George Rekers ist ein Idiot. Das sollten wir vorab klarstellen. Rekers ist aber auch Gründer des Family Research Council, eines christlich-konservativen Vereins, der gerne mal die moralische Verkommenheit unserer Zeit anprangert, und saß im Vorstand von NARTH, einer Vereinigung, die Homosexualität (eine der Ursachen für moralische Verkommenheit) durch christlichen Glauben behandeln wollte. Wegbeten also.
In der Miami New Times lässt sich lesen, wie so was aussah. Ich übersetze mal…
1974 lernte Rekers einen vierjährigen, »weibischen Jungen« names Kraig kennen, dessen Eltern ihn in seinem Programm angemeldet hatten. Rekers steckte Kraig in einen »Spiel- und Beobachtungsraum« mit seiner Mutter, die einen Knopf ins Ohr bekam. Wenn der Junge mit Mädchenspielsachen spielte, sollte sie sich nach Anweisung der Ärzte von ihm abwenden.
2001 hieß es im Magazin Brain, Child: »Bei einer dieser Gelegenheiten war sein Unmut so groß, dass er zu schreien begann, aber seine Mutter sah nur weg. Seine Unsicherheit wurde größer, und er tat alles, was er konnte, um sie auf sich aufmerksam zu machen… Kraig wurde so hysterisch, und seine Mutter so mitgenommen, dass einer der Forscher reinkommen und den schreienden Kraig aus dem Zimmer holen musste.«
Rekers Leute führten das Experiment im Heim der Familie fort. Kraig erhielt rote Chips für feminines Verhalten und blaue Chips für maskulines Verhalten. Die blauen Chips konnten für Süßes oder Fernsehzeit eingetauscht werden. Die roten sorgten für einen »Klaps« oder Schläge auf den Hintern von seinem Vater. Die Forscher kamen in Abständen in das Haus zurück, um die richtige Umsetzung dieses Belohnungssystems zu gewährleisten.
Nach zwei Jahren verhielt sich der Junge angeblich wie ein »echter Kerl«. Jahrzehntelang nannte Rekers, der zahllose ähnliche Experimente durchführte, Kraig seinen »Musterschüler für Verhaltenstherapie bei jungenhafter Verweiblichung«.
Im Alter von 18 und getrieben von Scham über seine Kindheitsdiagnose und Behandlung versuchte Rekers Musterschüler, sich das Leben zu nehmen, heißt es in Gender Shock, einem Buch der Journalistin Phyllis Burke. Rekers, deren frühe Experimente die ersten waren, eine angebliche »Schwulenheilung« zu demonstrieren, musste letzte Woche seinen Posten bei NARTH räumen (…). NARTH steht jedoch zu seiner Forschung.
Ein Vierjähriger wird bestraft, weil er zu weiblich ist und mit Mädchenspielzeug spielt? Über zwei Jahre lang? Oder sollte man besser sagen: Rekers sorgt dafür, dass ein Junge so behandelt wird und in einem Klima aufwächst, das ihn in den Selbstmordversuch treibt? Das ist eine Horrorgeschichte, und zwar eine, die sich häufig wiederholt und mich sehr zornig macht.
Zum Glück gibt es wenigstens ein halbwegs gutes Ende. George Rekers ist nämlich in Urlaub gefahren und hat sich dazu von Rentboy (nur für Erwachsene!) – einer Seite für homosexuelle Prostitution – einen hübschen Latino gebucht, für sinnliche Massagen (und mehr). Rekers behauptet, er habe den jungen Mann gebraucht, um seine Koffer zu tragen, und ihm während der Schiffsfahrt die Gefahren des homosexuellen Lebenwandels erklärt.
Und wisst ihr was? Das glaube ich sogar. Ich glaube, dass George Rekers so von Selbsthass und verleugneter Homosexualität getrieben ist, dass er seinen Rentboy mit Traktaten nervte, während er nackt massiert wurde; ich glaube, dass er keinen Sex hatte, weil allein die Berührung in ihm schon das Gefühl übelster Sünde hervorruf. Dann täte mir Rekers sogar leid, denn niemand soll so leben müssen – und wie viel glücklicher wären er und seine Patienten, wenn er sich zu seiner Neigung bekennen und sie leben könnte. Aber weil er das nicht tut und viel und großen Schaden angerichtet hat, bin ich natürlich auch ein wenig schadenfroh. Und Rekers ist – siehe oben – ein Idiot.

Comments 3
Ich glaube er ist nicht der einzige, der sich mit so einem Unsinn abgibt. Infomania’s Bryan Safi hat sich damit mal auseinandergesetzt: http://current.com/shows/infomania/91311537_thats-gay-conversion.htm
Posted 28 May 2010 at 12:31 ¶Aber was sie dem Kind angetan haben ist echt furchtbar. Ich frage mich nur, ob es um “Homosexualitätsprävention” ging oder einfach darum, überkommene Rollenvorstellungen zu zementieren.
Danke für den Link!
Ja, mit den Rollenvorstellungen… ich meine, der Junge ist vier und nicht männlich genug. Das ist das angebliche “Problem”, und wird dann gedeutet als: nicht männlich = schwul.
Als jemand, der Formel 1 doof findet, selten Fußball guckt, kaum Bier trinkt und wahrscheinlich morgen Eurovision schaut – Pah!
Posted 28 May 2010 at 12:39 ¶Oh, wie ich so was liebe. Als ob man bei einem so kleinen Kind schon irgendeine Orientierung feststellen könnte. Was sind das nur für Menschen, die sich auch noch trauen, solche Wahnsinnsaktionen im Namen Gottes zu veranstalten?
Die Rollenvorstellung ist aber tief im Gedächtnis verankert. Sonst würde man Aussagen wie “jetzt sei kein solches Mädchen” oder “die ist ja ein halber Junge” gar nicht möglich. Irgendwo im menschlichen Hirn sitzt eine Erbsenzählermentalität, die nur dafür zuständig ist, lebendige Menschen in Schubladen zu stecken.
Rekers kann ruhig schon hier auf Erden ein wenig leiden bevor er in die Hölle fährt. Mein Mitleid mit solchen Typen hält sich schwer in Grenzen.
Posted 28 May 2010 at 20:25 ¶Post a Comment