Falsch verstanden

Ich bin ein großer Freund der Idee eines staatlichen Fernsehprogramms. Ob man es mag oder nicht, das Fernsehen ist das wichtigste Kultur- und Informationsmedium unserer Zeit, und wenn die Sender ins Internet expandieren, erhöht sich dieser Stellenwert nur noch. Gleichzeitig zeigen die Bereiche Kultur und Information, dass freie Märkte nicht den Anforderungen einer Gesellschaft genügen – die Jagd nach dem Kunden führt zu Marktschreierei und dem, was gemeinhin als »Unterschichtenfernsehen« verschrien wird. Öffentlich-Rechtliche Sender können da einen Gegenpol bieten, wie z.B. die BBC in England beweist, die neben populären Programmen auch immer wieder qualitativ hochwertige Formate produziert.

Womit wir beim Problem sind.

Denn die deutschen öffentlich-rechtlichen schaffen es nicht, eine der BBC auch nur ansatzweise vergleichbare Rolle zu spielen. Mit Ausnahme der teuer bezahlten Sportsendungen gibt es dort nur behäbig-altertümliche Formate oder aber Kopien der Sendungen, die auch in den Privaten zu sehen sind. Und Selbstkritik findet man hier natürlich auch nicht, eher Postenschiebereien. Und im Internet kann man denn auch die Informationen, die man bei den öffentlich-rechtlichen nicht findet, selbst suchen.

Ich kann mir also gut vorstellen, dass es immer mehr Leute gibt, die auf einen Fernseher verzichten. Ich gehöre dazu, und ich kenne auch einige Menschen persönlich, die ohne Fernseher auskommen. Und die Kosten für Bundesliga, Weltmeisterschaft und Olympia werden auch immer höher. Also haben die öffentlich-rechtlichen Programme Finanzierungsprobleme. Die GEZ-Gebühr wird ohnehin immer erhöht, und jetzt soll eine Abgabe kommen, die jeder Haushalt unabhängig vom Vorhandensein eines Geräts zahlen soll.

Das ist nicht die Lektion, die zu lernen war. Die öffentlich-rechtlichen tun sich sehr schwer, den Rundfunkstaatsvertrag zu erfüllen. Als Zuschauer habe ich einzig die Möglichkeit, sie dafür finanziell zu strafen, indem ich einen Fernseher abschaffe. Diese Möglichkeit soll nun auch genommen werden.

Mein Problem ist nicht einmal die Haushaltsabgabe – wie gesagt halte ich die Idee des öffentlichen Rundfunks für eine gute, und eine Haushaltsabgabe ist für mich nicht verwerflich. Allerdings sollte das, wofür der Staat bezahlt – wofür also die Bürger bezahlen – auch entsprechend kontrolliert werden und zu entsprechenden Formaten führen, die in der Gesamtmenge jeden ansprechen, nicht nur die Rentner und die Sportfans. Man sehe sich die lange Reihe von erfolgreichen Eigenproduktionen der BBC an, die diese zu besten Sendezeiten ausstrahlen, ob es nun Dokumentationen, Filme, Shows oder Serien sind. Und man suche verzweifelt nach ähnlichen Dingen bei ARD und ZDF.

Wenn es nur darum geht, dafür zu bezahlen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender unter Beweis stellen, private Sender noch unterbieten zu können, indem sie nämlich niveaulos und langweilig sind, dann wirkt die GEZ doch weniger wie die Unterstützung einer gesellschaftlichen Funktion und eher wie die Protektion einer Senderfamilie, wo man Parteifreunden einen Posten verschaffen kann.

Und dann bin ich auch dagegen.

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