Der erste Iron Man war ein ziemlich guter Film, der in der letzten halben Stunde zu einem eher durchschnittlichen Haudrauf wurde. In der Fortsetzung gibt es von allem mehr: mehr Robert Downey, Jr, mehr computeranimierte Roboter, mehr Plots, mehr halbgare Politik.
Leider macht das Iron Man 2 nicht besser.
Iron Man bzw. Tony Stark hat in der Zeit zwischen den Filmen »den Weltfrieden privatisiert«. Anscheinend ist durch die Bedrohung des eisernen Mannes die Welt so friedlich wie nie zuvor, was wie der feuchte Traum eines Militärfetischisten klingt. Wie der feuchte Traum von Guido Westerwelle wiederum klingt, wie sich Tony Stark gegen die Versuche wehrt, seine Technologie dem Staat auszuhändigen bzw. regulieren zu lassen – obwohl der Film eindrucksvoll zeigt, zu welchen Gefahren das führt. Jedenfalls tauchen neben Scarlett Johansson als eine mögliche Nebenbuhlerin für Gwyneth Paltrow auch Mickey Rourke und Sam Rockwell als neue Bösewichter auf, und Don Cheadle spielt neuerdings den schwarzen Kumpel des Eisernen.
Rockwell hat ein paar sehr gute Szenen, aber auch das Problem, mehr als andere mit Rourke zu spielen, und Rourke ist großartig in diesem Film. Es ist, als würde er in einer ganz anderen Geschichte mitspielen, und alle Nachlässigkeiten des Drehbuchs perlen von ihm ab. Scarlett Johansson ist ausdruckslos, aber sexy und kann Leute mit ihrer Vagina töten, und Downey Jr spielt sich selbst, das aber sehr unterhaltsam. Allerdings schwankt Iron Man 2 dadurch oft zwischen Screwball-Komödie und pseudo-ernstem Comicfilm und wirkt daher etwas unausgegoren.
Die Regie ist auch nicht gerade perfekt. Jon Favreau inszeniert mehr oder weniger wie im Fernsehen: seine Kamera ist schnörkellos mit festen Einstellungen, vor allem vielen Großaufnahmen. Das passt zu den Komödienelementen, aber erzählerisch tritt die Kamera nie wirklich in Erscheinung. In Actionsequenzen ist das verhängnisvoll, weil weder die Geografie wirklich klar wird, noch atemloses Tempo vorherrscht. Schlimmer aber für die Action ist noch, dass dann regelmäßig die Eisenpanzer regieren und man von den Schauspielern nichts mehr sieht. Darum sind die besten Actionmomente auch die erste Begegnung zwischen Stark und Rourkes russischem Rächer, wo Tony nicht im Anzug steckt, und der Angriff einer Shield-Agentin auf einen geheimen Stützpunkt. Ansonsten herrscht unübersichtliche und unauffällig fotografierte Computeranimation vor, die einfach nicht spannend ist.
Das Drehbuch ist allerdings der größte Schwachpunkt. Tony Stark, so erfahren wir, wird von dem Generator in seiner Brust vergiftet – blaue Linien ziehen sich über seinen Körper. Allerdings ist er deshalb nicht schwächer, langsamer, irgendwie gesundheitlich angegriffen, und dann wird er mal eben geheilt. Tony Stark trinkt außerdem zu viel und feiert betrunken als Iron Man. Allerdings ist er deshalb nicht weniger zielsicher oder leistungsfähig, und dann ist er einfach nicht mehr betrunken. Don Cheadle steuert einen eisernen Anzug, obwohl er erstens noch nie in einem war und zweitens keinen Reaktor in der Brust trägt. Justin Hammer ist angeblich der größte Konkurrent von Tony Stark, aber all seine Waffen taugen nichts – nicht einmal die gar nicht sexistische Minibombe, die “Exfrau” heißt. Gwyneth Paltrow ist die ganze Zeit über sauer und genervt von Tony, aber dann plötzlich total verliebt. Dazu die neoliberalen und reaktionären Anwandlungen, die das eigene Skript bereits widerlegt, und die Feigheit, auch nur einen einzigen Tod zu zeigen – da wird geschossen und explodiert, aber niemandem passiert was, und die vielen bösen Eisenmänner sind freundlicherweise unbemannte Drohnen.
Schließlich bleibt Mickey Rourke, dessen Wissenschaftler tatsächlich einen echten Grund hat, sich an Tony Stark rächen zu wollen – und Rache scheint sein einziges Ziel zu sein. Er will einfach nur, wie ein guter Russe, die Welt brennen sehen, aber der Ursprung dieses Wunsches ist verständlich. Das wird am Ende aber ebenso vergessen, damit Rourke ebenfalls einen Roboter anziehen und dann als einziger sterben darf.
Iron Man 2 existiert eigentlich nur, damit Leute kämpfende Roboter sehen können, und gleichzeitig sind gerade das die langweiligsten Momente in diesem durchschnittlichen, mal mehr, mal weniger unterhaltsamen Effektspektakel.

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