Letzte Woche war ja “Zeichnet Mohammed“-Tag, an dem man aufgerufen war, als Zeichen der Meinungsfreiheit den islamischen Propheten zu zeichnen. Was ich getan habe. Jetzt lese ich bei PZ Meyers, dass bei Facebook der Aufruf zum Erforsche den Holocaust-Tag zu finden sei.
Und während ich zustimme, dass Holocaust-Leugnen nicht unbedingt ein Zeichen von freiem und kritischem Denken ist, legt dieser Aufruf doch den Finger in die Wunde.
Seems rude? Or insulting? Or immoral? Actually it doesn’t matter. Because the secular brand of Freedom of Speech never cares about any of the above. Right?
(…)
Now, I have a simple question for you guys. Am I as free as you? May I practice my Freedom of Speech too?
Let’s research critically about the Holocaust then.
Tatsächlich liegt in genau diesem Bereich in Deutschland und anderswo eine Begrenzung der Meinungsfreiheit vor: Das Leugnen des Holocausts ist verboten. Ich halte das für einen großen Fehler, wie der Aufruf des o.g. Idioten zeigt.
Denn so kann er sich aufspielen und den »ach so« freien Westen denunzieren, der es zulässt, muslimische Werte zu beleidigen, aber ureigenste »Mythen« nicht angetastet sehen wolle. Natürlich ist das Zeichnen von Mohammed nicht dasselbe wie das Verleugnen der Millionen Opfer des Nazi-Regimes, aber so wird er es darstellen.
Was ist die Alternative? Die Alternative wäre, tatsächlich kritisch den Holocaust erforschen zu lassen, meinetwegen mit der Hypothese, er habe nicht stattgefunden. Denn wer sich kritisch damit befasst, wird unweigerlich zu der Antwort kommen, dass er stattgefunden hat – oder aber er bekennt sich als Ideologe, der die Wahrheit gar nicht wissen möchte.
Es ist Kennzeichen der wissenschaftlichen Vorgehensweise, dass »Wirklichkeit« immer nur ein temporäres Phänomen ist – es können jederzeit Fakten entdeckt werden, die das Bild der Wirklichkeit umwerfen. Gleichzeitig können neue Fakten aber dieses Bild auch festigen oder nur im Detail ausleuchten – so, wie die Erde nicht wirklich eine »Kugel« ist, aber sich eben auch nicht als Scheibe oder Banane herausgestellt hat. So, wie unser Verständnis von Evolution sich wohl ändern mag, die Evolution an sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach als Tatsache Bestand behalten wird.
Dazu bedarf es aber auch freier Forschung. Und man soll auch den Holocaust frei erforschen können – denn wir wissen ja, dass er stattgefunden hat. Allenfalls können neue Erkenntnisse unser Bild dieses Ereignisses verfeinern. Außerdem würden Leute, die den Holocaust demonstrativ »kritisch« erforschen wollten, entweder ebenfalls von seiner Echtheit überzeugt oder sich selbst disqualifizieren, anstatt dass wir als Buhmänner und Doppelmoralisten dastehen.
Es ist natürlich mühselig, wenn Wissenschaftler feststehende Fakten gegenüber ignoranten Ideologen verteidigen müssen, weil diese sich nicht die Mühe machen, wirklich zu forschen oder Argumente zu entkräften. Das erleben Evolutionsbiologen bei Kreationisten ständig, das sieht man auch bei den sogenannten Klima-Skeptikern oder den Verschwörungstheoretikern zum 11. September. Und die ignoranten Ideologen können tatsächlich dafür sorgen, dass Menschen, die es nicht besser wissen, aber die Ideologie teilen, von der wahren Faktenlage abgelenkt werden, weil sie z.B. eher ihrem Priester als dem »Evolutionisten« glauben.
Aber wenn wir hoffen, dass die Wahrheit und bessere Argumente sich durchsetzen, dann muss man Lügen und schlechte Argumente zulassen. Wenn sie sich aber nicht durchsetzen – dann können wir eh aufhören, oder? Dann gebt Andrew Wakefield den Nobelpreis.

Comments 2
Aber kritische Holocaustforschung ist doch unproblematisch möglich. Oder würdest Du behaupten, die bisherige Holocaustforschung sei unkritisch gewesen. Den Holocaust unter der Prämisse zu untersuchen, er habe nicht stattgefunden wäre aber nicht kritische Wissenschaft, sondern Unsinn.
Das Verbot der Holocaustleugnung wiederum ist natürlich ein Eingiff in die Meinungsfreiheit – genauso wie andere Aufrufe zum Rassenhass und Beleidigungen die Meinungsfreiheit einschränken. Meinungsfreiheit ist glücklicherweise kein absolutes Recht, weder im Grundgesetz, noch in der westlichen Menschenrechtstradition. Dass Lügen und schlechte Argumente das Potential haben, sich gesamtgesellschaftlich durchzusetzen hat die Geschichte (nicht nur Deutschlands) eindrucksvoll gezeigt. Aso ziehen wir lieber Grenzen, bevor es zu spät ist.
Posted 28 May 2010 at 12:57 ¶Hm, aber damit wird der Staat zum Richter über die Wahrheit. Und wenn der Staat erst Mal entscheiden kann, was historischer Fakt bzw. Wahrheit ist – kann der Iran verbieten lassen, den Holocaust als real zu bezeichnen? Das ist mir zu riskant, dann lieber alles zulassen und hoffen, dass die Wahrheit gewinnt.
Zudem macht man so eben die Botschaft dieser Leute verführerischer: das, was uns die Obrigkeit nicht sagen will. Was sie unterdrückt. Weil die Wahrheit unbequem ist. Und so weiter…
Ich weiß nicht, ob man theoretisch mit der Hypothese forschen kann, der Holocaust sei eine Erfindung. Zumindest in Deutschland. Womöglich nicht. Natürlich ist das “kritisch” in der Rhetorik solcher Leute nicht wirklich als bewertend und nüchtern auf Argumente hörend zu verstehen, sondern als ideologisches Leugnen. Aber es verbietet ja auch niemand, Vererbungslehre unter der Prämisse zu erforschen, die Evolution sei eine Lüge – das ist genauso ein Unsinn.
Posted 28 May 2010 at 13:05 ¶Post a Comment