisches Getöse ist, aber selbst als solches ist es beängstigend, nervig und aufregend.
Anders gesagt: es ist Bullshit.
Diese Floskel von der fehlenden Alternative soll sicherlich Druck ausüben, um die eigene Politik durchzusetzen. Aber wenn man sie wirklich ernst nimmt, dann macht es tatsächlich Angst, was für Leute die Führung des Landes übernommen haben.
Denn natürlich gibt es Alternativen. Zum Beispiel könnte man Griechenland nicht helfen oder die Soldaten aus Afghanistan zurückholen. Was die Damen und Herren eigentlich sagen sollten, ist: »Es gibt keine bessere Alternative.«
Aber damit finge es erst an, denn dann kann man ja fragen: stimmt das? Plötzlich wägt man Optionen ab, sieht sich unterschiedliche Alternativen an und versucht, die tatsächlich beste zu finden. Das ist ja aber gar nicht gewünscht.
Am Ende denken Merkel und Guttenberg das wirklich. Am Ende betrachten sie gar keine Alternativen mehr, sondern ziehen die gewünschte Politik einfach durch, ohne sich andere Optionen überhaupt anzuhören. Und ist es ihre Politik oder die von Interessenverbänden, die sie dann vertreten?
Wenn man ein Dilemma konstruiert, fällt es schon schwer, eine Situation mit nur zwei Alternativen zu erschaffen – die meisten Situationen lassen viele Handlungsmöglichkeiten offen. Und die Demokratie ist deshalb die bislang beste Regierungsform, weil sie auf Diskussion und Kompromissen fußt, weil eben implizit die Alternativen besprochen und die beste gewählt werden. Eine Denkweise, wie sie Kanzlerin und Verteidigungsminister hier an den Tag legen, ist grenzwertig antidemokratisch.
Aber sie ist auch einfach. Denn damit gibt es ja keine richtigen oder falschen Entscheidungen, sondern nur Sachzwänge. Selbst, wenn sich die Griechenlandhilfe als Flop herausstellt – was hätte Merkel anderes tun sollen? Es gab schließlich keine Alternative. Anstatt zu gestalten, muss einfach nur abgenickt werden, was eh erforderlich ist. Aber warum soll man dann diese Leute ins Amt wählen? Dafür können wir auch Roboter nehmen – wenn es keine Alternativen gibt, ist Politik sehr leicht.
Ich sage Bullshit, und ich bedauere es zutiefst, dass von der großen Presse niemand nachhakt, sondern diese linguistische Schindluder durchgehen lässt. Diese Presse sollte doch inzwischen auch wissen: sie sind nicht mehr die einzigen Meinungsmacher. Es gibt Alternativen…

Post a Comment