»Titanen werden kämpfen« lautet der Slogan des Films und verrät alles. Denn erstens ist dieser Slogan dümmlich aus dem Titel abgeleitet, und zweitens kämpfen in Kampf der Titanen gar keine Titanen. Der Film verkauft die Zuschauer also für noch dümmer, als er mit dem ohnehin dummen Slogan suggeriert. Wie wir gleich zu Beginn erfahren, wurden die Titanen durch den Kraken besiegt, und in diesem Film geht es eher darum, dass Perseus diesen Kranken besiegen muss. Allerdings erfahren wir auch, dass die Titanen vor den Göttern existierten und gleichzeitig wird die Medusa, die viel später von den Göttern verflucht wurde (dazu gleich mehr), als Titan bezeichnet. Der Film weiß also wohl selbst nicht genau, was los ist.
Nur eins ist sicher: Kenntnisse griechischer Mythologie sind für diesen Film extrem hinderlich.

Kampf der Titanen (2010)
Man mag es kaum für möglich halten, aber nicht nur wird die griechische Mythologie mit Füßen getreten, sondern Kampf der Titanen entwickelt eine christliche Theologie. Zwar sieht man auch mal andere Götter – weibliche Götter haben allerdings keine Sprechrolle, sondern sitzen nur rum –, aber im Endeffekt ist dies Gott und der in die Unterwelt verdammte Teufel, die hier zu sehen sind. Ergo will Zeus auch nur die Liebe der Menschen und Hades ihre Furcht, und ergo labert der Film zwar vieles davon, dass Menschen sich emanzipieren müssen, aber ohne Zeus geht es dann eben doch nicht – und zu ihm zu beten, ist auch okay. Abgesehen von der Tatsache, dass Zeus Perseus durch Vergewaltigung zeugte, wirkt das Ganze nicht besonders griechisch.
Was auch für die Schauspieler gilt. Gerade geht durchs Internet die Aufregung der Fanboys, weil der schwarze Schauspieler Idris Elba, der in The Wire großartig war, in einer Verfilmung von Thor den nordischen Gott Heimdall spielen soll. Schließlich seien die nordischen Götter nun mal leider nicht schwarz. Dass aber normale westeuropäische Schauspieler Griechen, Inder, Asiaten und alles andere darstellen, ist egal.
Der obige Absatz entstand, weil es interessanter ist, über etwas beliebig anderes zu schreiben als über diesen Film. Kampf der Titanen ist grottenschlecht. Die Dialoge sind gruselig, die Story ist grauenvoll, und beides kümmert wahrscheinlich den hirnabschaltenden Kinogänger nicht einmal. Aber die Actionszenen sind unfähig inszeniert und die Effekte sehen wirklich richtig schlecht aus, was bei Computereffekten dazu führt, dass jegliche Spannung verloren geht – zu deutlich ist, dass die Schauspieler nicht mal denselben Raum mit den Geschöpfen teilen.
Die Monster sind allesamt schlecht designt, sie stammen aus der “graue Haut und Sehnen”-Schule. Riesenskorpione erwachsen unerklärlicherweise aus Blutstropfen, schreien wie Godzilla und werden dann von Baumhirten gezähmt. Dann baut man Zelte auf ihnen auf und nutzt sie als Reisetiere, was mich dazu brachte, im Kino laut zu lachen, so albern sah das aus. Niemand fühlte sich übrigens durch das Lachen gestört. Die Baumhirten helfen den Helden und dann irgendwann nicht mehr, weil die Helden erst prophezeit wurden und dann aber eine andere Prophezeiung kommt. Oder so. Und die Baumhirten sind Araber, weshalb sich der Chefbaumhirte auch als Selbstmordattentäter entpuppt und versucht, das willfährige Weib Medusa mit in den Tod zu reißen.
Medusa wiederum wurde von Poseidon vergewaltigt und deswegen von Athene verflucht, eine gruselige Geschichte, die recht ausführlich erzählt wird, aber nicht dazu führt, dass man dieses Geschöpf irgendwie sympathisch macht – die Medusa ist trotzdem einfach nur Monster. Und dann kommt der Kraken und taucht eine halbe Stunde lang aus dem Wasser auf, damit er sich die Wartezeit auf Perseus vertreiben kann, der ihn dann gerade noch rechtzeitig, puh, tötet.
All das ist langweilig, langweilig, langweilig. Kampf der Titanen ist ein Phänomen. Ein Film über das mythische Griechenland, das griechische Mythen mit den Füßen tritt. Ein Film von neunzig Minuten, der sich anfühlt wie drei Stunden. Ein teurer Actionfilm, dessen Action und Effekte billig wirken. Und trotzdem ein Film, dessen Fortsetzung bereits beschlossene Sache ist.
Kampf der Titanen ist ein fauler Film. Den Filmemachern ist es anscheinend egal, ob der Film irgendetwas sehenswertes an sich hat. Sie kurbeln bewegte Bilder ab, von lauter Musik untermalt, und denken sich, dass dieser Mist schon gefressen wird. Und wird er anscheinend. Man muss nicht erwähnen, dass die Story, die Dialoge, die Charaktere allesamt hanebüchen sind. Dass die Musik scheiße ist. Dass selbst bessere Schauspieler hier nichts mit anfangen können und Sam Worthington in der Hauptrolle eine Nullnummer. Dass der Film weder Spannung noch Dramatik noch Tempo noch irgendetwas ähnliches aufweisen kann. Dass die einzigen Darsteller, die nicht kaukasisch aussehen, die Witzfiguren des Filmes sind. Dass die Frauen schlecht abschneiden und die beste Frauenrolle als Hintergrund hat, dass Zeus sie vergewaltigen wollte, sie ihn aber abweisen konnte, woraufhin er sie verfluchte – und am Ende schenkt Zeus diese Frau dann seinem Sohn. Happy End?
Der Götterhimmel blitzt und flimmert wie weiland Excalibur – mit Zeus in seiner silbernen Waberrüstung, mit den Baumhirten, mit so viel in diesem Film hätte man zumindest eine Art Kultfilm kreieren können, ein Fest des schlechten Geschmacks, aber dafür nimmt sich der FIlm viel zu ernst. Man soll gefälligst cool finden, dass Perseus in einem Zelt auf dem Rücken eines Skorpions reist.
Der einzige gute Fetzen in diesem Film ist Ralph Fiennes, weil der immer sehenswert ist. Aber der ist längst nicht oft genug zu sehen, um auch nur zu rechtfertigen, Kampf der Titanen im Abendprogramm des Fernsehens zu gucken. Nicht so schlecht, dass es wieder gut ist. Einfach nur so richtig, richtig, richtig, richtig, richtig, richtig schlecht.
Richtig schlecht.

Comments 1
Der Witz ist, daß “Kampf der Titanen” ein Remake ist. Tatsächlich ist das Original, trotz der damaligen Beschränkheit was die Technik betrifft, um Welten besser und es gehört viel dazu, wenn ich ein Remake in die Tonne kloppe.
Man wird nie richtig warm mit einen der Protagonisten und besonders hat mich deren Sprunghaftigkeit genervt; Mal wird über die Götter geschimpft und man will sich von ihnen lossagen, dann aufeinmal sind die menschlichen Charaktere wieder auf Seiten der Götter.
Bei den Göttern dasselbe; Mal will Zeus die Menschen für ihre Aufgebehren bestrafen und in einer Minute hält seine Hand schützend über sie.
Ja, what den nu?
Reden die Charaktere die ganze Zeit aneinander vorbei oder hab ich eine Szene verpaßt als ich mit dem Augen gezwinkert habe?
Und seit Disney Herkules darf Hades schön den Bösewicht abgeben, ohne dessen sarkastische Ader zu haben(-.-);
Auch die Kampfszenen sind öde und vorsehbar, man konnte schon sehen, wer überlebt und wer nicht.
Langweilig.
Es gibt zwei Dinge, die mir gefielen; 1) ein Injoke bezüglich auf das Original (auch wenn man das als Arroganz nennen kann, immerhin spielt die mechanische Eule Budo als Führer eine wichtige Rolle, im Remake packt Perseus sie dann achselzuckend zu Seite ) und 2) der schwarze Pegasus (ein Friese mit Flügel *geilo =D), aber selbst ein Götterpferd kann keine Herkulesarbeit vollbringen und einen Film alleine tragen.
Posted 15 Mar 2011 at 23:21 ¶Post a Comment